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Reichesdorfer Bote

    Jahrgang 23, Ausgabe 41                                                                                                         Dezember 2009  

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Mein Kalender
Grüß Gott (Bericht R Treffen 2009)
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
Reichesdorfer Treffen

Eine Engelsgeschichte für unsere Kleinsten
Erlebnisbericht
Unsere Adjuvanten
Hochzeits-Jubilare

Das Besondere unserer Zeit

Der Tummes

Reichesdorfer Kalender

Todesanzeigen
Zum Gedenken an Martin Hügel



 

Die Reichesdorfer HOG
wünscht all seinen Mitgliedern und Lesern des Reichesdorfer Booten ein
„Frohes Weihnachtsfest“
sowie ein gesundes und erfolgreiches
„Neues Jahr 2010“

Der Vorstand


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Mein Kalender

Was sagst du mir mein Kalender,
was bringt das neue Jahr,
was wird geschehen bis Dezember,
sei ehrlich sag es mir wahr.

Die Antwort die bleibt er mir schuldig,
was kommt, er weiß es nicht,
so wart ich Tag für Tag geduldig,
vom Morgengrau bis Abendlicht.

und dann erst liegt die Antwort vor,
doch nur für den vergangenen Tag,
und was mir Morgen steht bevor,
das ist erneut die Frag.

so geht es mir Jahr aus, Jahr ein,
ich kam zum Schluss es muss so sein,
doch hab das Sorgengrübeln ich jetzt satt,
kommt Freude oder Missgeschick,
ich halt mich an mein Kalenderblatt,
auf dem als erstes steht "Viel Glück"!


b

Grüß Gott!

Man nehme: einen schönen Ort im Thüringerwald, (vorzugsweise Friedrichroda, das sind nette Gastgeber), ein wunderschönes Sommerwochenende, viele wiedersehensfreudige Reichesdorfer und ein zwölfköpfiges engagiertes Team, das all das ordentlich zusammenrührt. Ergebnis: das Reichesdorfer Treffen 2009!

Nun überlege ich schon so lange, wie ich die Eindrücke dieses Treffens zu Papier bringen kann. Es gibt Gefühle, die sind schwer zu beschreiben.

Wir, die 12 vom Organisationsteam, hatten uns zusammengesetzt, überlegt, diskutiert und Entscheidungen getroffen. Nichts wurde ausgelassen, was für die Zukunft unserer HOG wichtig ist, wobei die Prioritäten beim Erhalt unserer Gemeinschaft lagen. Daher war uns klar, dass wir uns alle unter einem Dach treffen mussten, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu neuem Leben zu erwecken.

An besagtem Wochenende reisten viele von uns am Freitag schon an. Es stand ein Raum nur für uns zur Verfügung und wir konnten uns ungestört unserer Wiedersehensfreude hingeben. Als am Samstagmorgen noch mehr von uns eintrafen, konnte man in der Eingangshalle des Hotels bald nur noch Reichesdorfer sehen, die sich strahlend und erfreut in den Armen lagen.

Wie beschreibe ich nun also, was da in mir vorging? Ein Gefühl von Heimweh kam in mir auf oder Wehmut oder wollte ich die Zeit anhalten oder sogar zurückdrehen…

Als wir uns dann zur Kirchenchorprobe versammelt hatten, war es um mich geschehen. Da waren so viele Sänger, auch „Neue“, denen unsere Lieder erst beigebracht werden mussten.

Ich schnappte meine Kamera, ging vor den Chor, um einige Fotos zu schießen. Nun hatte ich die ganze geballte Chorpracht vor mir. Ich konnte alle sehen und ihrem Gesang lauschen. Das war für mein angeschlagenes Seelchen zu viel und ich musste meinen Tränen und Gefühlen freien Lauf lassen.


Genauso hatte ich es mir vorgestellt!

Dann der Gang zur Kirche - eine ganze Kolonne Reichesdorfer zog durch den Ort, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Pfarrer Harald Schneider (Enkel des ehemaligen Reichesdorfer Pfarrers Schneider), hielt einen bewegenden Gottesdienst. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, für mich nicht nur Thema des Gottesdienstes, sondern Motto für das, was ich an diesem Wochenende erleben durfte.

Beim gemütlichen Beisammensein danach wurde mir erst bewusst, wie viele unserer Einladung gefolgt waren! Was mich und auch andere nun nicht mehr ganz junge Reichesdorfer besonders erfreut hat, waren die vielen Jugendlichen, die sich offensichtlich wohl fühlten in unserer Gemeinschaft. (Zur Erinnerung für die Jugend: das nächste Treffen ist im Mai 2011, Termin bitte vormerken!) Auch an Goldene Hochzeitsjubilare wurde gedacht. Die fünf Ehepaare bekamen für diese Leistung von einem spontan gegründeten Frauenchor ein wunderschönes Ständchen.

Zur Wahl des Vorstandes möchte ich betonen, dass ich erfreut bin, dass „unser“ Meck uns als Vorsitzender erhalten bleibt. Als Kassenwart haben wir mit Ernst Kloos jun. auch wieder einen kompetenten jungen Mann gewählt. Zu meiner Person - gut, dass ich als einzige Kandidatin angetreten bin und gewählt wurde - alles andere hätte mich geärgert… Diese Aufgabe liegt mir mittlerweile sehr am Herzen! (Auch wenn ich noch vieles erst lernen muss!)

Mit Live-Musik, Tanzen, Erzählen und Lachen ging es bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Am Sonntag nach dem Frühstück wurde wieder Abschied genommen. „Es war das beste Reichesdorfer Treffen, das ich erlebt habe“, sagten viele von uns, oder:
„Wir freuen uns auf das nächste Treffen!“

Auf Wiedersehen!

Jetzt sitze ich hier, in Nordheim, schreibe diesen Text und beobachte dabei die Tinte beim Verlaufen - es muss eine Träne gewesen sein. Eine Träne des Heimwehs, der Wehmut, der Freude und der Dankbarkeit.

Im Namen der gesamten Vorstandschaft wünsche ich allen Reichesdorfern gesegnete Weihnachten, Gesundheit, Zufriedenheit und ein gutes Neues Jahr! 

Susi 


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"Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

Geh aus, mein Herz, und suche Freud“

Für alle Reichesdorfer die bei unserem Treffen nicht dabei sein konnten – eine Abschrift der Predigt.

Gottesdienst zum Reichesdorfer Treffen

am 20.06.2009, 14.00 Uhr, in der St. Blasius Kirche zu Friedrichroda

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Galater 5,25 – 26; 6,1 – 3.7 – 10:

25. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.

26. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.

1. Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zu Recht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.

2. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

3. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.

7. Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.

8. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.

9. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.

10. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Reichesdorfer, liebe Schwestern und Brüder!

Lasst mich zu Beginn mal so fragen: Schenkst du deiner Frau unverhofft einen Blumenstrauß? Bekommt dein Mann gelegentlich auch eine Überraschung von dir? Oder beschränken sich eure Geschenke nur auf Weihnachten und Geburtstag?

Ihr müsst auf meine Fragen nicht antworten. Ich will eine kleine Geschichte erzählen.

Der Dichter Rainer Maria Rilke legte eines Tages einer Bettlerin an der Ecke eine Rose in die Sammelschale. Am nächsten Tag war die Bettlerin verschwunden. Wovon lebt jetzt die Bettlerin, wenn sie nicht mehr bettelt, fragte die Begleiterin unseres Dichters. Von der Rose, antwortet der Dichter.

Die Rose, ihre Schönheit und ihr Duft haben der Bettlerin gut getan. Später, wenn die Rose verblüht ist, sitzt sie wieder an der Ecke und bettelt. Und sie hält Ausschau nach einem jungen Dichter, der ihr eine Rose in die Sammelschale legt – so könnte die kleine Geschichte weitergehen.

Der Apostel Paulus hat den Menschen in Galatien keine Rosen geschenkt. Paulus war kein Dichter, sondern ein Prediger. Er hat ihnen das Evangelium von Jesus Christus gebracht.

Das Evangelium war eine große Erfahrung für die Menschen. Die Gemeinden haben dann aber mit anderen Predigern andere Erfahrungen gemacht. Die Gemeinden wollen andere Wege der Gemeinde Entwicklung gehen. Sie sind dabei, andere religiöse Gestaltungsformen des Gemeindelebens einzuführen.

Paulus hat davon gehört. Das ist die schlechte Nachricht für ihn. Der Brief, unser Galaterbrief, ist seine Antwort auf diese schlechte Nachricht.

Der Apostel beginnt aber mit der guten Nachricht: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden dahingegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters (1,3 – 4).

Wir halten fest: Gnade und Friede überspannen die Gemeinden wie ein leichtes, helles Himmelszelt. Ein Segenswort, trotz der schlechten Nachrichten. Da denke ich an die Erzählungen der Väter und Großväter in Russland nach der Deportation, wie sie ihr Glaube getragen hat. Und wie so mancher Pfarrer das Wort verkündet hat, obwohl es verboten war. Bemerkenswert, finde ich das.

Der Apostel nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Spannungen zwischen Apostel und Gemeinden sind heftig. Es knistert nicht nur leicht. Der Apostel verflucht andere, die ein anderes Evangelium bringen, selbst wenn es ein Engel vom Himmel wäre. Saulus war ein Eiferer. Aber aus Saulus wird Paulus. Er meint, andere Prediger haben die Gemeinden verzaubert oder verwirrt. Damit sie das Evangelium von Jesus Christus verstehen, lehrt Paulus die Gemeinden. Ich nenne nur einige Stichworte. Christus gewinnt Gestalt in eurer Gemeinde in sieben Gestaltungsformen: im Hören auf die Predigt, im gemeinsamen Loben und Beten, in den verschiedenen Geistesgaben, im Leiden in der Welt, in der Freiheit der Kinder Gottes und in der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und in den Taten der Liebe. Diese Gestaltungsformen christlicher Gemeinden schenkt der Geist. Paulus zählt einige Erfahrungen auf, in denen der Geist Gottes Früchte bringt: Liebe, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.

Vieles von dem, was ich hier aufgezählt habe, ist mir von meinem Großvater als Kind auf der Bank im Reichesdorfer Pfarrgarten beigebracht worden. Und das spornt dann zum Singen und Tun an: ich selber kann und mag nicht ruhen.

Wir singen die Strophe 8 vom Lied 503

An dieser Stelle wird es sehr interessant. Denn spirituelle Erfahrungen tun uns allen gut. Ja, sie erfüllen geradezu die letzte Aufforderung unseres Predigttextes: Lasst uns Gutes tun an jedermann, solange wir noch Zeit haben, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Wir können das Pauluswort leicht ergänzen. Ich würde als erste geistliche Erfahrung unserer Tage die spirituelle Neugier nennen. Seitdem Kirchen offener sind, zeigen sich mehr Menschen am Glauben interessiert. Jedenfalls zeigen sie Interesse und Neugier am Gebäude des Glaubens, wenn sie eintreten. Geöffnete Kirchen sind geradezu ein Gegenentwurf zur geschlossenen Gesellschaft, auch verschlossenen christlichen Gemeinschaften.

