titl

Reichesdorfer Bote

    Jahrgang 27, Ausgabe 48                                                                                                    Muttertag 2013  

 
 

 
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Grußwort
Über 50 Jahre Muttertag
Mütter
Das Mutterherz
Eine außergewöhnliche Mutter
Wie dankbar bin ich meiner Mutter, das sie mich beten hat gelehrt
So wie es daheim war
Unserem Jubilar Hans Schaas
Offener Glückwunsch-Brief an J.Schaas
Urkunde Anna Susanna Hügel
Danksagung
Wir danken unserer Spenderin 

Der Mai ist gekommen
Für unsere Jüngsten


In Büchern geblättert
Det Rechesdirfer Wappen
Die neue "Rolle" der Frau
Die Büffelkuh
Der Ackermann und der Tod
Das Geheimnis in Siebenbürgen
Warum machen wir so viel Aufhebens
Siebenbürgen an der Spitze
Zur Entlastung der Hauptstraßen
Rückblick Skiwochenende
Reichesdorfer Skiwochenende
Wissenswertes über....
Majaaliiss, Majaaluss, Majaali
Wie schön ein 80.Geburtstag sein kann!

 
 

a

Liebe Reichesdorferinnen und Reichesdorfer
Eine Mutter ist eine Frau, deren Liebe der Himmel gesegnet hat

In diesem Sinne möchte ich zu allererst die Gelegenheit nutzen und allen Müttern einen schönen Muttertag wünschen.
Ein neuer Bote ist fertig gestellt und bereit, von Euch studiert zu werden. Auch ich freue mich jedes Mal, wenn unser Bote im Briefkasten liegt, dann heißt es, es gibt endlich wieder Neues und Altes aus der Heimat zu lesen. Berichte über mir bekannte Ereignisse, Erlebnisse, an denen ich teilhaben konnte, aber auch Geschichten, die mich überraschen, freuen oder traurig bzw. nachdenklich stimmen.
Ich wünsche allen Reichesdorfern viel Spaß beim Lesen und hoffe es sind mehr erfreuliche als traurige Artikel für Euch dabei.

Werner Meyndt (Meck)


b

Über 50 Jahre Muttertag

Ein Sonntag im Mai - es ist Muttertag. Muttertag, ein Tag im Jahr, der nur den Müttern gewidmet ist. Seit einem halben Jahrhundert wird in rund 40 Ländern der Erde der zweite Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert.

Ein Tag im Jahr, an dem nicht die Mutter die Familie verwöhnt, sondern an dem sich alles nur um die Mutter dreht, die Mutter vom Ehemann und vor allem von den Kindern verwöhnt wird. Das „Wie“ ist dabei jedem selbst überlassen. Die einen verwöhnen mit kleinen Aufmerksamkeiten und Geschenken, andere wiederum sagen durch tatkräftige Hilfe im Haushalt an diesem Tag „Dankeschön für alles“.

Kleinere Kinder überraschen ihre Mutter mit Selbstgebasteltem, mit einem extra einstudierten Musikstück oder einem Gedicht.

Größere Kinder, die das Elternhaus schon verlassen haben, nehmen den Muttertag oft zum Anlass, wieder einmal zu Hause reinzuschauen. Sie schenken ihrer Mutter Blumen, Süßigkeiten oder führen sie zum Essen aus. Muttertag - Pflichtkür der Gefühle oder vielleicht gar nur Geschäftemacherei? Oder steckt nicht doch viel mehr dahinter, als der Kalendereintrag aussagen kann? Woher kommt überhaupt der Muttertag?

Eine amerikanische Frauenrechtlerin war es, die Anfang des 20. Jahrhunderts bei den Politikern ihres Landes dafür eintrat, dass die Leistung der Frauen endlich gewürdigt wird.

Ann Jarvis, die „Mutter des Muttertages“, wie sie gern genannt wird, kämpfte so lange, bis 1910 in den USA offiziell der „Day of all mothers“ eingeführt wurde.

Ein großer Erfolg, eine großartige Idee, die sich weit über Amerikas Grenzen hinaus durchsetzen sollte. Wir feiern Muttertag seit 1923. Ob allerdings immer in Ann Jarvis' Sinn, das sei dahingestellt. Denn sie, die sich dafür stark machte, dass dem Wirken der Mütter mehr Beachtung geschenkt wird, sie, die es schaffte, aller Welt den selbstlosen Einsatz der Mütter ins Gedächtnis zu rufen, hatte mit ihrer Idee eines sicherlich nicht beabsichtigt: Dass nur an einem einzigen Tag viel Aufhebens um die Mutter gemacht wird, an 364 Tagen jedoch man nur allzu bereitwillig übersieht, wie schwer der „Beruf Mutter“ ist.

Wer sich in einer stillen Stunde einmal vor Augen führt, was eine Mutter tagtäglich alles leistet, wie oft sie ihre eigenen Interessen zugunsten der Familie zurücksteckt, was sie alles bereit ist zu opfern, wenn es um das Wohl der Familie, der Kinder, geht - und dies alles ohne Murren und Klagen -, der wird zugeben müssen, dass ein Tag im Jahr für die Würdigung dieser Leistung nicht ausreicht.

„Solang du deine Mutter hast, so danke Gott und sei zufrieden“, heißt eine alte Weisheit. Ein Satz, der zum Nachdenken lohnt. Nehmen wir doch jeden Tag Mutters Hilfe mit der allergrößten Selbstverständlichkeit in Anspruch. „Dankeschön“ sagen wir jedoch nur selten. Vieles würde innerhalb der Familie einfacher, würden wir wieder lernen, „Danke“ zu sagen. Und das nicht nur am Muttertag. Am zweiten Maisonntag ist offiziell Muttertag.

Unser Muttertag kann jeden Tag sein! Wir sollten ihn nicht zu lange anstehen lassen, den nächsten Muttertag …

aus der Schriftensammlung von Sofia Lassner

                  


Mütter

„Ohne Beruf“ - so stand es im Pass
Ich schaute und schaute und staunte, ich war baff.
„Ohne Beruf“, war da zu lesen, und dabei ist sie doch das nützlichste Wesen.
Gattin, Mutter, Hausfrau zu sein, schließt das nicht alle Berufe ein.
Als Köchin für sämtliche Lieblingsspeisen,
als Packer, wenn es geht auf Reisen,
als Chirurg, wenn ein Dorn in den Finger gesplittert.
Schiedsmann bei Kämpfen, erbost und erbittert.
Als Märchenerzählerin ohne Ermüden,
als Hüterin des Hauses Frieden,
als Puppendoktor, als Dekorateur,
als Gärtnerin, Konditor und als Friseur,
als Pflegerin in Krankheitstagen;
unzählige Titel könnt' ich noch sagen,
von Frauen, die Gott zum Segen schuf.
Und das nennt die Welt dann: Ohne Beruf

aus der Schriftensammlung von Sofia Lassner 

 


d

Das Mutterherz

Mutterherz, du Edelstein, hart im Trag‘n und Dulden,
trägst es alle gern allein, was Kinder verschulden,
freust dich, wenn sie recht gedeihn, hast sie treu erzogen,
kannst ihn‘ immer noch verzeihn, wenn sie dich auch trogen.

Mutteraug‘, du süßer Stern, über deinen Kindern,
weist, wenn sich die Weg‘ verwirrn, ihn den rechten immer,
hast von klein auf sie bewacht, wenn die Wolken dreuen,
wenn das Glück ihn wieder lacht, funkelst du vor Freuden.

Mutterhand, du Gold und Gut, hilfst an allen Enden,
wenn den Kindern sinkt der Mut, bist du ihn zu Händen,
greifst für sie auch in das Feuer, hilfst in allen Nöten,
lehrst die Not, dies Ungeheuer, durch dein Fleiß ertöten.

Muttermund, du süßer Quell lebensweiser Lehren,
würd‘st dein Kind auch aus der Höll, gern zu Gott bekehren,
bet‘st für sie in großer Not, schweigst von allen Sünden,
sind sie glücklich, wird der Tod dich noch lächelnd finden.

Betet Kinder, Mutterherz sollt uns lang noch leben,
Mutteraug‘ verhüt den Schmerz, mach den Weg uns eben,
Mutterhand, du hilf uns treu, schütz uns vor Verderben,
Muttermund uns Richtschnur sei! – Mutter soll nicht sterben.

 


e

Eine außergewöhnliche Mutter

„Eine Mutter ist der weibliche Elternteil eines Kindes. Als Mutter bezeichnet man allgemein die Frau, die ein Kind gebiert bzw. geboren hat […] Der daraus entstehende biologische, juristische und soziale Status der Mutterschaft erzeugt die Aufgabe der Mutter, […] sich um ihr Kind zu kümmern und es zu erziehen“ - soweit die Definition, bei Wikipedia gefunden.

Dieser Aufgabe sind all unsere Mütter mit Liebe, Geduld und Verantwortung nachgekommen. Wir sollten nicht aufhören, dafür dankbar zu sein – nicht nur am Muttertag!

[…] Unter Volksmusik oder Volkslied verstehen wir musikalische Erzeugnisse und Schöpfungen, entstanden im Gehirn und der Seele eines begabten Menschen, der mit dem ihm umgebenden werktätigen Volke der Landwirtschaft, der Industrie oder eines anderen Erwerbszweiges in engstem Kontakte steht und dieser sein Volk über alles liebt, ihm sein Bestes schenkt, sich selber seinem Volke hingibt, sein Volk dadurch erzieht, in seinem Denken und Handeln beeinflusst, den inneren Menschen bereichert, seinen Charakter formt und festigt. So werden Schöpfungen einzelner Menschen zum Besitz des Volkes, … während man oft den Dichter oder Komponisten gar nicht kennt. Vielleicht lebt er schon lange nicht mehr. Sein Lied aber lebt weiter und dadurch auch er selbst…

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Vortrag zum Sächsischen Volksliederabend in Reichesdorf am 14.April 1957, verfasst von Frau Sophia Lassner. An diesem Abend wurden durch einen vom Ehepaar Lassner gegründeten Chor Lieder von Georg Meyndt aufgeführt und ihr Vortrag galt unserem unvergessenen Reichesdorfer Liedermacher.

Was hat all das mit Muttertag zu tun? Bei genauerem Hinschauen sind die Parallelen zu Frau Lassners Person nicht unerheblich! Ihr selber waren die Aufrechterhaltung geistigen Gutes, der sächsischen Bräuche in Reichesdorf, des Zusammenhaltes der Generationen und die Gesundheit der sächsischen Ordnung ein überaus wichtiges Anliegen. Gleichsam einer Mutter, die sich um ihr Kind kümmert und es erzieht, verstand sie sich in all den Jahren verantwortlich für ihre Kinder. Wie viel Energie und Durchhaltevermögen doch in ihr steckten! Dass sie unter zum Teil schwierigsten Bedingungen Kronenfeste, Theateraufführungen, Ausflüge usw. auf die Beine stellen konnte, war eine Meisterleistung, die Ihresgleichen sucht.

Frau Lassner hat sich, auch in ihrem Beruf als Gemeindeschwester, uns hingegeben. Sie hat uns, gleich einer Mutter, vorgesungen und durch ihr Lied die Saiten in uns zum Schwingen gebracht! Dadurch lebt sie in uns weiter!

… Jede menschliche Gesellschaftsordnung sieht in der Gestaltung des Familienlebens den Grundpfeiler für ihre Festigkeit … Die Mutter in der Familie hat für die Gestaltung des Familienlebens, für Ordnung, Zucht und Moral in der Familie durch ihre natürliche Veranlagung und dadurch, dass ihr gegeben ist, die Seele des noch kleinen Kindes zu formen, später aber die beste Freundin ihrer heranwachsenden Kinderschar zu werden, die Hauptrolle inne …

Es mag auf uns diese Ausdrucksweise heutzutage etwas veraltet oder befremdlich wirken. Doch am Kern der Aussage ist nicht zu rütteln!

Im Folgenden kündigte Frau Lassner das Lied „Det Motterharz“ an.

Hier und jetzt widmen wir diese wunderschönen Verse ihr selber. Wir sind dankbar, dass sie uns und Reichesdorf eine außergewöhnliche Mutter war; dass sie die Mauern ihres Hauses und ihrer Familie nie als Abgrenzung gesehen hat, sondern uns alle in ihr großes Herz aufgenommen hat, gleich einer Mutter!

Anmerkung: Prof. Heinz Acker, ein Urenkel Carl Reichs (ehemals Lehrer in Reichesdorf; er schrieb die Melodien des notenunkundigen Meyndt nieder und gab sie 1914 heraus) hat Meyndts Lieder bearbeitet, die Texte ins Deutsche übertragen und herausgegeben:

Georg Meyndt Lieder, bearbeitet für Singstimme mit Klavierbegleitung sowie für gemischten Chor / Johannis Reeg Verlag, Heilbronn / ISBN 978-3-937320-35-9

Susi


f

Wie dankbar bin ich meiner Mutter,
dass sie mich beten hat gelehrt

Meine Mutter lehrte früh mich beten,
von Kind an schon auf Gott vertrauen,
in allem Jammer, allen Nöten,
hinauf zum Himmel gläubig schauen.
Sie pflanzte tief in meine Seele
das Glaubenskorn, das ewig lebt.
Wie kostbar bin ich meiner Mutter,
dass sie mich beten hat gelehrt.
Ein kurz Gebet kann uns bewahren,
es schützt uns wie ein fester Damm,
wenn die Verzweiflung, die Gefahren
sich unseren Herzen drohend nahen.
Ich bin von manchem bösen Wege
durch des Gebets Macht umgekehrt.
Wie dankbar bin ich meiner Mutter,
dass sie mich beten hat gelehrt.
Ihr Mütter, lehrt die Kinder beten,
von Kindheit an zum Himmel sehn,
dass sie einst im Lebens Wüten
nicht verzweifelt untergehen.


g

So wie es daheim war

Frühmorgens, eh noch jemand wach,
die Sonne schon am Kirchturmdach.
Erst später grüßt sie Feld und Wald,
der Hirte mit seiner Peitsche knallt,
sodass es in allen Gassen wiederhallt.

Das Vieh, es wird zur Weide hingetrieben,
der Zeiger zeigt nun bald auf sieben.
Die Hacke steht zum Start bereit,
die Sense für den Halmenstreit.

Der Krug wird mit kaltem Brunnenwasser angefüllt,
das später unsern Durst dann stillt.
Die Sonne steigt, es wird nun warm,
bald eine Hitze, dass Gott erbarmt.

Sie Uhr, sie zeigt nun bald die Zeit,
die Mittagsglocke steht zum Schwung bereit.
Zu verkünden über Berg und Tal,
dass jeder sich setze hin zum Mittagsmahl.

Die Sonde hört man von ferne blasen,
man sucht ein Plätzchen im Schatten auf dem grünen Rasen.
Die Sonne neigt nun gegen Westen,
lange Schatten hängen an den Bäumen,an den Ästen.
Fürwahr, er hat‘s geschafft,
das Tagwerk ist nun bald vollbracht.
Der Bauer kehrt heim von seinem Feld,
zu ihm sich auch sein Tier gesellt.
Dort hinter dem Berge, wo die Glut
noch glimmert spät, das letzte Abendrot.
Vom Tage Abschied nimmt,
erst dann kam unser Bauer zur Ruh.
Er schließt nun Tor und Türe zu.
Aus den Wiesen steigen weiße Nebelschwaden,
der Mond steigt hoch, um uns gute Nacht zu sagen.
Er guckt mit seinem matten Schein
in jedes kleine Kämmerlein.

