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Reichesdorfer Bote

    Jahrgang 27, Ausgabe 49                                                                                               Weihnachten 2013  

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Grußwort
Frohes Weihnachtsfest
Weihnachten auf dem Friedhof

Die alte Buche Weihnachten 2013

Reichesdorfer Treffen 2013
Reichesdorfer Treffen in Friedrichroda
Ein gelungenes Reichesdorfer Treffen
Reichesdorfer Treffen
Rückblick auf das Reichesdorfer Treffen in Friedrichroda
Det Rezäpt
Über Präsidenten
Der Weihnachtszwerg
Was bleibt von uns...

Wissenswertes über...
Was wäre wenn...

Rico der Reiche
Anzeigen
Genealogie der Siebenbürger Sachsen
Ahnenforschung
Lastschrift Mandat
Zum Neuen Jahr

a

Liebe Leser des Reichesdorfer Boten,

kurz vor Weihnachten erscheint nun zum zweiten Mal in diesem Jahr mein liebster Lesestoff. Der Bote ist der einzige Lesestoff, den ich in meinem Briefkasten finde und den ich dann in kürzester Zeit von vorn bis hinten durchgelesen habe. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Was mich jedoch am meisten freut ist die Tatsache, dass die Auflage des Boten nicht geringer wird, obwohl leider jedes Jahr einige unserer Mitglieder von uns gehen. Im Umkehrschluss heißt das, dass jedes Jahr fast die gleiche Anzahl an neuen Mitgliedern zu uns findet. Dies gibt mir die Hoffnung, dass unsere Gemeinschaft weiter bestehen wird. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern, deren Familien, Verwandten, Bekannten und Freunden ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes, glückliches, frohes und erfolgreiches Jahr 2014.

Euer Meck


b

Frohes Weihnachtsfest

sowie ein gesundes
und glückliches
Neues Jahr 2014
wünschen Euch die Vorstandsmitglieder der

Reichesdorfer HOG


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Weihnacht auf dem Friedhof
Michael Albert

Wenn tief im Tal erloschen sind
am Weihnachtsbaum die Kerzen
und noch im Traum so manchem Kind
die Freude pocht im Herzen:

Dann tönt voll Ernst, dann tönt voll Macht

vom Berg die Glocke droben,
um in der stillen, heiligen Nacht
den Herrn, den Herrn zu loben.

Sie braust ihr Lied so voll, so tief
auf hoher Friedensstätte,
wo schon so lang, so lange schlief
manch‘ Herz im Hügelbette;

Sie braust ihr Lied den Toten dort
in weiter, weiter Runde:
„Auch oben an dem stillen Ort
ist‘s Weihnacht", tönt die Kunde.

Ach Weihnacht, Weihnacht!
wer ein Kind, ein liebes, dort begraben,
trug Tannenäste, treu gesinnt,
ihm als Erinnerungsgaben.

Er legte sie bei Tage sacht
aufs Bett ihm als Geschenke,
zu zeigen, dass er sein gedacht
und seiner fort gedenke.

Und wessen Vater droben ruht,
gedeckt von Schnee und Eise,
und wer die Gattin, lieb und gut,
vermisst in seinem Kreise:
Ihn ruft der Glocke Weiheklang
ins Reich der Stillen oben;
er fühlt auch seiner Liebe Drang
in ihren Klang verwoben.

 


d

Die alte Buche Weihnachten 2013

In meinen jungen Jahren ging ich öfter über Land,
und siehe da an meinem Wege eine alte Buche stand.
Wenn starker Regen drohte, die Wolken schauten dunkel drein,
oft fand ich unter ihren Wipfeln,
Schutz und Zuflucht, sie lud mich freundlich ein.

Stolz ragen ihre Äste zum blauen Himmelszelt empor,
sie beherbergt auch kleine gefiederte Gäste, die jubeln und singen im Chor,
dort oben spielen ihre Blätter erst mit des Windes Hauch,
die alte Buche sie war die höchste, vielleicht die schönste auch.

Wie oft in ihrem Schatten ich meine Ruhe fand,
eine kleine innige Freundschaft mich mit meiner Buche verband.
Und einmal bei heftigem Regen sie bot ihren Schutz mir an,
zum danke nahm ich mein Messer und ritzte meinen Namen daran.