Wer von uns als Kirchenführer aktiv ist, wird gemerkt haben, er befindet sich schnell im Gespräch mit Gott. Wer über eine Kirche redet und andere Menschen mit ihr bekannt macht, wer Gebäude verstehen und Rituale anderen vertraut machen will, der gelangt an einen Punkt, wo er sich selbst Rechenschaft geben muss über den Glauben. Wie ist das mit dem Kreuz und dem Gekreuzigten? Wie ist das mit der Auferstehung und mit Ostern? Wie ist das mit dem Vertrauen in Gottes Wege, meinen eigenen Zweifeln und Fragen?

Da reicht es nicht, eine Rose oder einen Geldschein hinzulegen. Da verlasse ich die Zuschauerbank. Und wenn die Gäste und Besucher fremd, aber interessiert sind, verändern sie die Menschen und die Gemeinde noch einmal. Manche werden geradezu selbst zu Dichtern. Sie müssen sich einen Reim drauf machen können. Also spirituelle Neugier bei Kirchenführern und Führungen wäre eine heutige Erfahrung.

Die Kirchenführung durch Johann Schaas war für meine kleine Gruppe im Mai 2008 Jahr eine Offenbarung.

Und ich denke und hoffe, dass wir mit dem kleinen Heft über die Reichesdorfer Kirche nicht nur selbst viel Freude haben werden, sondern diese Freude auch weiter geben können, wenn wir es verschenken.

Glaube und Gemeinde haben ein zweites Gesicht in unserer Zeit. Die Freude am sozialen Engagement ist ein weiteres der vielen Gesichter des Glaubens. Kleine Dörfer und Ortschaften leben geradezu davon, dass die Kirchengemeinden Menschen sammeln. Sie entdecken das zweite bekannte Pauluswort: Einer trage des anderen Last. Sie entdecken, Menschen ertragen einander, ja sie können Projekte und Aufgaben gemeinsam schultern und lösen. Paulus nennt dies paradox die Erfüllung des Gesetzes Christi. Menschen erfüllen dieses Gesetz Christi freiwillig und selbstbewusst, und sie sind glücklich dabei.

Soziales Engagement reicht weit. Es kann die Ernte eines Schwellenlandes aus Afrika in Deutschland verkaufen. Es kann der gestressten allein erziehenden Mutter zu einer bezahlbaren Kinderbetreuung helfen. Es trägt zur Lebensbewältigung anderer bei- dabei denk ich ganz besonders an die Bewohner des Altenheimes in Hetzeldorf- wie auch zum sozialen Wandel in der Welt.

Eine letzte Frucht, die ich nennen möchte, sind die Güte und die Geduld, wenn alle Sicherungen rausfliegen. Da ist nicht Kopf, sondern Herz gefragt. Geduld und Güte sind gewiss keine Spitzenwerte in unseren Tagen. Geduld und Güte sind treues Durchhalten, unbeirrtes Bewähren, Nichtaufgeben in Stress und Not, Widerstand und Ergebung. Man kann sagen, dass Güte und Geduld in Gemeinden beheimatet sind. Sie stabilisieren Gemeindegruppen geradezu.

Man spricht nicht nur von der geduldigen Entwicklung von Neuem, sondern auch von Geduld und Güte, mit der man sich etwas nicht nehmen lässt. Dies ist häufig gegen übermächtige Gegner durchzukämpfen, die einer Gemeinschaft das Wertvollste nehmen möchten. In der Geschichte der Verfolgten und der Bedrängten der Kirche wird aus Geduld und Güte himmlische Wirklichkeit, auf die die folgenden Gemeinschaften sich verlassen können. Sie wird den Bedrängten geschenkt, um jetzt und hier das Haupt zu erheben.

Der Apostel und der Dichter haben das auf ihre Weise den anderen gezeigt. Der Apostel, indem er seine Gemeinde am Schluss des Briefes mit sanftmütigem Geist ermahnt und lehrt und damit auf den guten Weg zurückbringt. Und der Dichter, indem er das Herz sprechen lässt. Zeigt dieses menschliche Gesicht der Treue Gottes auf eure Weise, so wie ihr seid (als gute und treue Reichesdorfer) überall dort, wo ihr jetzt zu Hause seid. Und ihr werdet erfahren: Gutes kommt zurück.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Hilf mir und segne meinen Geist..

(Strophen 13 – 15 vom Lied 503)

Pfarrer Harald Schneider


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Reichesdorfer Treffen
Treffen der Heimatortgemeinschaft Reichesdorf.

Wer trifft sich dort? Menschen deren Heimat Reichesdorf ist. Menschen deren Wurzeln in diesem kleinen Dorf - umgeben von Hügeln – mitten in Siebenbürgen – liegen?

Gehöre ich dazu?

Ich bin in Deutschland geboren. Aber der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer singt doch: Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl.

Was sagt mein Gefühl?

Mein Gefühl gibt schon seit Jahren keine klaren Regeln vor. Wo gehöre ich hin? Wo komme ich her?
Meine „deutschen“ Freunde sind anders. Sie sind anders erzogen – sie haben andere Werte, andere Vorstellungen. Sie leben anders, sie denken anders. Fakt ist: sie sind anders.

Ich kann und ich will nicht sagen, ob das was „sie“ sind besser oder schlechter ist.

Aber: bin ich wie sie?

Es gab eine Zeit in der ich unbedingt dazu gehören wollte. Ich wollte sein wie „sie“. Eine Deutsche sein.
In dieser Zeit wollte ich folglich keine „Siebenbürgerin“ sein. Denn: auch die sind irgendwie anders als ich. Sie gehen in die Tanzgruppe und zu den siebenbürgischen Veranstaltungen. Sie leben und bleiben in dem Ort wo sie aufgewachsen sind. Siebenbürger heiraten Siebenbürger. Sie haben riesige Familien, usw.

Ich war nie so. Ich wollte hinaus. Ich hatte das Gefühl in den vorgefertigten Strukturen zu ersticken.

Ich bin in die Tanzgruppe gegangen – weil ich es mußte – nicht weil ich es zu schätzen wußte.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile weiß ich und habe verstanden, warum wir anders sind. Ich weiß die Gemeinschaft – den Zusammenhalt und das Zusammenleben zu schätzen.

Heute ärgert es mich, dass ich die Frage „Kuste sachsesch?“ immer mit einem verlegenen Kopfschütteln beantworten muss. Es tut mir leid, dass ich die Geburtsstätten meiner Eltern, die Gräber meiner Ahnen und das ehemalige Zuhause meiner Familie nie gesehen habe. Aber dafür ist es nicht zu spät – und ein Anfang ist gemacht mit der Teilnahme am 11. Reichesdorfer Treffen.

Das Gefühl davor ist mulmig.

Was erwartet mich? Wie wird der Abend?

Und dann ist es so weit. Nach 4,5 Stunden Autofahrt sind wir in Friedrichroda angekommen. Unzählige Eindrücke – unglaublich viele Menschen – und kein bekanntes Gesicht. Zwischen all’ diesen Leuten ist mein Vater aufgewachsen – und ich kenne niemanden von ihnen. Warum hat mich das nur nie interessiert?

Meine Mutter kennt nahezu alle. Bei jedem bleibt sie stehen – alle haben ein paar warme Worte füreinander – zwischen Tür und Angel werden schnell ein paar Erinnerungen ausgetauscht. Und auf mich trifft immer wieder die gleiche Parole: „dem Meck sen Diuchter – kuste sachsesch men Moidschen?“ Und immer wieder muss ich verneinen. Und ich schäme mich.

Doch eines ist auch von Anfang an klar: Es ist ein Gefühl! Und das sagt mir, dass ich mich unter diesen Leuten wohl fühle!
Nach einem schnellen Mittagessen gehen wir alle gemeinsam in die Kirche.

Die Predigt ist wunderschön. Sie steht unter dem Motto „geh aus mein Herz und suche Freud“. Der Chor singt, die Orgel spielt und die Reichesdorfer beten. Und ich: empfinde Freude.

Der Papa ist nervös. Er muss noch vor dem Abendessen die Eröffnungsrede halten. Es ist schön zu sehen wie er sich engagiert. Wie er vor der Kirche steht und die Leute begrüßt, wie er von Tisch zu Tisch geht und mit jedem ein kurzes Schwätzchen hält. Ich sitze währenddessen an unserem Tisch und stopfe mindestens 5 Stück selbstgebackenen Kuchen in mich hinein. Unsere Landsleute backen eben so, wie niemand anders backen kann.

Dann ist es soweit. Der Papa begrüßt die Menschen mit denen er aufgewachsen ist. Er ist aufgeregt und möchte alles richtig machen! Und er macht alles richtig! Anschließend wird er mit seinem alten Team einstimmig zum Vorstand wiedergewählt. Ich bin stolz.

Seit Monaten hat sich irgend etwas in mir gewandelt: Ich weiß die Werte, die uns als „Siebenbürger Kinder“ vermittelt wurden, zu schätzen. Offenheit, Herzlichkeit und Moral – nannte es ein gleichaltriger Besucher des Treffens. Zusammenhalt und Anstand müßten - neben vielen anderen Eigenschaften - in meinen Augen noch hinzugefügt werden. Ich will etwas dafür tun, dass unsere Bräuche und Sitten auch in späteren Generationen fortbestehen. Ich will mich einbringen. Ich will zeigen, dass ich stolz bin, eine Siebenbürgerin zu sein.

Nach den Begrüßungsworten von meinem Vater und seinen Mitstreitern wird zu Abend gegessen. Die „Gemeinschaft“ kommt noch klarer zum Ausdruck. Jeder spricht mit jedem - jeder lacht mit jedem – und vor allem: jeder interessiert sich für jeden! Lange sitze ich nur da und sehe mir das bunte Treiben an. Es haben sich Leute aus wirklich allen Altersklassen eingefunden. Die ganz Kleinen, aber auch die ältere Generation ist vertreten. Keiner stört sich an dem anderen. Im Gegenteil. Wir spielen mit den Kindern und beglückwünschen die Paare, die bereits Ihre goldene Hochzeit gefeiert haben.

Plötzlich fühle ich mich zurückversetzt in die komplizierte Zeit der „Kindheit“. An einem Tisch in dem großen Saal hat sich die komplette „Jugend“ eingefunden. Immer wieder kommen Erwachsene auf mich zu und wollen mich auf Biegen und Brechen an diesen „Jugendtisch“ verfrachten. Plötzlich ist es wieder da, das verschämte Gefühl des „Nichtdazugehörens“. Bis plötzlich einer von ihnen neben mir am Tisch sitzt!

