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Reichesdorfer Bote

    Jahrgang 23, Ausgabe 40                                                                                                              April 2009  

 
 

 
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Liebste Mutter
Liebste Mama
Für unsere Kleinsten
Liebe Reichesdorfer
Zur goldenen Hochzeit
Wie es früher war
Ablauf 11. Reichesdorfer Heimattreffen
Reichesdorfer im Baumarkt
Unser Skiwochenende 2009
Anlässlich meines 60. Geb. ein Rückblick
Personenkult
Liebe Reichesdorfer

Reisebericht

Unsere Jubilare 2009
Für unsere Jubilare ein Psalmlied
Siebenbürger Genealogie
 

Liebste Mutter

Schon immer wollte ich Dir sagen
wie sehr ich Dich mag
und von so vielen anderen Tagen
ginge es besser als am Muttertag?

Solche wie Du, die allen,
müssen starke Nerven haben:
Unsinn treibend, frech, hingefallen,
sich an Süßigkeiten laben,
euch mitten in der Nacht geweckt,
von oben bis unten mit Erde verdreckt.

Das musst Du an uns Kindern ertragen
und das ist wirklich viel!
Dass mir das schon immer gefiel...
Danke, will ich damit sagen.

Und auch die schönen Zeiten sind
nicht wenige, ich geb´s zu,
die schönsten mit dem Kind

Meine Mutter, das bist Du,
nahm die Blumen an mit Danken,
verteilte nie zu viel des >ja<.
Und geriet ich mal ins Schwanken
Warst du als Erste da.
Ich sang Dir meine Kinderlieder,
egal wo, egal wann, immer wieder.

Und auch wenn sie andere stören,
wolltest Du sie immer wieder hören.

Liebste Mutter,
ich weiß nicht, wie ich
Dir für all das danken kann,
bist du doch all das für mich.
Aber ich werde es versuchen:
Danke ♥

Elisabeth Riemesch


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Liebste Mama

Wie soll ich es nur sagen?
Wie ich dich beschreiben soll.
Gott gab dir viele gute Gaben,
Mama, du bist einfach toll.

Nein, das klingt zu fad, zu steif!
Ich versuche es mal hier:
Ganz erwachsen und sehr reif:
Mutter, du bist die Liebste mir.

Na? Klingt das nicht toll?
Naja, wie wär´s mit diesem Reim:
„Ey, Alte! Ich mag dich voll!“
Hilfe! Mir fällt nichts mehr Gutes ein!

Ich kann es nicht lassen,
Doch mein Kopf ist nun wie ein Sieb.
Ich werde es jetzt ganz kurz fassen:
LIEBE MAMA, ICH HAB DICH LIEB!


Katharina Nemenz


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Für unsere Kleinsten

Kleine Maus, ich liebe dich

Es lebte einmal eine kleine Maus, die stets und ständig Fragen stellte. Zum Glück hatte sie eine Großmutter, die auf alles eine Antwort wusste. Die beiden verstanden sich gut. „Großmutter“, fragte die kleine Maus eines Tages, „was ist Liebe?“
„Liebe?“, lachte die Großmutter. „Oh, das ist einfach, kleine Maus! Komm mit und ich zeig´s dir!“
Großmutter und die kleine Maus gingen los und trafen im Garten Großvater, der sein Gemüsebeet umgrub. „Psst!“, flüsterte Großvater und zeigte auf einen Zweig, auf dem eine Zaunkönig-Mutter ihren Küken das Fliegen beibrachte.
„Genauso, wie du und Großvater mit etwas beibringen!“, sagte die kleine Maus leise.
Hinter dem Gartentor lag der Wald, und es dauerte nicht lange, bis die kleine Maus eine Eichhörnchen-Mutter entdeckte, die ein paar im Herbst versteckte Eicheln ausgrub und an ihre Kinder verteilte.
„Genauso, wie ihr beide das Essen, das ihr kocht, mit mir teilt!“, rief die kleine Maus.
Als sie den Wald verließen, kamen sie an eine Wiese. Die kleine Maus war gern dort und sah den kleinen Kaninchen zu, wie sie vor ihrem Bau herumhüpften. Aber heute hatte sich ein kleines Kaninchen die Pfote an einem scharfen Stein verletzt, und die Kaninchen-Mutter lag neben ihm und sorgte für ihr Kind, bis es ihm besser ging.
„Genauso, wie du an meinem Bett sitzt, wenn es mir schlecht geht“, murmelte die kleine Maus.
Ganz in der Nähe war eine Weide. Die kleine Maus erblickte ein Lämmchen, das hin und her lief und ängstlich zu einem Schäferhund sah. Aber da kam schon die Schaf-Mutter aus der Herde herbeigelaufen, und das Lämmchen schmiegte sich an sie. „Siehst du“, lächelte Großmutter, „die Mutter hat ihrem Kleinen gesagt, dass es vor dem Schäferhund keine Angst zu haben braucht. Er passt ja auch die Schafe auf.“
„Genauso, wie du mir sagst, ich soll keine Angst haben, wenn ich mich einmal fürchte!“
Als sie an der Weide vorbeigegangen waren, kamen Großmutter und die kleine Maus zum Ententeich. Da hörten sie das Quaken von vielen Entchen, die hinter ihrer Mutter herpaddelten. „Diese Entchen werden auch einmal groß, nicht wahr?“, fragte die kleine Maus. „Glaubst du, ihre Mami wird sie vergessen, wenn sie sich um neue Küken kümmern muss?“ „Nein“, sagte sie Großmutter. „Sie wird keines je vergessen!“
„Genauso, wie du mich nie vergessen wirst!“, sagte die kleine Maus.
Als es dunkel zu werden begann, machten sich Großmutter und die kleine Maus auf den Heimweg. Sie kamen an einer Scheune vorbei und hörten drinnen den Schrei einer Eule. Die kleine Maus spähte durch die Tür und sah eine Eulen-Mutter, die ihre Kleinen zärtlich pickte, bevor sie in die Nacht davonflog.
„Genauso, wie du mir einen Gutenachtkuss gibst“, flüsterte die kleine Maus. „Ja“, meine Großmutter. „Obwohl es für die Eulen ein Guten Morgenkuss ist!“ Und beide lachten.
Nun war es Abend geworden, und Großmutter lief mir der kleinen Maus schnell nach Hause. Bald sahen sie Großvater am Gartentor winken.
„Großmutter“, sagte die kleine Maus. „All das, was ich heute gesehen habe. All das zusammen – ist das Liebe?“ „Weißt du“, sagte Großmutter, „ich glaube, so ist es.“
An diesem Abend stand die kleine Maus mit ihrer Großmutter am Fenster und dachte an all das, was sie erlebt hatte. „Es war ein schöner Tag“, flüsterte die kleine Maus. „Ich liebe dich, Großmutter, und Großvater auch.“
„Und ich liebe dich, kleine Maus“, sagte Großmutter. Und dann gab die kleine Maus ihrer Großmutter einen dicken Gutenachtkuss und tippelte in ihr Bettchen.

Dugald Steer


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Liebe Reichesdorfer

Wir bedanken uns ganz herzlich bei euch, dass ihr unserer Aufforderung nachgekommen seid, und euch neu in das Mitgliederverzeichnis unserer HOG angemeldet habt!
Unsere neue Liste umfasst mittlerweile 319 Namen, verteilt auf 158 Adressen.
Für alle anderen, die an unserer Reichesdorfer Gemeinschaft Interesse haben, besteht auch die Möglichkeit, am Heimattreffen Mitglied zu werden.
Im Frühjahr dieses Jahres bekam unsere HOG eine Zuwendung von 500,00 !
Den großzügigen Spendern Helga und Michael Binder, Familienangehörige unseres ehemaligen Pfarrers Hans Binder, möchten wir unseren herzlichen Dank aussprechen!  

Susi


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Zur goldenen Hochzeit

Wir gratulieren dem Goldenen Hochzeitspaar

Kaum zu glauben – 50 Jahr!
Ja, wenn man fest im Leben steht
Die Zeit besonders schnell vergeht.
In guten und in bösen Tagen
Habt ihr euch immer gut vertragen.
Weil euer Bund sich hat bewährt

Seid ihr geehrt!
Seht euch um im Freudenkreise!
Für die weitere Erdenreise,
Wünschen wir zum Lebensglück
Dem Goldenen Paar
Ein großes Stück.


Liebe Glückwünsche zur Goldenen Hochzeit von Eurer Tochter Emma mit Csabi, Hugo und Uwe Simon.

Wir gratulieren unserer Mutter und Oma Emma Hügel, geb. Fernengel, zu ihrem 70. Geburtstag am 3. April!
Mit Blick nach vorne, möge eine in allem gute Zeit auf dich zukommen!