Der Zeiger zeigt auf Mitternacht,
der Kirchturm steht so treu auf seiner Wacht.
Die Stunden abzulösen,
die Glocke schlägt die guten und die bösen.

Und ruft dich der Herr einst wieder zurück,
so wende Heimwärts deinen sterbenden Blick.
Ein Plätzchen Heimaterde stünde noch immer bereit,
um dich zu empfangen für die Ewigkeit

Andreas Alzner


h

Unserem Jubilar Hans Schaas in Reichesdorf

Wenn dieser ,,Reichesdorfer Bote" erscheint, ist der 80. Geburtstag von Hans Schaas schon ein paar Monate Vergangenheit. Nichtsdestotrotz wollen wir, der Vorstand der HOG Reichesdorf, im Namen aller hier lebenden Reichesdorfer noch unsere Glückwünsche übermitteln: „Gesundheit, Freude, viel Kraft und Gottes Segen.“ (Gute Wünsche kommen nie zu spät.)
Am 11. Februar 1933 wurde Hans Schaas in Reichesdorf geboren und ist diesem seinem Heimatort auch treu geblieben, dem Wahlspruch, welcher die Fahne der Reichesdorfer Bruderschaft aus dem Jahre 1936 schmückt, folgend:

„Wir wanken und wir weichen nicht,
Tun bis zum Tode unsere Pflicht.“

Dieser Spruch ist sein Lebensmotto.
Nun sind schon mehr als zwanzig Jahre vergangen, seit wir ihn mit seiner Frau Hanni allein ließen. In diesen mehr als zwei Jahrzehnten hat er sich um vieles verdient gemacht, er ist unser Ansprechpartner in der alten Heimat. Seine vielfältigen Fähigkeiten sind oft und überall gefragt.
Er hat unser, sein Reichesdorf bekannt gemacht innerhalb der Landesgrenze und über diese hinaus. Seine Kirchenführungen finden großen Anklang und Anerkennung.
Wie haben wir uns bei unserem letzten Reichesdorfer Treffen in Reichesdorf im Sommer letzten Jahres gefreut, ihn und seine Frau in unserer Mitte zu haben. Und dann sind wir wieder weg.
An dieser Stelle möge auch der größte deutsche Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, zu Worte kommen, denn diese Worte scheinen eigens für Dich, lieber Jubilar, gemacht worden zu sein.

„Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,
Der froh von ihren Taten, ihrer Größe
Die Hörer unterhält, und still sich freuend
Ans Ende dieser Reihe sich geschlossen sieht!“

Lieber Jubilar, nochmals in unserer aller Namen die besten Wünsche.
Ein Wunsch in eigner Sache wäre: Ein Wiedersehen in Reichesdorf! 

Der Vorstand der HOG Reichesdorf


i

Offene Glückwunsch-Brief an Johann Schaas zum 80. Geburtstag
Reichesdorf Nr.87 Rumänien


Lieber Geburtstags-Jubilar
Lieber Hans


Zu Deinem ehrenwerten Geburtstag möchten wir Dir – auf diesem Wege auch im Namen der Reichesdorfer HOG – die allerbesten Glück-und Segenswünsche übermitteln und Dir für das kommende neue Lebensjahr viel, viel Gesundheit wünschen.

Lieber Hans, wir denken gerne zurück an die Zeit, die wir gemeinsam verbringen durften – in der Schule, in der Jugend und nicht zuletzt in der Arbeit auf dem Reichesdorfer Staatsgut.

Wo sind nur die Jahre geblieben? Vorbei …dahin wie im Fluge … und nun sollen wir alt sein? – Es heißt ja so schön im Spruch: „Alt ist nur, wer sich für nichts mehr interessiert.“ Wir würden schon noch so vieles vorhaben, so vieles machen wofür früher keine Zeit da war – doch reichen unsere Kräfte noch dazu? Es ziept und zwackt mal hier mal dort und auch der Atem reicht nicht mehr aus … ja, wir sind alt geworden.

Manchmal frage ich mich: Womit haben wir dieses „Alter“ verdient? Ist es Schicksal oder Gott, der es so kommen ließ, und nicht anders? Wie viel durften wir von der Welt sehen, wie viele Ereignisse miterleben …!

„Wir sind nur Gast auf Erden“ – heißt es in einem Kirchenlied – danken wir Gott für die Zeit, in Freud und Leid, die wir auf Erden bleiben dürfen, und freuen wir uns über jeden Tag, den wir noch erleben dürfen.

Verbunden mit diesem kleinen Büchlein „Herbstleuchten“ wünschen wir Dir und Deiner lieben Frau Hanni für die Zukunft Glück, Gesundheit, Zufriedenheit und Freude miteinander auch für Eure lieben Kinder,

Herzlichst von Margarete Mattes


j

Urkunde

Dorsten, im Januar 2013
wurde feierlich folgende Urkunde an
Anna Susanna Hügel überreicht.

Frau Anna Susanna Hügel
anlässlich ihres 75. Geburtstages
Anno Domini 2013

Liebe Frau Hügel, liebes Geburtstagskind, wir freuen uns, Dir mitteilen zu können, dass nunmehr auch für Dich der Tag gekommen ist, an dem du in den Verein

>> Alte Schachteln e.V. <<

aufgenommen wirst. Lange hast Du auf den Tag gewartet.
Nachdem man über einen längeren Zeitraum Deine Lebensgewohnheiten, Dein Verhalten gegenüber Deinen Mitmenschen, vor allem aber Deinen Umgang mit alten Schachteln beobachtet und für ausreichend hielt, hat es der Vorstand für würdig befunden, Deinem ständigen Drängen um Aufnahme in den Verein nachzugeben.

Alte Schachtel zu sein heißt aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen! Jetzt erst, nachdem Dir die vollwertige Mitgliedschaft eines bewunderungswürdigen Vereines bescheinigt wird, wirst Du Gelegenheit haben, Dich im Kreis der alten Schachteln zu bewähren.

Durch die Aufnahme in den Verein wirst Du berechtigt, anstelle des Bundesverdienstkreuzes eine kleine Schachtel an der Bluse zu tragen. Für festliche Anlässe werden Schachtelbroschen und Hutschachteln, auch mit Schleifchen zu tragen, zugelassen. Diese Attribute Deiner Würde, in gepflegter Form und Qualität, hält der einschlägige Alte-Schachtel-Ausrüstungsfachhandel (www.alte-schachtel.de) für Dich auf Lager bereit. Du magst daraus erkennen, dass man eine Persönlichkeit, so wie Du es nun einmal bist, beachten und gebührend zu ehren weiß!

Feiere nun den heutigen Tag nicht so sehr wegen der Erreichung Deines 75. Lebensjahres, sondern vielmehr als Ehrentag wegen der Aufnahme in den Verein. Noch eins: Mit dem heutigen Tag und sofortiger Wirkung ist es Dir gestattet, Deinen Namenszug auf Briefen, Protokollen, Schecks usw. mit dem Titel

>> ALTE SCHACHTEL <<

zu ergänzen. Als Kurzsignum sind Dir die Buchstaben AS erlaubt! Der Empfänger dieser Schriftstücke ist dann verpflichtet, sich für die Dauer von 10 Sekunden von seinem Platz zu erheben und Deiner in Ehrfurcht und Ergriffenheit zu gedenken.

Als Patriarchin Deiner Familie sowie in Deiner Eigenschaft als Vereinsmitglied ist es Dir nicht mehr gestattet, im Haus, Keller, Garten oder Hof niedere Frondienste irgendeiner Art auszuführen! Es wird vielmehr Deiner Familie auferlegt, beim Tragen der Ehrenzeichen dafür zu sorgen, dass Dir unaufgefordert Pantoffeln, Sekt, Süßigkeiten, Frauenzeitschriften usw. gereicht werden, oder beim Verlassen der Wohnung genügend Freizeit und Geldmittel zur Verfügung stehen!

Jungschachteln haben Dir zukünftig unaufgefordert ihre Babys zu zeigen und weise Ratschläge von Dir entgegenzunehmen. Außerdem haben sie dafür zu sorgen, dass immer genügend Eierlikör vorhanden ist und Deine Umgebung fliegenfrei gehalten wird. Bei gemeinsamen Ausflügen und geselligen Vereinsfesten wird in Deiner Nähe in Zukunft ein ordentlicher Ton herrschen. Zuwiderhandelnde werden dazu verdonnert, Dir ein Jahr lang jede Woche einen Blumenstrauß zu schenken.

In Vereinsfragen und Angelegenheiten nach dem Ehrenkodex stehen Dir Steinaltschachteln mit Rat und Tat zur Seite!

So wünscht man Dir für die Zukunft alles Gute und ein erfolgreiches Schaffen. Lege nun ein fast gutes Benehmen an den Tag. Lege Ehre für den Verein ein, damit man Dir eines Tages bedenkenlos den Titel

>> Steinaltschachtel << 

verleihen kann! Mit Freude und tiefer Ergriffenheit grüßen Dich mit einem herzlichen „Schachtel auf!“ der Vorstand (Hanni Schuster) und die Mitglieder 

>> Alte Schachteln e.V. <<

Unter fleißigem Mitwirken von Freunden, Familie wurde ausgiebig gesungen und gefeiert. Wir wünschen dem Geburtstagskind weiterhin viel Gesundheit, Schaffenskraft und Elan.

Die Gäste


k

Danksagung 

Völlig überrascht wurde ich im letzten Reichesdorfer Boten mit der Ehrung durch den Vorstand unserer „Heimat-Orts-Gemeinschaft“. Auf diesem Wege möchte ich mich ganz herzlich für die ausgewählt schönen Worte bedanken, die mir zuteil gemacht wurden. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich mehrere Reichesdorfer an der Gestaltung unseres „Boten“ beteiligen würden.

M.Mattes, Wedemark


l

Wir danken unserer Spenderin Anna David

In Reichesdorf, das Vielen von uns am Herzen liegt, erblickte Anna das Licht der Welt am 4. Oktober 1925. Sie war die zweite von drei Töchtern in der Familie des Landwirten-Ehepaares Martin David und Sofia, geborene Moosberger. Die Familie David, evangelisch A.B., wohnte damals auf Hausnummer 91, in der Wadel, das Dorfende von Reichesdorf, von wo man über den Berg ins nahegelegene Niemesch spazieren kann. Anna besuchte die deutsche Grundschule in Reichesdorf und absolvierte im Jahre 1939 die 7. Klasse. Sie war evangelisch A.B. getauft und konfirmiert.

Mit nicht einmal 20 Jahren wurde sie zusammen mit ihrer älteren Schwester Katharina-Sofia und anderen Reichesdorfern und Reichesdorferinnen am 16. Januar 1945 nach Russland deportiert. In der russischen Ortschaft Konstantinovka, im Zink-Lager 7242/1048, musste sie bei harter Arbeit fünf ihrer Jugendjahre bis Dezember 1949, als sie nach Reichesdorf heimkehrte, verbringen. Ihren Lebensunterhalt meisterte sie in den Jahren 1958 bis zum 1.11.1980 als Hauspersonal bei wohlstehenden Familien in Klausenburg und Bukarest. In Bukarest überlebte Sie einen Autostraßenunfall. Nach der Ehescheidung Ihrer Eltern übersiedelten ihre Mutter und die drei Töchter in das in der Hirschtalgasse von Stolz Johann angekaufte Haus Nr. 248. Anna David, unsere Spenderin, lebte etliche Rentenjahre im Hirschtal, zusammen mit jhrer ebenfalls unverheirateten Schwester Katharina-Sofia, die am 28. Mai 1998 verstarb. Etwas später übersiedelte Anna dann nach Madiasch, unweit von ihrer Schwester Regina, verheiratet Mathes, die 29.09.2008 starb. Die letzten Jahre lebte Anna David in ihrer eigenen Wohnung, Hermannstädter Straße Nr. 3. Sie litt an Herzinsuffizienz. Anna sang gerne, war fleißig und sparsam.

Am 19.10.09 und 20.10.09 spendete Anna David an den Mediascher Kirchenbezirk für den Erhalt der Kirche von Reichesdorf und besonders für die Restauration der Reichesdorfer Prauseorgel 7.554,38 € (32.397,71 RON) und 21.287,66 neue Lei. Dank dieser Spende von insgesamt 53.685,37 Lei, also 12.518 € (Kurs 4,2886 Lei/€), konnten die Reparaturarbeiten an der Reichesdorfer Orgel im Jahre 2012 starten und werden laut Planung im Herbst 2013 mit den Stimmarbeiten enden.

Obwohl Anna unterzeichnet hatte, einen erhabeneren Lebensabend im Hermannstädter Dr.Carl Wolff Heim-Spital zu empfangen, lehnte sie diesen Schritt zu machen letztendlich ab. Sie äußerte immer wieder ihren Wunsch, in ihrer eigenen Wohnung zu sterben. Gott erhörte ihren Wunsch. Sie starb Sonntag, den 9. Dezember 2012 in ihrer Wohnung und ist auf dem Mediascher Friedhof, Grabnummer 1260, neben Ihrer Schwester Regina beigelegt worden. Seitens der Heimatgemeinde Reichesdorf bestellte ich einen Ehrenkranz, dessen Band Annas Ruhestätte mit den Dankesworten Kirche Reichesdorf vergisst Deine Gabe nie zierte.?

Für die wahre Beteiligung an Annas Betreuung in den letzten Monaten Ihres Lebens bedanke ich mich herzlich bei dem Ehepaar Timmerman Gerrit und Tony (Hnr. 305) aus Holland. Mit großer Begeisterung und Hingabe haben die Familien Abel-Smith David und Lucy (Hnr. 24) aus England sowie Gerrit und Tony sich für einen unverzüglichen Beginn der Prauseorgelsanierung in Reichesdorf eingesetzt, und dafür spreche ich hier meinen Dank aus.

Wir freuen uns, dass Gott strebenslustigen und mutvollen Leuten den Weg nach Reichesdorf zeigt. Gesegnet und behütet sei Ihr Vorhaben.

Wilhelm Untch, Mediasch / Reichesdorf 27.03.2013


m

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen,
die Bäume schlagen aus.
Da bleibe, wer Lust hat
mit Sorgen zu Haus!
Wie die Wolken wandern
am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn
in die weite, weite Welt

Herr Vater, Frau Mutter,
dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne
mein Glück mir noch blüht;
Es gibt so manche Straße,
da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein,
den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf drum
im hellen Sonnenstrahl!
Wohl über die Berge,
wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen,
die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie 'ne Lerche
und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein
da kehr ich durstig ein.
Herr Wirt, Herr Wirt,
eine Kanne blanken Wein.
Ergreife die Fiedel,
du lust‘ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel,
das sing ich dazu.

Und find ich keine Herberg,
so lieg ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel
die Sterne halten Wacht.
im Winde die Linde,
die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh
das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern,
du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem
so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet
das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön,
O du weite, weite Welt!