Ganz schnell werden die oben beschriebenen „siebenbürgischen“ Charakterzüge
deutlich: Ich werde - mehr als offen - aufgenommen. Ich bin dankbar und ich fühle mich wohl:Die ganze Nacht wird gefeiert, gesungen und getanzt. :

Besonders schön finde ich, dass 2 der „Jugendlichen“ ihre Partner dabei haben, die nicht aus Siebenbürgen stammen. Die aber herzlich in den jeweiligen Familien aufgenommen wurden und sich damit genauso wohl fühlen wie der breite Rest

Als ich in den frühen Morgenstunden in meinem Bett liege, bin ich mehr als glücklich. Dank dieses Treffens habe ich einige Antworten auf meine Fragen bekommen. Ich weiß wo meine Wurzeln liegen – und ich weiß, dass ich dazu gehöre! Und ich weiß, dass ich möchte, dass meine Kinder die gleichen Normen und Werte vermittelt bekommen….sie sollen so aufwachsen wie ich. Ich möchte, dass sie mit Appetit geriebene Bohnen essen, stolz schon in der Kindertanzgruppe die Siebenbürger Tracht tragen und mit voller Stimme singen:

…Siebenbürgen, süße Heimat,
Unser teures Vaterland!
Sei gegrüßt in deiner Schöne,
Und um alle deine Söhne
Schlinge sich der Eintracht Band!“

Was ich eigentlich damit sagen will:

Es war ein mehr als gelungenes Treffen und ich freue mich heute schon auf das „Reichesdorfer Skitreffen“.

Danke an die Organisatoren

 Viviane Meyndt


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Eine Engelsgeschichte für unsere Kleinsten

Benedikt, der kleine Engel mit den roten Pausbäckchen war überglücklich. Dieses Jahr war er doch tatsächlich von der Himmelskommission, aus der Schar der Engel, für eine heißbegehrte Aufgabe ausgewählt worden, nämlich am Heiligen Abend dem Weihnachtsmann beim Verteilen der Geschenke zu helfen. Wirklich, überglücklich war er. Schon seit Wochen wurde in der Himmelswerkstatt über nichts anderes gesprochen als darüber, wer am 24. Dezember mit auf die Erde dürfte. Dem Weihnachtsmann zu helfen war etwas Tolles, etwas ganz Besonderes.

Schon die Fahrt mit dem Schlitten und den Rentieren davor - allen voran Rudolf - war ein außergewöhnliches Erlebnis. Klar war leider auch, dass viele kleine Engel gebraucht wurden um die Himmelswerkstatt wieder aufzuräumen, das Chaos zu beseitigen, das durch die Arbeiten für Weihnachten in den Werkstätten und in der Bäckerei entstanden war. Es mussten ja auch die Wolkenbetten aufgeschüttelt und die Sterne blank geputzt werden und viele Arbeiten mehr standen an. All die nicht immer geliebten Arbeiten, die aber irgendwann gemacht werden mussten.

Alle Kinder wissen, wovon hier die Rede ist. Und darum träumten alle Engel davon, einmal als Helfer des Weihnachtsmannes mit auf die Erde zu dürfen.

Benedikt hatte es also geschafft, dieses Mal war er ausgesucht worden. Sein Glück war für ihn unfassbar. Wo er doch dieses Jahr sehr oft bei der Weihnachtsbäckerei ermahnt worden war nicht so viel vom Teig und den Plätzchen zu naschen. Es war nicht so, dass der aufsichtsführende Engel es ihm nicht gönnte, jedoch waren die Wangen unseres kleinen Benedikts schon ganz schön gerundet und das Bäuchlein wurde auch ein wenig kugelig. Man kann sagen, Engel Benedikt war ganz groß darin, Sätze wie "Benedikt, gleich kriegst du Bauchweh!" zu überhören. Und die Rangelei mit seinem Freund, dem Engel Elias, weil dieser ihn "Mopsi" genannt hatte, hatte er auch in die hinterste Schublade seines Denkens gepackt.

Allzu viele Ermahnungen bedeuten nichts Gutes, bedeuteten letzten Endes das Verbot einer Lieblingsbeschäftigung, meistens für eine ganz schön lange Zeit. Na, da hatte man wohl dieses Jahr ein Auge - wenn nicht sogar zwei - zugedrückt!

Pünktlich am 24. Dezember stand der Schlitten mit den Rentieren, die mit den Hufen scharrten, vor dem Himmelstor. Viele Engel hatten sich versammelt, um ihnen nachzuwinken.

Der Weihnachtsmann ließ die Peitsche knallen und mit lautem Schlittenglockengeläut ging es auf einem extrabreiten, glitzernden und glänzenden Mondstrahl hinunter auf die Erde. Rudolf versuchte sich in ein paar Extrasprüngen - er hatte wohl zu lange im Stall gestanden - was den Schlitten kurzfristig auf einen "Zick-Zack- Kurs" brachte. Engel Benedikt fand das toll. Es würde ein langer Abend werden mit vielen Arbeitsstunden und so hatte der Weihnachtsbäckerei-Engel Engel Benedikt, die goldene Himmelsnaschdose voller köstlicher Leckereien, wie Marzipan- Kartoffeln, Schokoladenlebkuchen, Zimtsterne, Butterspekulatius zur Stärkung mitgegeben und beim Füllen hineingetan, was Engel Benedikt am liebsten mochte.

Selig drückte er sie nun mit seinen dicken Patschhänden an sein Bäuchlein und kuschelte sich höchst zufrieden ein wenig an den Weihnachtsmann, um sich im nächsten Moment wieder kerzengerade aufzusetzen; schließlich war er als "Weihnachtsmann - Helfer - Engel" schon beinahe ein großer Engel! Auf der Erde sah es so schön aus. Es schneite sacht - die dafür zuständigen Engel hatten wohl doch noch ein paar Tonnen voller Schnee im äußersten Winkel des Himmelsgefrierraumes gefunden. Der Schnee knirschte leise beim Betreten der Wege. Sanft leuchtete das Licht aus den Häusern und ließ den Schnee auf Straßen, Häusern und Bäumen glitzern. Kirchenglocken läuteten und verbreiteten eine festliche Stimmung. Sogar der Wind hatte sein ansonsten stürmisches Temperament gezügelt und war kaum spürbar. Engel Benedikt vermutete, er war auf dem Weg, sich zur Ruhe zu legen.

Schon viele Stunden waren der Weihnachtsmann und sein kleiner Helfer unterwegs. Die Freude der Kinder, ihre glänzenden Augen, die friedliche Stimmung von alten und jungen Menschen, der milde Glanz der Kerzen aus den Wohnstubenfenstern hatte ihnen immer wieder neue Kraft gegeben. Jetzt hatten sie nur noch ein einziges nicht allzu großes Geschenk zu einer Wohnung im letzen Wohnblock einer Straße zu bringen.

Ein bisschen ermüdet gingen der Weihnachtsmann und Engel Benedikt am Fenster dieser Wohnung vorbei. Das Fenster war einen Spalt zum Lüften geöffnet worden. Engel Benedikt sah in das Wohnzimmer.

Der Weihnachtsmann und er sahen ein Ehepaar mit einem kleinen, etwa 7 Jahre alten Jungen. Der Junge sah sehr dünn und blass aus und beide Eltern stützten ihn liebevoll, als sie vom Esstisch zum Sofa gingen. Gerade beugte sich die Mutter über ihn und sagte: " Was für ein Glück für uns, dass Du doch schon zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden konntest!" "Ja Mama" sagte der Junge, "das ist für mich das schönste Geschenk, mehr brauche ich eigentlich gar nicht." "Na, so ganz wird der Weihnachtsmann dich wohl nicht vergessen haben", sagte der Vater zu seinem Sohn.

Kannst du Benedikt in diesem Bild finden?

Der Weihnachtsmann ging zur Wohnungstür um das kleine bescheidene Paket hinzulegen. "Hier, leg die Keksdose dazu", flüstert der kleine Engel Benedikt und hob seine kleinen Arme mit den Köstlichkeiten in die Höhe um sie dem Weihnachtsmann zu geben. Es war sein voller Ernst und tat ihm eigentlich überhaupt nicht - na vielleicht ein winziges bisschen leid - was er aber ganz schnell unterdrückte. "Danke Bene, gut gemacht", flüsterte der Weihnachtsmann und strich Engel Benedikt sacht über den Kopf. Die Wangen des kleinen Engels glühten vor Stolz. Bene hatte der Weihnachtsmann zu ihm gesagt. "Bene" sagte sonst immer nur das Christkind zu ihm, wenn es ihn für besonders liebevolles Verhalten lobte.

Nachdem der Weihnachtsmann nun alle Geschenke verteilt hatte, begaben sich beide auf den Weg zum Rentierschlitten, um die Rückreise anzutreten. Sie kamen am Fenster vorbei und sahen, wie der Junge sich besonders über die Keksdose freute und rief: "Mama, Papa, guckt doch mal, wie sie glänzt und glitzert, und hmmm, hier probiert mal die Kekse, sie sind köstlicher, nein, einfach himmlisch!" Der Weihnachtsmann und der kleine Engel lächelten sich an: "Wie recht er hat" sagte der kleine Engel glücklich.
 


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Erlebnisbericht
Über den versuchten Einzug der Kolonisten in Reichesdorf.
von Andreas Herberth (Pfarrer in Reichesdorf)

Vorspiel. Die eigentliche Ursache meiner Verhaftung ist nicht in den Vorfällen des 2o. August selbst zu suchen, sondern in dem grenzenlosen Hass der Mitglieder des Lokalkomitees der Agrarreform, besonders des Vorsitzers G. Russ und des stellvertretenden Vorsitzers Mart Ghuri welch letzterer mich unzählige Male mit der Verschleppung ins Lager oder Verhaftung bedroht hat. Ursache dieses Hasses mein Eintreten für gerechte und gesetzliche Anwendung der Agrarreform und meine Hinweise auf die schamlosen Missbräuche, die dabei getrieben wurden /Missachtung von Verordnungen der eigenen Behörde: „Noi ne facem Legea“, „Nu ne intereseaza Legea“, „Noi suntem mai mari decît Ministru“, usw. / Beteiligung mit Grund und Häusern auch der Professionisten und Beamten usw. / Dabei machte ich sie immer auch auf ihre Verantwortung vor ihrem und unserem Vaterlande aufmerksam und wies auf Gottes gewiss nicht ausbleibende Strafe hin.
Die willkommene Gelegenheit schien der 2o. August zu bieten. Schon, am 18. und 19. ging durch die sächsische Bevölkerung die Schreckensbotschaft, durch Zigeuner verbreitet, am 2o. werde die ganze sächsische Bevölkerung aus ihren Häusern herausgeschmissen .und vor die Gemeinde hinausgetrieben. Am Morgen des 2o. August wurde ausgetrommelt, es dürfe niemand die Gemeinde verlassen, etwas später wieder, alle sollten, sich vor den Gemeindehaus versammeln. Daraufhin ging auch ich etwa halb 9 Uhr auf die Gasse und fand schon die ganze Gemeinde in furchtbarer Erregung und Spannung versammelt. Dicht vor dem Gemeindehause sah man die Kolonisten, einige mit Messern in den Stiefelschäften. Durch die Reihen unserer Leute gehend merkte ich die verzweifelte Stimmung, die sich in Stoßseufzern ausdrückte: „Nun können wir nicht mehr, wenn das so ist dann ist uns der Tod schon lieber, wir lassen uns lieber totschlagen wenn Gewalt angewendet wird. „Ich versuchte zu beruhigen und zu trösten: „Es wird nicht Gewalt angewendet bleibt nur mutig und aufrecht.“.