Es gratulieren Dir Deine Kinder und Enkelkinder


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Wie es früher war

Osterbräuche bei uns im Dorf  

Wahrscheinlich war es die Freude, dass Ostern und der Frühling zugleich eintrafen und gemeinsam gefeiert werden konnten. Ich möchte gleich mit der Vorbereitung und Vorfreude zu Ostern beginnen: das Tannenäste aufstecken- det Afsatzen. Am Sonnabend vor Palmsonntag warteten alle Mädchen darauf, von uns Jungen einen Tannenast zu bekommen und der sollte so groß und so lang sein, wie nur möglich. Der wurde dann mit einem Seil und einem Stock- Kläppel- im Giebelloch befestigt. Am Morgen des Palmsonntags wunderten sich die Nachbarn: doi daist jö schar den Giwel af de Gass! (Der zieht ja fast den Giebel raus!)
Daran litten allerdings die Tannen bei uns im Dorf, sie bekamen die Form einer Palme: einen langen schlanken Stamm und oben eine kleine Krone. Ich glaubte damals, Tannen würden so wachsen! Doch die Jungen und Burschen, die dieses Werk vollbrachten, waren sehr stolz auf ihre Leistung, denn nur der durfte am zweiten Ostertag zu den Mädchen „bespritzen“ gehen, der auch „aufgesetzt“ hatte.
Dann endlich Ostern! Schon am ersten Ostertag, nach dem Gottesdienst, fragten die Jungen die Mädchen: „Huet den Motter gegelwt, kennen mir besprätzen kun?“ (Hat deine Mutter Ostereier gefärbt, können wir zum „Bespritzen“ kommen?) Zu dem Wort „gelwen“ möchte ich auch ein paar Bemerkungen machen, auf Deutsch: Eier färben. Ich kann nicht sagen, wie „gelwen“ eigentlich zu übersetzen wäre. Ich will es ein bisschen erklären: es war nicht nur gekochte Eier in Farbe zu tauchen, denn „gelwen“ forderte sehr viel Liebe und Geduld. Die Mutter packte die Eier mit Schierlingblättern (Schnittlauch) und Veilchen und einer Schicht roter Zwiebelschalen in einen Lappen und kochte sie dann. Was da herauskam war ein kleines Kunstwerk, nur ein bisschen blass. Es wurde dann mit einer Speckschwarte hoch poliert und dann konnte es sich zeigen!
Zum Bespritzen gingen dann die Jungen einer Schulklasse. Wir baten um die Erlaubnis, bespritzen zu dürfen, das Mädchen stimmte zu, neigte den Kopf und wir bespritzten, aber sparsam, denn das Gläschen sollte bei allen Mädchen reichen- und für die Tanten sollte auch noch etwas übrig bleiben! Danach bedankte sich das Mädchen, holte den Teller mit den schönen Eiern, hielt ihn vor und jeder nahm sich eines der schönen Eier. Manchmal gab es auch ein Bonbon dazu. Alles Erhaltene verschwand in den Hosentaschen, tauchte erst zu Hause wieder auf und wurde auf einem Teller geordnet- nach dem Wert der gelungenen Kunst. So wurden die Eier auch verzehrt- unter dem Pfirsichbaum bei der Arbeit. Im Sommer, beim Hacken saß man (mittags) unter demselben Baum, hob eine der da liegenden Eier-schalen auf und erinnerte sich noch einmal kurz an Ostern.
Und jetzt zum eigentlichen Grund, weswegen ich diese lange Einleitung gemacht habe:
Im Jahre 1953, wir waren schon erwachsene Burschen, erlaubten uns schon ein bisschen ausgelassen zu feiern. Es war wieder Ostern und wieder gingen wir bespritzen. Wir waren schon beim vierten oder fünften Mädchen. Die Gläschen Wein fingen an, ihre Wirkung zu zeigen. Wir waren eine stattliche Gruppe Burschen und bewaffnet mit unseren Parfumflaschen und nicht nur…, gingen wir zu Anna Schuster Nöß, in ein etwas nobleres Haus. Wir gingen die ungewöhnlich breite und hohe Treppe hoch. Drinnen erwartete uns ein großes, frisch gestrichenes Zimmer. Die Wände waren in ziemlich große Quadrate eingeteilt, jedes Quadrat mit einem anderen Rollmuster bemalt, und auf einigen waren zusätzliche Muster aufgebracht- z.B. Fliegenpilze oder Pflaumen. Ich hatte eine so schöne Wandbemalung noch nie gesehen!
Drotleff Sam hatte statt Parfumflaschen zwei große Flaschen mit Brunnenwasser dabei. Wir baten um die Erlaubnis bespritzen zu dürfen. Anna erlaubte es, bückte sich ein bisschen und wir gingen ans Bespritzen. Sam holte eine seiner Flaschen, die mit einem nicht so sauberen Tuch zugebunden war. Er holte weit aus, auf einmal flog der Fetzen im großen Bogen direkt an die Wand, auf ein Pärchen kunstvoll aufgemalter Pflaumen! Das Wasser aus der Flasche traf Anna direkt ins Gesicht, tropfte an ihrem Kinn herunter und sie stand pudelnass vor uns. Von unserem Bespritzen war sie nicht allzu begeistert, dankte aber doch dafür und wir saßen danach trotzdem noch schön beisammen bei Kuchen und Likör und waren guter Dinge.
Warum ich all das erzählt habe? Als wir unlängst einmal vor Ostern Bezirkskirchenversammlung hatten, fragte ich Anna: „Anna, kommst du nicht nach Reichesdorf, damit ich habe, wohin ich bespritzen gehen kann?“ Sie sagte nur: „Wieder mit der Flasche mit dem Fetzen dran?“
So haben wir über die langen Jahre dieselben Erinnerungen!

Kurator Schaas, Reichesdorf


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Ablauf 11. Reichesdorfer Heimattreffen 

Freitag:
Vorstand und erweiterter Vorstand: Besprechung (Themen, die zu behandeln sind, bitte beim Vorstand einreichen!)
Gemütliches Beisammensein
aller am Freitag Angereisten Reichesdorfer.
(Es steht uns ein Raum zur Verfügung)

Samstag
10.00 Uhr Chorprobe (kann, je nach Anreisezeit-punkt der Sänger, auch später stattfinden).
Alle anderen: freie Zeiteinteilung.

13.30 Uhr Abfahrt mit dem Bus zur Kirche
14.00 Uhr Gottesdienst in der ev. Kirche in Friedrichroda: Geh aus, mein Herz, und suche Freud
16.00 Kaffee und Kuchen
18.00 Begrüßung und Ansprachen:
Bericht des Vorstandes:
1. Was war seit dem letzten Treffen?
2. Ausblick auf die nächsten 2 Jahre
Bericht des Kassiers
Bericht über die Neugestaltung des Skitreffens
Etwas zum Thema „Onlineshop“

Wahl des neuen Vorstandes (Vorschläge vor Ort)

20.00 Uhr Gemütliches Beisammensein mit Tanz und Musik.
Sonntag Gemeinsames Frühstück

 


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Reichesdorfer im Baumarkt


Liebe Reichesdorfer, ich möchte euch berichten,
was mich heute bringt zum Dichten.
In Versen will ich diesmal sagen,
was mir passierte vor ein paar Tagen.

Im Baumarkt kaufte ich einen Sack Zement
und schob den Wagen zur Kasse ans and´re End.
Hier musste ich eine Weile warten,
weil ein Mann und eine Frau vor mir bezahlten.

„Irgendwo“, dachte ich, „hab´ ich sie schon geseh´n!“
Dann aber blieb mir mein Gedanke steh´n.
Sie gingen hinaus ohne etwas zu sagen,
dann zahlte ich und legte die Brieftasche in den Wa-gen.

Ins Auto hab´ ich dann den Sack gebracht,
aber an die Börse nicht mehr gedacht.
Kaum zu Hause angekommen,
mit dem Abendessen grad´ begonnen,
klingelte es schon an der Tür
und - der Mann von der Kasse stand wieder vor mir.

Was er wissen von mir wollt´:
Ob der Drotleff Karl hier wohnt?
Ich dachte nicht gut gehört mit meinen Ohren,
da er fragte: „Haben Sie nichts verloren?“

Mir kam´s sofort in den Sinn zu sagen:
„Meine Brieftasche im Einkaufswagen !“
Hinein guckten sie ins Portmonee,
lasen meinen Namen – „Ein Reichesdorfer, oje, oje!“

Wir baten ihn herein mit seiner Frau.
Wer sie sind, sage ich euch genau:
Anna und Peter Schlosser,
beide „echte“ Reichesdorfer !
Dies war mein Pech und Glück mit dem Einkaufs-wagen.
Mit diesen Zeilen will ich ihnen „Danke“ sagen.
Nordheim, im Juni 2008 Karl Drotleff (R. Nr.192 – Mediasch)


Nordheim, im Juni 2008
Karl Drotleff (R.Nr.192 - Mediasch)

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ – ein wahres Sprichwort, dass auch für unseren Verfasser dieses Gedichts zutrifft. Wie schon ehemals seine Mutter reimte und Verse für verschiedene Anlässe verfasste, so tut es auch der Sohn, um sich auf diese Weise bei den Findern seiner Geldbörse zu bedanken.
Karl Drotleff aus Nordheim dichtet gerne und seine Frau Anna widmet sich der Malerei.
Das hier abgelichtete Bild, (Öl auf Leinwand), das die Reichesdorfer Kirche zeigt, hat sie schon vor vielen Jahren gemalt. Nun haben Anna und Karl Drotleff sich dazu entschlossen, dieses Bild unserer HOG zu stiften. Sie werden es zum Reichesdorfer Treffen mitbringen.
Es besteht dann die Möglichkeit, das Bild meistbietend zu ersteigern.
Liebes Ehepaar Drotleff, für dieses Geschenk bedanken wir uns ganz herzlich!