Text: Emanuel Geibel (1815 – 1884)Melodie: Justus Wilhelm Lyra,
nach einer Volksweise (1822 – 1882)


n

Für unsere Jüngsten
Eine Tiergeschichte 

In einem Heukorb oben auf der Dachkammer lag eine Katzenmutter mit zwei Katzenkindern. Die Kinder waren erst vor wenigen Tagen zur Welt gekommen und sie waren noch sehr hilflos - kleine Pfoten hatten sie, die immer ausrutschten, und unverhältnismäßig große Köpfe mit blinden Augen, die sich suchend im Magenfell der Mutter vergruben. Sehr sonderbar sahen sie aus. Aber die Katze fand sie über die Maßen schön, denn es waren ja ihre Kinder - das eine grau und schwarz getigert, wie sie selbst, eine Schönheit also, wie man wohl ohne falsche Bescheidenheit sagen durfte. Das andere ganz der Vater, der bunt war, mit eleganten weißen Hosen und weißen Handschuhen und einem Tupf auf der Nase, und der so gefühlvoll sang. Wie hatten sie beide so herrlich zusammen gesungen an den ersten Märzabenden im Garten, zweistimmig, viele hübsche Lieder … Sehr begreiflich, dass die Kinder mit den kleinen rutschenden Pfoten und den großen Köpfen so prachtvolle Geschöpfe geworden waren; nicht nur Katzen, was an sich schon der Gipfelpunkt ist, wie jeder weiß, nein, Katzenkinder, wie sie die Erde noch nicht gesehen! Stolz reckte sich die Katzenmutter in die Höhe und betrachtete liebevoll schnurrend die kleinen Wunder ihrer Welt.
Hier, diese angenehme Bodenkammer, schien übrigens in jeder Hinsicht der richtige Ort zu sein, still und ungestört. Ein weicher heugefüllter Korb, warm und überaus geeignet für die ersten Kletterversuche, viel Gerümpel ringsherum, voller Spannungen und Entdeckungsmöglichkeiten, freundlich vom Maimond beleuchtet, der durch die Fenster lugte, weite Flächen zum Spielen, und dann welch ein berühmtes Mausrevier, welch ein weites Gebiet zur sachgemäßen Ausbildung der beruflichen Fähigkeiten!„Ich sollte doch selbst mal ein wenig nach Mäusen sehen“, sagte die Katze. „Die Kleinen schlafen, und eine Ablenkung würde mir gut tun. Kinderpflege ist angreifend, und mir ist auch so, als hätte ich Appetit.“
Die Katze erhob sich vom Heulager, beleckte schnell noch einmal ihre Kinder und strich dann auf leisen Sohlen schnuppernd an Kisten und Körben entlang. Es hatte doch, auch wenn man allmählich etwas in die Jahre gekommen war, immer noch etwas angenehm Aufregendes, so nach Mäusen zu schnüffeln. Und jetzt - raschelte da nicht jemand? Roch es nicht so erbaulich nach Mäusen? War das nicht der feine Duft, unverkennbar für eine kätzliche Nase? Noch einige vorsichtige Schritte auf Samtpantoffeln - niemand machte ihr das nach - und dann stand sie vor einem Mäusenest, in dem zwei kleine nackte Junge lagen.
„Bloß Junge?“, dachte die Katze. „Da wären die Samtpantoffeln überflüssig gewesen, die können weder laufen noch sehen. Es lohnt überhaupt kaum, zwei kleine Bissen, weiter nichts. Aber man kann ja immerhin, zur Stärkung sozusagen.“
Sie wollte zupacken. Aber etwas in ihr redete:
„Sie können weder laufen noch sehen, ganz wie deine Kinder. Sie sind völlig hilflos, und die Mutter wird wohl tot sein. Sie sind so hilflos wie deine Kinder, wenn du nicht da bist. Es ist wahr, dass es Mäuse sind, aber es sind kleine Mäuse, sehr kleine, es sind Kinder - nicht wahr, du weißt es, was Kinder sind?“
Es war die Mutterliebe, die redete, und in ihr redete die Allliebe, ihr künftiger Geist. Er kann nur reden in einer Mutterliebe, die sehr groß ist, so groß wie die Mutterliebe einer Katze, denn sie ist eine der größten.
„Nicht wahr, du weißt es, was Kinder sind?“, fragte die Stimme.
Die Katze beugte sich herab, fasste die eine kleine Maus vorsichtig mit den Zähnen und trug sie in ihren Heukorb. Dann ging sie zurück und holte das andere Junge. Sie nahm beide an die Brust und säugte sie, mit ihren zwei Katzenkindern zusammen.
Die kleinen Mäuse waren schon halb erstarrt, aber sie erwärmten sich sehr bald im Magenfell der Katze. Sie waren halb verhungert, aber sie sättigten sich bald an der Brust der Katze. Sie fühlten sich völlig geborgen bei einer Mutter und ahnten es nicht, dass diese Mutter eine Katzenmutter war. Wie sollten sie das wissen? Sie waren blind und hilflos. Über ihnen lag schützend die krallenlose, weiche, samtene Katzenpfote.
Die Katzenkinder wuchsen, beide öffneten die Augen und das erste, was beide sahen, war die gleiche Mutter und die gleiche große Mutterliebe. Sie waren Kinder und sie spielten miteinander, und die Maisonne sah zum Fenster herein und spielte mit. Und sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.
Es ist dies eine wahre Geschichte. Sie ist nur klein und doch ist sie sehr groß. Es ward eine neue Welt in ihr geboren von einem kleinen Geschöpf und in einer ärmlichen Dachkammer. Es wird auch nicht immer so sein, noch lange nicht, aber es ist ein großes Ereignis, dass dies geschehen ist. Die Gesetze der alten Welt sind stark und schwer, aber sie werden überwunden, Stufe um Stufe, denn die Allliebe ist eine lebendige Kraft in der Seele dieser Erde. Langsam, sehr langsam wird die neue Welt aus der alten geboren, und das geschah schon oft in einer ärmlichen Dachkammer, und die Menschen wussten nichts davon. Die Menschen wissen so wenig, und am wenigsten wissen die, welche am meisten zu wissen meinen. Sie wissen auch nicht, ob Tiere beten. Aber ich glaube, dass auch Tiere in ihrer Not eine Macht anrufen, die über ihnen ist - und wenn diese Katze bitten würde, die Mutter Gottes würde sie vor allen anderen erhören.
Die Maisonne wusste, was die Menschen nicht wissen. Denn sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.

(Manfred Kyber, 1880 – 1933) 

Auch Elisabeth Riemesch hat wieder ihre Feder gezückt, um uns mit einer fantasievollen Geschichte zu erfreuen. Da sie ein Japan-Fan ist, hat sie sich diesmal für ein Märchen in japanischem Stil entschieden. Lassen wir uns also in eine geheimnisvolle Welt entführen, die von der Liebe und Loyalität zwischen Menschen und Katzen erzählt.

Der Wildkater von Yamazato

Einst lebte in der Präfektur Nagano ein junger Mann mit dem Namen Yoshiki in dem kleinen Dorf Yamazato. Dieses Dorf war, wie es sein Name schon erahnen ließ, zu Fuße eines Berges errichtet und umgeben von einem Wald, von dem es hieß, Füchse und Marderhunde trieben darin ihre Späße mit den Menschen. Auch Yoshiki wusste um diesen Schabernack, und obwohl er am Rande jenes Waldes lebte, vermied er es tunlichst, das unheilvolle Gehölz zu betreten. Da er aber, wie auch schon sein Vater vor ihm, Holzfäller vom Berufe war, ergab es sich, dass er schlecht an seinem Gewerbe verdiente und nur das Nötigste zum Leben hatte. Doch da das nunmal sein eigener Wille war, beklagte er sich nicht.
In dem Wald, nicht weit von Yoshikis bescheidenem Heim entfernt, wohnte in einem Bau zwischen den Wurzeln eines Zypressenbaumes eine Wildkatzenfamilie. Ihr Oberhaupt war der große Wildkater Ichiro, der bei allen Waldbewohnern gefürchtet und als Fürst des Waldes bekannt war. Seine Frau Wildkatze hatte ihm drei gesunde Söhne geschenkt, die er nun zu verteidigen hatte. Denn es ist bekannt, dass Füchse und Marderhunde gerne kleine Katzenkinder von ihren Eltern stehlen, um sie in ihren eigenen Bauen heimlich zu verspeisen.
Dagegen wusste der weise Ichiro jedoch einen Trick, der seit vielen Generationen bei den Wildkatzen weitergegeben wurde: Um die verhassten dämonischen Feinde von ihrem Bau fernzuhalten, fangen Wildkatzen seit jeher eine Maus, reißen ihr die Bauchdecke auf und tanzen dreimal im Kreise um sie herum. Dabei sagen sie diesen Zauberspruch:
Nyan, nyan, kleines Mäuschen, kleiner Geist,
halte Fuchs und Marderhund von meinem Hause fern!
So legte auch Ichiro eine solch verzauberte Maus vor seinen Bau, und seine Kinder konnten, behütet vor Füchsen und Marderhunden, sicher aufwachsen.
Seit es das Dorf Yamazato gab, war es immer weiter gewachsen, und seine Bewohner trugen den Wald des Berges immer weiter ab. So war der Wald zu klein für die Füchse, die in ihm hausten, und einer von ihnen beschloss, das Dorf heimzusuchen und den Menschen gleich in ihren Häusern ihre Streiche zu spielen. Des Nachts kam er hervor und grub Löcher in die Straßen, und tagsüber, wenn keiner hinsah, stahl er Wäsche, die man zum Trocknen aufgehängt hatte. Wenn er damit seinen Unfug getrieben hatte, brachte der Fuchs die Sachen verdreckt und zerrissen zurück. Andere Male behexte er nach Art der Füchse die Menschen bei ihrer Tagesarbeit, sodass bald kein rechtes Werk mehr vollbracht werden konnte.
„So kann das nicht weitergehen“, beschlossen die Bewohner Yamazatos, „die Beerensammler und Holzfäller müssen Fallen im Wald aufstellen, damit uns die Füchse endlich vom Leib bleiben!“ Denn sie dachten natürlich, die Füchse des Waldes würden ihre Streiche spielen, wie es immer dann geschah, wenn jemand den Wald betrat. Da auch Yoshiki zu den Holzfällern zählte, war auch er damit beauftragt, Fuchsfallen im Wald nahe des Dorfes aufzustellen. So auch in der Nähe des Zypressenbaumes, in dem der Wildkater Ichiro und seine Familie hausten. Dieser ging seinem eigenen täglichen Werke nach, indem er durch seinen Teil des Waldes streifte und Beute für seine Frau und seine Kinder schlug. Auf der Jagd jedoch bemerkte er die Fuchsfalle Yoshikis nicht und verfing sich den Hinterlauf arg in der Schlinge. In seiner Panik zerrte er so heftig an der Schnur, dass sie sich immer fester um das Bein wandte, bis dieses schlaff und leblos wurde.
„Zu Hilfe!“, rief der unglückliche Wildkater, doch niemand kam herbei, dem Fürsten des Waldes zu helfen. Wer ihn hörte, der dachte sich: ‚Gut, dass der alte Jäger nun stirbt, denn dann wird er uns und unsere Kinder nicht mehr töten!‘ Auch seine Frau konnte ihm nicht zu Hilfe eilen, denn sie musste im Bau bei den drei Söhnen bleiben, um sie vor ihren Feinden zu beschützen. So war es ihr freilich auch unmöglich, auszugehen und eine Maus zu fangen, um diese mit dem Zauberbann zu belegen.
Viele Stunden hing der arme Ichiro in der Schlinge fest, es wurde Abend, und er verlor die Hoffnung, je lebend aus der Falle errettet zu werden. Da kam Yoshiki vorbei, der seiner Aufgabe nachging, seine Fuchsfallen zu überprüfen und, falls nötig, wieder herzurichten, wenn sich ein Fuchs oder ein Dachshund darin verfangen hatte. Als er aber den geschwächten Wildkater da liegen sah, beschleunigte er seinen Schritt und befreite ihn geschwind von der Schlinge. Eigentlich haben Wildkatzen große Angst vor dem Menschen, doch Ichiro war so erschöpft, dass er nicht die Kraft fand, vor Yoshiki davonzulaufen.
Der herzensgute Yoshiki jedoch, der Mitleid mit dem Wildkater hatte, hob ihn vom Boden auf und brachte ihn in sein Haus. Dort verarztete er Ichiros Bein – seine Mutter war Heilkundige gewesen, sodass er selbst auch ein wenig ihrer Kenntnisse erlernt hatte. Er pflegte seinen ungewöhnlichen Gast und war in dem kleinen Dorf bald als der Katzenmann verschrien. Denn die Menschen konnten sich nicht erklären, wie jemand ein solches Vieh bei sich aufnehmen konnte, um es gesund zu pflegen.
Als Ichiros Bein verheilt und er wieder zu Kräften gekommen war, schlich er sich eines Nachts heimlich aus Yoshikis Haus, denn trotz aller Hilfe war ihm der Mensch noch immer nicht geheuer. Dabei beobachtete er den Fuchs, der weiterhin ungehindert seine derben Scherze trieb, wie er in einen Hühnerstall einbrach und das arme Federvieh aus seinem tiefen Schlaf riss. Ichiro machte sich nichts daraus, denn kaum eine Wildkatze war bekannt, die sich je mit einem Fuchs angelegt hätte – auch keine von solch stattlicher Statur wie Ichiro.
Er kehrte zu dem Zypressenbaum zurück, unter dem er so lange Zeit gelebt, doch den Bau fand er verlassen vor. ‚Wahrscheinlich ist meine Frau mit den Kindern umgezogen‘, überlegte er, und das Gewissen überkam ihn. ‚So lange mussten sie auf Mann und Vater warten, und ich bin nicht mehr gekommen! Wenigstens sind sie fort aus diesem Wald, wo es von Füchsen und Marderhunden nur so wimmelt, die nichts anderes im Sinne hatten, als meine Kinder zu verspeisen.‘ Also lebte er fortan allein zwischen den Zypressenwurzeln, wie es die Art der Wildkatzen ist, wenn sie keine Kinder großzuziehen haben.
Doch der Mensch, der ihn so liebevoll gepflegt hatte, und der hinterlistige Fuchs wollten Ichiro nicht aus dem Kopf. ‚Was ist, wenn der Fuchs nun auch Yoshiki zu behexen versucht?‘, fragte sich der Wildkater still. ‚Dieser gute Mensch hat das nicht verdient. Ich bin einfach gegangen, ohne mich bei ihm zu bedanken. Ich sollte zu ihm gehen und mich für seine Hilfe erkenntlich zeigen!‘ So kehrte er zu dem Haus des armen Yoshiki zurück, dem durch den Zauber des Fuchses fast täglich das Holz zerbrach, wenn er es schlug.
Ichiro bediente sich des von seinen Vorfahren überlieferten Zaubers. Er fing eine Maus, riss ihr die Bauchdecke auf, tanzte dreimal im Kreise um sie herum und sprach:

Nyan, nyan, kleines Mäuschen,
kleiner Geist,
halte Fuchs und Marderhund
von diesem Hause fern!