Sobald vernahm ich in ihren Ästen ein leises Säuseln und Wehen,
zum Danke, dass ich an ihrem Stamme meinen Namen hatte versehen.
Vielleicht haben sich noch andere Namen zu dem meinen hingestellt,
vielleicht auch, dass man meine Buche schon seit lange hat gefällt.

Nach vielen, vielen Jahren ich aus der Fremde heimwärts zog,
ein Freund mir schon von weither zurief, der um die Ecke bog.
Deine Buche, sie lässt dich grüßen, sie wartet deiner noch,
wie so oft saß ich zu ihren Füssen, wenn es nach Sturm und Regen roch.

Auch in der weiten Ferne, wo ich nun Zuhause bin,
denke ich oft und auch so gerne an das schöne Liedchen hin,
Welches mir meine alte Buche so leise immer sang,
vergesse ich nie und nimmer mein ganzes Leben lang.

 Andreas Alznerl


e

Reichesdorfer Treffen 2013
Psalm 63,1–9 1.

Könnt ihr euch erinnern, wann ihr das letzte mal Sehnsucht hattet?

Nach einem anderen Menschen, nach anderen Orten, Sehnsucht nach der Zeit unserer Kindheit? Manchmal ist es nur ein ganz unbestimmtes Gefühl, so ein Ziehen im Herzen. Sehnsucht. Manchmal bricht sie ganz unbändig hervor, manchmal schwelt sie lange. Es gibt Zeiten, da stellt sie sich lange nicht ein, aber dann kann es auch wieder anders sein: Da spüren wir Sehnsucht ganz stark, wohl dann, wenn uns etwas grundlegend fehlt in unserer Gegenwart, wenn etwas nicht stimmt, wenn die Seele dürstet und hungert.

Vielleicht kennt ihr noch die Geschichte von Rose und Jack aus dem Film vom Untergang der Titanic. Sie ist eine junge Frau aus gutem Hause, vornehm, wohlhabend, erzogen nach den besten Manieren und Verhaltensregeln in der besseren Gesellschaft. Sie steht kurz vor ihrer Heirat. Ihren zukünftigen Ehemann hat ihre Mutter für sie ausgesucht, einer, der Geld hat und Einfluss. Außerdem ist er jähzornig und arrogant und weit davon entfernt, Roses Herz erobert zu haben. Doch Rose will sich fügen, will mitspielen. Es muss so sein, sagt sie sich. Das ist mein Schicksal. Doch dann lernt sie Jack kennen. Jack hat kein Geld, er kennt sich nicht aus in ihren besseren Kreisen, er hält sich mit seinen Zeichnungen über Wasser. Er hat Talent, den Leuten ins Gesicht zu schauen, er sieht hinter die Masken, sieht ihre Wahrheit und kann sie auf dem Papier einfangen. Dazu passt, dass er reichlich unverschämt ist. Er lässt sich nicht beeindrucken von Geld oder Ansehen. Jack lebt von etwas anderem. Er versprüht eine große Energie, eine große Sehnsucht lebt in ihm, verbunden mit verwegener Zuversicht. Jack sieht Rose, sieht hinter ihre Fassade. Er sieht einen Menschen, der unglücklich ist und das verstecken will. Eine junge Frau, die sich selbst nicht mehr erlauben will zu träumen, sich zu sehnen. Jack weckt die Sehnsucht nach Leben und sie bricht aus, vertraut sich ihm an. Sie reicht ihm ihre Hand, er sagt „Augen zu“ und führt sie vorsichtig ins Reich von prickelnder Lebendigkeit. Sie macht die Augen auf, steht ganz vorne auf einem Schiff, inmitten des großen Ozeans, schäumendes Wasser und Weite vor sich, die Abendsonne golden auf dem Gesicht, Wind und Gischt auf der Haut. Dieser Moment ist wie ein Siegel für ein neues Leben, geboren aus Sehnsucht nach Leben, wahrem Leben, das die eigenen Träume wieder auferstehen lässt. Noch hat sich nichts geändert, äußerlich, und doch ist schon alles verwandelt, da, wo die Sehnsucht groß werden darf.