Einige baten mich, ich möge fragen, von wem eine solche Verordnung gegeben sei und was eigentlich darin stehe. Nun merkte ich, dass hier etwas unternommen werden musste, um wüsten Schlägereien vorzubeugen. Der Notär Maniu verkündete aus dem Fenster der Kanzlei, umgeben von allen Mitgliedern des Lokalkomitees und anderer, es sei eine Verordnung, dass heute die Kolonisten in die Häuser der Sachsen einziehen müssten und dass ihnen unbedingt Platz gemacht werden müsse. Ich hatte, weil ich schwerhörig bin, nicht gehört, dass er angeblich gesagt haben soll, es dürfe niemand aus seinem Hause hinaus getan werden, stand also nun erstrecht unter dem Eindruck der oben erwähnten Schauergeschichte.

Nun las der Sekretär des Lokalkomitees die Hausnummern vor welche die Kolonisten eingeräumt werden sollten, etwa 35. Dann entstand eine eisige Stille. Ich hörte in meinem Inneren den Auftrag: Jetzt musst du reden! Ich bat, man möge mir als Vertreter einer religiösen und moralischen Autorität, der im Bewusstsein schwerer Verantwortung handelt, gestatten, einige Worte zu sagen. Als mir dies eingeräumt wurde, sagte ich etwa folgendes: Unser schönes und reiches Vaterland Rumänien steht jetzt in einem der entscheidendsten Augenblicke seiner Geschichte. Seine berufenen Vertreter kämpfen auf der Friedenskonferenz um einen gerechten und würdigen dauerhaften wahrhaften Frieden. Es werden wunderbare Ideen von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit, vom Aufhören allen Rassenhasses von dem Recht der nationalen Minderheiten usw. verkündigt und von der Menschheit mit Begeisterung aufgenommen. Es liegt uns allen daran, dass unser Vaterland einen würdigen Platz einnehme. Manches, was sich bei uns zugetragen habe, stehe damit in Widerspruch und diene dem auch von uns Heißgeliebten Vaterlande schlecht. Daher bitte ich im Namen aller, denen eine wirkliche herzliche Verständigung und ein wahrhafter friede am Herzen liegt, auch heute jede Gewalttat und jeden Terrorakt zu vermeiden, damit nicht unser Vaterland in einen schlechten Ruf komme. Daher bitte ich im Namen der sächsischen Bevölkerung, die in Frage stehende Verordnung vollinhaltlich mitzuteilen und genau zu sagen, wer die Verordnung herausgegeben habe. Daraufhin riefen alle wie aus einem Halse: „Sa traiasca“. Einige Kolonisten riefen: „sasi nu mai au drept, jos porcilor sasi“. Einige spielten dabei mit ihren Messern aus ihrem Stiefelschacht, kurz darauf wurde mir das Wort entzogen, ich dürfe nicht mehr reden, man sei nicht deshalb hier. Nach etwa einer halben Stunde, während der das Volk immer bewegt auf dem Markte verharrte, wurde von oben mitgeteilt, man werde die Verordnung verlesen. Ich bat darauf, angeregt von einigen Volksgenossen, es sei nicht genug damit, das werde die Bevölkerung nicht beruhigen, man möge gestatten, dass eine Abordnung von drei Vertrauensleuten die Verordnung selbst ansehe.. Nach etwa einer Viertelstunde wurde ich aufgefordert, hinaufzukommen und die Verordnung zu sehen. Ich wandte ein, dass mich nicht interessiere, sondern das Volk solle eine Kommission entsenden. Ich wurde gebeten es zu machen indem mir die Herren G. Lang und G. Stolz an die Seite gegeben wurden. In der Gemeinde Kanzlei wurde uns durch den Herren Notär die Verordnung auszugsweise vorgelesen und gezeigt, dass die Verordnung von der Komitatskommision am 15 April dieses Jahres gegeben sei. Ich bat mir auch die Ministerialverordnung zu zeigen, auf deren diese Entscheidung getroffen werden konnte. Es wurde auf eine allgemeine Ministerialverordnung hingewiesen, deren Inhalt nicht zu ermitteln war. Da ich schwerhörig bin, bat ich mit Berufung auf den Umstand, die Verordnung auch selbst lesen zu dürfen, was mir anstandslos bewilligt wurde.

Ich machte dabei auf einige Punkte aufmerksam, die meiner Ansicht nach nicht mitgeteilt bzw. nicht beachtet worden seien, z.B. das niemand aus seinem Hause evakuiert werden dürfe, was bisher offenbar nicht beachtet sei, weiter das kein Beamter oder Gewerbetreibender bei der Agrarreform beteiligt werden dürfe, was ebenfalls nicht beachtet sei. Darauf wurde ich vom Presedinte aufgefordert, auch nur einen Fall zu nennen. Ich fragte, was sei eigentlich der anwesende Sekretär des Komitees Dionise Vlad / gewesener Gendarmeriefeldwebel, Flüchtling aus der Moldau. Da sagte man mir mit Entrüstung, der habe doch keinen Grund erhalten. Lächelnd erwiderte ich, wer fahre denn mit den schönsten Kühen und besten Wägen und wohne in einem der schönsten sächsischen Häusern? Darauf sagte man mir das sei seiner Schwiegermutter / etwa 65 Jahre alt / gegeben worden. Ich erwiderte: Ja das seien eben die Methoden die wir kennen. Diese und ähnliche „abuzuri“ hätten die Stimmung im Volke erzeugt. Da ich wieder meinen Willen in eine Diskussion hineingezogen worden war, wies ich die Kommission nochmals auf ihre große Verantwortung hin und sagte unter sichtlicher Bewegung der Anwesenden etwa folgendes: „Ihr werdet euch einmal verantworten müssen und wenn keine menschliche Autorität die Himmel, der da ist, ob ihr an ihn glaubt oder nicht, der lässt sich nicht spotten und wenn ihr seine Gebote mit Füssen tretet, so wird er euch schon zu strafen wissen, wenn nicht in diesem so in jenem Leben. Gott schlägt nicht mit dem Knüppel, aber er wird schlagen, wie wir das erfahren haben. Aber auch eure Bäume werden nicht in den Himmel wachsen. Damit war jede Diskussion beendigt. Ich wurde gebeten, die Bevölkerung zu beruhigen und heimzuschicken, was ich versprach. Dann gingen wir hinaus und sagten den Leuten: „Es ist von der Komitatskommission für Agrarreform, die die Einquartierung der Kolonisten anordnet und sich auf eine Ministerialverordnung beruft, die wir nicht haben sehen können. Aber es ist ausdrücklich gesagt, das niemand aus seinem Hause hinaus getan werden kann. Geht nun ruhig und zuversichtlich nach Hause, und handelt, wie ihr das jeder für seine Person verantworten könnt.

Es ist nachzuholen, das nach meiner ersten Ansprache auf dem Markt der auch verhaftete „Johann Schlosser“ sagte: „wenn sie Recht haben, sollen sie mit Gewalt eindringen und der mit verhaftete Gustav Stolz hatte ebenfalls gefordert es solle die bezügliche Verordnung vollinhaltlich verlesen werden.

Darauf ging ich nach Hause. Auf dem Weg bat mich eine Gruppe von Frauen, ob es nicht möglich wäre, jetzt gleich einen Bittgottesdienst zu halten, sie würden alle wenn auch so in Arbeitskleidung kommen. Ich erwiderte, unter diesen Umständen würde das als Herausforderung aufgefasst werden, was ich unbedingt vermeiden wolle.

Ich kam erst nach dem Mittagessen auf die Gasse, um zu sehen was geschieht. Ich war ganz überrascht, als ich heraustretend die Leute gruppenweise sitzen oder liegen sah und hier die Rumänen, Zigeuner und Kolonisten, dort die Sachsen, einige von ihnen beim herbeigeholten Mittagessen. Ich erfuhr, dass sie entschlossen seien, nicht nach Hause zu gehen, bis die anderen nicht auch gingen und wenn sie drei Tage hie bleiben müssten.

Ich versuchte das Gespräch ins scherzhafte zu lenken: „Euch geht es gut, ihr esst wie in den besten Zeiten“. Worauf man mich einlud mitzuhalten, es wäre ja genug da und Zeit hätten sie auch. Da kam der Gendarmeriechef auf uns zu und forderte die Leute auf, sie sollten nach Haus gehen und nicht hier Propaganda machen. Keiner rührte sich, einer sagte, wir machen gar keine Propaganda. Wir gehen nach Hause wenn die anderen auch gehen. Darauf wandte der Chef sich an mich und forderte mich auf nach Hause zu gehen, ich hätte kein Recht, mich unter die Leute zu mischen, bloß am Sonntag von 10-11 Uhr in der Kirche. Auf meine verwunderte Frage, wieso? Sagte er, es sei eine Verordnung. Ich antwortete, davon weiß ich nichts, halte mich an unsere vom König genehmigte K.O. welche auch den Pfarrer verpflichtet, mit seinen Leuten möglichst viel in Berührung zu treten und allen ihren leiblichen und seelischen Nöten mit Rat und Trost beizustehen. Er verlangte, ich solle ihm diese „Verordnung“ zeigen, worauf ich ihn bat mit mir ins Pfarrhaus zu kommen. Wir machten uns auf den Weg, ich im Glauben, er wolle mit mir ins Pfarrhaus kommen. Vor dem Pfarrtor aber, als ich schon hineingegangen war, schwenkte er ab und sagte, ich solle ins Gemeindehaus kommen und eine Erklärung unterschreiben. Ich aber überhörte das und ging ruhig nach Hause und ließ ihn ins Gemeindehaus gehen. Später merkte ich erst, dass schon hier meine Verhaftung hätte erfolgen sollen bestimmt auf Betreiben der Todfeinde.

Ich verließ nun das Pfarrhaus nicht mehr bis abends 7 Uhr, erfuhr aber durch uns besuchende Frauen, das niemand die Häuser eingezogen sei, weil sie zugesperrt seien und ein Haufen unserer Männer ruhig und gelassen immer hinter dem anderen Haufen einherging.