Das verzauberte Mäuschen legte er Yoshiki vor die Haustür, wo es sogleich seine Wirkung tat: Der Fuchs, der sich auf Yoshikis Grundstück herumgetrieben hatte, spürte den feindlichen Zauber und nahm Reißaus. Das freute Ichiro, und er war glücklich, seinem menschlichen Freund geholfen zu haben. Nun musste er nur noch alle paar Tage wiederkommen, um die Maus zu entfernen und eine neue zu platzieren.
Doch als er das nächste Mal kam, war die verzauberte Maus zu seinem Erschrecken bereits verschwunden. Woher hätte der Wildkater auch wissen können, dass Menschen tote Tiere vor ihrem Hause nicht dulden? Yoshiki hatte, unwissend des Zaubers, die Maus schon bald, nachdem Ichiro sie hingelegt hatte, fortgeworfen. So war denn auch die Wirkung verflogen, und sein vom Fuchs hervorgerufenes Missgeschick kehrte wieder. Auch, als Ichiro die fehlende Maus ersetzte, nahm Yoshiki sie wieder weg. Das wiederholte sich einige Male, bis Yoshiki, der von wachem Geiste war, erkannte, dass ihm sein Tagewerk gelang, wenn die Maus an ihrem Platz blieb. So ließ er ab davon, den kleinen, stinkenden Körper entfernen zu wollen, und ertrug auch die Hänseleien der Bewohner Yamazatos, die ihn weiterhin Katzenmann schimpften. Auch wenn er nicht wusste, woher die Opfergaben kommen mochten, war er doch dankbar dafür. Denn bald verhalf ihm das ausbleibende Unglück zu Reichtum und einer hohen Stellung im Dorf.Was er zu viel hatte, gab er den Armen und Hungerleidenden des Dorfes. Er heiratete die Tochter des Dorfvorstehers und wurde dessen Nachfolger.
Viele Jahre gingen ins Land, und Ichiro wurde es nicht müde, seinem Freund alle paar Tage eine verzauberte Maus vor die Haustür zu legen. Auch wenn er sehr alt war und seine Knochen steif und steifer wurden, fühlte er sich seinem Lebensretter Yoshiki weiterhin verpflichtet.
Eines Tages kam er zu spät, die Zaubermaus zu erneuern. Hatte er es in früheren Zeiten stets nachts getan, kam er durch die Langsamkeit seines hohen Alters erst in den frühen Morgenstunden an Yoshikis Haus an. Bei seinem Werk, die Maus zu umtanzen und mit dem Zauberbann zu belegen, beobachtete ihn eine Katze, die zum ersten Male in ihrem jungen Leben Yamazato erkundete. Sie war zu weit entfernt, um die Worte des Wildkaters zu verstehen, doch war ihr unbedarftes Herz gleich begeistert von dem eigentümlichen Anblick.
Als sich Ichiro von der Stelle entfernte, an dem er die Maus niedergelegt hatte, müde vom Laufen und Tanzen, folgte ihm die junge Katze heimlich. Auch wenn sie von Angst erfüllt war, den Wald zu betreten – denn sie hatte freilich die Schauergeschichten der Menschen gehört –, schlich sie hinter dem alten Wildkater her, so leise sie es vermochte. Da sie aber nunmal eine Dorfkatze war und sich nicht auf das lautlose Schleichen der Waldtiere verstand, hörte Ichiro sie alsbald und wandte sich ungehalten zu ihr um: „Warum folgst du mir mit solch ohrenbetäubendem Getöse, du dummes Ding?“ – trotz seines Alters vermochte er noch zu hören wie in jungen Jahren – „Weißt du denn nicht, wie gefährlich der Wald für Dorfkatzen ist?“ Denn sie war weiß, mit schwarzen und braunen Flecken wie ein zartes Blumenfeld, und nicht grau gestreift wie die Wildkatzen, die im Wald fast unsichtbar sind.
Die junge Katze duckte sich unter dem Blick des Wildkaters und stammelte schüchtern: „Verzeih mir, Meister, aber ich habe gesehen, wie du die Maus vor Yoshikis Tür abgelegt hast, wie du getanzt und gemurmelt hast. Welche Bedeutung hat dieses seltsame Ritual?“
Der alte Ichiro war zu müde, die heißblütige Katze von sich abzuwimmeln, und erklärte es ihr: „Ich belegte die Maus mit einem Zauberbann, sodass sein Haus vor dem Schabernack des Fuchses, der im Dorf sein Unwesen treibt, beschützt ist.“
„Ist das der Grund, aus dem er glücklicher lebt als die anderen Dorfbewohner?“, wollte die Katze wissen, die einen wachen Verstand hatte. „Bringe mir den Zauber bei, und ich will meinen Menschen auch helfen!“, verlangte sie von dem alten Wildkater.
Doch Ichiro schalt sie nur: „Dummes, junges Ding! Dieser Zauber wird seit jeher von Wildkatzen ihren Kindern gelehrt, eine andere Art als die unsere hat ihn nie erlernt. Außerdem ist mir Yoshiki ein lieber Freund und hat mir das Leben gerettet – Katzen sollten sonst so selbstsüchtig bleiben, wie die Natur das wollte, auch Dorfkatzen wie du.“
„Aber meine Menschen sind mir auch lieb geworden“, sagte die Dorfkatze. „Da will ich sie auch vor dem Umtrieb des Fuchses bewahren!“
Als der alte Ichiro das hörte, wurde ihm das Herz warm. ‚Sie hat ein gutes Herz‘, überlegte er für sich. Also beschloss er: „Nun gut, junge Katze, ich will dir meine Kunstfertigkeit beibringen. Aber zuerst will ich, dass du dich als würdig erweist, meine Schülerin zu werden! Ich bin alt und meine Knochen sind steif, ich kann nicht mehr gut jagen, wie ich es einst vermochte. Wenn du mir hilfst, die Mäuse für den Zauber zu fangen, und mich auch mit Beute versorgst, so werde ich dir den Zauberspruch verraten!“
Dieses Angebot erfreute die junge Dorfkatze, und sie willigte ein.
So kam es also, dass sie Ichiro Vögel brachte, wenn der Hunger ihn plagte, und Mäuse erlegte, wenn er den Zauber vor Yoshikis Haustür zu erneuern hatte. Wenn er dies tat, hielt sie sich aus Höflichkeit weit abseits, um den geheimen Spruch nicht versehentlich zu hören.
Die Monate vergingen, und der Winter hielt in Yamazato und dem Wald Einzug. Ichiro lag in seinem Bau unter dem Zypressenbaum und spürte, dass dieser Winter sein letzter sein würde. Als die Dorfkatze wiederkam, um ihn zu versorgen, sprach er zu ihr: „Meine Zeit in dieser Welt ist vorüber, ich werde nicht mehr lange hier verweilen. Liebes Töchterchen“ – so nannte er die Dorfkatze mittlerweile, weil ihm eine eigene Tochter stets verwehrt geblieben, und sie ihm zur solchen geworden war – „du hast dich so gut um mich gesorgt, du hast es dir verdient, den Zauberbann meiner Vorfahren zu erlernen. Doch vorher musst du mir ein Versprechen geben.“
„Alles, was du willst, Meister“, sagte die junge Katze, die zu einer schönen Katzendame herangewachsen war.
Den alten Ichiro verließen die Kräfte, doch er sprach weiter: „Wenn du die Zaubermaus vor deiner Menschen Haustür ablegst, gehe bitte jedes Mal auch zu Yoshiki und führe mein Werk fort. Ich könnte keine Ruhe finden, wenn ich wüsste, dass bei ihm der Schutz versagt.“
„Das werde ich tun“, versprach die Schülerin ihrem Meister.
„Also, Töchterchen“, sagte der alte Wildkater, „höre mir gut zu, denn dies werden meine letzten Worte sein. Erlege eine Maus, reiße ihr die Bauchdecke auf und tanze dreimal im Kreise um sie herum. Während du dies tust, sprich diesen Zauberbann:

Nyan, nyan, kleines Mäuschen, kleiner Geist,
halte Fuchs und Marderhund von diesem Hause fern!

Und alle paar Tage, wenn der Körper vermodert ist, musst du ihn erneuern – das weißt du, weil ich es immer so getan habe. In der ersten Zeit werden deine Menschen die Maus noch entfernen, aber sicher werden sie bald merken, dass ihnen das Unglück mit der Maus vor der Haustür fernbleiben wird. So war es bei Yoshiki.“
Mit dem Namen seines Freundes auf den Lippen hauchte der Wildkater schließlich sein Leben aus. Die junge Dorfkatze blieb noch eine Weile und weinte stumme Tränen, dankte ihm und betete um das Seelenheil ihres Lehrmeisters. Sie fing eine Maus und sprach den Zauber über sie, um den Leichnam vor Aasfressern zu bewahren, bevor sie nach Yamazato zurückkehrte.
Da es ein ungewöhnlich harter Winter war, kehrte Yoshiki, der nun Vorsteher des Dorfes war, bald zu seinem früheren Handwerk zurück, denn es brauchte nun mehr Holzfäller denn je. Bei einem seiner Streifzüge durch den Wald kam er an jenem Zypressenbaum vorbei, unter dem Ichiro sein Leben ausgehaucht hatte. Yoshiki entdeckte den toten Wildkater – sein Leichnam war durch die Kälte vor dem Zerfall geschützt – und erkannte in ihm jenes arme Wesen, das ihm vor Jahren in die Fuchsfalle gelaufen war, und das er daraufhin liebevoll gesund gepflegt hatte. Er entdeckte auch die Zaubermaus, die die Dorfkatze zum Schutze ihres Meisters zurückgelassen hatte, und sah, dass der Wildkater der gute Geist gewesen war, der so lange das Teufelswerk des Fuchses von ihm abgehalten hatte.
Aus Dankbarkeit errichtete Yoshiki an der Stelle, an der sein Wohltäter verstorben war, einen kleinen Schrein, den er Itosugi-Schrein nannte, nach der Zypresse, zu deren Fuße er stand. Jeden Tag kam Yoshiki an den Schrein und betete für seinen Freund, brachte ihm Fisch als Opfergabe dar, weil das bekanntermaßen das Lieblingsessen aller Katzen ist.
Die Dorfkatze aber führte ihre Pflicht aus, wie sie es Ichiro versprochen hatte: Wenn sie eine neue Zaubermaus vor die Haustür ihrer Menschen ablegte, brachte sie auch zu Yoshikis eine. So tat sie das lange Zeit, und als sie selbst Katzenkinder hatte, lehrte sie ihnen die Fertigkeit, die bis dahin nur den Wildkatzen bekannt gewesen war. So wurde es immer weiter geführt, bis alle Dorf- und Hauskatzen den Zauber kannten, mit dem sie die Streiche von Füchsen und Marderhunden abwenden konnten.
Deswegen legen Katzen, wenn sie ihre Menschen sehr lieben, auch heute noch eine verzauberte Maus vor die Haustür, um das Unglück davon fernzuhalten.

Nagano ist eine Präfektur auf der japanischen Hauptinsel Honshu. Da sie sehr gebirgig ist, bot sie sich als Umgebung für diese Erzählung gut an.
Im japanischen Volksglauben haben Füchse und Marderhunde magische Fähigkeiten, mit denen sie den Menschen Streiche spielen. Oft ändern sie zu diesem Zweck auch ihre Gestalt. Auch Katzen werden magische Kräfte zugeschrieben; der Zauber mit der Maus jedoch ist frei erfunden.
„Yamazato“ ist das japanische Wort für „Bergdorf“ und beschreibt daher ein beliebiges Dorf, das an einem Berg errichtet ist. Das hier vorkommende Dorf ist für die Erzählung erfunden.
Die Wildkatze wird in Japan als „Yamaneko“ bezeichnet, was wörtlich übersetzt „Bergkatze“ bedeutet. Dies unterstreicht mehr die Verbindung zwischen Wildkatze und Berg als der deutsche Name. Das schriftsprachliche „nyan“ ist die japanische Entsprechung des Katzenlautes „miau“.

Elisabeth Riemesch  


o

In Büchern geblättert

Schon in meiner Kindheit haben Bücher mich fasziniert. Im Laufe der Jahre hat sich dann die Geschmacksrichtung in puncto Literatur mehrmals geändert. Auch heute, nach acht Lebensjahrzehnten, lese ich gerne ein gutes Buch, öfters in letzter Zeit mit Schwerpunkt über unsere alte Heimat Siebenbürgen.

Nun kann der Leser über diesen Beitrag schmunzeln und was ich da aufgeschrieben habe - Entdeckungen in Literatur und auch Sachbüchern - wo etwas über Reichesdorf steht (wenn es auch oft nur ein, zwei Sätze sind), dieses als Lokalpatriotismus bezeichnen. Vielleicht liegt er damit nicht ganz falsch. Gedanken und Erinnerungen kehren immer wieder zu jenem Dorf zurück, um es lyrisch auszudrücken: „Dort, wo einst meine Wiege stand.“

Lesenswert ist auch ein längerer, unlängst erschienener Beitrag, allerdings in rumänischer Sprache, in der Zeitschrift National Geografie im Oktober 2012 in Rumänien. Der Titel: Sasii Ardeleni­Saga unei civilizatii, in trei parti:Colonizarea, Splendoarea si Declinul (S. 32-51) von Catalin Gruia.

Ich betone noch einmal: Lesenswert und dokumentarisch.

Bevor ich aber noch mehr abschweife, will ich zu dem oben angekündigten Zitat aus Literatur und Sachbuch, mit Anführung der Quellen, gehen.

Aus: Durlacher und Hanauer in Siebenbürgen von Sepp Folberth.

Die Ahnen der bekannten Reichesdorfer Familie Stolz stammten aus der Herrschaft Rötteln. Hanß Stolz verabschiedete sich mit seiner zweiten Frau Anna Leimenstoll am 26. Juni 1749 in der Gemeinde Hauingen (die Empfelungsurkunde ist noch in unserm Familienbesitz) zur Auswanderung nach Siebenbürgen. Sein Vermögen betrug 200 Gulden. In Reichesdorf gründeten sie die angesehene Familie Stolz, zu deren Nachkommen auch die Familie Dr. G. Phleps (Agnetheln) mit den Söhnen Prof. Hermann Phleps und General Arthur Phleps gehören. Meine Großmutter mütterlicherseits entstammt dieser Familie. Als Generaloberst und Begründer des rumänischen Gebirgsjäger-Korps, als Arthur Phleps von König Carol II. zwangspensioniert wurde, trat er 1938 in die deutsche Wehrmacht unter dem Mädchennamen seiner Mutter als Oberst Stolz ein und wurde ein markanter Heerführer.

Soviel von Sepp Folberth.
Nun weiche ich kurz von Buchinhalten ab, und weil oben von Familie Stolz die Rede war, bringe ich hier die Inschrift des Grabsteines von Samuel Stolz auf dem Reichesdorfer Friedhof, in dessen ehemaligen Haus, erbaut 1866, meine Familie ab 1964 bis zu unserer Ausreise, September 1990, gewohnt hat.

SAMUEL STOLZ
Ortsrichter
geb. 13.März 1823 - gest. 4. Mai 1891
gewidmet v.d. dankbaren Witwe und den Geschwistern

„Du warst ein Mann, der bieder dachte,
gabst Lieb für Liebe gern zurück.
Dein treues sächsisch Auge wachte
für unser Wohl, für unser Glück.
Als Gatte, Vater, Freund, so liebevoll.
Als Richter furchtlos, streng, gerecht
warst deutschen Sinn's du Zoll für Zoll,
stets hilfsbereit und wahr und echt.
Von dieser Welt bist du geschieden.
In unsern Herzen lebst du fort.
Schlaf sanft du Guter ,
ruh in Frieden ,
bis wir uns wiedersehen dort.