2. Ich weiß nicht, ob Rose oder Jack gebetet haben, aber vielleicht hätten ihnen diese Worte aus dem 63. Psalm aus dem Herzen gesprochen. Ich lese unseren Predigttext für den heutigen Tag:

Ich habe solche Sehnsucht. Meine Seele dürstet nach dir. Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. Du fehlst mir! Ausgetrocknet bin ich, voll Angst, gelähmt, ohne Kraft, ausgebrannt, fast ohne Hoffnung, ohne Träume schon lange. Sieh mich an, Gott, alle Masken habe ich abgelegt vor dir, vor mir selbst. Ich halte dir mein dürres Herz hin, schau es an mit deinem heilenden Blick. Hier bin ich, Gott, und warte.

Wüstenzeiten der Seele. Das gibt es wohl in jedem Leben: Zeiten, in denen etwas ganz und gar nicht stimmt. Das können Tage sein, Wochen, Monate und manchmal Jahre, richtige Wüstenzeiten, Durststrecken. Wenn mich etwas überfordert, über meine Kräfte geht. Wenn ich vereinnahmt werde und jemand sein soll, der ich gar nicht bin oder sein will. Wenn meine eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr gehört werden. Wenn ich unter mir selbst leide oder unter einem anderen Menschen. Wenn ich mich nicht wehren kann, das lähmt, das trock­net die Seele aus.

Wie gut tut es da, Zuflucht zu nehmen, einen Ort zu haben, an dem ich geschützt bin: Hier darf ich sein, atmen, aufatmen, ausruhen. Geborgenheit. Manchmal kann das ein anderer Mensch sein wie bei Rose und Jack, wenn wir einander zum Engel werden, manchmal ein besonderer Ort wie in unserem Psalm der Tempel, das Gotteshaus.

Unter dem Schatten seiner Flügel sitzen. Wart ihr schon mal ganz allein in Eurer Kirche? Wenn alles Stille ist, Ruhe. Ihr habt Zeit, seht das Licht durchs Fenster fallen, die Staubkörner in der Luft tanzen, seht die Bilder, Farben, das Kreuz und spürt, wie sich etwas weitet und öffnet für Gott, für seinen heilenden Blick. Unter dem Schatten seiner Flügel sitzen. Wie ein Kind, geborgen und getröstet im Schoß der Mutter, getragen und behütet im Arm des Vaters.

Der Ort, wo ich zur Ruhe komme und wo man mich in Frieden lässt. Alles Laute, Ängstigende muss dort schweigen. Die Kirche, mein Lieblingsplatz am Meer, im Wald, unter dem Baum, oder der Ort meiner Kindheit. Aber auch wenn wir diesen Orten ganz fern sind: Mit jedem Gebet, das wir sprechen, bergen wir uns schon unter dem Schatten seiner Flügel.

Zuflucht nehmen, damit die Sehnsucht groß werden kann.

3. Ich sehne mich wieder.

Ich schaue aus nach dir in deinem Heiligtum, in deinem Haus, so gerne will ich deine Macht und Herrlichkeit sehen. Denn ich nehme dich beim Wort, Gott: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, auch in meinem Leben, auch für mein Leben!

Ich bin durstig nach Leben. Ich hungere nach Heilung. Ich sehe dich nicht, aber ich hänge mich an dich, will an dir kleben, will glauben. Du, Gott, bist meine Hoffnung. Rette mich, sättige meine Seele!

Bescheiden klingt das nicht. Da betet jemand, der Gott alles zutraut. Nicht unbedingt sich selbst, aber Gott. Einer, der sich an das Wort hält: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Einer, der Gott seine leeren Hände hinhält. Einer, der alles von Gott erwartet. Augen zu! Vertrauen im Voraus. Weil Gott Treue ist. Weil sich Gott immer zuerst nach uns sehnt. Weil wir an einen Gott glauben, der aus lauter Sehnsucht Mensch geworden ist. Und dann ist unsere Sehnsucht uns ein Wegweiser auf den hin, der will, dass wir leben. Der mit uns über Mauern springt. Der aus meinem kleinen Ich ein Du macht und ein Wir. Der will, dass wir leben, wahrhaft leben. Nicht funktionieren, nicht müssen, auch nicht für den guten Zweck, nein: aufblühen, wach­sen in aller Zeit. Rose legt ihre Hand in die von Jack. Augen zu! Und dann geht es los.

Ich lege meine Hand in Jesu Hand. Augen zu! Vertrauen im Voraus. Ich höre seine Stimme. „Was soll ich für dich tun?“, fragt er mich. So unbescheiden wie ich kann, sage ich es ihm. Und ich glaube an ihn.