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Unser Skiwochenende 2009 

„Jeder Abschied kann ein neuer Anfang sein“- so hätte das Motto lauten können, unter dem unser diesjähriges Skiwochenende stattfand. Die Hütte auf der Sattelbergalm in Gries am Brenner stand zum letzten Mal unter Reichesdorfer Flagge. Die Zeit, die wir hier verbringen durften, haben wir auch wieder in bewährter Reichesdorfer Art genutzt.
Die Tatsache, dass die Anzahl Schneesport begeisterter Reichesdorfer etwas geschrumpft ist, tat der Stimmung keinen Abbruch. Von früh bis spät lagen Wiedersehensfreude, gute Laune und das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Luft. Dazu trug einiges bei: allem voran die Kinder, die durch unsere Skiwochenenden zusammengewachsen sind und es genießen, diese kurze, aber intensive Zeit miteinander zu verbringen.
Auch hatten wir wieder die besten Köche „angeheuert“ - ob am Grill, am Herd oder überhaupt in der Küche- leckerste Sachen zubereitet, oder auch schon fertig mitgebracht wurden:
Bratwurst, Palukes, Gulasch, Sauerkraut, Gogonele- um nur einiges zu nennen.
Auch das musikalische Angebot ließ keine Wünsche offen: von volkstümlich über Schlager, Rock, Pop, rumänisch- eine riesige Auswahl! Als „Sahnehäubchen“ dazu haben wir dieses Mal auch selbst gesungen. Unter Anleitung von Hans Hügel, für den Hansi Greger sogar ein Keyboard mitgebracht hatte, versuchten wir uns an vierstimmigem Gesang. Gust Hügel hatte eigens hierfür ein Liederheft erstellt, welches Hans-Christian Hienz liebevoll mit einem Reichesdorfer Cover ausgestattet hatte.
So erklangen an zwei Abenden besinnliche und fröhliche Lieder wie: Geh aus mein Herz; Schön war die Zeit; Reichesdorfer Lied; Wenn alle Brünnlein fließen usw. Ob wir damit den Chor beim Reichesdorfer Treffen vergrößern können? Na ja, jedenfalls bedürfen wir von den echten Sängern das Mutmachen zum Mitmachen!
Hari und Meck hatten es nicht versäumt, wieder Urkunden zu vergeben für Treue am Skiwochenende. Für 10-jähriges Jubiläum wurden geehrt:
Christian, Meta, Ralph und Tina Greger; Johanna Riemesch- mit 6 Jahren zum 5.Mal dabei, bravo!
Viel Applaus gab’s für tatkräftige Mithilfe bei der kulinarischen Versorgung für:
- Brigitte Schaas (backt immer viel und leckeres Brot!)
- Dietmar Schaas (macht Bratwurst- frisch und geräuchert),
- Günter Untch (der Mann kann Gulasch und Palukes machen!),
- Hein und Annemarie Maiterth (beherrschen das Sauerkraut einlegen genauso gut wie Gogonele machen!).
Eine besondere Art „Danke“ zu sagen, ließen wir Mädels uns für Hari, unseren „Boss“, einfallen. Wir rissen ihm das Hemd vom Leib, warfen ihn bäuchlings auf den Tisch und verpassten ihm eine „ordentliche“ Rückenmassage!
Hari ist somit gut vorbereitet, um nach einem neuen Austragungsort fürs Skitreffen zu suchen. Wer ihn dabei unterstützen kann, eine Hütte kennt, die für uns in Frage kommen könnte, darf seinen Vorschlag gern an ihn richten.
Hari hatte, um die Wünsche der Teilnehmer bei der Suche nach einer neuen Hütte berücksichtigen zu können, eine Umfrage gemacht. Dabei ging es um folgende wichtige Aspekte:

1. Zeitpunkt- Faschingswochenende wie bisher?
2. Soll die Hütte direkt an der Piste liegen?
3. Sollen wir uns auch in Zukunft selbst versorgen, da günstiger?

Das Ergebnis war wie folgt: uns ist am wichtigsten, dass das Skitreffen am Faschingswochenende stattfindet, da es hauptsächlich eine an die Jugend gerichtete Veranstaltung ist und mit den Faschingsferien gut zu kombinieren ist. Auch die
Selbstverpflegung lag weit vorne in der Umfrage, vor allem Familien haben dadurch Vorteile.
Als nicht vorrangig sahen es die meisten von uns an, eine Hütte an der Piste zu haben, obwohl das als zusätzlicher Luxus auch nicht schlecht wäre!
Jedenfalls freuen wir uns schon jetzt aufs nächste Treffen, um wieder solch wundervolle Tage miteinander verbringen zu können.
Zum Schluss noch vielen lieben Dank an alle, die sich mit Leib und Seele an der Gestaltung und Durchführung unseres Skitreffens beteiligt haben! 

Susi.


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Anlässlich meines 60. Geburtstages ein kurzer Rückblick! 

Mann oh Mann wie die Zeit vergeht, wo ist die Zeit geblieben?
Es war 1968 als ich als 19 jähriges Stadtmädel nach Reichesdorf kam, um als Kindergärtnerin zu arbeiten.
Es war meine erste Stelle, nach meiner Ausbildung am pädagogischen Lyzeum von Hermannstadt.
Es sollte so manches ungewohntes auf mich zukommen; nicht ahnend dass dies für viele Jahre meine neue Heimat werden würde.
Doch beginnen wir von vorne.
Im September 1968 suchte ich mir ein Quartier und fand eines bei ganz netten Leuten, wo es mir ganz gut ging. Später zog ich zu einem alten Ehepaar und dann noch mal in eine Mansardenwohnung bis ich schließlich meinen lieben Hans heiratete.
Ich lernte Hans bei der Jugend kennen und es hatte sehr bald gefunkt. 1970 heirateten wir und bekamen zwei reizende Mädchen (1971 Heidrun und 1974 Maja), das Glück war perfekt.
Ich fühlte mich in Reichesdorf sehr wohl, wurde respektiert und gemocht, ich kann mit Stolz behaupten, dass ich eine echte Reichesdorferin geworden bin, auch wenn ich nicht dort geboren wurde. Dialekt, Sitten und Gebräuche waren mir sehr bald vertraut und ich kannte alle Leute mit Namen, Hausnummer und bald auch die Verwandtschaften.
Ich übte meinen Beruf als Kindergärtnerin (Erzieherin) gerne aus und tat das von 1968-1982.
Hart war die Bestimmung im Januar 1982 – als ich nicht mehr arbeiten durfte, weil ich einen Ausreiseantrag nach Deutschland gestellt hatte.
Im Februar 1983 reiste ich mit meiner Familie nach Deutschland aus, wo wir auch heute noch in Dachau leben. Mittlerweile hat sich unsere Familie auf 9 Mitglieder vergrößert, Heidrun und Ernst mit Lisa und Alexander, Maja und Helmut mit Franziska und natürlich wir zwei.
Meine drei Enkelkinder sind meine größte Freude. Oft hat mich Heimweh geplagt, manch eine Träne ist geflossen und wenn mich jemand fragte, wonach hast du Heimweh, so war meine Antwort – nach Reichesdorf.
Ihr seht, wie verbunden ich mich mit Reichesdorf gefühlt habe und tue es heute noch.
Hier in Deutschland ging es uns auch gut, ich arbeite hier auch als Kindergärtnerin, Erzieherin wie es hier heißt und dass schon über 25 Jahre. Ich werde aber im September d. J. in meinen wohlverdienten Ruhestand gehen und wenn ihr gut nachrechnet, dann ha-be ich 41 Jahre in meinem Beruf gearbeitet und ich meine das reicht.
Meinen 60. Geburtstag habe ich im Kreise meiner Familie, ein paar Verwandten und Freunden gefeiert.

Vielen Dank für die Glückwünsche 

Heidi Stolz (Reichesdorf 144) 


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P E R S O N E N K U L T

Schlägt man im Lexikon nach so findet man: Personenkult, die Verherrlichung ( der Fähigkeiten ) eines einzelnen Menschen, besonders eines Machtmenschen, sowie die Akzeptanz der ( absoluten ) Unterwerfung)
Das 2o.Jahrhundert war immer wieder geprägt von Machtmenschen, deren Fähigkeiten und Akzeptanz mit einem ganz großen Fragezeichen zu versehen sind. Die Betonung liegt auf dem Worte Macht und diese dann führt zu Machtmissbrauch, verkleidet in Ideologie, welche zur Machterhaltung dient.
Ende der 4o-ger und Anfang der 5o-ger Jahre des letzten Jahrhunderts fand man nicht genügend Superlative um den großen und genialen Generalissimus Stalin zu verherrlichen.
Diesen Personenkult habe ich besonders hautnah, während meiner Kronstädter Schulzeit (1948-1952) erlebt. Überall prangten überdimensionale Bilder, Spruchbänder, ja sogar eine Statue des genialen Führers kam an einen zentralen Platz. Der Höhepunkt war allerdings die Umbenennung Kronstadt`s in Stalinstadt ( Orasul Stalin).