Aus: Abends Gäste von Erwin Wittstock
Der Viehmarkt von Wängertthuel
(Seite 9)

„Die Bauern der umliegenden Dörfer gehörten einem andern Schlag an (Anmerkung: Gemeint sind in erster Reihe die Reichesdorfer, was mir der Schriftsteller Erwin Wittstock persönlich gesagt hat. Er hat seine Jugendjahre in Birthälm - hier als Wängertsthuel genannt -, wo sein Vater Pfarrer war, zugebracht. Er war in meiner Kronstädter Schulzeit mein Professor, und weil ich aus Reichesdorf kam, hat er sich, meistens bei Ausflügen, mit mir unterhalten) als die Leute unseres Städtchens (Anmerkung: Gemeint ist Birthälm). Der Wein, der von ihnen seit Geschlechtern gebaut wurde, unterschied sich in Auserlesenheit von der unseres Ortes nicht, doch während sie den Anbau selbst durchführten oder leitend bei allem dabei waren, blieb ihr Sinn der Wirklichkeit näher; sie fassten alles an; das Vieh gedieh bei ihnen wie die Traube, und jährlich drangen sie in immer breiteren Saaten, wo sie Grund kauften und pachteten, in die ebenen Teile unserer Gemarkung ein. Sie hatten oft namhaften, immer bleibenden Erfolg, und weil sie sich in allem stets einsetzten, blieb dem Herrn wie dem Knecht wenig Zeit zu Überschwang und Erholung. Aus: Marktort und Bischofssitz - Birthälm in Siebenbürgen von Thomas Nägler (2004)

Seite 287: „Da viel Grund vorhanden war, konnte man in Birthälm leichter als in andern Dörfern Grund kaufen. Reichesdorfer Bauernfamilien nutzten das und erwarben auf Birthälmer Hattert vielen und guten Grund."

Aus: Der falsche Malvasier von Erwin Wittstock
Seite 357: „Die Reichesdorfer Bauern und Turner (Anmerkung: Gemeint sind die Adjuvanten = Blaskapelle) kamen sie die Steingasse herabgezogen. Dem Markt sich nähernd, kündigten sie sich den Birthälmern mit der Weise an, die ihnen vertraut war. Sie spielten den Frühlingsmarsch.“
Aus: Tage die man nicht vergisst von Johann Untch
… nun tauchte ich in Reichesdorf, ein Winzerdorf in Siebenbürgen, unter, musste hier aber, wie auch vier andere „Heimkehrer“ verschwinden, wenn aus dem Nachbarort die Gendarmerie erschien. Es war rührend zu erleben, wie die geschlossene sächsische Dorfgemeinschaft bemüht war, uns zu schützen. Alle sorgten heimlich dafür, dass wir bei Gefahr rechtzeitig gewarnt wurden und unser Versteck aufsuchen konnten. Wenn die Milizmänner im Dorf erschienen, verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer.
In Reichesdorf, dem Heimatdorf meines Vaters, habe ich in dem Jahr im Kreise meiner Verwandten unvergesslich schöne Tage erlebt. Die vier Jahreszeiten mit den spezifischen Arbeiten im Weingarten, auf dem Feld und im Wald, nicht zuletzt auch die Tätigkeiten im Hof und Keller machten mich unsagbar glücklich. Nach Flucht, Rekrutenzeit, Krieg und Gefangenschaft war das Leben in der Dorfgemeinschaft, in einer wohlhabenden Gemeinde, ein wunderbares Erlebnis. Was mir damals bei ihr noch auffiel, will ich heute nicht vergessen, hier zu erwähnen. Es ist das Einzigartigste, dass dort die Menschen einer Familie oder Sippe, wenn sie über eines ihrer Mitglieder sprachen, das innig-ehrende unser vor seinen Namen setzten. So sagten sie in dem Fall nicht „Hans hat ein Pferd gekauft“ sondern „unser Hans hat ein Pferd gekauft“.

In den Tagen, wäre das Dorfleben - vor der Enteignung - intakt gewesen, hätten nicht die Sorgen um die 121 nach Russland verschleppten Männern und Frauen die Angehörigen so schwer belastet.
Aus: Die Deportation von Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion von Georg Weber, Renate Weber-Schlenther, Armin Nassehi, Oliver Sill, Georg Kneer (Werk in drei Bänden)
Bd.I Seite 339: „Auf besondere Weise wurden die Bewohner von Reichesdorf über die Aushebung informiert. Es war der 14.Januar 1945, an einem Sonntag. Die Kirche wurde wegen der Kälte im Saal abgehalten. Mit dem Nachbarzeichen wurden wir verständigt, nicht wie üblich in der Tracht in den Gottesdienst zu kommen. Da wurde uns gleich gesagt, ihr geht nach Hause und packt euch was ein und kommt wieder zurück. Aber wehe ihr verschwindet. Denn denen, die verschwinden, nimmt man den Vater oder die Mutter.“

Bd.I. S.355-356: Weil sie die Vorstellung hatten, „dies sei eine endgültige Verschleppung und es werde niemand zurückkehren“, beschloss eine sechsköpfige Familie aus Reichesdorf, wo der Vater, eine Tochter und der Schwiegersohn in das Deportationsalter fielen, sich im Wald einen Bunker zu bauen und dort die Aushebungszeit abzuwarten. Vor Kontrollen fühlten sie sich sicher, weil sich angeblich bewaffnete deutsche Soldaten in diesem Wald aufhielten. Mit dem Nötigsten versorgt wurden sie von Freunden. Nach drei Monaten kehrten sie in ihr Haus nach Reichesdorf zurück.

Bd.III. S.823: „Es war ein Wintertag. Wir saßen im Speisesaal, mehrere Kreischer zusammen. S. war auch dort, ganz schwarz, noch nicht gewaschen, und unser Brigadier M. von Reichesdorf. Plötzlich kommt der Hauptmann und fragt: „Warum habt ihr euch nicht gewaschen? Alle, die nicht gewaschen waren, gingen in den Karzer. Drinnen im Karzer bekam S. eine Ohrfeige von unserm Brigadier. Es dauerte nicht lange, da kam man und stellte uns zur Arbeit an, zum Schneekehren. Mich stellte man an, den Ofen zu schmieren mit Lehm im Trockenraum. Da war der Streit wieder von neuem zwischen unserem Brigadier und S. losgegangen. Ich sagte kurz zum Brigadier: „Ihr wart ja auch schwarz, was habt ihr denn ständig mit dem S.?“ Auf einmal bekam ich, ohne viel zu denken, eine Ohrfeige. (Anmerkung: Kein besonders rühmlicher Reichesdorfer)

Aus: Photo Reisen durch Siebenbürgen - Studienreise bis ins Repser Land von Rüdiger Punde.
S.47: … „Woher, Martin, hast du diesen Wein?“ - „Von meinem Freund aus Reichesdorf. Er hat einen Weinberg mit hundertjährigen Weinstöcken (?), die nach einer Reblaus-Plage um 1900 von seinem Großvater gepflanzt worden sind. Von den Reben erntet er nur noch wenige Trauben, die aber haben das Aroma des ganzen Jahrhunderts in sich!“
Aus: Gedichte, Erzählungen, Dramen, Aufsätze von Adolf Meschendörfer

Sommertage in Birthälm
S.114: „Eine Garnison gibt es hier nicht. Die Ulanen Offiziere reiten täglich aus Reichesdorf herüber und verdrehen unsern Mädchen mit Blumensträußen und Bonbontüten den Kopf.

(Anmerkung: In meinem Beitrag im Reichesdorfer Boten Dezember 2005, S. 5-6 schreibe ich, auch nach einem Briefwechsel mit dem Österreichischen Staatsarchiv Wien, dass in Reichesdorf eine Eskadron, sogenannte SAWO - DRAGONER, stationiert waren. Über Ulanen in Reichesdorf ist mir nichts bekannt.)
Nun komme ich für diesmal zum Ende.

Heinrich Bruckner


p

Det Rechesdirfer Wappen


Erinnerung an Johanna Leonhardt
(1929-2006)
(Schäßburger Dialekt)

Et fluß e klinzich Bechelchen, gemechlich durch det Tol
und welrt et glat net ellich hat, verlur't sich aldemol.
Et geng spazären än der Wis und sackt sech allerhaund,
bäs angder Weden uch äm Rihr der Reiher Krader faund.
Doch enes Daujes bliwen do viI stattlich Waundrer stohn
und wulen aus dem hischen Tol glat nemi ferder gohn.
Sä grawen Waingert un den Rech, der Bauch en grod, def Baat,
und worden än dem noaen Laund bold himesch, äm vertrat.
Sä baden dro de Bauch entlong är Haiser uch de Stroßen
und ackerten de Felder def, wo ist de Bauch geflossen.
Ellig wich der Wedenbum, en Zomm fluchten sä draus,
und mät dem Rihr daakt jeder sech schin hold sen ijän Haus.
Nor mät dem Reiher waßten sä näst Riechtet unzefen,
bäs ener sot: "Der Viujel sol vun het här fiirt as Wappen sen".
Dro wor der Reiher aus der Samp uch aus der Wis verschangden,
hat un der Dir der Sakristoa en hischen Platz sech fangden
Do harrt hi aus viI hangdert Johr, wiert af den Ujenbläek,
won ueh der Letzt vun as derfun, kihrt säeher dro än 't Rihr zeräek


q

Die neue "Rolle" der Frau

Aus dem Nachrichtenblatt der evangelischen Pfarrei A.B. Bruck/L, Diözese Wien(aus dem Inhalt der Predigt des siebenbürgischen Pfarrers Michael Seiverth zu Pfingsten 1997)

Welche Rolle spielen heute die Frauen?
Früher - man hört es immer wieder - lebten die Frauen als Mütter, Ehe- und Hausfrauen, sie hatten keine Meinung und wurden nicht gefragt (die alte Redewendung von dem „Mann unter dem Pantoffel“ ist ein reines Märchen!)
Diese Rolle wurde den Frauen gegen ihren Willen aufgedrängt. Von wem eigentlich? - Von den Männern.
Heute ist das anders. Heute sind die Frauen energisch, selbstbewusst, berufstätig, alleinerziehend, karrierefähig, emanzipiert - sie wissen, was sie wollen.
Den Frauen wird heute eine neue Rolle zugedacht. Von wem eigentlich? - Von den Frauen. Im Grunde genommen geht es in dieser ganzen Diskussion nur um einen Rollentausch, in dem die alte Last gegen eine neue eingetauscht wird. Das Leben ist aber kein Spiel.
Es ist Realität, und die ist immer anders als ein „Rollenspiel“. In die Diskussion um die neue „Rolle“ der Frau mischt sich leise auch die Stimme der Bibel (wird leider zu wenig wahrgenommen). Der Geist der Bibel möchte uns belehren: Passt euch nicht den jeweiligen Maßstäben dieser Welt an!

Lasst euch nicht in ein Schema pressen, das ihr spielen müsst! Vor Gott ist jeder Mensch (Mann oder Frau) ein einmaliges Geschöpf mit seinen besonderen Merkmalen, Eigenschaften und Fähigkeiten. Keiner gleicht genau dem anderen. Sich in ein Schema pressen lassen (eine „Rolle“ zu spielen) - d.h. die Schöpferordnung Gottes zu missachten und seine Schöpfervielfalt zu leugnen. Wenn die Bibel von Befreiung spricht (Joh. 8, 36; 2 Kor. 3, 17; GaI. 5, 1-15 u.a.), dann meint sie immer die Befreiung von einem egozentrischen Leben, das Gott und den Nächsten vergisst.

Ich meine, die wahre Lebenserfüllung ist dort zu finden, wo das Gebot befolgt wird (Math. 22, 37-39), das Jesus als das vornehmste und größte bezeichnet.

Es grüßt in der Verbundenheit des Glaubens, Pfarrer. Michael Seiverth.


Anna und Karl Drotleff / Nordheim


r

Die Büffelkuh

Eines jeden Stalles Zier
war einst ein schwarzes Büffeltier.
Indien war das Land der Ahnen,
lang schon, dass sie zu uns kamen.

Schwarzes Individuum,
fellbezogen - Hörner krumm.
In den Augen, ach so mild,
sah ich oft mein Spiegelbild.

Wenn ich auf dem Schemel hockte,
ihm die süße Milch entlockte,
fühlt' ich mich in seiner Gunst
glücklich in des Stalles Dunst
von Futter, Dung und frischem Stroh.

Der Zapfhahn steht heut anderswo
und anderswo drückt mich der Schuh,
du gute schwarze Büffelkuh!

Hedda Hoyer, geb. Roth; Heldsdorf


s

In der Siebenbürger Zeitung gefunden:
Der Ackermann und der Tod

Eines der ältesten neuhochdeutschen Prosawerke „Jeder Ackermann und der Tod“ wurde im Mai 2012 in Hermannstadt aufgeführt. Vermutlich handelte es sich um die erste Aufführung des um 1400 entstandenen Werkes in Siebenbürgen, schreibt die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ). Die szenische Lesung in der Johanniskirche wurde vom Österreicher Wolfgang Kandler und dem Luxemburger Daniel Plier, beide Schauspieler an der deutschen Abteilung des Hermannstädter Radu-Stanca-Theaters, inszeniert. Organisiert hat die Veranstaltung der Anfang 2012 gegründete Kulturverein Ponte aus Mediasch. Gegründet wurde der Verein von dem aus Wien stammenden Helmut Nowak und der Musikerin Liv Müller aus Halle an der Saale. Beide leben seit mehreren Jahren in Mediasch bzw. Reichesdorf. Der Kulturverein will laut ADZ jeden Monat eine außergewöhnliche und qualitätsvolle Kulturveranstaltung organisieren. Nach Angaben der Hermannstädter Zeitung ist auch geplant, einen Gewölbekeller im Mediascher Zentrum als Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen einzurichten. HW.

M. Mattes, Wedemark


t

Das Geheimnis in Siebenbürgen
Siebenbürgen-Drama im ZDF Dracula, von Nikolaus von Festenberg
Klebstoff Heimat:

Als Rumäniendeutscher kehrt Oliver Stokowski in „Das Geheimnis in Siebenbürgen“ nach einem Vierteljahrhundert in sein altes Land zurück. Eigentlich will er eine marode Fabrik sanieren, doch dann kommen ihm eine alte Liebe und alte Seilschaften der Securitate in die Quere.
Am meisten rührt in diesem Film seine schier allumfassende Themenbeladung an. „Das Geheimnis in Siebenbürgen“ hat sich Handlungsstränge aufgeladen, die für gleich mehrere TV-Movies von 90 Minuten Länge reichen würden. So viel dramaturgische Absicht war selten.

Der Film (Regie: Martin Enlen, Buch: Thomas Kirchner, Bearbeitung: Rolf Silber) will uns die Tragik der Geschichte der Rumäniendeutschen nahebringen, aber uns nicht mit dieser Tragik überfluten. Er will Völker versöhnen, er will uns mit mildem Spott über die Wirtschaft des Donaulandes informieren, er will eine Liebesgeschichte erzählen, er will uns verliebt machen in den Charme einer hinterwäldlerischen Kultur. Er will sogar junge Menschen interessieren, er schafft Licht in eine einst von Nicolae Ceausescus Securitate angezettelte Schweinerei, er löst ein Familiengeheimnis, er leistet Ehepaartherapie und er wartet mit Zukunft und einer Art Happy End auf.
Das alles bietet „Das Geheimnis in Siebenbürgen“ auf, um den Zuschauer an einen wenig bekannten Ort zu binden, an dem die TV-Unterhaltung sonst vorbeischippert. Er hat Angst vor dem Desinteresse des Massenpublikums. Man kann dem Film deshalb nicht böse sein. Auch wenn er manchmal vor Sentimentalität und Idylle regelrecht trieft.