Abends gegen 7 Uhr ging ich auf die Gasse, um meinen gewohnten Gang durch die Gemeinde zu machen. Es schien alles ganz normal und ruhig zu sein. Man sah nur hie und da jemanden über die Gasse gehen. Da ging ich wieder heim, begleitet von Altkurator „Peter Lang“, der mit mir die Ereignisse des Tages besprechen wollte. Kaum hatte ich ein paar Schritte in den Pfarrhof getan, kamen eilig hinter mir zwei Gendarmen und ein mir aktiver als aktiver Terrorist gut bekannter einheimischer Rumäne „Joan Savu“, was mich stutzig machte. Der Chef forderte mich auf ins Gemeindehaus zu kommen und eine Erklärung abzugeben. Mit einem bezeichnenden Blick auf die Begleitperson sagte ich, das könnten wir auch hier im Pfarrhaus machen, nachdem wir einmal da seien. Da fasste mich der Chef heftig am Arm, sein Hund bellte mich heftig an, „Savu“ kam auf mich zu, da bat ich den Chef mich loszulassen und stellte fest, dass er Hand an mich gelegt hätte, was ich mir als freier Mensch verbitte. Ich ging nun ins Gemeindehaus, um die „Erklärung“ zu unterschreiben. Dort angelangt erklärte der Chef ich sei verhaftet und müsse sofort mit ihm vor die Legion kommen.

Ich sagte ihm, das sei so nicht möglich, erstens sei ich krank, zweitens müsse ich zu einer solchen Fahrt vorbereiten, drittens könne er mich nicht ohne höheren Befehl verhaften, er möge mir diesen Haftbefehl zeigen. Auch bitte ich, er möge mich zuvor nach Hause lassen, damit ich meine schwernervöse Frau, die auf vier kleine Enkelkinder zu sorgen habe, selbst beruhige, weil sonst Schlimmes zu befürchten sei. Nichts von alldem wurde mir erlaubt.

Da ging ich ohne ausdrückliche Erlaubnis durch die Tür hinaus, ohne das ein Gendarm einen Finger rührte, der anwesende „Joan Savu“ dagegen stürzte mir nach, fasste mich am Rock und wollte mich hineinzerren. Ich verbat mir das und ging selbst zurück. Da ich meine Angehörigen nicht verständigen konnte, ging ich ans Fenster, um irgendeinen vorübergehenden zu bitten, meine Familie zu verständigen. Hallo! Sofort wurde ich zurückgerissen und mir verboten zu rufen.
Mittlerweile war aber meine Verhaftung bekannt geworden (durch Peter Lang). Es versammelten sich einige Leute vor dem Gemeindehaus. Sachsen und Rumänen. Da stürzte vom Hofe des Presedinte der vis-a-vis liegt eine Schar Männer mit Gabeln, Hauen, Stangen etc. bewaffnet heraus, voran der Vizepresedinte „Mart Ghuri“ und liefen unter wüstem Geschrei auf das Gemeindehaus zu. Dies Geschrei hatte im Nu eine große Menschenmenge herbeigerufen, es erhob sich ein Tumult, wo man kaum mehr etwas erkennen konnte Ich rief aus dem Fenster hinaus und bat unsere Leute, doch Ruhe zu bewahren. Gendarmen und alle die sonst noch in der Kanzlei waren stürmten auch hinaus, während ich von oben weiter rief und um Ruhe bat. Da sah und hörte ich wie der Chef eine Salve abgab, worauf das wüste Treiben noch ärger wurde. Dann kam der Chef herauf und bat mich unter das Volk zu gehen und die Leute zu beruhigen. Das tat ich, fand aber zunächst kein Gehör. Im Gegenteil die Leute zeigten mir ihre Wunden, wie sollen wir da ruhig bleiben, ein Bursche sagte verzweifelt: „Meinen Vater haben sie totgeschlagen, wie soll ich da ruhig sein.“ Ich bat sie dennoch ruhig zu sein und nach Hause zu gehen. Ich stellte dann fest, dass die Rumänen losgeschlagen hatten, das ein Kolonist den „Friedrich Schaas“ mit einet Haue am Kopfe und sonst schwer verwundet hatte, das daraufhin die Sachsen in den Schulhof gelaufen seien und sich dort mit Holzscheiten und Stangen aus den Klaftern bewaffnet und die Terroristen vertrieben hatten. Ich ging hinauf und meldete dies dem Chef, der aber eben an die Legion telefonisch berichtete und behauptete, die Sachsen hätten die Rumänen bewaffnet angegriffen. Ich und meine herzu geeilte Tochter baten ihn, diese Meldung zu berichtigen und zu sagen, das die Rumänen bewaffnet gewesen wären, was er sich weigerte zu sagen, ja als meine Tochter selbst berichten und um bewaffnete .Hilfe bitten wollte, riss er ihr das Mikrophon aus der Hand und unterbrach die Verbindung. Inzwischen hatte sich die Menge etwas beruhigt. Wir vereinbarten in Gemeindehaus mit „Gustav Lang“ der inzwischen heraufgekommen war, und mit „Traian Axente“ gegenseitig für die Ruhe zu garantieren In weniger als einer Minute war darauf die Ruhe wiederhergestellt und alles ging Hause. Ich wurde bis gegen 11 Uhr in Haft gehalten, gab die gewünschte Erklärung ab und wurde dann durch Intervention meiner Tochter gegen das Versprechen‚ mich morgens zur Fahrt zur Legion einzustellen, nach Hause entlassen.

Ich habe an der Schlägerei nicht nur nicht teilgenommen, sondern mein möglichstes getan um sie zu verhüten und dann als der Tumult ausgebrochen war die Ruhe wieder herzustellen, was ausschließlich Dank der noch vorhandenen Disziplin vollkommen gelungen war. Ich habe aber, zeitweilig ganz allein im Gemeindehaus durch das Fenster genau beobachten können, soweit sich der Tumult nicht in Nebengassen abspielte, wie zum Beispiel auch die schwere Verletzung des „Friedrich Schaas“. An der Schlägerei haben sich die mit verhafteten „Gustav Stolz“ und „G. Schlosser“ bestimmt nicht beteiligt, sie kamen erst herbei, als sich der Tumult zu legen begann. Ich hole noch nach, das während der Tumult seinen Höhepunkt erreicht hatte, zwei Kolonisten mit einer Heugabel und einer 2 Meter langen Stange bewaffnet über die Kirchhofmauer springend in den Pfarrhof eindrangen, wo sie sich offenbar nicht auskannten und dann auf Zuruf der Nachbarin gegen das von innen verriegelte Tor liefen, dessen Sperrkette sie sprengten und dann an die Gartentür (gewöhnliche Eingangstür) liefen, wo sie durch den Ruf der Nachbarin verblüfft und erschreckt wurden und dann durch den großen Hof hinausliefen. Dies erfuhren wir während meiner Verhaftung. In der Nacht, als alles ruhig war ‚ fand ich hinter der Hoftür angelehnt eine Heugabel und eine Stange, die die Eindringlinge offenbar dort abgelegt hatten, um auf dem Markt, wo sich inzwischen die Lage beruhigt hatte, ohne Waffen zu erscheinen. Dies wollte der Chef, als er gerade an die Legion telefonierte nicht berichten. Ebenso weigerte er sich, den Kolonisten der ihm als der Attentäter auf den schwerverletzten „Friedrich Schaas“ genannt wurde, ebenfalls zu verhaften, oder sich zu dessen Verhaftung vom Major die Vollmacht geben zu lassen. Er wollte den Fall nicht melden. Aus diesen flüchtigen und daher unvollständigen, aber aus frischer Erinnerung und eigener Anschauung gegebener Tatsachenbericht der mündlich nach mancher Richtung hin ergänzt werden kann, mag folgendes hervorgehen:

Meine Verhaftung war längst beschlossene Sache. Man wartete nur auf eine passende Gelegenheit.

Diese Gelegenheit schien gegeben zu sein in meinem Verlangen Inhalt und Ursprung der betreffenden Verordnung vorzulesen.

Die Verhaftung war schon mittags 12 Uhr beschlossene Sache, als noch keine Spur von Aufruhr vorhanden war, es sei denn, das die Sachsen nur nach Hause gehen wollten wenn die anderen auch gingen.

Das während des versuchten Einzuges am Nachmittag von keiner Seite Gewalt angewendet worden ist und die Sachsen in Gruppen nur als Zuschauer und eventuelle Zeugen mit den anderen gruppenweise Gehenden mitgingen.

Keiner von uns Verhafteten hat an dem Aufruhr teilgenommen, im Gegenteil wir haben versucht zu tun, was möglich war, um ihn zu verhüten und dann dämpfen.

Quelle: Nachlass Herr Pfarrer Binder
Bildmaterial: Archiv: Reichesdorfer Kalender
Heinrich Maiterth 


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Wie es früher war

Unsere Adjuvanten

Lange aufgeschoben, doch nicht aufgehoben, hatte ich mir vorgenommen über unsere Reichesdorfer Adjuvanten und deren Wirken in unserer Gemeinde zu berichten.

Adjuvanten gab es wohl in Reichesdorf seit „Menschengedenken“ – also sehr lange. Meine Mutter und Großmutter erzählten oft – auch lustige – Begebenheiten über die Adjuvanten, die sich zugetragen haben sollen. So, z.B. war es Brauch, dass am Neujahrsmorgen, die Adjuvanten dem Herrn Pfarrer ein Ständchen brachten. Ein Pfarrer soll daraufhin seinem Knecht zugerufen haben: „Hans, mach den Brunnentrog voll, die Adjuvanten haben Durst.“ Worauf die Adjuvanten traurig und beschämt eine Kehrtwendung machten. Der Herr Pfarrer hat sie aber dann doch mit einem guten Wein, aus dem Pfarrkeller bewirtet.

Man konnte sich eine Beerdigung ohne Adjuvanten nicht vorstellen. Unmöglich. Wie sie es aber fertig brachten auf jeder Beerdigung dabei zu sein, ist mir heute schleierhaft, da manche auch außerhalb unseres Dorfes arbeiteten und auch staatlich angestellt waren.

Die Adjuvanten hatten einen hohen Stellenwert in unserer Gemeinschaft. Das geht auch aus folgender Begebenheit hervor. Ein Verwandter, aus dem Nachbardorf (früh nach Deutschland ausgewandert) dessen Vater in einem Altenheim in Siebenbürgen verstarb, klagte mir entrüstet: „ sie haben meinen Vater ohne Adjuvanten, wie einen Hund, begraben.“

Jeder Tote wurde mit Glockenläuten und Adjuvanten auf seinem letzten Weg begleitet und jeder sächsische Dorfbewohner machte es möglich ihm die „letzte Ehre“ zu erweisen.

Hier möchte ich, aus den Erinnerungen einiger „Adjuvanten unserer Zeit“, berichten:

Karl Drotleff (Nr.199)

Es war im März 1948 nach unserer Konfirmation, als ich meine Mutter bat, mir ein Flügelhorn zu kaufen (auf der Mund- und Ziehharmonika konnte ich schon spielen). Dieses Instrument verkaufte uns der Zigeuner Guti (sprich Gutzi) aus Birthälm für 100 Lei, 2 kg. Speck und auch Fett; davon hatte man ja genug. Die Instrumente von der alten Blaskapelle hatten die Zigeuner beschlagnahmt. Der Schaasen-Tin, Greger Will und die anderen „Musikwilligen“, mussten sich die Instrumente von den Zigeunern ausleihen und in der Anfangszeit unserer Proben, immer wieder an diese zurückgeben.