Dieses sei eine kleine Einleitung zu folgender kleinen Geschichte, welche in jener Zeit nur hinter vorgehaltener Hand und einem vorsichtigen Blick in die Runde, erzählt wurde.
Aus einem entlegenen, noch in archaischen Zustand sich befindenden kleinen Bergdörfchen, wo es weder elektrischen Strom, Telefon oder Radio gab und wahrscheinlich auch keine Zeitung gelesen wurde, kam eines Tages, nach langem und beschwerlichen Fußmarsch ein altes Mütterchen in die Stadt unter der Zinne.
Die großen Stalinbilder waren allgegenwärtig und nicht zu übersehen. Immer wider blieb die alte Frau stehen, sah sie an und fragte sich wer wohl dieser bedeutende Mensch sei. Endlich fasste sie sich ein Herz und fragte zaghaft einen Passanten:“ Spune domnule, cine-i acest mare om“. (Sagen sie mein Herr, wer ist dieser große Mensch?). Der Mann blieb stehen und antwortete ihr: „Maicuta, acest om este marele erou care ne-a scapat de nemti“. (Mütterchen, dieser Mensch ist der große Held welcher uns von den Deutschen befreit hat). Treuherzig blickt die Alte, nachdem sie sich bekreuzigt hatte, gen Himmel und sagt: „Da doamne, sa ne scape si de rusi“. (Gib Herr, dass er uns auch von den Russen befreit).
Soweit die hinter vorgehaltener Hand erzählte Geschichte. Ob wahr oder Mär, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls drückte der Wunsch des alten Mütterchens den Wunsch vieler Menschen aus.
Nun etwas über kleinen Personenkult.
Aus meiner Erinnerungskiste, krame ich folgendes hervor.
Im Jahre 1949 wurde das Staatsgut (Gospodaria Agricola de Stat) in Reichesdorf gegründet. Besonders für die Sachsen, welche durch die Bodenreform von 1945 den ganzen Grundbesitz verloren hatten War dieses eine Alternative, sich einen, wenn auch bescheidenen Broterwerb zu sichern. Sie gingen nun, wie es der damalige Sprachgebrauch sagte „ auf die Ferm“, wo sie fleißig und gekonnt ihre Arbeit auf dem Feld und in den Weinbergen verrichteten.
In Reichesdorf war die Zentrale des Staatsgutes mit den dazu gehörenden Abteilungen von Birthälm mit Groß-Kopisch, Meschen mit Nimesch und Almen sowie Hetzeldorf mit Tobsdorf.
Allgewaltiger Herrscher über dieses Imperium war der aus der Arbeiterklasse hervorgegangene Direktor Vlad Vasile. Was an Fachkompetenz fehlte, woher sollte er diese auch haben, wurde durch Lautstärke und ideologische Parolen ersetzt. Argumente und eigene Meinung waren in dieser Phase der Diktatur des Proletariats nicht erwünscht, ja sogar verpönt, manchmal auch gefährlich.
In den fünfziger Jahren, wurden in Tobsdorf auf mehreren Hektar eine kompakte, große Rebflächen, also Weingärten angelegt.
Um die Arbeitskräfte, während den Saisonarbeiten, sozusagen bei der Hand zu haben wurde neben diesen neu angelegten Weingärten ein Bau errichtet, welcher Küche, Speisesaal und auch Schlafunterkünfte bot.
Dann wurde in der Nähe noch ein großer Stall für Milchkühe gebaut. Die Arbeiter, Melker und Betreuer sollten dann auch Unterkunft in obig erwähntem Bau finden.
Das Reichesdorfer Staatsgut verfügte über eine größere Anzahl von gut ausgebildeten sächsischen Handwerkern, wie Maurer, Zimmerleute, Tischler, Schmiede, Wagner ( hier sagt man Stellmacher ) Fassbinder ( Küfer ) und noch andere.
So wurde der Stall in Tobsdorf in eigener Regie errichtet, von eben diesen guten Handwerkern. Um Direktor Vlad eine Freude zu machen, oder ihn gnädig zu stimmen, vielleicht gab es auch einmal eine Geldprämie, nicht immer nur die unbeliebten Fähnchen für Bestarbeiter, hatten sich diese Handwerker etwas einfallen lassen. Beim Decken des Daches setzten sie zwischen die dunkeln Dachziegel, über fast die ganze Dachbreite hellrote leuchtende Ziegel, in Form von zwei großen V -s ein, welche ja die Namensinitialen des Direktors waren. Dieses war ja, sagen wir, im Kleinen auch Personenkult. Direktor Vlad mag nicht wenig stolz gewesen sein, konnten doch nun alle sehen was während seiner „Regierungszeit“ gebaut worden war.
Damals arbeitete ich in der Buchhaltung des Staats-gutes in Reichesdorf. Einmal, am Monatsende kamen dann auch die Buchhalter der Abteilungen aus Birthälm, Meschen und Hetzeldorf zur Zentrale nach Reichesdorf, wo dann die mitgebrachten Daten und Buchungsbelege zentralisiert, verbucht und ausgewertet wurden.
Mit den Kollegen kamen dann nebst beruflichen Angelegenheiten auch private Dinge zur Sprache.
So erzählte uns Buchhalter Maniu ( aus Hetzeldorf ) folgendes.
Er wohnte mit seiner Familie in Tobsdorf und ging an einem Sonntag- Vormittag mit seinem kleinen Sohn an der Hand, einen Spaziergang machend, zu den neu angelegten Weingärten um ihm diese zu zeigen.
Vom Berghang sah man auf den im Tale liegenden Wohnkomplex und auch den großen Stall, mit den weithin sichtbaren großen V auf dem Dach. Buchhalter Maniu fragte seinen Sohn, ob er denn wisse was die beiden großen Initialen bedeuten würden. Die Antwort des Jungen kam prompt: „Desigur, tata, vaci si vitei“ (Sicher Vater, Kühe und Kälber).
So kann Personenkult auch mal nach hinten losgehen.
Immer wieder stellen sich in meinem Erinnerungsvermögen groteske Szenarien aus jenen Zeiten ein, welche damals, wären sie nicht auf Kosten der Menschen gegangen, einfach zum Lachen gereizt hätten. 

 Heinrich Bruckner


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Liebe Reichesdorfer,

Wenn ich an Reichesdorf denke, fällt mir immer wieder ein Lied ein.
Ein Lied, das wir im Alter von ca. 8 Jahren, im Jahr 1964, bei Herrn Pfarrer Heinrich Gottlieb Schneider im Kinderunterricht gelernt haben. Ich war immer begeistert von seinem schönen Geigenspiel. Das Lied heißt:

„Ich liebe sehr das Dörfchen“
(Vielleicht erinnert sich ja noch jemand daran?)

1. Ich liebe sehr das Dörfchen
wo ich geboren bin,
wo Vater, Mutter wohnen
mit schlichtem treuen Sinn.

Refrain: Wo Vater, Mutter wohnen mit schlichtem treuen Sinn.

2. Und zieh ich wenn ich groß bin
mal in ein fremdes Land,
gern denk ich an mein Dörfchen,
wo meine Wiege stand.

Refrain: Gern denk ich an mein Dörfchen, wo meine Wiege stand.