Die Katze in der Hundehütte Das Geheimnis in Siebenbürgen“ (für das ZDF produziert von der zur SPIEGEL-Gruppe gehörenden Aspekt Telefilm) folgt dem bekannten Schema der Fernsehmärchen über einen, der auszog, um wie ein Roboter seine Absichten durchzusetzen, und der wider Erwarten in einen Menschen verwandelt wird. Lukas Schauttner (Oliver Stokowski) ist eigentlich ein knallharter Managementberater, und die heruntergekommene Fabrik im rumänischen Siebenbürgen plattzumachen, wäre ihm ein Leichtes. Vor allem, da die Consulting-Firma, an der Schauttner beteiligt ist, die Einnahmen aus dem Prüfauftrag dringend braucht - je schneller, desto besser.
Doch Heimat, deine vertrackten Lieder! Schauttner entstammt der Gegend. Er ist 1987 aus Siebenbürgen nach Deutschland übergesiedelt, nachdem die Geheimpolizei Securitate ihm und seiner Familie dort brutal zugesetzt hatte. Er hat es verwunden, sich von seinen neuen Landsleuten in der Schule als „Dracula, der Kanake“ beschimpfen zu lassen.
Dennoch hat ihn der Bruch mit der rumäniendeutschen Heimat traumatisiert. Schauttner schwant nichts Gutes, als sein Chef alle Skrupel beiseite wischt und ihn zum schnellen Plattmachen der Fabrik ermuntert. Er fürchtet sich vor der Vergangenheit und zitiert eine Weisheit aus Siebenbürgen: „Wenn die Katze in der Hundehütte zur Welt kommt, bellt sie noch lange nicht den Mond an.“ Verdrängen geht nicht gut - das ist die oberste Lehre des Films.
Die alten Ängste vor rumänischen Uniformträgern überfallen Schauttner schon auf dem Flughafen. Der Chef der maroden Firma (großartig: Jürgen Tarrach) ist ein totaler Versager, durch die Fabrik laufen die Schafe, statt Lkw transportieren Pferdewagen die Produkte. Die Sache ist klar: Die Klitsche muss weg.

Die Liebe steht dem Sanieren im Wege

Wenn da nicht der unwiderstehliche Klebstoff Heimat wäre: Schauttner ist bei einer alten Siebenbürger Sächsin (Dorothea Walda) untergebracht, die ihn altmodisch devot Revisor nennt und ihn mit Großmutters Marmelade ebenso vom Pfad des unbarmherzigen Prüfens abbringen will wie mit Altfrauengesängen, Saufgelagen und anderen Hexenkünsten. Da bezirzen außerdem die zauberhaften Bilder (Kamera: Philipp Timme) von dörflichen Idyllen, Schnappschüsse etwa von freundlich-komischen Gestalten, die mit langen Stangen die dörflichen Elektroleitungen anheben, damit der Touristenbus untendurch passt.
Und, na klar, die Liebe steht dem kühlen Sanieren im Wege. Die Liebe in ihrer sentimentalsten Form, als eine von staatlicher Gewalt und finsterer Intrige unterdrückte Leidenschaft. Traurig, schön und gekränkt schaut die vor Jahrzehnten zurückgebliebene Ex-Geliebte Mara (Dorka Gryllus, „Der Fürst und das Mädchen“) auf den Revisor. Dem gelingt es nicht, seine alte Jugendliebe einfach wegzurechnen. Selbst Schauttners Ehefrau (Katharina Böhm), die ihrem Mann mit Tochter nachreist, kann die alte Verbindung nicht aus Schauttners Herz reißen, so bärbeißig der auch aus Selbstschutz dreinschaut - Stokowskis bestes theatralisches Mittel.
Schauttners Tochter Nina (Anna Willecke) geht unbefangener auf die neue Umgebung zu. In den ersten Szenen ist sie historisch gänzlich unbeleckt, bekommt dann aber praktischen Unterricht über das Seelenleben eines Volkes, das noch immer an postkommunistischen Verwundungen laboriert. „Wir machen Dreck weg, weil wir müssen, aber wir sind kein Dreck“, bekommt Nina von Maras Tochter Tamina (Helen Woigk) erklärt, deren Vater als Straßenfeger in Italien überfahren wurde. In diesen Momenten weht ein herber Hauch in das Siebenbürger Idyll, wie auch in den Securitate-Rückblenden und in den Szenen mit der in den Westen übergesiedelten Schauttner-Großmutter (Gudrun Ritter).

Die Szenen der Wiederannährung zwischen Mara und dem wieder aufgetauchten Lukas Schauttner gehen dann aber auch bis hart an die Grenze zum Kitsch, wenn das alte und neue Paar in Wechselrede Passagen aus dem Gedicht „Siebenbürgische Elegie“

von Adolf Meschendörfer zitiert (s. unten).

Doch solche Poesie erdrückt nicht alle Ansätze zu leichtem Humor, die in diesem Film gegen übermächtige Traurigkeit angehen.
So wird etwa eine nachahmenswert pfiffige Idee der alten Siebenbürger Sachsen gezeigt: die „Ehekammer“, um in der Zwangsisolation ihre Zuneigungsreserven zu klären, woran in modernen Zeiten Mediatoren, Anwälte und Therapeuten verdienen.
Von Siebenbürgen kann man lernen.

(Kritik, recherchiert im Internet)
Heinrich Maiterth


ELEGIE 

Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit.
Früh fasst den staunenden Knaben Schauder der Ewigkeit.
Wohlvermauert in den Grüften modert der Väter Gebein,
zögernd nur schlagen die Uhren, zögernd bröckelt der Stein.
Siehst du das Wappen am Tore? Längst verwelkte die Hand.
Völker kamen und gingen, selbst ihr Name entschwand.
Aber der fromme Bauer sät in dem Totenschrein,
schneidet aus ihm sein Korn, keltert in ihm seinen Wein.
Anders schmeckt hier der Märzwind, anders der Duft von Heu,
anders klingt hier das Wort von Liebe und ewiger Treu.
Roter Mond, vieler Nächte einziggeliebter Freund,
bleichte die Stirne dem Jüngling, die der Mittag gebräunt,
reifte ihn wie der gewaltige Tod mit betäubendem Ruch,
Wie in grünlichem Dämmer Eichbaum mit weisem Spruch.
Ehern wie die Gestirne zogen die Jahre herauf,
ach, schon ist es September. Langsam neigt sich ihr Lauf.


u

Warum machen wir soviel Aufhebens?

Die britische und amerikanische Haltung in der Frage der Deportation zur Aufbauarbeit in der Sowjetunion von Januar 1945

In einem Dokument, das 1995 Stefan Karner in seinem Buch „Im Archipel GUPVI. Kriegsgefangenschaft und Internierung in der Sowjetunion 1941-1956“ (im R. Oldenbourg Verlag Wien München) veröffentlichte, wurde erstmals im deutschsprachigen Raum auf den „streng geheimen Befehl 7161 ss“ vom 16. Dezember 1944 Bezug genommen, der anordnete: „Zwecks Zuführung zu Arbeiten in der UdSSR sind alle arbeitsfähigen deutschen Männer zwischen 17 und 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren aus den von der Roten Armee befreiten Gebieten Rumäniens, Jugoslawiens, Ungarns, Bulgariens und der Tschechoslowakei zu mobilisieren und zu internieren.“

Die zynische Bemerkung Winston Churchills an den britischen Außenminister ist im Archiv in London (FO 371/48536) erhalten.

Zu den Geschichtsmythen in den Gemeinschaften der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben gehört auch jener, dass die Deportation von arbeitsfähigen Frauen und Männern in die Sowjetunion im Januar 1945 von „den Rumänen“ angeordnet worden sei. Die gängige Variante lautet, die Sowjets hätten Arbeitskräfte verlangt und die rumänische Regierung habe die Deutschen ausgeliefert. Diese Version des Hergangs wurde seinerzeit von den führenden Mitgliedern der Deutschen Volksgruppe in Rumänien, d. h. der NS-Organisation der Rumäniendeutschen, kolportiert. Angeführt wird desgleichen (auf Grund einer falschen Information von Andreas Hillgruber), die Deportation zur Aufbauarbeit sei auf Grund eines geheimen Zusatzprotokolls oder einer geheimen Klausel des am 12. September 1944 von Rumänien und den Alliierten in Moskau unterzeichneten Waffenstillstandes erfolgt. Weist man ehemalige Deportierte darauf hin, dass die Aushebungen zumeist von gemischten Trupps, bestehend aus sowjetischen und rumänischen Soldaten bzw. rumänischen Gendarmen durchgeführt wurden, sagen die Betroffenen, „die Russen“ hätten sie verschleppt. Im kollektiven Bewusstsein herrscht jedoch weiterhin die Ansicht vor, die rumänische Regierung habe den Deportationsbefehl erteilt.

Nach der Öffnung der rumänischen Archive sind mittlerweile zahlreiche Urkunden gefunden worden, die belegen, dass die Sowjets gezielt die Aushebung von „rumänischen Staatsbürgern deutscher Herkunft“, die Frauen im Alter von 18 bis 30 und die Männer zwischen 17 und 45 Jahren, angeordnet haben. Bekannt ist mittlerweile auch der Protest des damaligen Premierministers Nicolae Radescu und anderer rumänischer Politiker. Forscher aus Österreich, Deutschland und der Sowjetunion veröffentlichten den am 16. Dezember 1944 von Stalin unterzeichneten Geheimbefehl zur „Mobilisierung zur Arbeit“ der Deutschen aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien, auf den in Beiträgen in der ADZ in vergangenen Jahren Bezug genommen wurde. Von der Verschleppung zur Aufbauarbeit waren alle „Deutschstämmige“ aus Mittel- und Südosteuropa betroffen, d. h. Menschen aus allen Gebieten, die unter sowjetischen Einfluss geraten waren. Die Registrierung dieser Deutschen fand meist zeitgleich mit dem Vorrücken der Roten Armee statt, die Aushebungen erfolgten vor Kriegsende – um als Grund auch angeben zu können, dass es sich um eine vom Kriegsgeschehen motivierte Sicherheitsmaßnahme handelt.

Weniger geschrieben wurde über die Haltung der USA und Großbritanniens in dieser Angelegenheit. Sie waren die beiden „Partner“ der Sowjetunion in der Alliierten Kontrollkommission, die das Geschehen in Rumänien (und den anderen mittel-südosteuropäischen Staaten) bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrages überwachten. Wiederholt zitiert werden die zynischen Bemerkungen des britischen Premiers Winston Churchill (aus der am 18. Januar verfassten Mitteilung an seinen Außenminister Eden): „Warum machen wir so viel Aufhebens um die russische Deportation von Sachsen und anderen aus Rumänien? Es galt als vereinbart, dass die Russen in dieser Sphäre ihren Willen durchsetzen sollen.“ Oder: „In Anbetracht all dessen, was Russland erlitten hat (...) und angesichts des Elends der Menschen in vielen Teilen Europas kann ich nicht erkennen, dass die Russen etwas Falsches tun, wenn sie 100.000 oder 150.000 dieser Menschen ihre Vergehen abarbeiten lassen.“ (Churchill an Eden am 19. Januar 1945.)

Die beiden Urkunden aus dem Public Record Office in London sind in deutscher Sprache in dem dreibändigen Standardwerk „Die Deportation von Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion 1945-1949“ des von Prof. Dr. Georg Weber (Münster) geleiteten Forscherteams (Böhlau-Verlag, 1995) abgedruckt. Dessen Band 3 beinhaltet eine Reihe weiterer Dokumente aus den Archiven in Washington und London. Anhand ihrer sowie Urkunden aus dem Archiv in London, die die Historikerin Dr. Hildrun Glass (München) zur Verfügung stellte, wird im Folgenden auf einige Aspekte der britischen und amerikanischen Haltungen in der Frage der Deportation zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion eingegangen.

Die Briten und Amerikaner

Informiert wurden die Briten und Amerikaner von den Absichten der Sowjets von rumänischer Seite: Außenminister Constantin Visoianu berichtete dem amerikanischen politischen Vertreter in Bukarest, Burton Y. Berry, am 3. Januar 1945, dass die Sowjets vorhaben, die Bürger deutscher Herkunft aus Rumänien auszuheben und nach Russland zu bringen. Die rumänische Regierung habe gegen diese Forderung energisch protestiert, da sie völlig außerhalb der Waffenstillstandsbedingungen liegen, heißt es in dem Telegramm, das Berrys am 4. Januar an das amerikanische Außenministerium schickte. Der britische politische Repräsentant in Bukarest, Le Rougetel, kabelt die Nachricht über die sowjetischen Forderungen ebenfalls am 4. Januar 1945 an sein Außenministerium – und ebenfalls nach einem Gespräch mit dem rumänischen Außenminister am Tag zuvor. Den von ihm erhaltenen Informationen zufolge, würden bis zum 15. Januar 500 Eisenbahnwaggons benötigt, um mit dem Abtransport zu beginnen.

General Vinogradov, der stellvertretende sowjetische Vorsitzende der Alliierten Kontrollkommission, informierte die militärischen Repräsentanten der USA und Großbritanniens erst am Abend des 4. Januar über das Vorbereiten von Listen mit Deutschen. In den Gesprächen deutete Vinogradov die Absicht an, diese Personen zur Aufbauarbeit nach Stalingrad und andere beschädigte Produktionszentren zu bringen, noch habe er jedoch keine Handlungsanweisungen aus Moskau erhalten, sagt er. Die Sowjets verwendeten die Hinhaltetaktik: Die von ihnen angeordnete „Deutschenzählung“ war in Rumänien am 15. Dezember 1944 abgeschlossen worden. Den allgemeinen Deportationsbefehl hatte Stalin am 16. Dezember 1944 unterzeichnet. Den Aushebungs-, Sammel- und Transportbefehl für die Deutschen aus Rumänien sandte Vinogradov der rumänischen Regierung am 6. Januar 1945 zu. Die Partner in der Alliierten Kontrollkommission hielt Vinogradov hin, die rumänischen Politiker log er an: Dem Außenminister hatte er gesagt, der Beschluss zur „Mobilisierung zur Arbeit für die Dauer des Krieges“ der Deutschen sei „im Einvernehmen“ mit den Alliierten getroffen worden. Der Befehl an den Ministerpräsidenten, das Ausheben der arbeitsfähigen deutschen Einwohner, gleich welcher Staatsangehörigkeit, zwischen dem 10. und 20. Januar 1945 anzuordnen, wurde im Namen der alliierten Kontrollkommission unterzeichnet. Den Depeschen zwischen Bukarest, London und Washington und den Aktenvermerken der Diplomaten ist zu entnehmen, dass Briten und Amerikaner überrumpelt worden waren und ihr Einverständnis für die Maßnahme keineswegs gegeben hatten. Am 10. Januar 1945 schickt der britische Botschafter in Moskau, John Balfour, dem sowjetischen Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, V. M. Molotov, eine Note, in der er ihn im Namen der britischen Regierung aufmerksam macht, dass diese der geplanten Aktion niemals zugestimmt hat. Burton Y. Berry hatte aber bereits am 4. Dezember 1944 festgestellt: Das sowjetische Kommando scheint die Kontrollkommission als ein Instrument zur Durchsetzung des Willens der sowjetischen Organe in Rumänien zu betrachten und als solchem wird der amerikanischen und der britischen Vertretung in der Kommission wenig Beachtung geschenkt.