Mit diesen Instrumenten machten wir dann, in unserer Sommerküche, „Katzenmusik“ – nicht schön, aber doch so laut, dass der Herr Rektor Ziegler, als er gerade einmal zu der Zeit aus Birthälm kam, auf unsere Musik aufmerksam wurde und sich anbot, uns die Noten beizubringen und uns auszubilden.

Daraufhin gesellten sich noch Alzner Martin, Schaas Bert, Untch Heinrich, Nemenz Georg, Andreas Herberth, Roth Michael, Weinrich Gust, Nemenz Andreas, Hügel Andreas, Schaas Hans, u.a. dazu.

Im Jahre 1949 kam ich nach Mediasch auf die Lehre, verließ Reichesdorf und somit auch die mühsam aufgebaute „Band“.

In Mediasch spielte ich in der „36 Mann Kapelle“ aus der „IRTI“ noch 6 Jahre weiter – bei Festen, Umzügen, ja sogar auf Beerdigungen.

Für die Reichesdorfer Blaskapelle, die Adjuvanten, habe ich immer wieder Mundstücke aus Messing gedreht – vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, darauf hatte ich mich als Dreher spezialisiert.

Nach der Militärzeit habe ich dann wieder Mund- und Ziehharmonika auf Hochzeiten und Unterhaltungen, als Alleinunterhalter, gespielt.

Georg Nemenz (Nr. 127)

Mit 19 Jahren, Anfang 1949 begannen wir mit dem Musikunterricht. Unsere ersten Musikleiter waren Herr Rektor Ziegler und Andreas Hügel sen. Nr.70. Die ersten Unterrichtsstunden erhielten wir von Herrn Rektor Ziegler kostenlos. Herrn Andreas Hügel (Oinzonkel) zahlten wir 5 Lei pro Mann und Abend. Diese ersten Proben fanden in der Sommerküche von Fröhlich Paul Nr.28 und Herberth Johann Nr.27 statt. Unsere Instrumente hatten wir von der Kirche erhalten. Einige hatten auch eigene Instrumente.

Den ersten „Leichenmarsch“ probierten wir im Garten von Kloos Andreas. Später fanden unsere Proben bei Michael Roth Nr.360 statt. Es war Winter und jeder brachte 2 Stück Holz für den Ofen mit.

Rektor Ziegler, Andreas Hügel sen. u. Adjuvanten

Bei Roth Michael fand auch unser erstes Adjuvantenfest statt – zu dieser Zeit waren wir noch nicht verheiratet.

Im Sommer spielten wir sonntags im Kirchtal, auf der Straße Polka und Walzer und die Jugendlichen versammelten sich zum Tanzen.

Im Jahre 1952 löste sich die Adjuvantengruppe auf, da wir 3 Jahre, bis 1955, zum Militärdienst mussten.

Nach der Militärzeit schlossen wir uns wieder zusam-men und spielten zu Beerdigungen. Aber auch zu besonderen Anlässen wie „1. Mai“, Kinderfasching (Blasi), Präsentationsfest von Herrn Pfarrer Schneider und Herrn Pfarrer Binder, 1961 zum 100-jährigen Turmfest, Reformationstag, und am Heiligabend wurde vom Turm geblasen.

Als Höhepunkt wurde jedes Jahr das Adjuvantenfest gefeiert, wo auch unsere Frauen mit dabei waren.

Unsere Musiklehrer waren: Herr Lehrer Schuller, Herr Lehrer Wagner, Herr Rektor Lassner, Andreas Herberth Nr.18 und zuletzt Hügel Andreas jun. Nr.121.

Von Bedeutung war unsere Beteiligung bei jeder Beerdigung, wo wir die Toten würdig mit Musik auf dem letzten Weg begleitet haben. Für diesen Beitrag erhielten wir die Kirchensteuer erlassen (Ehepaar). Für die Adjuvanten gab es nach jeder Beerdigung, von den Hinterbliebenen des Verstorbenen, ein Essen, dazu einen Eimer Wein, 1 Liter. Schnaps und 1 Striezel sowie 20 Lei pro Adjuvant, die für das Adjuvantenfest zurückgelegt wurden.

Adjuvanten im Torbogen bei einer Beerdigung

Im Februar 1991, vor meiner Ausreise in die Bundesrepublik habe ich den „Bass“ an Hans Schaas Nr.87 abgegeben.

Andreas Herberth (Nr.18)

Aus der Erinnerung an meine Adjuvantenzeit möchte ich folgendes erzählen:
Adjuvanten vor dem 2.Weltkrieg :

Rektor Ziegler  Bass und Flügelhorn
Prediger/Lehrer
Mantsch Simon  Bass
Hügel Andreas  Flügelhorn
Moodt Johann  Corno
Binder Georg  Trompete
Draser Friedrich  Es-Klarinette
Hügel Johann 96  Flügelhorn
Hügel Martin 1o5  B-Klarinette
Nemenz Simon 14  Es-Klarinette
Schlosser Paul 44  Flügelhorn
Herberth Johann 27  Corno u.Bassflügelhorn
Pinnes Paul  Flügelhorn
Binder Georg jun.  Klarinette
Hügel Johann 86  Corno

Auch in unserer Gemeinde wurden die jüngeren Adjuvanten, mit den anderen Wehrpflichtigen in den 2. Weltkrieg eingezogen. Manche kamen nicht mehr zurück. Nach Kriegsende wurden viele, zur Zwangsarbeit, nach Russland verschleppt. Die Musikinstrumente wurden enteignet und den Zigeunern übergeben.

Im Jahre 1949 bildete sich eine neue Gruppe von Adjuvanten unter der Leitung von Herrn Rektor Ziegler und Andreas Hügel sen. Nr.70. Zu dieser Zeit waren folgende Adjuvanten:

Rektor Ziegler  Bass und Flügelhorn
Hügel Andreas  Flügelhorn
Hügel Johann 297  Flügelhorn
Greger Wilhelm  Flügelhorn
Nemenz Andreas 246  Flügelhorn
Weinrich Gustav  Es-Klarinette
Roth Michael  B-Klarinette
Herberth Andreas 299  B-Klarinette
Hügel Andreas jun. 70  Bassflügelhorn
Schaas Martin  Bassflügelhorn
Schaas Johann 87  Corno
Alzner Martin 132  Trompete
Untch Heinrich 293  Trompete
Mätz Martin  Corno
Bruckner Hans 3o7  Corno
Schaas Albert sen. 296  Corno
Hügel Martin 23  Klarinette
Nemenz Georg 127  F-Bass

Es wurde viel Zeit und Aufwand in Anspruch genommen um Noten zu lernen für Trauermärsche, Trauerlieder bei Beerdigungen, weihnachtliches Turmblasen etc. Wir spielten aber auch zu verschiedenen Anlässen wie Jugendbällen (z.B. Peter u. Paulstag, Blasi, etc) beim Empfang unserer neuen Pfarrer um nur einiges zu nennen.

Im Jahre 1970 kam Herr Pfarrer Binder, als neuer Pfarrer in unsere Gemeinde, der die Ausbildung der Adjuvanten übernahm und 1975 wurde ich von ihm beauftragt junge Adjuvanten auszubilden, da ich als Organist der Kirchengemeinde nicht ausgelastet sei.



Andreas Herberth an der Orgel 

Unter meiner Leitung waren folgende junge Adjuvanten:

Hügel Gerhard  Piston
Lang Peter, jun.  B-Klarinette
Hügel Johann jun. 96  Flügelhorn
Wagner Martin 152  Trompete
Untch Wilhelm 118  Klarinette
Weinrich Ernst  E-Klarinette
Herberth Wilhelm 27  Bassflügelhorn
Schaas Albert jun. 103  Bassgflügelhorn
Hügel Gustav 74  Flügelhorn
Weinrich Andreas 247  Corno
Alzner Johann 222  Piston
Fernengel Samuel 137  Piston
Borger Wilhelm 226  Trompete
Pinnes Andreas 236  Corno
Hügel Martin jun. 70  Bassflügelhorn
Drotleff Fritz-Heinz 44  Flügelhorn
Meyndt Hannes  Flügelhorn
Nemenz Georg jun. 127  Corno
Kloos Martin jun. 198  F-Bass


Andreas Herberth mit jungen Adjuvanten

Es gab viele Unstimmigkeiten während dieser Zeit, doch Fam. Lassner unterstütze meine Bemühungen und alles wendete sich zum Guten. Ich besorgte mir Unterlagen und Lehrgang für F und B-Bass von Herrn Rill, Kapellmeister aus Mediasch, Noten und Texte von Kapellmeister Hans Binder aus Hetzeldorf. Bald, und zwar am 20. April erklang der erste Walzer (Weiße Rosen) gespielt von 18 Adjuvanten. Im Laufe der Zeit waren einige ausgeschieden.

Martin Alzner (Nr.132 verstorben)
Aus dem Nachlass, den uns seine Frau Katharina Alzner geb. Kloos, überlieferte 

Aus dem Logbuch des Jahres 1970/71:
Einnahmen:

2 x Turmblasen 200 Lei
Kinder-Blasi 2.Mai 71 400 Lei
Rest von Kirchentaxen 240 Lei

Insgesamt Einnahmen  840 Lei

Ausgaben fürs Adjuvantenfest:

19 kg. Fleisch 364 Lei
Fahrt-Spesen (Bus nach Mediasch)   22 Lei
144 Flaschen Bier  554 Lei

Insgesamt Ausgaben  940 Lei

Der Differenzbetrag von 100 Lei wurde von den anwesenden Adjuvanten mit je 5 Lei pro Mann ausgeglichen.

Adjuvanten des Jahres 1984 waren:


Rektor Lassner Georg
Schaas Martin 114
Weinrich Gustav 153
Nemenz Georg 127
Untch Heinrich 3o5
Greger Wilhelm 112
Schaas Johann 87
Hügel Johann 96
Mätz Martin 282
Homm Karl 201
Schaas Albert sen. 1o3
Weinrich Ernst 153
Kloos Martin 202
Hügel Johann jun. 96
Meyndt Hannes 139
Mätz Gerhardt 282
Hartmann Martin 146
Roth Michael 373
Roth Georg 373

Soweit aus der Erinnerung der Adjuvanten. Gerne hätte ich auch andere, ehemalige Adjuvanten, zu Worte kommen lassen, leider hat sich, trotz mehrerer Nachfragen, keiner mehr dazu bereit erklärt. Schade.