Lieben Gruß,

 Anna Wolff


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Reisebericht

Im letzten „Boten“ wurden bereits zwei Reiseberichte veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, meinen persönlichen Report erst in dieses Heft zu setzen:
Alles begann irgendwann Anfang des Jahres 2008. Damals frotzelte mein Neffe Rainer (Sohn meines Bruders Ernst und Schwägerin Rosina) mich mit der Aussage, „im August fahre ich mit dem Motorrad nach Rumänien, willst Du nicht auch mitkommen?“ Ohne lange zu überlegen lautete meine spontane Antwort: „klar, warum nicht?“.
Je näher der Reisetermin jedoch rückte, desto größer wurden meine Zweifel. Ich habe meinen Führerschein erst im Jahr 2001 abgelegt und lange Zeit kein eigenes Motorrad besessen. Somit gelte ich als blutiger Anfänger auf dem „Feuerross“. Die Frage, ob es mir möglich ist, mit meinem erfahrenen Neffen, der vor 23 Jahren seine Fahrprüfung absolviert hat und seitdem regelmäßig mehr oder minder schwere Touren fährt, mitzuhalten, war von da ab mein ständiger Begleiter.
Bei diversen Familienfeiern heizten wir uns gegenseitig an. Nach ein paar Gläsern des guten Weines, der eine Mut machende und motivierende Wirkung auf mich hatte, wurde ich immer selbstsicherer. Schließlich wollte ich meinem Neffen beweisen, dass auch ich aus demselben Holz geschnitzt bin.
In einem Anflug von Restzweifeln habe ich noch einen letzten Versuch gestartet, die Reise - zumindest in meinen Augen - angenehmer und vor allem leichter zu gestalten. Ich unterbreitete Rainer den Vorschlag, einen Anhänger für zwei Motorräder zu mieten und so den Trip mit dem Auto anzutreten. „Richtige Motorradfahrer fahren nicht mit dem Auto und ziehen die Maschinen im Anhänger hinter sich her - richtige Motorradfahrer nehmen jede Hürde auf ihrer Maschine“, lautete seine kurze, aber bestimmte Antwort.
Bei einem weiteren Fest im Kreise der Familie entschloss sich auch mein Cousin Bernhard Lang (Sohn meines Onkels Gustav und meiner Tante Hertha - aus Agnetheln) mitzufahren. Bernhard ist ebenfalls ein sehr erfahrener Biker. Unter anderem hat er nach seiner Berufsausbildung eine Auszeit von einem halben Jahr dazu genutzt, Vorder- und Mittelasien per Motorrad zu bereisen.
Langsam war es an der Zeit den Reisetermin zu fixieren. Festgesetzt wurde der Zeitraum 29. Juli bis 8. August. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt hoffte ich jedoch immer noch im Stillen, dass diese Tour aus irgendeinem plausiblen Grund nicht zustande kommt würde.
In einem Vorbereitungsgespräch hatten wir beschlossen, uns während der Reise nicht unter Urlaubszwang und Zeitdruck zu setzten. Wir planten weder feste Ziele, noch Tagesetappen. Jeden Abend sollte die Route für den Folgetag abgesprochen werden. Schließlich kam der große Tag. Wir trafen uns am 29. Juli um 8 Uhr Morgens in Geretsried - bereit zur Abfahrt. Für den ersten Tag planten wir 940 km zu fahren.
Allerdings mussten wir den größten Teil der Strecke auf der Autobahn zurücklegen. Das bedeutet für einen Motorradfahrer eine nicht allzu große Reisefreude. Ziel war Hoidosoboslo in Ungarn. Dort hatte Rainer bereits im Voraus ein Appartement von einem Arbeitskollegen für uns organisiert. Nach einigen Pausen und Tankstops erreichten wir am späten Nachmittag, ein wenig geschafft, aber dennoch glücklich und unbeschadet, unser erstes Ziel.
Das schöne Appartement hatten wir schnell gefunden. Zu unserer Überraschung verfügte dieses sogar über einen, mit einem Zahlenkodeschloss abgesicherten Hof. Nachdem wir uns kurz erfrischten, machten wir uns, hungrig, in dem kleinen Ort auf die Suche nach einer Essgelegenheit. Bald danach fielen wir müde, aber voller Vorfreude auf den nächsten Morgen, in unsere Betten.
Um 8 Uhr starteten wir die zweite Tagestour in Hoidosoboslo. Freiwillig verzichteten wir auf das Frühstück - so groß war der innere Drang weiter zu reisen. Gegen 10 Uhr erreichten wir endlich die Grenze. Nach der Grenze bei Oradea, wo alles reibungslos verlief, machten wir uns umgehend auf die Suche nach einem sättigenden Frühstück.
Erster Eindruck: das Frühstücksangebot ließ keine Wünsche offen - nur Wasser gab es keines - die Leitungen wurden gerade repariert. Also Frühstück ohne Kaffee oder Tee. Stattdessen hat man uns mit Co-la, Fanta oder Mineralwasser versorgt. Für drei so hartgesottene Motorradfreaks stellte das aber nur eine sehr kleine Unannehmlichkeit dar, über die wir leicht hinweg sehen konnten.

Die zweite Tagesetappe führte uns anschließend über Oradea, Cluj und Turda nach Baaßen. Dort hat mein Neffe Rainer seine Kindheit und Schulzeit verbracht. Nach kurzer Suche fanden wir ein schönes Quartier beim Baaßner Kurator Binder (Gegenstück von Hans Schaas in Reichesdorf). Er ist einer der wenigen Sachsen, die in diesem Ort noch zu finden sind.
Herr Binder führt zusammen mit seiner Frau neben der Landwirtschaft und seinen weitreichenden kirchlichen Verpflichtungen, die Pension seines Sohnes, der zwischenzeitlich, wie viele von uns, in Deutschland sein neues Zuhause gefunden hat.
Zu dritt haben wir einige Stationen aus Rainers Kinderzeit besucht, unter anderem: den Kindergarten, die Schule, die Kirchenburg, und das Bad. Während Bernhard und ich uns zum Abschluss des 2. Tages bei Familie Binder ein deftiges Abendessen schmecken ließen, besuchte Rainer einige Bekannte in seinem Heimatort.

Am 30. Juli führte uns die Reise über Mediasch, Scharosch, Birthälm, Reichesdorf, Reichesdorfer Hil nach Agnetheln. Dort hatte Bernhard einige amtliche Verpflichtungen zu erledigen. Doch auf die Pflicht folgte kurzerhand das Vergnügen. Bernhard ist 1970 mit damals stolzen 12 Jahren aus Agnetheln nach Deutschland ausgewandert. Während er und Rainer die Plätze, die noch dunkel in seinen Erinnerungen existierten, aufsuchten, nutzte ich die Zeit, um mir die Haare beim Friseur helmgerecht kürzen zu lassen.

In einem Straßencafé in Agnetheln gönnten wir uns ein leichtes Mittagessen und setzten anschließend unsere Tour über Mergeln, Tarteln, Kleinschenk, Sâmbăta de Sus, Apasu de Sus und Cârţişoara zum Transfăgărăşan fort.
Am Bâlea See machten wir eine ausgiebigere Rast. Eigentlich wollten wir auch dort übernachten, doch das Gasthaus war zu unserem Leidwesen bereits vollends ausgebucht.


Trotz des durchkreuzten Planes ließen wir es uns nicht nehmen, auf der großen Terrasse des Bâlea Gasthauses ein paar saftige originale Mici zu genießen.
Gut gestärkt fuhren wir die „schönen“ Serpentinenstraßen hinunter. Schön im weit übertragenen Sinne. Aus der Ferne ist es wunderschön anzusehen, wie die schmalen Straßen sich den Berg hinabschlingen. Mit dem Motorrad darauf zu fahren ist jedoch eine ganz andere Erfahrung und lässt die engen Kurven in einem ganz anderen Licht erscheinen.
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es auf der gesamten Strecke durch Rumänien sowohl Straßen in einem sehr guten Zustand gab, aber auch solche, die miserable Verhältnisse aufwiesen. Alle, die bereits Erfahrungen auf den rumänischen Straßen und denen der anderen Ostblockgebiete sammeln durften, wissen, dass man zu jeder Zeit mit unerwarteten Hindernissen rechnen muss.

Mitten auf den Serpentinen trafen wir z.B. auf eine Schafherde und kurz darauf mussten wir in einem Tunnel freilaufenden Hausschweinen ausweichen. Doch Fortuna war auf unserer Seite: Die Schweine entschieden sich kurzfristig gegen uns, um auf der anderen Straßenseite in einen entgegenkommenden Pkw zu laufen.
Solche kleinen Abenteuer und das durch die Straßenschäden verursachte Gerüttel konnten uns jedoch die Freude am Fahren nicht nehmen.
Die Schönheit der Natur belohnte uns im Gegenzug immer wieder hinreichend. Über die umweltbewusste Reinlichkeit der rumänischen „Camper“ konnte man leider nicht hinwegsehen. Auf jedem Parkplatz und an jedem anderen Ort, an dem es möglich war, ein Auto abzustellen, um daneben ein Zelt aufzubauen, häuften sich Berge von Plastiktüten und Plastikflaschen, die nach der Abreise einfach liegengelassen wurden.
Nach einigen hinterlegten Kilometern erreichten wir schließlich die Cota 1200 Valea Caprei, wo wir unser Nachtquartier bezogen. Dank des gelungenen Reisetages und eines reichlichen Abendessens fielen wir letztendlich glücklich und zufrieden ins Bett.
Der nächste Tag führte uns über Curtea de Argeş, Câmpulung und Bran nach Rosenau. Die alten Burgruinen sind charakteristische Merkmale der kleinen Ortschaft. Diese Sehenswürdigkeit konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Unser nächstes Ziel war Liznau, in der Nähe von Kronstadt. Dort wartete ein früherer Arbeitskollege von Rainers Schwiegervater, Sam Schuller, auf uns. Roxy (sein Spitzname) - selber in Kronstadt zuhause, hat in diesem Dorf ein Grundstück mitsamt einer Holzhütte gekauft. Hier verbringt er die Sommerwochenenden mit seiner Frau, den Kindern und Enkelkindern, sowie mit Freunden - ab und zu auch mal alleine.
Mit Hilfe einer handgebastelten Dusche, die aus einem auf 4 Pfosten aufgestellten 200-l-Blechfass bestand, konnten wir uns frisch machen und wurden anschließend mit einem deftigen Grillessen und viel Schnaps verwöhnt.
Die Gastfreundschaft in Rumänien ist immer wieder lobend zu erwähnen. Obwohl wir - Rainer ausgenommen - für unsere Gastgeber (Roxy und seine Frau) absolut fremd waren, wollten sie weder Geld, noch eine andere Entschädigung für ihre Gastfreundschaft entgegennehmen.
Am folgenden Morgen erhielten wir noch ein reichhaltiges Frühstück und schon ging es weiter. Die kleinen Sünden des Vorabends gingen nicht spurlos an uns vorüber und machten sich auf dem Motorrad verstärkt bemerkbar. Doch uns war bereits am Abend zuvor bewusst, dass wir heute keine weite Reise vor uns hatten: Ansonsten hätten wir dem Feuerwasser nicht so zugesprochen. Unser Reiseplan an diesem 5. Tag führte uns in das lediglich 50 km entfernte Zeiden. Dort erwartete uns die Familie Axente, die ich bereits 1997 auf dem Zeidner Heimattreffen kennen gelernt habe. Auch ihre Gastfreundlichkeit war überaus anerkennenswert. Sofort nach unserer Ankunft wurde von Frau Olga reichlich aufgetragen.