Den zynischen Bemerkungen von Churchill war ein reger Meinungsaustausch zwischen den britischen und amerikanischen Diplomaten und Militärs in Bukarest und London bzw. Washington vorausgegangen. Der Hauptgrund der Besorgnis war das eigenmächtige Vorgehen der Sowjets und dass sie das Waffenstillstandsabkommen übertraten. Den etwas entschiedener gegen die Deportation auftretenden Amerikanern erklärt Vinogradov am 12. Januar, die Maßnahme habe doppelten positiven Effekt: Es werde die Möglichkeit deutscher Sabotage gegen die alliierten Verbindungslinien ausgeschaltet und die dringend benötigten Arbeitskräfte für den Wiederaufbau und zu Kriegszwecken beschafft. Das Waffenstrecken der Briten ist auf die im Oktober 1944 von Stalin, Churchill und Roosevelt getroffene Vereinbarung zurückzuführen, in der die Einflussnahme in den Staaten Südosteuropas in Prozenten festgelegt worden war. Der Einfluss der Sowjetunion in Rumänien sollte 90 Prozent betragen, jener von Briten und Amerikanern 10 Prozent.

Wer rumänischen Archivdokumenten wenig oder keinen Glauben schenkt, erhält anhand der amerikanischen und britischen Urkunden den Beweis, dass es sich bei der Deportation von Deutschen aus Mittel- und Osteuropa, und darunter auch rund 75.000 Personen aus den Gebieten des heutigen Rumänien, um eine Willkürmaßnahme der Sowjets gehandelt hat. Die rumänischen Behörden wurden als Werkzeug eingesetzt. Angesichts der internationalen Lage und der Machtverhältnisse in Europa konnten sie die Aushebungen nicht verhindern. 


von Hannelore Baier


v

Siebenbürgen an der Spitze

Britische Zeitungsleser empfehlen ihre Lieblingsreiseziele in Rumänien

ADZ - Dienstag, 05. Februar 2013

Hermannstadt
 - „Eines der faszinierendsten Länder Europas“ nennt die britische Tageszeitung „The Guardian“ in einem am vergangenen Freitag erschienenen Artikel das Reiseland Rumänien. Diesmal überließen die Redakteure die Vorstellung von Reisezielen ihren Lesern und trafen aus den Vorschlägen eine zugegebenermaßen subjektive Auswahl, in der Siebenbürgen klar dominiert. Empfohlen wird Hermannstadt/Sibiu mit seinem Brukenthalmuseum, der Lügenbrücke und der „sehenswerten“ evangelischen Kirche. Auch der seit mehreren Jahren organisierte Weihnachtsmarkt findet Beachtung und erhält eine eigene Empfehlung. Unter dem Stichwort Schäßburg/Sighisoara wird in der Stadt lediglich das Haus mit dem Hirschgeweih erwähnt, ansonsten schwärmt der Leser von Naturerlebnissen in der Umgebung der Stadt und dem Fund eines Ammoniten in einem Waldbach.

Die sächsischen Dörfer fehlen nicht in den Beschreibungen. Erwähnt werden Birthälm/Biertan, Reichesdorf/Richis, Michelsberg/Cisnadioara und Deutsch-Weißkirch/Viscri, wobei letzteres den englischen Touristen sicher wegen der wiederholten Besuche von Prinz Charles ein Begriff ist. Kronstadt/Brasov wurde nicht in die Liste aufgenommen, dafür das in der Nähe bei Zarnesti gelegene Bärenreservat „Libearty Bear Sanctuary“.

Daneben preisen die britischen Rumänienbesucher Urlaub in Bauernhäusern in Kund/Cund und Jurten in Câmpu Cetatii/Vármezö im Szeklerland an. Kurz erwähnt werden darüber hinaus die Hauptstadt Bukarest, Temeswar/Timisoara und Sighetu Marmatiei. Gleich zu Beginn jedoch unterläuft den Redakteuren ein Fehler: Die als Top-Tipp ausgewählten römischen Ruinen von Ulpia Traiana Sarmizegetusa in der Nähe von Hatzeg/Hateg werden mit einem Foto der 40 Kilometer nördlich gelegenen UNESCO-Weltkulturerbestätte Sarmizegetusa illustriert – ein Fehler, der auch von einigen Lesern in den Kommentaren bemängelt wird.

Überhaupt gibt es nur wenige Tage nach der Veröffentlichung zahlreiche Kommentare, in denen Reisen durch Rumänien empfohlen werden. 


von Holger Wermke


w

Zur Entlastung der Hauptstraßen
Kreisrat setzt drei Teilstücke an Kreisstraße aus eigenen Mitteln instand
ADZ - Mittwoch, 25 Januar 2012

Hermannstadt - Im Investitionsplan des Kreises Hermannstadt/Sibiu ursprünglich nicht vorgesehen, nun aber auf die Liste aufgenommen, sind drei kurze Strecken von Verwaltungskreisstraßen, die aus Mitteln des Kreisratshaushaltes modernisiert werden sollen. Es handelt sich dabei um Teilstücke von Straßen, die Abkürzungen ermöglichen und dadurch den Verkehr auf vielbefahrenen Wegen entlasten sollen, teilte der Kreisratspräsident Martin Bottesch kürzlich mit. Die Modernisierung dieser Straßenabschnitte ist in der Entwicklungsstrategie des Kreises enthalten.

Ein solches Teilstück sind die vier Kilometer von Reichesdorf/Richis zur Kreisstraße 141 Meschen/Mosna – Agnetheln/Agnita. Sobald dieses hergerichtet ist, wird man aus dem Norden des Kreises Hermannstadt/Sibiu, d.h. aus der Richtung Elisabethstadt/Dumbraveni über Birthälm/Biertan und dann die Agnethler Straße in die Kreishauptstadt kommen können, statt den Weg über Mediasch zu wählen.

Ein anderes dergleichen Stück von Vorteil für den Verkehr ist jenes zwischen Gura Râului und der Kreisstraße 106A, die auf die Hohe Rinne/Paltinis führt, wodurch die engen Gässchen in Rasinari gemieden werden können. Fortgesetzt werden sodann die Arbeiten an der Strecke Sacadate – Nucet – Nou/Neudorf, die eine Direktverbindung aus Freck/Avrig ins Harbachtal/Valea Hârtibaciului darstellt und Hermannstadt umgeht.

Fortgeführt und abgeschlossen werden 2012 die aus EU-Mitteln geförderten Infrastrukturprojekte an Straßen. Aus eigenen Mitteln des Kreises werden heuer die Arbeiten an der Strecke Cârtisoara – Arpasu de Sus – Grenze des Kreises Kronstadt/Brasov sowie an der Straße Kerz/Cârta – Agnetheln fortgesetzt.


von Hannelore Baier


x

Rückblck Skiwochenende
8.-10. Februar 2013

Wenn der Berg und Hari Hügel rufen, weiß der wintersportbegeisterte Reichesdorfer, was zu tun ist:
Ski- und Faschingszubehör raus und ab nach Neukirchen am Großvenediger, Österreich!
Mittlerweile ist die Veranstaltung zu einer festen und nicht wegzudenkenden Größe in unserer Gemeinschaft geworden. Ob groß oder klein, jung oder alt, sportlich oder bekennende Niete, Partylöwe oder graue Maus – hier trifft sich, wer Spaß am Leben hat, am Zusammensein mit Freunden und dem vor allem der Erhalt des Reichesdorfer Bewusstseins ein Anliegen ist.
Beginn war auch in diesem Jahr natürlich schon Freitag, man will ja nichts verpassen, und die lange Anreise soll sich lohnen!
Mit unseren Meschener Freunden teilten wir uns das Gasthaus Wildkogel nun schon zum dritten Mal. Im ersten Jahr stand man sich noch etwas schüchtern gegenüber – davon war kaum noch was zu spüren. Zur Begrüßung fiel man sich nun in die Arme und freute sich, sich gesund und munter wiederzusehen!
Hari Hügel und sein Meschener Pendant Hugo Schneider (Ehemann von Anni, geb. Mattes) leiteten den offiziellen Teil des Treffens, in dessen Verlauf auch wieder Jubilare unter uns geehrt wurden. Urkunden gab es für folgende treue Seelen des Reichesdorfer Skiwochenendes:
15 Jahre – Anne und Gustav Hügel, Edith und Hans Hügel, Hari Hügel – alles Leute der ersten Stunde!!

10 Jahre – Bianca Hügel, Ralf Greger, Brigitte und Dietmar Schaas mit ihren Kindern Steffen und Sabine, Käthe und Ernst Weinrich.
Natürlich wurde danach laut gefeiert! Wie immer tanzten wir ausgelassen und erfreuten uns an den gemeinsamen Stunden.
Der Samstag war für unsere Ski- und Schlittenfahrer eine Herausforderung, da ein eisiger Wind wehte und die Sicht äußerst schlecht war. Auch unser traditionelles Mittagessen mit frischem Brot, Schmalz, Speck, roten Zwiebeln und geräucherter Bratwurst konnte nicht, wie gewohnt, draußen stattfinden. Der guten Laune tat dies kein Abbruch: Der von Dietmar Schaas neu kreierte „Wurstbaum“ (siehe Foto) fand auch unter Dach seine Anhängerschar. Für musikalische Umrahmung sorgte ein vom Wirt des Hauses engagiertes Volksmusik-Trio. Ja, so vergaß man dann schnell das schlechte Wetter!

Am Abend feierten wir Fasching. Fast alle kamen verkleidet aus ihren Zimmern, es gab einen Aufmarsch und nur ganz wenige „Zaungäste“. Für die gute Stimmung sorgte bis in die frühen Morgenstunden das Duo Memories: Fritz Bretz aus Meschen und Ingmar Eiwen aus Rosenau. Die beiden blicken auf viel Erfahrung in Sachen „Unterhaltung am Skiwochenende“ zurück und stellten das eindrucksvoll unter Beweis.
Einen ganz besonderen Tag hatte Johanna Riemesch. Sie wurde am 9. Februar 10 Jahre alt. Schon am frühen Nachmittag durfte sie mit Gerhard und Sinni Mätz die 14 km lange Rodelbahn hinunter sausen, was ihr viel Spaß machte.
Am Abend bekam sie den gewünschten Regenbogenkuchen mitsamt Kerzen und ein ausgiebiges Ständchen – von Gerhard und Hari wurde sie auch noch hochgeworfen! (In Johannas Namen bedanke ich mich bei allen, die hier beteiligt waren!)
Wenn nur die Zeit nicht immer so schnell vergehen würde!

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag kam Aufbruchsstimmung auf, da den meisten noch lange Heimreisen bevorstanden. Der strahlende Sonnenschein lud den ein oder andern noch zu einer Skiabfahrt ein. Und wer noch ein paar Urlaubstage dranhängen konnte, sah dem Treiben um Gepäck schleppen und Abschied nehmen gelassen zu.

Unseren Organisatoren sei gedankt für dieses gelungene Wochenende!

180 Teilnehmer, lieber Hari und Hugo, sind doch eine nette Bestätigung, dass ihr alles richtig gemacht habt!

Susi


y

Reichesdorfer Skiwochenende

Das Skitreffen in der Wolkenstein Hütte im Pinzgauer Land;
bei Schneesturm war jeder froh, dass er sie fand.
Von groß bis klein, war alles auch dabei,
denn die Kälte war jedem einerlei.
Viele Leute hat man länger nicht gesehn,
dafür die Freude doppelt schön.
Reichesdorfer und Meschner waren viele vertreten,
alle wollten ein schönes Wochenende erleben.

In gelben und orangen Westen,
für viele war das zum Besten,
bei jedem der Vorname drauf geschrieben,
so konnte man mit jedem kommunizieren.
Nach vielem Tratschen und gutem Essen
haben wir die Zeit dann ganz vergessen.
D. J. Meck brachte uns dann in Schwung
mit Musik für alt und jung.
Nach wenig Schlaf und kurzer Nacht
sind wir noch müde aufgewacht.
Das Frühstück was reichlich und sehr gut,
auch das Adrenalin schoß wieder ins Blut.
Dann auf die Piste ging es los:
Skifahren, Snowboarden ist famos.
Der Hunger kam dann im Effekt,
die Brotzeit war ja so perfekt.
Die Würste hingen nur so runter,
der Magen wurde wieder munter
auch Grieben und Schmalz, das waren Kalorien;
jeder aß, was er konnte kriegen.
Mit drei Musikern von der Partie.
Die brachten uns ins schwitzen wie noch nie.

Dann ab in Zimmer zu verkleiden,
der Fasching war ein buntes Treiben,
der Faschingszug verschiedner Masken
war toll, es war kaum zu fassen.
Die Meschner mit tollem Programm
traten als Schwanenballett an.
Die Enitante als Röschen
suchte ein heißes Höschen
unter ihrem Rock versteckt,
das Höschen war perfekt.
Die Memmory Band hatte die Hütte zum Glühen gebracht,
das Wasser der Decke tropfte die ganze Nacht.
Wiedermal der Schlaf zu kurz, die Nacht zu lang.

Bis wir uns widersehen irgendwann.
Das Wochenende war sehr gut gelungen,
es wurde gelacht, getanzt und gesungen.
Dem Harry noch ein Danke sagen
für all seine Müh und Plagen.