Ab dem Jahre 1989/90 – nach der “Auswanderung aller Siebenbürger Sachsen” löste sich auch die „Gemeinschaft der Reichesdorfer Adjuvanten“ auf. Die paar „daheim-verbliebenen“

Sachsen werden einmal, ohne Trauermarsch, zu Grabe getragen und keiner singt ihnen zum Abschied :„Ich bete an die Macht der Liebe“, wo einstmals „kein Auge trocken blieb“, (Aussage von Martin Mätz, Adjuvant). Erstellt im Oktober 2oo9 von M. Mattes, Wedemark

Erstellt im Oktober 2009 von M.Mattes, Wedemark


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Hochzeits-Jubilare 2009 

"Hand in Hand durchs Leben geh'n,
Hand in Hand zusammen steh'n, 
Hand in Hand stets treu verbunden,
Hand in Hand das Glück gefunden."

In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch:

Zur Hochzeit

am 05. Dezember 2009: 
Adelheid Welther und Kurt Oelschlegel
Rödental
(Tochter von Fridrich (Itz) und Anni Welther geb.Pinnes)


Zum Silber-Hochzeitstag

am 16. November 2009:
Peter und Angelika Lang, geb. Röder
Ingolstadt


Zum Goldenen-Hochzeitstag

am 29. Januar 2009:
Martin und Emma Hügel, geb.Fernengel
Lichtenstein

am 21. März 2009:
Martin und Ruth Stolz, geb.Haberpursch
Sindelfingen

am 28.April 2009:
Karl und Anna Drotleff, geb. Friedsmann
Nordheim a.N.

am 28. April 2009:
Andreas und Susanna Löw
Speichersdorf


Zum Diamantenen-Hochzeitstag

 am 08. Januar 2009:
Johann und Katharina Kloos, geb. Greger
Traunreut

 (soweit bekannt) Erstellt von M.Mattes, 
Wedemark, im November 2009


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Das Besondere unserer Zeit 

Wir haben breite Autobahnen, aber enge Ansichten. Wir brauchen mehr, aber haben weniger; machen mehr Einkäufe, aber haben weniger Freude…

Es gibt viele Probleme, mehr Medizin, aber weniger Gesundheit.

Wir lachen zu wenig, wir machen größere, aber nicht bessere Dinge. Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn…

Wir schreiben mehr, wissen aber weniger. Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung. Es ist die Zeit der Pillen, die alles können, sie erregen uns, sie töten uns. Es ist die Zeit der schönen Häuser und des zerstörten Zuhause…

Vergesst nicht, mehr Zeit denen zu schenken, die ihr liebt, weil sie nicht immer mit euch sein werden.

Schenkt dem Menschen neben euch eine heiße Umarmung, denn sie ist der einzige Schatz, der von eurem Herzen kommt und euch nichts kostet.

Sagt dem geliebten Menschen: ich liebe dich! Und meint es auch so. Ein Kuss und eine Umarmung, die von Herzen kommt, können alles Böse wieder gut machen.
Geht Hand in Hand und schätzt die Augenblicke, in denen ihr zusammen seid, denn eines Tages wird dieser Mensch nicht mehr neben euch sein!

Findet Zeit, zu lieben, findet Zeit, miteinander zu sprechen! Findet Zeit, alles, was ihr zu sagen habt miteinander zu teilen!

Denn: das Leben wird nicht gemessen an der Anzahl der Atemzüge, sondern an der Anzahl der Augenblicke, die uns den Atem rauben.

(Eingesandt von Kathi Mätz, Verfasser nicht bekannt)


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Der Tummes


Ein Text mit typischen siebenbürgischen Ausdrücken und Redewendungen.
Achtet sie die mit fett blau markierten Worte und Redewendungen:

- Er tummelte sich, denn er wollte nach draußen.

Sein Vater mahnte: „Tu dir was an - es ist kalt am Morgen!“

Seine Mutter hatte ihm was angetan.

Sein Mantel war blitzblumig und der Schal glangelte herunter wie die Balen beim Wurstmachen, wenn das Schwein abgetan wurde.

Die Kappe war etwas zu klein und knackschwarz und bedeckte kaum seine Haare, die seine Mutter mit Hilfe eines Hinkeldeppen gestutzt hatte.

Zu spät sah er den Langen, den Firlefurz aus der Nachbarschaft, der eine Quatsch zwischen den Fingern hielt und so tat, als pippte er.

„Du sollst dich (mit?) mir nicht bekratzen, hörst du,“ sagt der Rotzlöffel mutig, „ weil du kriegst sonst eine Pletsche ins Gefriß, dass du dich nicht mehr beklauben kannst!“

Das lange Elend zögerte keinen Augenblick. „Dich werde ich Mores lehren!“ sagte er.

Er trat ihm direkt auf das Elsterauge.

Der Kleine schrie auf und überdrehte sich.

Dann fing der an zu heulen und heulte in einem, weil er sich so aufgepletscht hatte.

Lüfte dich“! befahl der Lange mit leiser Stimme.

Sein Vater, der Kappenkratzer, noppte in der vorderen Stube und er wollte ihn unter keinen Umständen aufwecken.

Er hätte einen Tuppes Ärger bekommen, wenn der mitbekommen hätte, dass er Kleinere verprügelt.

Mehr wie, es war dreiviertel übers Stubeneck und er musste die Getter abholen.

Er ließ vom Beschnupperten los.

Der tuckte sich und hob seinen Augenspiegel auf.

Verkommt euch“, Kinder hörten sie die Stimme des Großvaters, der augenscheinlich heimlich alles, hinter den zugezogenen Jalousien beobachtet hatte. „Ein Flur mit einem Henkel“ dachte der Kleine erbittert.

Er zog seinen Fußlink hoch und inspizierte seine Verletzung.

Die Zähren traten ihm erneut in die Augen.

Er hatte sich das Knie aufgerissen.

Es tat weh.

Er dacht an seine Groß.

Früher hatte die Groß immer geblasen, so lange, bis der Schmerz fast davon war.

Das tat gut.

Nun musste er sich alleine bemachen.

Seine Groß war davon gezogen, nach Stuttgart, die Trenitante besuchen.

Sie hatten auch schon einen Brief bekommen, in dem stand, dass sie gut angekommen wäre, und dass, als sie aus dem Zug herausgekrochen wäre, von der Ansagefrau gehört hätte, dass der Hauptbahnhof in Stuttgart jedoch „Hapalof“ heißt.

Es hießen auch ganz viele Straßen einfach nur „Einbahnstraße“ und es gäbe keine Unterund Obergasse, wie es sich für eine Ortschaft gehöre und für die Orientierung wichtig wäre. Und dann die vielen Maschinen, welche gar nicht richtig funktionieren.

Die Trenitante hätte eine Waschmaschine, die, derweil sie wusch, auf einmal stehenblieb.

Um was, um Gottes Willen?

Hatte etwa sie sie gewürgt?

Aber sie hatte ja nichts gemacht!

Komm auf die Zeil“, hätte sie sich gedacht, die Wäsche herausgenommen und mit der Hand gewaschen.

Die Treni hätte bis jetzt nicht gesehen, dass die Maschine hin ist.

Gleich am Anfang hatte sie schon daran gedacht, dass ihnen der Strom ausgedreht wurde.

Aber dann läutete es und sie musste zum Telefon laufen.

Sie erwischte das Telefon, aber es war niemand da und es läutete und läutete immer in einem, auch wenn sie noch so hart ins Telefon kreischte.

Später erst wäre sie draufgekommen, dass die Tür wie das Telefon läutet!

Ja, die Groß konnte viele Geschichten und sie verdrosch ihn auch nicht nach Gemerk, so wie ….

Er erinnerte sich wieder an den Langen und wie der sich aufgepletscht hatte.

Mehr auch ich kleiner bin wie du, werde ich dir dies mehr wie zurückzahlen“ dachte der Stibes.

Jetzt würde er ihn nicht mehr erdehnen können, um es ihm heimzuzahlen, aber er würde sich das nicht gefallen lassen.

Er überlegte, ob er sich trauen sollte, wenn sein Vater das Haus bewarf.

Dann war der wenigstens abgelenkt und er konnte dem Langen, der Hopfenstange, eine Falle stellen.

Dann war es mehr wer gewesen, auf jeden Fall nicht er!

Ja, so musste er es anstellen, mehr auch dieser Plan hart schwer zu realisieren war.

Und wenn es nicht klappt, lachen sich alle pucklich über mich!

So, wie sie letztes Jahr gelacht hatten, als sie ins Gebirge gezogen sind.

Er hatte sich nicht wegschippen lassen und sie hatten ihn dann doch auf die Nachtwanderung mitgenommen.

Aber dann, weil er auf die Seite musste, konnte er die Bagasch nicht mehr erdehnen.

Ihm war nicht alles eins und, als er dann die glühenden Augen in der Dunkelheit leuchten sah, kreischte er aus Leibeskräften: „Ein Fus, ein Fus!!!“

Es war aber nur der Hund des Hirten.

Der hatte sich aus der Hütte, wo die Gruppe untergekommen war, weggemacht, weil sie sich nicht alle bedrehten und war ihm entgegengekommen.

Sie hatten gehört, wie er gekreischt hatte und hatten ihn ausgelacht, der Lange am härtesten von allen.

Tatterich hatten sie ihn genannt und Palukes.

Nicht genug damit, es war auch kein Essen mehr für ihn übrig; die Hundspelze hatten den ganzen Kompost aufgegessen!

Dass dich die Hunde fressen sollen“, hörte er auf einmal die Stimme seines Vaters. Was deine wilde Übergroß machst du um diese Zeit noch hier?

Bist du pustig oder willst du Dresch bekommen?

Die Getter sind im Stall und das Hühnergetier schläft auch schon.

Du bist gefroren wie ein Hund und ich greule deine Mutter gibt dir eine Pletsche, wenn du heimkommst.

Meine Stunde ist stehengeblieben, versuchte er sich kleinlaut zu verteidigen, aber verfriß dich nicht, ich geh ja schon heim.

Predig, predig, die Kirch ist ledig’, dachte er bei sich, und am liebsten hätte er ihm gesagt, dass er die Läpp halten soll, aber es zu sagen, getraute er sich nicht, obwohl er nicht auf den Mund gefallen war.

Er wusste, er war einer, der mehr konnte, als Brot essen.

Er hatte freilich keinen Mund wie ein Scheunentor – das hatte mehr der Lange.

Der konnte reden wie ein Wasserfall, der konnte einem ein Loch in den Bauch reden und dabei kam nur eine Hundepflaume raus.

Aber um was war sein Vater so murkschig?

Es kam ihm vor, wie wenn sein Vater eine Paliflasche auf gestopft hatte.

Er hatte ihn vorhin auf das Himmels kriechen sehen. Er wusste, dass sein Vater gerne ein kizken Pelsenschnaps zurpte.

Dann waren seine Augendeckel etwas schlaffer und er scharwänzelte immer um seine Mutter herum, mehr auch die das nicht wollte, - was er wollte.

Aber das war ihm alleseins.

Er überlegte, ob er dem Langen ein Telefon geben sollte, und dann einfach hineinflöten sollte.

Seine wilde Übergroßmutter, die im Bisch herumläuft und Baubau schreit, machte er sich nochmal Luft.