Gemeinsam mit ihren Mann Gheorghe, der ebenfalls im Besitz eines BMW Motorrades ist, fuhren wir nach einer kurzen Mittagspause gestärkt und ausgeruht, auf die Poiana Brasov (Schullerau).
In den letzten Jahren hat sich dort einiges verändert. Der Tourismus ist auch an diesem Fleck der Erde eingekehrt. Die Bebauung gleicht denen in unseren großen Ski- und Urlaubsgebieten. Ein Hotel neben dem anderen. Die alt bekannten Attraktionen und Sehenswürdigkeiten wie „Şura Dacilor“ oder „Cabana Haiducilor“ sind mittendrin schön rausgeputzt erhalten geblieben und vervollständigen das Bild aus Altem und Neuen. Sie sind restauriert und kaum wiederzuerkennen.
Nachdem wir das alles bestaunen und bewundern konnten, führte uns der Weg weiter über Cabana Trei Brazi, Azuga, Buşteni nach Sinaia und auf die Cota 1400. Was wir dort zu sehen bekamen übertraf all unsere Erwartungen. Plötzlich blieb Gheorghe mit seinem Motorrad stehen und gab uns ein Zeichen, dasselbe zu tun.

Er, selbst Hobbyfotograf, zückte sofort seine Minikamera und deutete in Richtung Straßenrand. Der Fahrer eines geparkten Autos versuchte eifrig etwas mit seinem Handy zu fotografieren. Schließlich sah ich es auch: zwei junge Bären trotteten aus dem Wald und bewegten sich langsam über die Straße. Ganz wohl war mir bei der Sache nicht, da am Vorabend in der Kronstädter Innenstadt ein 20-jähriger Mann von einem Bären getötet worden war. Doch die Bären wussten das nicht und kümmerten sich somit auch nicht um uns. Zwei Serpentinen weiter bergauf saß ein ausgewachsener Bär. Ein paar Autos blieben stehen und die Insassen schossen aufgeregt Bilder.
Eine Holländerin stieg sogar aus ihrem Auto aus, traute sich ziemlich nahe an den Bär heran, um eine Nahaufnahme zu ergattern. Dieser Anblick bereitete mir nun wirklich ein sehr ungutes Gefühl. Doch der Bär schien, Gott sei Dank, satt und müde zu sein. Er kümmerte sich nicht weiter um die Frau.

Nach all der Aufregung übermannte uns schließlich auf der Cota ein Bärenhunger. Wir kehrten in dem einzigen Restaurant weit und breit ein, um etwas zu essen. Als wir das Essen bestellen wollten, eröffnete uns der Koch jedoch, dass das nicht möglich sei, weil der Kellner zuvor mitsamt dem Wechselgeld weggegangen sei. Bis der Kerl zurückkommt, könnten wir lediglich Getränke bekommen. Also begnügten wir uns mit Flüssignahrung bestehend aus Erfrischungsgetränken.
Um die Ecke entdeckten wir eine Frau, die gekochten Kukuruz anbot. Wir kauften uns jeder einen Kolben und genossen das nicht gerade reichhaltige Essen. Dabei unterhielten wir uns mit unserem rumänischen Mitfahrer über die Geschäftstüchtigkeit der immer noch staatlichen Angestellten.
Den folgenden Tag haben wir zur reinen Entspannung genutzt - schließlich waren wir im Urlaub. Unser Gastgeber überredete uns einen weiteren Tag bei ihnen zu verbringen. Mit seinem PKW chauffierte er uns nach Kronstadt, führte uns zur schwarzen Kirche, sowie auf den Rathausplatz.
Der westliche Standard hat auch hier enorm eingeschlagen. Es gab ein „OOO“ was „Olimpiada Oamenilor Obişnuiţi“ hieß: fünf Teilnehmer rannten mit vollen Einkaufswagen 200 m über den Markt, andere liefen mit vollen Einkaufstüten 200 m durch die Menschenmenge und für den Sieger winkten schließlich 500 RON. Das sind umgerechnet immerhin ca. 160 EUR.

Die zahlreichen modernen Straßencafés, welche sich über die ganze Purzengasse, „Str. Republicii“, verteilten, sind uns sofort ins Auge gefallen. Solche Gastronomien sind bei uns, im fortgeschrittenen und trendlastigen Deutschland, selten zu sehen. Fast jedes Café lockt mit Bestuhlung aus Leder und Tischen aus Marmor (oder Imitaten). Die Schirme mit Bierreklame lassen ein Gefühl aufkommen, als würde man sich in einem kleinen Kurort nicht weit von München befinden.

Nach dem wir das Großstadtgewimmel ausgiebig auf uns wirken ließen, fuhren wir zu einer „Stână“, einem verfallenen Gebäude einer ehemaligen „Kollektiv“.
Der „Cioban“ war anwesend und gerade mit „Käse machen“ beschäftigt. Diesen Käse servierte uns der „Cioban“ mit frischer „Urda“. Das Mahl schmeckte uns auch ohne weitere Beilagen sehr. Solche Kleinigkeiten können unter Umständen schnell zu Delikatessen werden. Nicht einmal das Fliegenpapier, das schwarz von unzähligen toten Fliegen von der Decke hing, konnte uns den Appetit verderben.

Für mich folgte daraufhin eine unruhige Nacht bei unserem Gastgeber Gheorge.
Am darauf folgenden Morgen sind wir nach einem leichten Frühstück aufgebrochen. Unsere Reiseroute führte uns über Kronstadt, St. Georgen (Sfântu Gheorghe), Szeklerburg (Miercurea-Ciuc), Niklas-markt (Gheorgheni) zum Bicaz See. Kurz nach der Abfahrt wurde mir schnell und schmerzhaft bewusst, warum ich so schlecht geschlafen hatte. Mein Magen rumorte gefährlich. Bald waren wir gezwungen, eine Pause einzulegen, damit ich mir einen Kräutertee genehmigen konnte - gegen Durchfall. Diese äußerst unangenehme Erfahrung war für mich absolut neu. Mit dem Auto lässt sich solch eine Situation irgendwie meistern - doch auf dem Motorrad zu reisen, während der Durchfall quält, das wünsche ich nicht einmal meinem ärgsten Feind.

Dazu kam noch eine weitere Hürde: an diesem Tag war eine Abkürzung über die Berge geplant. Ohne Zweifel vertrauten wir auf das Navigationssystem, welches auf Grund einer rumänischen Karte fungierte.
Doch die Straßen wurden immer schlechter und steiniger. Zum Schluss endeten sie einfach in einem Bergbach. Soviel zur modernen Technik. Zwei Straßen dieser Art sind wir gemeinsam angefahren. Bei der dritten konnte ich es nicht mehr aushalten. 

Ich machte den Vorschlag alleine zurück auf die Hauptstraße nach Gheorgheni zu fahren, wo wir uns wieder treffen könnten. Dass ich mein Motorrad mittlerweile bereits in einem Bach umgeschmissen hatte, trug erheblich zu dem Gedanken aufzugeben, bei. Zudem quälte mich mein Magen-Darm-Handicap unaufhörlich. Meine Mitstreiter waren mit meinem Vorschlag jedoch nicht einverstanden. Aber ich hatte auch keine Kraft mehr um weiterzufahren. 

Rainer blieb also bei mir. Ich musste mich im Wald entledigen und große Blätter als Toilettenpapier missbrauchen.
Not macht schließlich erfinderisch. Anschließend habe ich mich einfach entkräftet auf die Wiese gelegt und bin umgehend in einen tiefen Schlaf gefallen. Bernhard und Gheorghiţă haben unterdessen nach dem richtigen Weg gesucht. Irgendwann - das Zeitgefühl hatte ich inzwischen verloren - kam Bernhard dann alleine zurück und führte uns auf den richtigen Pfad.