4. Da beginnt sich etwas zu verändern, zu wandeln. Schon im voraus! Schon im voraus will ich dich loben, will ich jubeln.


Ein Lächeln erscheint, im Herzen, auf den Lippen, weitet sich aus. Mein Herz klopft laut, Freude im voraus. „Augen auf!“, sagt Jesus jetzt. Nun stehe ich ganz vorne auf dem Schiff. Jesus immer ganz nah bei mir. Und es ist, als ob ich aufwache, wach werde, meine Sinne schärfen sich. Ich sehe hell, Gottes Licht auf meinen Wegen, durchwirkt von seiner Kraft und Herrlichkeit. Ich sehe sein Reich ausgebreitet vor mir liegen. „Geh nur“, sagt er, „ich gehe mit. Jeden Tag. Geh und bewohne das Reich Gottes!“
Amen.



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Reichesdorfer Treffen in
Friedrichroda
(24 – 26 Mai 2013)

Bin nicht Goethe, bin nicht Schiller,
dichte wie ein junger Schüler.
Bitte nehmt es mir nicht krumm,
wenn ich reime Drumherum.

Es ist bald ein Jahr vorbei,
als ich in Reichesdorf war dabei.
Die Atmosphäre fand ich sehr gut,
deshalb hatte ich jetzt den Mut,

in Friedrichroda dabei zu sein
und nicht bleiben zu Hause allein.
Am Samstag fand der Gottesdienst statt
und mehrere Leute erschienen in Tracht.

Die Korken ließen wir am Abend krachen,
da gab es irgendetwas zu Lachen.
Witze waren auch am Start,
da ging es um einen langen Bart.

Essen gab es sehr reichlich,
aber es fehlte die leckere Hanklich.
Herr Müller und sein Schwager
spielten die schönsten Schlager.

Zu dieser guten Musik
tanzte man inklusiv.
Ich danke allen Organisatoren,
die gearbeitet haben wie Motoren.

Mir hat es auch dieses Mal gut gefallen,
weil wir hielten fest zusammen.
Das Wochenende war leider schnell vorbei,
schwer fiel mir zu sagen „Goodbye“.

Dieses Gedicht schrieb nicht Schiller,
sondern eine 13-jährige Schülerin.
Mein Name ist fast Jedem bekannt,
Ute Untch werde ich genannt.

 
Ute Untch
( Enkelin von Martin Untch vom Honnenberg)


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Ein gelungenes Reichesdorfer Treffen

Jedes Mal, wenn ich den Reichesdorfer Boten bekomme, freue ich mich: Wer hat was geschrieben, was gibt es Neues, was steht an? So war es auch diesmal.

Beim Lesen stellte ich erstaunt fest, dass man ab einem gewissen Alter zum „Club der alten Schachteln“ gehört.

Im ersten Moment war ich sprachlos und nicht sehr begeistert, selber mal dazu zu gehören.

Aber alle auf dem Foto sehen es anscheinend sehr gelassen, solch eine Ehre zu haben.

Ich machte mir ein paar Gedanken darüber.
Was verbindet man mit dem Begriff Schachtel?

In Schachteln werden zum Beispiel Pralinen verpackt.

Man öffnet den Deckel und ist überrascht über die Vielfalt der Formen.

Welche nehme ich nun heraus?
Wie schmeckt sie?

Welche mag ich am liebsten?
Zart, cremig und süß, nussig oder herb, zergehen sie auf der Zunge.
Ich selber verpacke gerne Geschenke in Schachteln, manchmal ist die Schachtel teurer als der Inhalt.

Immer ist es spannend zu beobachten, wie der andere das Geschenk betrachtet. Ist die Schachtel leicht oder schwer? Groß oder klein? Eckig oder rund? Was verbirgt sich unter dem Deckel?
Dann wird die Schleife gelöst, das Packpapier entfernt. Dann kommt der große Moment. Soll ich jetzt den Deckel anheben? Ein kurzes Zögern. Hat meine Mutter meine Wünsche erraten? Ist da drin vielleicht ein Scherzartikel oder ein Gebrauchsgegenstand oder doch… ja doch… meistens errät die Mutter die Wünsche ihrer Kinder.

Dann ein kurzes Anheben des Deckels, das Geschenk liegt da.