Das Geflätter würde ihm vergehen!

Dieser Tockenflicker!

Jetzt aber mußte er schnell heim, wenn er keine Dresch bekommen wollte!

Dem Maulaffen würde er es morgen heimzahlen!

 

Mit freundlicher Genehmigung
Elfi Silem
Telefonat vom 21.11.2010, Heinrich Maiterth


k

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Reichesdorfer Kalender 2010

Reichedorfer Kalender 2010
Ein Tag, er kann kaum schöner sein,
als mit dem Rreichesdorfer Kalender bei Kerzenschein.
Des Jahres Hektik langsam schwindet
und Ruhe endlich Einkehr findet.
Es soll bei wenigen Worten bleiben:
Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachtstage!

Der Kalender ist fertig und kann bestellt werden:
Telefonisch unter 05241 40407 / 017 667808065 oder
maiterth.heinrich@tonline.de

Vielen Dank all jenen die ihre Alben umgewälzt
haben, mir so zahlreich ihre Bilder für den
Reichesdorfer Kalender
zur Verfügung gestellt haben.

Sollten Euch noch Bilder in die Hände fallen
die sich für den Kalender eignen, bitte mir zuschicken.



Zum Jahreswechsel

So gehst du nun, mein altes Jahr,
alt und Weise, voll mit grauem Haar.
Hattest anfangs so viel Hoffnung,
davon blieb oft nur die Erinnerung,,
doch manches, was du gedacht,
ist doch geschehen, hast es wahr gemacht.

Was nahm dir den Elan für alle Hürden?
Wer gab dir unerwartete, neue Bürden?
Wieder mal haben wir Lehrgeld berappt
Doch irgendwie hat`s dann doch geklappt.

Sei nicht traurig, wirst über Nacht jung
und versuchst es dann mit neuem Schwung.
Schließen wir heute erneut den alten Bund,
Hauptsache wir bleiben jung und gesund.

Allen wünsch ich Frieden und Glück,
wo sie nicht sind, kehren sie zurück.
Freut euch vor allem über kleine Sachen,
(Reichesdorfer Kalender 2010)
lasst euch von der Welt nicht irre machen.

Friede und Gesundheit für Leib und Leben
das soll das kommende Jahr Euch allen geben
Darauf ein Glas im Freundeskreis,
horcht: das junge Jahr, es ruft uns leis.

Ein frohes Weihnachtsfest
und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010
Familie Maiterth aus Gütersloh

Zwei kleine Erinnerungs-DVDs, an unsere alte Heimat Reichesdorf, können ebenfalls bei mir bestellt werden:

DVD 1
Kirchenführung mit Hans Schaas.



Er erzählt über das Leben in Reichesdorf, über das Auf und Ab der Reichesdorfer im Laufe der Jahrhunderte. Viele uns bekannten Anekdoten und Erzählungen werden zum Besten gegeben. Auch die Geschichte der Gemeinde kommt dabei nicht zu kurz. Anschließend noch ein paar schöne Bilder aus und um Reichesdorf, das Ganze untermahlt mit Musik. (ca. 90 min)

DVD 2
Impressionen aus Reichesdorf.



Eine DVD mit bewegten Bildern, sowie Fotos der Gemeinde.
Ich lade hier zu einem virtuellen Spaziergang ein. Wir gehen durch die Gassen des Dorfes, wir besuchen den Friedhof, wir laufen über den Hattert und bewundern das, was die Natur geschaffen hat. Die DVD ist untertitelt, so dass jeder weiß wo ich in dem Moment stehe, oder was da zu sehen ist. Natürlich ist auch diese DVD mit Musik untermahlt. (ca. 90 min)

Für eine kleine Spende zu
„Gunsten der Reichesdorfer HOG“
können die DVDs einzeln
oder auch als Doppelpack bestellt werden.

Interessenten sollten sich bei mir melden
Tel: 05241 40407
Handy 0176 67808465 oder
Mail maiterth.heinrich@tonline.de


L

Todes- Anzeigen 2009

"Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch"
                                                                                    J.A. Bengel

 
Johann Kloos
* 15.07.1919 17.06.2006

 

Reichesdorf Nr.302  

Duisburg (NRW)

Adolf Müller
* 14.04.1938 13.07.2008

 

Reichesdorf Nr.361

Böhmenkirch (BW)

Martin Weinrich
* 18.01.1929 20.12.2008

 

Reichesdorf Nr. 235

Bietigheim (BW)

Anna Binder

* geb. Schneider 31.03.1918

06.02.2009

 

Reichesdof / Agnetheln

Landshut (BY)

Andreas Hartmann
* 05.08.1928 12.02.2009

 

Reichesdorf Nr.42

Laufen a.N. (BW).

Sofia Weinrich

* geb. Herberth 13.04.1930

26.02.2009

 

Reichesdorf Nr. 235

Bietigheim (BW)

Ernst Drotleff
* 05.08.1926 19.03.2009

 
Reichesdorf Nr.192

Öhringen  (BW)

 
Martin Hügel
* 19.09.1941 25.05.2009

 
Reichesdorf Nr. 23

Wiehl (NRW)

 
Hans-Paul Schaas
* 20.12.1941 12.6.2009

 
Reichesdorf Nr. 16

Brettheim (BW)

Günter Herbert
* 26.05.1938 28.06.2009

Ehemann von Traute Drotleff 148

 
Heltau

Offenburg (BW)

 
Regina Nemenz
* geb. Broos 16.07.1923 08.07.2009
Ehefrau von Lorenz Nemenz 199

 
Nimesch

Kassel (He)

Helene Drotleff
* geb. Uhlmann15.08.1930 27.07.2009

Ehefrau von Ernst Drotleff 192

 

Öhringen (BW)

Johanna Alzner
* geb. Mätz 13.09.1922 19.09.2009

 
Reichesdorf Nr. 222

München (BY)

Gusti Luitz
* geb. Vogler 19.03.1938 19.10.2009

Ehefrau von Bubi Luitz

 

Marktoberdorf (BY)

Wir erinnern an den 5.ten Todestag von Sophia Lassner
(gest. 19.09.2004)
Und den 10.ten Todestag von Herren Rektor Georg Lassner (gest. 28.05.1999)
Sie prägten das kulturelle Leben in unserer Heimat-Gemeinde Reichesdorf in den Jahren 1950-1980

 

 soweit bekannt - erstellt v.Marg.Mattes


M

Zum Gedenken an Martin Hügel
Reichesdorf, Hausnr. 23,
geb. 19.09.1941 gest. 25.05.2009
(vorgetragen am Grabe, von einem ehemaligen Arbeitskollegen, Anm.)

Liebe trauernde Hinterbliebene, liebe Trauergäste und liebe Sarstedt Kollegen,

Die Hände gefaltet zum Gebet
Ich schweren Schrittes an dieses Mikrophon hier tret`,
Dir zum Gedenken, Martin, habe ich geschrieben dieses Gedicht,
Es war für mich eine Ehrenpflicht.
Auch wir, deine Sarstedt Kollegen
Bitte für dich heute Gott um seinen Segen.
So manchen Tag und manche Nacht
Haben wir gemeinsam bei Sarstedt verbracht.
Unsere Vorgesetzten schenkten dir ihr Vertrauen,
Du warst ein Mann, auf den man konnte bauen.
Hast auf der Arbeit stets dein Bestes gegeben,
Warst ein fleißiger Mensch in deinem Leben.
Mir geht es gut, dem Herrn sei Dank,
Sagtest du oft, du warst nie krank.
Von Rente wolltest du nie viel erzählen,
Zu Hause würden wir dir fehlen.
Mit 65 war es dann so weit,
Es begann für dich die Rentenzeit.
Zum Abschied gab es Kaffee und Kuchen:
„Man sieht sich, Leute! Kommt mich besuchen!“
So manche, die heute hinter deinem Sarge gehen,
Haben dich leider nicht mehr gesehen.
Deine Rentenplanung war gar nicht schlecht,
Nach geleisteter Arbeit auch gerecht.
In Siebenbürgen, in deinem Elternhaus
Wolltest du von der Arbeit dich ab und zu ruhen aus.
So war es geplant, Martin, so haargenau
Von dir und deiner kranken Frau.
Der Mensch, er denkt, doch Gott, der lenkt!
Zuerst wurde dir die Frau genommen,
Die ist im Himmel längst angekommen.
Der Herr, er hatte sie befreit
Von ihren Schmerzen, ihrem Leid.
Als du dann wieder kamst zu Ruh,
Da schlug das Schicksal wieder zu.
Mit wenig Hoffnung und viel Bangen
Hat deine Krankheit angefangen.
Und kaum zu glauben, doch es ist wahr,
In einem wirklich knappen Jahr
Wir nun vor deinem Sarge stehen.
Ja, Martin, wir müssen dich leider lassen gehen!
Deine Todesstunde, sie schlug zu früh,
Doch Gott, der Herr bestimmte sie.
Du hast nun überwunden,
Vorbei sind deine schweren Stunden.
Der Tod, er ist nur ein sanfter Schlummer,
Frei von Sorgen, ohne Kummer.
Vielleicht hat Gott es gut gemeint
Und dich mit deiner Frau auf ewig vereint.
Wir können jetzt nichts mehr für dich tun,
Wir lassen dich nun selig ruhen.
Im Namen aller Sarstedt Kollegen rufe ich dir zu:
Martin Hügel, schlafe wohl und ewige Ruh!
Diese Zeilen an deinem Sarge vorzulesen war mir eine Ehr.
Liebe trauernd Hinterbliebenen, liebe Trauergäste, liebe Kollegen,
Den Menschen Martin Hügel, den gibt es ab jetzt nicht mehr.
Martin Hügel wird ab jetzt nur noch ein Name sein,
Eingemeißelt in einem harten, kalten Stein.
Ade, Martin, ade!
Gott, der Herr möge dich wieder einmal auferwecken an dem großen Tage, an den wir Christen alle glauben!


Anzeigeschluss 30. April und 31. Oktober

 


1. Vorsitzender: Werner Meyndt   82515 Wolfratshausen  Tel 08171/20228 
 Kassier: Ernst Kloos 51674 Wiehl Tel 02262/305662
Schriftführer:  Susanna Riemesch  74226 Nordheim   Tel 07133/964816
 Margareta Mattes  30900 Wedemark - Elze   Tel 05130/4379
Herausgeber des Boten:  Heinrich Maiterth 33332 Gütersloh maiterth.heinrich@t-online.de 
Internet Hans-Christian Hienz  91550 Dinkelsbühl webmaster@reichesdorf.de
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Vorstandsmitglieder der Reichesdorfer HOG
Ernst Kloos, Gustav Hügel, Hans-Christian Hienz, Harald Hügel, Heinrich Hienz, Heinrich Maiterth (Cleebronn), Heinrich Maiterth (Gütersloh), Heinrich Waffenschmidt, Hermann Hügel, Martin Alzner, Susi Riemesch, Werner Meyndt



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