Mit dem Motorrad durch die Bicazklamm zu fahren ist ein Erlebnis, das ich wohl nie mehr vergessen werde.
In Hangu, am Ufer des Lacul Izvorul Muntelui, bezogen wir unser Nachtquartier. Mittlerweile ging es mir auch wieder viel besser. Gemeinsam ließen wir uns das Abendessen schmecken.
Auf den nächsten Tag habe ich mich besonders gefreut. Unsere Reise führte uns zum zweiten Mal nach Reichesdorf. Für dieses Mal war sogar ein Aufenthalt geplant. Wir fuhren also über Vatra Dornei, Bistritz (Bistriţa), Sächsisch Regen (Reghin), Neumarkt (Târgu Mureş), Elisabetstadt (Dumbrăveni), Birthälm nach Reichesdorf.

Dort hatten wir bereits bei der ersten Durchfahrt mit Herrn Schaas Hans vereinbart, dass wir uns von ihm ein Quartier vermitteln lassen würden. Bei unserer Ankunft erhielten wir als erstes auf dem Hof von Schaas Hans zur Begrüßung ein Willkommensgläschen. Als Unterkunft hatte er uns das Haus 95 von Fröhlich Martin organisiert. Nachdem wir die Motorräder im Hof untergebracht und uns frisch gemacht hatten, musste ich dafür Sorge tragen, dass wir etwas zur Beruhigung für unsere hungrigen Mägen bekommen.

Da es in Reichesdorf lediglich für flüssige Nahrung ein gastronomisches Angebot gibt, machte ich mich auf den Weg zur „Alimentara“. Ich kaufte Brot, Käse und Wurst, um dies mit meinen Mitstreitern zu verzehren. Auf dem Rückweg traf ich zum Glück Schlosser Pitz, der mich und meine Freunde zu einem weitaus vielfältigeren Abendessen einlud. Meine Einkäufe ließ ich gleich bei ihm und holte die anderen drei ab.
Dieser Abend wurde ein langer Abend. Wir waren nicht die einzigen Gäste.
Es trafen sich noch andere Reichesdorfer bei Schlosser Pitz zu einem spontanen Zusammensein ein: Fröhlich Hans vom Hainzrech mit seiner Frau Jini, Mogaroer Will, dem der ehemalige Ergas Hof gehört, mit seiner Frau und ein paar weitere Nachbarn.
Ich war mehr als zufrieden, weil das gesellschaftliche Beisammensein meinen Mitfahrern augenscheinlich zusagte und sie sich gut fühlten.

Am nächsten Morgen absolvierten wir den kulturellen Teil unserer Reise und besichtigten zusammen mit Schaas Hans die Kirche. Ohne Frühstück nahmen wir an der Führung teil, die laut Hörensagen mindestens zwei Stunden dauern sollte. Wir lernten den inzwischen berühmt gewordenen „Grünen Mann“ kennen und bestiegen das Burschenglater hinter den Orgelpfeifen, welches ich bis dato noch nie gesehen hatte und nichts von dessen Existenz wusste. Unser Reiseleiter, zeigte uns den baufälligen Dachstuhl, die einzigartige Sakristeitüre, und die Sakristei. Zum Abschluss konnten wir ein paar Klängen der uns allen bekannten schönen Orgel lauschen.
Noch ein letztes Ereignis aus Reichesdorf, welches sich vor und nach der Kirchenbesichtigung abspielte, das ich euch erzählen möchte:
Aus Zeitgründen stellte ich mein Motorrad nicht im Hof ab, sondern auf der Straße. Ein rumänischer Junge kam und stellte sich daneben hin. Ich bat ihn, er solle Sorge dafür tragen, dass keiner in meiner Abwesenheit die Maschine anfasst.

Zwei Stunden später war es nicht mehr nur der eine Junge, der aufpasste und mir versicherte, dass niemand das Motorrad auch nur berührt hätte- sie standen zu fünft da! Ich belohnte den Verantwortlichen mit 10 Lei. Gleichzeitig gab ich ihm die Anweisung das Geld an alle fünf zu verteilen. Er, mit zwei seiner Freunde ist sofort mit dem Geld in Richtung „Alimentara“ gelaufen. Die anderen beiden blieben traurig zurück. Auf meine Frage; warum sie beim Aufteilen nicht dabei waren, antworteten sie: „Weil wir Zigeunerkinder sind, geben die uns eh nichts von dem Geld.“ Aus Mitleid rief ich die Davongelaufenen zurück und belehrte sie eines Besseren.
Ob sie meinem Rat folgten, habe ich nicht mehr mitbekommen.
Anschließend fuhren wir nach Birthälm zur „Burg“ und bestellten uns jeder ein Menü für zwei Personen. Nach dem ausgiebigen Mittagessen, welches für uns Frühstück, Mittagessen und Abendessen in Einem bedeutete, überraschten wir noch Untch Pizi, der inzwischen auch in Reichesdorf eingetroffen war. Am Abend folgten wir der Einladung von Untch Will zu einem gemütlichen Umtrunk. Dieser bedeute für uns auch gleichzeitig den Abschiedstrunk, denn am nächsten Tag ging unsere Reise wieder Richtung neue Heimat.
Mit der Besichtigung der Hohen Rinne und Hermannstadt, wo wir im Ev. Pfarrheim am kleinen Ring übernachteten, endete unsere Rumänienrundreise.
Die Heimreise war für mich eine einzige Qual. Mich peinigten Rückenschmerzen, mein rechtes Handgelenk tat furchtbar weh. Ich dachte; „Ich komme nie mehr zu Hause an!“
Am 8. August habe ich schließlich mein Motorrad doch in der heimischen Garage abgestellt. Bis zum Ende der Saison, sprich Saisonkennzeichen 03-11, habe ich das Gerät auch nicht mehr ausgeführt.
Trotz aller Anstrengungen und Strapazen ist die Reise im Nachhinein und mit Abstand betrachtet ein richtiges, kleines Abenteuer gewesen, von dem ich keinen Tag bereue und das ich wohl nie vergessen werde. Mit diesem Bericht wollte ich euch ein wenig daran teilhaben lassen.

Werner Meyndt (Meck) 


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Geburtstags-Jubilare 2009

"Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,
die Erde wird noch immer grün -
Auch dieser März bringt Lerchenlieder,
auch dieser Mai bringt Rosen wieder,
auch dieses Jahr lässt Freude blühn!“

In diesem Sinne, allen Jubilaren herzlichen Glückwunsch:

70.ten Geburtstag

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Regina Alzner,geb.Drotleff  30.07.39 Offenburg
Johann Alzner (298)  09.08.39 Oberirsen
Regina Drotleff, geb.Drotleff 13.05.39 Gütersloh
Johanna Greger,geb.Nemenz 22.11.39 U.S.A
Johann Greger 12.09.39 Lörrach
Emma Hügel,geb.Fernengel 03.04.39 Lichtenstein
Heinz Klingenspohr 31.10.39 Karlsruhe
Peter Lang 10.01.39 Ingolstadt
Georg Mantsch 27.04.39 Hildesheim
Anna Mattes,geb.Drotleff 06.07.39 Ilsfeld
Georg Meyndt 08.01.39 Geretsried
Regina Meyndt,geb.Hügel 10.07.39 Geretsried
Anna Mild,geb.Schaas 14.02.39 Essingen
Regina Offner,geb.Greger 10.07.39 Wolfsburg
Katharina Schuller,geb.Simonis 18.01.039 Heilbronn
Rottraut Stolz,geb.Haberpursch 16.06.39 Sindelfingen
Ernst-Peter Streck 06.12.39 Lauf a.d.Pegnitz
Friedrich Waffenschmidt 28.02.39 Grambach/A
Johann Waffenschmidt 24.11.39 Brackenheim
Regina Weinrich,geb.Hügel 06.01.39 Morsbach
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Zum 75.- Geburtstag

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Margareta Barthmes,geb.Draser 04.07.34 Geretsried
Martin Draser 04.07.34 Mülheim a.d.Ruhr
Karl Drotleff (192) 15.01.34 Nordheim
Regina Hartmann,geb.Untch 01.06.34 Laufen a.N.
Johanna Herberth,geb.Offner 02.09.34 Jembke
Anna Hügel,geb.Hügel (96) 18.12.34 Schöntal
Martin Hügel 28.12.34 Lichtenstein
Margarete Kloos 01.12.34 Nürnberg
Martin Kloos (92) 24.01.34 Friedberg
Olga Maiterth,geb.Schuller 07.05.34 Neuenstein
Anna Nemenz,geb.Greger 24.06.34 Ingolstadt
Johanna Schlosser,geb.Kartmann 13.12.34 Wiehl
Gustav Stolz 08.04.34 Dachau
Anna Theil,geb.Hügel 09.02.34 Bietigheim
Johanna Untch,geb.Schaas 17.11.34 Oberasbach
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Zum 80.- Geburtstag

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Anna Fröhlich,geb.Greger 17.08.29 Ratingen
Anna Hügel,geb.Hienz 16.10.29 Schöntal
Anna Maiterth,geb.Alzner 22.09.29 Weilheim
Katharina Maiterth,geb.Kloos 05.02.29 Rastatt
Karl Mantsch 29.12.29 Eislingen/Fils
Gerda Mantsch (Heltau) 05.03.29 Eislingen/Fils
Anna Nemenz,geb.Hügel 12.07.29 Dinkelsbühl
Regina Pinnes,geb.Moodt 18.05.29 Nürnberg
Katharina Schuller (Nimesch) 27.09.29 Neuss
Gustav Weinrich 01.11.29 Körle
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"Wir erinnern an den 80.-ten Geburtstag von:
Andreas Nemenz am 29.09.29 und Johanna Leonhardt, geb. Stolz am 28.11.1929 denen wir unser Reichesdorfer Heimatbuch zu verdanken haben."