Die Schachtel wird beiseitegelegt, sie ist viel zu schön zum Wegwerfen. Das Geschenk wird aufgebraucht, aber die Schachtel bleibt da, jahrelang, Jahrzehnte lang. Schachteln sind voller Überraschungen. Was bewahrt man da alles auf? Knöpfe und Schleifen, Schmuck und Geld, Liebesbriefe und Fotos, bunte Bänder, Nähzeug, Wichtiges und Unwichtiges. Die Schachtel liegt im Schrank, setzt Staub an und wird entstaubt. Man erinnert sich ihrer, man kramt sie hervor und staunt, was man vor vielen Jahren angesammelt hat. Man erinnert sich an Dinge, die der Vergangenheit angehören, aber trotzdem ist es schön.

Dazu eine kurze Geschichte: Ein kleines Mädchen langweilt sich. Es ist Sommer und draußen ist es sehr heiß. Bei solchem Wetter sucht man ein schattiges Plätzchen. Das Kind hat eine Idee, es steigt auf den Dachboden (es könnte auch in Reichesdorf gewesen sein). Hier ist es schattig, wenig Licht dringt durch das einzige Dachfenster. Etwas Angst hat das Kind schon, so alleine hier oben, aber dann traut es sich doch und guckt zum Giebelfenster hinaus. Erstaunt betrachtet es die Welt von oben, vieles sieht ganz andersaus, dann sieht es sich auf dem Dachboden um. Sonnenstrahlen lassen Staubkörner tanzen, Spinnweben überziehen eine Landschaft aus Truhen und Schränken, verschiedene Behälter mit Weizen, Mais, Bohnen und Mehl. Leere Säcke hängen vom Sparren, Bücher stapelweise, alte Postkarten, eine Landkarte, Koffer aus Holz, ein Reisekoffer mit Griffen an der Seite und einem Vorhängeschloss. Es wird gesagt, dass dieser Koffer aus Amerika stammt.

Eigentlich ist es unheimlich hier, aber nach und nach wird das Mädchen neugierig. Was verbirgt sich in diesen Koffern und Schachteln? Alles Mögliche lässt sich finden. Das Kind vergisst die Zeit und seine Angst. Im Schrank findet es Schachteln. Was für tolle Schätze. Einige Schachteln tragen Schildchen, wo der Inhalt aufgelistet ist.

Es gibt Schachteln mit Knöpfen, Garnen, Spulen, Kravatten, Manschettenknöpfen, Haarspangen und Bändern. Eine Schachtel trägt die Aufschrift: „Schnurreste nicht wert zum Aufheben“. Das Kind staunt über diese Vielfalt. Dann weiter hinten im Schrank eine wunderschöne, mit rotem Samt bezogene Schachtel.

Kein Schildchen dran.
Was mag da drinnen sein?
Vorsichtig trägt das Mädchen seinen Schatz zur Dachluke. Vorsichtig hebt es den Deckel, und was kommt zum Vorschein? - Eine etwas kleinere Schachtel. Etwas enttäuscht und etwas ungeduldiger als beim ersten Mal wird auch dieser Deckel geöffnet. Aber es ist wieder eine etwas kleinere Schachtel. So geht es weiter, bis eine ganz kleine Schachtel zum Vorschein kommt. Das Kind wird belohnt, denn hier in der letzten Schachtel liegt das Geschenk. Es ist ein ganz kleiner Schlüssel. Es poliert ihn mit dem Zipfel seines Kleidchens. Der Schlüssel glänzt in der Mittagssonne. Wo mag nun das Schloss sein zu diesem Zauberschlüssel?

Da, endlich, findet das Kind das passende Schloss. Ganz hinten im Schrank liegt ein Buch, mit rotem Samt bezogen. Das Buch hat ein kleines Schloss, und der goldene Schlüssel passt. Es ist ein buntes Märchenbuch. Das Buch lässt sich öffnen, es gibt seine Geheimnisse preis. Man kann mitfiebern, sich aufregen, man kann sich freuen, wenn das Gute siegt, wenn die Prinzessin endlich ihren Prinzen heiratet, wenn alle glücklich leben bis an ihr Ende.
So ist es auch bei uns Menschen. Jeder von uns sammelt Schätze an, Erinnerungen und Erfahrungen. Lustige, traurige, schöne, aufregende Geschichten prägen unseren Lebenslauf. Es sind Schätze, die wir dann entdecken, wenn wir die Schachtel öffnen. Dazu brauchen wir den passenden Schlüssel, das heißt, dass wir als die jüngere Generation auf die Ältere zugehen müssen oder umgekehrt. Wer weiß, was da alles verborgen liegt, Schätze, die entdeckt werden wollen.
Ich wünsche allen „Alten Schachteln“ und denjenigen, die es werden wollen, ein langes Leben, eine große Portion Humor, den Mut und die Kraft, damit sie Ihre Erinnerungen an uns und unsere Kinder weitergeben können.