Renate Schebesch


z

Wissenswertes über....
War Richwin der Gründer?
Villa Rihuini Anno 1283
Die ältesten urkundlichen Nachrichten über Reichesdorf

Reichesdorf liegt an einer Verbindungsstraße zwischen dem Tal der Großen Kokel und dem Harbachtal. Diese Straße beginnt bei Scharosch an der Kokel und führt im Tal des Birthälmer Baches in südlicher Richtung durch Birthälm bis nach Reichesdorf, das heute verwaltungsmäßig zu Birthälm gehört. Südlich von Reichesdorf führt die Straße dann über die Wasserscheide ins Harbachtal. Die Gemeinde Reichesdorf wird in den erhaltenen Geschichtsquellen erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1283 als „villa Rihuini“ erwähnt, und zwar als zum Mediascher Kapitel gehörig. Verwaltungsmäßig gehörte Reichesdorf im Mittelalter zum Mediascher Stuhl, dem oberen der sogenannten „Zwei Stühle“ (Mediasch und Schelk).
Der älteste urkundliche Ortsname weist auf den althochdeutschen Personennamen Richwin hin. Möglicherweise trug der Gründer der Ansiedlung diesen Namen, der in den erhaltenen Urkunden jedoch nicht vorkommt. Die schriftliche Überlieferung zur Geschichte der Gemeinde Reichesdorf ist für die ersten Jahrhunderte sehr lückenhaft. Eine nächste Urkunde aus dem Jahre 1289 führt den gleichen Henricus an, der schon 1283 als Pleban genannt ist.
Erst 70 Jahre später datiert eine neue Nachricht über die „villa Richvini“. In der ältesten bekannten, vom Mediascher Stuhl ausgestellten Urkunde – sie ist vom 1. Februar 1359 und enthält das Urteil in einem Hatterstreit zwischen Wälz und Baassen –, wird Reichesdorf mehrmals erwähnt. Zunächst war damals „comes (= Graf) Richannus de villa Richvini“ einer der vier „Ältesten“ des Mediascher Stuhls. In der gleichen Urkunde werden noch ein comes Demetrius sowie „alle Ältesten“ der Gemeinde genannt. Wir ersehen aus dieser Urkunde, dass die Führung der Gemeinde damals Gräfen und Ältesten innehatten, wie das auch in den übrigen Ortschaften der Umgebung der Fall war. Dieser Gräf Demetrius war der Schwiegersohn des Gräfen Johannes von Arkeden bei Schässburg; er wird auch 1369 erwähnt.
Reichesdorf muss im 14. Jahrhundert schon eine entwickelte Gemeinde gewesen sein. Ein indirekter Hinweis dafür ist, dass „Andreas plebanus de villa Richwini de Septemcastris“ (= aus Siebenbürgen) im Jahre 1398 zur Fortsetzung seiner Bildung die Wiener Hochschule besuchte. Ein weiteres Zeugnis des Wohlstands der Gemeinde in dieser Zeit ist der „am prächtigsten mit Steinmetzarbeiten ausgestattete Sakralbau“ im spätgotischen Stil (Juliana Fabritius-Dancu). Wir wissen nicht, ob der große Türkeneinfall von 1438 auch Reichesdorf betroffen hat. Möglicherweise hat Birthälm den feindlichen Vorstoß abgefangen. Im Jahre 1451 wurde das Kirchengewölbe fertiggestellt und später – um künftigen feindlichen Einfällen vorzubauen – auch eine Kirchenburg errichtet.
In mehreren Urkunden aus dem Jahre 1453 wird zum ersten Mal der ungarische Name der Gemeinde genannt: „Ryanfalw“ und „Ryhanfalva“ (heute: Riomfalva).
Am Ende des 15. Jahrhunderts wirkte in Reichesdorf der Pleban Blasius Petri, der im Jahre 1489 in Wien studiert hatte. In den Jahren 1492 bis 1493 war er Dechant des Mediascher Kapitels und hat sich auch als öffentlicher Notar betätigt. Im Jahre 1503 schenkte er ein im Jahre 1472 in Venedig gedrucktes Buch einem Hermannstädter Geistlichen. Heute befindet sich dieser Band in der Inkunabelnsammlung des Brukenthal-Museums.
Das älteste Mediascher Stadtbuch enthält Angaben über die Steuerleistungen der Gemeinde Reichesdorf am Anfang des 16. Jahrhunderts. Im Jahre 1510 war „Richestorff“ – es ist das erste Mal, dass die deutsche Namensform überliefert ist – die fünftgrößte Gemeinde des Mediascher Stuhls und zahlte 14 Mark Steuer (Birthälm 31, Mediasch 28, Meschen 24, Hetzeldorf 16 Mark).
In den Jahren 1513 und 1526 zahlte Reichesdorf 2¼ „Zahlhäuser“ (= Steuereinheiten), gleichviel wie die Gemeinden Pretai und Hetzeldorf, während Mediasch, Birthälm und Meschen für je 4 „Zahlhäuser“ Steuern zahlten. Im Rahmen des Mediascher Kapitels spielte damals der Reichesdorfer Pleban eine wichtige Rolle. Von 1505 bis 1529 ist Petrus Wol, „Doktor der Dekrete“, Pleban, der zuletzt „Generaldechant“ war. Sein Nachfolger wurde Martin Huet von Hermannstadt. Dieser hatte beginnend mit dem Jahr 1501 in Wien studiert und 1505 den akademischen Grad eines „Magisters der freien Künste“ erworben. 1508 war er Pleban in Hamlesch, zog nochmals in die Wiener Universität und wurde dort Prokurator der „Ungarischen Nation“. Im Jahre 1519 erwarb er in Bologna den Grad eines Doktors der Rechte und wurde 1521 Pleban von Hermannstadt. Er musste diese Würde 1529 aufgeben und kam danach als Pleban nach Reichesdorf, wo er bis zu seinem Tod (1540) wirkte.
Im Jahre 1532 – fast genau ein Viertel Jahrtausend nach der ersten urkundlichen Erwähnung – hatte „Rychesdorff“ 152 „Wirte“ und war damit nach „Byrtahlwen“ (345 Wirte), „Mytüesz“ (286), „Myschen“ (235) und „Heczeisdorff“ (160) die viertgrößte Gemeinde des Mediascher Stuhls, wenn man aber auch Kleinschelken berücksichtigt (175 Wirte), die fünftgrößte Ortschaft der „Zwei Stühle“. Im gleichen Jahr 1532 ist „Richistorff“ auf der von Honterus herausgegebenen ältesten Siebenbürgen-Karte zum ersten Mal kartographisch dargestellt.
(Die Woche Nr. 800 / 15. April 1983)

Ich meine, die wahre Lebenserfüllung ist dort zu finden, wo das Gebot befolgt wird (Math. 22, 37-39), das Jesus als das vornehmste und größte bezeichnet.

Es grüßt in der Verbundenheit des Glaubens, Pfarrer. Michael Seiverth.


von Gernot Nussbächer


aa

Majaaliiss, Majaaluss, Majaali, auch Majaal - ein volksfest

Das Wort, in verschiedenen Wortformen (Lautvarianten), ist eine veraltete Bezeichnung für „Maifest (mit Tanz)“, das am 1. Mai oder auch später im Monat mit festlichen Umzügen der Jugend begann. Belege um 1970 deuten darauf hin, dass es sich um ein Volksfest handelt, das mit geselligem Beisammensein auf der Wiese oder im Wald stattfindet. Wir bringen dazu einige südsiebenbürgische Beispiele, die über das Fest Wesentliches aussagen, da nordsiebenbürgisch bloß das Fest ohne Mundartbelege erwähnt wird. Z.B.: „Um oirschte mao wääur majaaluss, fier de geumz gemoin (Am 1. Mai fand dieses Waldfest für die ganze Gemeinde statt (Stolzenburg)).

Dass dieses Maifest auch Ende des Monats gefeiert werden kann, beinhaltet der Beleg: „Ängt moa woor ängde majaaliss, em geng mät de schiilkängden durch de schtad unt dro marschiird em än de Wonzleng (ein Waldname), (Ende Mai war immer dieses Fest, man ging mit den Schulkindern durch die Stadt und dann marschierte man zu einer bestimmten Stelle im Wald (Mühlbach)). Auch: „Der majaaliss woor en griiss fässt vun de schiilkängden, droo deede si juch de berjer derzaa uch feriin“ (Es war ein großes Fest für die Schulkinder, dazu gesellten sich auch die Bürger und Vereine der Stadt (Hermannstadt)).

Über das gesellige Beisammensein und das zum Beispiel bereitete Festessen folgende Belege: „Um majaal deunzt de jugend ent de oolt fraae sazen amerandj en saan zao“ (Während des Festes tanzt die Jugend, und die alten Frauen sitzen in einer Runde und sehen zu, (Langenthal)). „Der majaali em oass boakhengkeln uch wiakselkachen en schpilt mät de kängden däpenzeschloon uch wetluufen“ (Während des Festes verspeiste man Backhünkel, das heißt Backhähnchen und Weichselkuchen, man spielte mit den Kindern Töpfe zerschlagen und veranstaltete Wettlaufen; dieses Volksfest fand auf der Wiese statt (Fogarasch)).

Das Wort ist interessant, da es nicht zum Wortschatz des Hochdeutschen gehört. Es ist wohl aus dem Lateinischen majus, der Maimonat, der Mai, in dem sich die Natur verherrlicht (mit Nebenform majalis) über ungarisch majális, Maifeier mit Tanz in das Siebenbürgisch-Sächsische eingesickert.

Dr. Sigrid Haldenwang ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften in Hermannstadt und arbeitet seit 1972 an dem Siebenbürgisch- Sächsischen Wörterbuch, seit 1986 in leitender Position.


Erschienen in der Hermannstädter Zeitung, Nr. 2231/ 44. Jahrgang, 6. Mai 2011


ab

In letzter Minute erreichte uns noch dieser Bericht aus der "Hermannstädter Zeitung" zugeschickt von Frau Timmermann / Reichesdorf.

Wie schön ein 80. Geburtstag sein kann!"
 ..meint der Reichesdorfer Kurator Johann Schaas.

Johann Schaas, wie ihn seine Besucher kennen, erzählt gerne von Reichesdorf und schenkt als ausgezeichneter Gastgeber schon mal den von ihm selbst gekelterten Wein aus. Foto: Mihai Dragomir

Der bekannte und beliebte Kirchenkurator Johann Schaas aus Reichesdorf wurde dieser Tage 80 Jahre alt. Bekannt wurde „Schaasenhans“ zuerst innerhalb der evangelischen Kirche: Er wurde Kirchenkurator, als kein anderer mehr da war, das Boot zu lenken. Er übernahm diese Pflicht wie eine Lebensaufgabe, die Gott ihm auferlegt hatte. Seinem sächsischen Dickschädel ging es nicht ein, dass dieses Boot untergehen könnte.
Kirche und Pfarrhaus standen noch da, man musste sich nur drum kümmern. Er bewirkte, dass einmal monatlich in seiner Kirche Gottesdienst abgehalten wurde. Er vermietete schweren Herzens das leerstehende Pfarrhaus. Er begann, seine Kirche ausländischen Gästen zu öffnen. Und plötzlich wurde er bekannt und sogar berühmt. Schuld daran waren die „grünen Männchen“, diese eigenartigen steinernen Maskengebilde an den Kirchenpfeilern, die an keltische Gottheiten gemahnen. Die Reichesdorfer Kirche war zu einem Anziehungspunkt, zu einem Geheimtipp unter Kennern geworden. Die Kirchenoberen und die Kunsthistoriker mögen anfangs konsterniert gewesen sein, was sich da ein einfacher Bauernschädel getraute.
Dafür kam aus dem Westen Schützenhilfe. Durch die Öffnung der Grenzen kamen immer mehr Touristen nach Siebenbürgen und darunter mehrere, die den „green man“ nicht nur kannten, sondern auch Fachwissen darüber besaßen und mitbrachten (wie beispielsweise Pfarrer Zeller von Laufen am Neckar). Und Hans Schaas sog alles Wissen in sich auf, und wie er es wiedergibt, das macht ihm so leicht keiner nach! Inzwischen hat er Freunde und Bekannte in aller Welt, manche kommen immer wieder vorbei, auch nur um ihn zu begrüßen und „ein Schnäpschen“ mit ihm zu kippen. Wer kann sich schon loben, die Botschafter Deutschlands und der USA als Gast begrüßen zu können, oder Wolfgang Huber von der EKD, Angehörige der Familien Bethlen und Cantacuzino, die von weit her anreisten... Seine Wiener Freunde, die in Birthälm das „Casa Dornröschen“ betreuen, haben einen Bildband von seiner Führung zusammengestellt und in Farbe veröffentlicht. Seine Bukarester Freunde von „Mioritics“ haben einen wunderschönen Film von ihm gedreht, im Jahrbuch der ADZ 2010 wurde seiner gedacht, und sogar seine ausgewanderten Landsleute ließen es sich nicht nehmen, einen Film über ihren berühmten Landsmann zu drehen.
In der von Günther Cernetzky betreuten Filmreihe über das Weinland ist er der einzige überlebende Winzer der alten Garde im Weinland an der Großen Kokel. Wer denkt, dass Johann Schaas seine Berühmtheit zu Kopf gestiegen ist, der sieht sich getäuscht. Er geht seinem Alltag nach wie eh und je; man sieht Hans und Hanni Schaas jeden Tag in Hof, Garten und auf dem Feld werkeln, als ob das Leben eben angefangen habe. Deshalb konnten sich die beiden auch nicht vorstellen, was an so einem wichtigen Geburtstag auf einen zukommen kann, wenn man viele Freunde hat.
Das Vorspiel begann schon zwei Tage vorher, als die Wiener Truppe anrief und im Vorhinein gratulierte. Am Montagmorgen kam der erste Gratulant seitens der Kirche, es war der Landeskirchenkurator Friedrich Philippi, der eigens aus Hermannstadt angereist war und den Tag mit einer Andacht einleitete. Kurz darauf war eine Touristengruppe für eine Führung angemeldet, die sich als „Gratulanten aus dem Tourismus“ entpuppte. Das waren Mihai und Voichi aus Bukarest, Peter und Eva aus Schäßburg, Christa und Cristian aus Hermannstadt und Stefan Vaida aus Alzen. Und last butn not least der neue Bürgermeister von Birthälm, Mircea Dragomir, der persönlich erschien, um zu gratulieren.
Der Kurator untersucht oft als Vertrauensperson Schweinefleisch von Schlachtungen in der Umgebung auf Trichinen. Foto: Friedrich Philippi

Es gab das berühmte Schaas-Bild (siehe Seite 1 in dieser Ausgabe) als Geschenk, aber auch auf der Bukarester Torte prangte das schöne Foto, es gab Blumen, Bücher und Wein. Auf die Führung wurde diesmal verzichtet...Doch der Höhepunkt stand noch bevor. Die Dämmerung hatte eben eingesetzt, als vor den Fenstern plötzlich Blasmusik ertönte: Es gab ein richtiges Geburtstagsständchen, wie anno dazumal in Reichesdorf. Ortspfarrer Ulf Ziegler hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen beliebten Kurator gebührend zu feiern. Andrea Rost aus Schäßburg hatte die Blaskapelle organisiert, die musikalische Überraschung war die Krönung des Tages. Und plötzlich wurde die kleine Küche zu eng für die vielen Gäste. Von gegenüber kam, von den Klängen angelockt, der deutsche Tischlermeister Christian mit Familie und brachte auch noch Gäste mit. Und Johann Schaas wurde nicht müde, sein Schnäpschen auszuschenken, während Frau Hanni die vollen Teller mit Krapfen und Kuchen auf den Tisch stellte; als ob sie etwas geahnt hätte... Und als zum Abschluss sogar Bischof Reinhart Guib persönlich anrief, sagte Johann Schaas mit verschmitztem Lächeln: „Wenn ich geahnt hätte, wie schön so ein 80. Geburtstag sein kann, wäre ich schneller 80 geworden!“

Christa Richter


Anzeigeschluss 30. April und 31. Oktober

 


1. Vorsitzender: Werner Meyndt   82515 Wolfratshausen  Tel 08171/368983 
 Kassier: Ernst Kloos 51674 Wiehl Tel 02262/717708
Schriftführer:  Susanna Riemesch  74226 Nordheim   Tel 07133/964816
Herausgeber des Boten:  Heinrich Maiterth 33332 Gütersloh Tel 05241/40407   
Internet Hans-Christian Hienz  91550 Dinkelsbühl webmaster@reichesdorf.de
a

Vorstandsmitglieder der Reichesdorfer HOG
Ernst Kloos, Gustav Hügel, Hans-Christian Hienz, Harald Hügel, Heinrich Hienz, Heinrich Maiterth (Neuenstein), Heinrich Maiterth (Gütersloh), Heinrich Waffenschmidt, Hermann Hügel, Martin Alzner, Susi Riemesch, Werner Meyndt


         























         
 

© Powered & Design by hienz.de
Copyright by Heimatortsgemeinschaft Reichesdorf