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Zum 85.- Geburtstag

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Anna Görmer,geb.Draser  09.10.24 Osterwieck
Regina Müller,geb.Hügel 21.05.24 Nürnberg
Anna Munteanu,geb.Herberth 10.11.24 Sachsenheim
Anna Nemenz,geb.Löw 09.01.24 Linz/Ö
Anna Weinrich (309) 20.10.24 Körle
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Zum 90.- Geburtstag und mehr . . .

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Anna Binder,geb.Nemenz 30.10.19 Gütersloh
Johann Fleischer (Tobsdorf) 02.04.19 Karlsruhe
Wilhelm Görmer 02.09.19 Osterwieck
Johann Kloos 15.07.19 Duisburg
Gustav Schuller (Nimesch) 13.11.19 Neuss
Anna Binder, geb.Schneider  31.03.18 Landshut
Peter Alzner  21.02.16 München
Regina Alzner, geb.Drotleff  26.01.15 U.S.A.
Anna Pinnes, geb.Löw  04.01.15 Coburg
Katharina Bruckner, geb.Löw  08.03.15 Dinkelsbühl
Katharina Schaas 16.09.14   Essingen
Anna Schaas, geb.Alzner  07.01.13 Essingen
Anna Hügel, geb.Alzner  27.12.12 Bietigheim
Walter Schneider (Lehrer)    ? Canada

 


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Für unsere Jubilare ein Psalmlied:

Der frohe Morgen weckt mich wieder,
und ladet mich zur Arbeit ein.
Der Schlaf erquickte meine Glieder,
nun soll ich wieder tätig sein;
so will ich denn auch freudig nun,
was meine Pflicht erfordert, tun.

Gott, Dir sei Dank für diesen Schlummer!
Dir, Dir befehl ich mich aufs neu.
In Deinem Schutz bin ich von Kummer
und allen bangen Sorgen frei.
Du weißt es was mir nützlich ist,
und gibst es, weil Du gütig bist.

Du nur erhältst mir meine Kräfte,
damit ich sie gebrauchen soll.
Verwalt ich redlich mein´ Geschäfte,
o, so gerät durch Dich es wohl!
Bei Treu und Fleiß gibst Du Gedeih`n:
drum will ich treu und fleißig sein.

Ich will es sein, so lang ich lebe,
so lange Du mir Kräfte schenkst:
damit ich mir das Glück erstrebe,
dass Du mit Beifall an mich denkst.
Dann hab ich hier Zufriedenheit,
und dort vollkommne Seligkeit.

(aus einem alten Gesangbuch –1920)

Anhang:
Wer erinnert sich an dieses Psalmlied? Die erste Strophe wurde bis etwa 1945/46 in der Grundschule morgens vor Unterrichtsbeginn gesungen.
Später, im Kommunismus, wurde es verboten und dann nur noch im Konfirmandenunterricht und im Gottesdienst gesungen. In Halvelagen wurde das Lied frühmorgens, am großen Backtag (Bockerdáuch) zu einer Hochzeit gesungen. Ein schöner Brauch.
Heute findet man das Lied in keinem Gesangbuch anderer Jahrgänge mehr (davor nicht und danach auch nicht). Auf Anregung von Anna Hügel (Schöntal) gesucht und gefunden in einem Psalmbuch von Halvelagen.

Margarete Mattes


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Siebenbürger Genealogie
www.siebenbuerger-genealogie.de

Die Sektion Genealogie des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde hat im Herbst des vergangenen Jahres mit der Arbeit am Projekt „Siebenbürger Genealogie“ begonnen. Das Ziel dieses Projektes ist die Zusammenführung aller Daten aus den siebenbürgischen Kirchenmatrikeln, Familienbüchern, Stammbäumen, Ahnentafeln, Ahnenpässen, sowie aus bereits digital erfassten Orts-Familienbüchern und Familienaufstellungen, um sie allen interessierten Forschern und Historikern zugänglich zu machen. Da all diese Daten in den unterschiedlichsten Formen vorliegen, ist ihre Übernahme in das für dieses Vorhaben vorgesehene Programm Gen_Plus notwendig. Damit würden in vielen Datenbanken fehlende Einträge vervollständigt. Familienforscher hätten leichter Zugang zu ihren siebenbürgischen, in manchen Fällen auch zu den außersiebenbürgischen Ahnen.

Es ist vorgesehen, alle für dieses Projekt zur Verfügung gestellten Unterlagen, sowie das Endprodukt im Siebenbürgischen Archiv in Gundelsheim zu hinterlegen.

Wie schon erwähnt, ist unser Ziel die Erfassung von so vielen siebenbürgischen Familien wie nur möglich, die in den letzten Jahrhunderten in sämtlichen Ortschaften Siebenbürgens gelebt haben. Natürlich darf da Reichesdorf nicht fehlen. Aus diesem Grund bitten wir Sie, liebe Reichesdorfer, die zu Hause Stammbücher, Vorfahren- oder Nachkommen-Listen, Stammbäume, Ahnenpässe usw. haben, eine Kopie davon den Mitarbeitern des Projektes zur Verfügung zu stellen. Bitte schicken Sie diese Kopien erst einmal an Herrn Werner Meyndt, dem Vorsitzenden der HOG Reichesdorf.

Werner Meyndt, Isarspitz 47,
82515 Wolfratshausen

der sie dann an unsere Sektion weiterleitet. Nachdem diese Daten dann aufgenommen worden sind, werden sie im Genealogischen Archiv der Sieben-bürgischen Bibliothek in Gundelsheim hinterlegt, in dem sehr viel familienkundliches Material archiviert wird.

Zurzeit arbeiten ca. 70 Mitarbeiter an diesem Projekt. Das ist eine erfreulich hohe Zahl, jedoch nicht hoch genug für die viele Arbeit, die noch zu erledigen ist. Aus diesem Grund werden weitere Mitstreiter gesucht, und zwar:

- möglichst viele Familien- und Ahnenforscher, die bereit sind, Daten aus Kirchenmatrikeln in ein genealogisches Programm einzugeben,
- Mitarbeiter, die bereit wären, Zeitschriften, Aufsätze und andere kleine Beiträge zu bearbeiten,
- Historiker, die im Umgang mit Urkunden und im Erkennen historischer Zusammenhänge bewandert sind und daher zur Festlegung unterschiedlichster Kriterien, Stichworte usw. helfen können,
- Geografen und Mediziner, die für einige der anstehenden Aufgaben dank ihrer fachlichen
Kompetenz eingebunden werden können.

Wenn Sie mitarbeiten möchten oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an:

Werner Meyndt
Tel. 08171368983
werner.meyndt@t-online.de 
oder an
Jutta Tontsch (geb. Hauser),
Tel. 040 / 65 38 96 00
j-tontsch@t-online.de

Das Projekt SIEBENBÜRGER GENEALOGIE wird auf insgesamt fünf Jahre veranschlagt, in denen insgesamt zehn Arbeitsseminare vorgesehen sind.

Das nächste Seminar findet vom 23.-25. Oktober 2009 in Bad Kissingen statt.

Helfen auch Sie bitte mit, einen kleinen Schritt auf dem weiten Weg zu einer Gesamt-Siebenbürgischen Datenbank zu machen!

Jutta Tontsch, stellv. Projektleiterin 


Anzeigeschluss 30. April und 31. Oktober

 


1. Vorsitzender: Werner Meyndt   82515 Wolfratshausen  Tel 08171 / 368983 
 Kassier: Ernst Kloos 51674 Wiehl Tel 02262 / 305662
Schriftführer:  Susanna Riemesch  74226 Nordheim   Tel 07133 / 964816
 Margareta Mattes  30900 Wedemark - Elze   Tel 05130 / 4379     
Herausgeber des Boten:  Heinrich Maiterth 33332 Gütersloh  Tel 05241 / 40407    
Internet Hans-Christian Hienz  91550 Dinkelsbühl webmaster@reichesdorf.de
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Dies sind die jetzt Kommissarisch leitendenden 12 Vorstandsmitglieder der Reichesdorfer HOG bis zu unserer ersten Offiziellen Wahl an unserem 11.Treffen am 20.06.2009 in Fridrichroda:
Ernst Kloos, Gustav Hügel, Hans-Christian Hienz, Harald Hügel, Heinrich Hienz, Heinrich Maiterth (Cleebronn), Heinrich Maiterth (Gütersloh), Heinrich Waffenschmidt, Hermann Hügel, Martin Alzner, Susi Riemesch, Werner Meyndt


 

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