Solche und ähnliche Gedanken hatte ich am Reichedorfer Treffen in Friedrichroda. Ich danke allen, Jung und Alt, die dieses Treffen möglich gemacht haben.

Es freut mich, dass die Leute locker sind, eine große Portion gute Laune mitbringen und sich die Mühe machen, auch lange Wege in Kauf zu nehmen, um zwei Tage lang Erinnerungen auszutauschen oder einfach beisammen zu sein.
Anneliese Hann 

 Anneliese Hann


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Reichesdorfer Treffen

Auch das 13.Reichesdorfer Treffen, das am 25.Mai in Friedrichroda (Thüringen) stattfand, war hervorragend. Das Berghotel bot das entsprechende Ambiente. Schon der Freitagabend war erfüllt von freudigen Begrüßungen. Alles war bestens vorbereitet, Räumlichkeiten sowie Hinweise zum Ablauf des Festes.

Samstagmorgen wollten die Umarmungen kein Ende nehmen, immer wieder strömten neue Gäste herein. Um 14 Uhr riefen uns dann die Glocken der St.- Blasius-Kirche zum Gottesdienst, den Pfarrer Harald Schneider, ein Enkel des Reichesdorfer Pfarrers Heinrich Schneider (1957-1970), gestaltete.

Wie vor zwei Jahren erinnerte uns der Gottesdienst durch die musikalische Gestaltung an unsere alte Heimat. Chor und Orgelspiel unter der gekonnten Leitung unseres Hans Hügel waren hervorragend. Am Ausgang nahm eine Gruppe Trachtenträger Stellung und erinnerte ebenfalls an unser verlassenes Reichesdorf.

Dank des schönen Wetters an diesem Tag kehrten wir gemütlich und trockenen Fußes zu unserem Hotel zurück. Bei Kaffee und Kuchen wurden wir dann auf den festlichen Teil eingestimmt. Unser Vorstandsvorsitzender Werner Meyndt begrüßte alle Anwesenden, die den teils weiten Weg nicht gescheut hatten, Freunde, Nachbarn und Verwandte wieder zu sehen, herzlich. Am Treffen nahmen 140 Gäste teil. Leider musste er feststellen, dass die Reihen sich in den letzten Jahren arg gelichtet haben. Zum Gedenken an die 40 Verstorbenen der beiden letzten Jahre bat er, eine Minute inne zu halten. Im Weiteren wurde die von Gustav Hügel betreute und umgesetzte Initiative zur Gestaltung einer Fahne des Heimatortes Reichesdorf vorgestellt. Mit anhaltendem Applaus wurde die Fahne enthüllt. Dankesworte wurden dann an die fleißigen Helfer gerichtet, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Ein Augenmerk galt auch dem im letzten Jahr in Reichesdorf abgehaltenen Treffen, an dem 70 Personen teilnahmen. Die Entscheidung, ob dies wiederholt werden soll, wird in nächster Zeit fallen. Da die Wahl eines neuen Vorstandes leider nicht fristgerecht vorbereitet wurde, erhielt der aktuelle Vorstand einstimmig das Vertrauen, auch die nächsten beiden Jahre die Führung zu übernehmen.

Susi Riemesch (Wachsmann) trat nun ans Mikrofon und stellte das diesjährige Treffen unter das Motto Vatertag. Die Mütter würden jedes Jahr am Muttertag geehrt, hier sei auch den Vätern ein Dank ausgesprochen. Da außer ihr der Vorstand aus Vätern besteht, bekamen alle aktiven Männer ein Weinpräsent.

Heinrich Bruckner dankte dem Vorstand im Namen der Anwesenden.

Hans Alzner dankte als Mitarbeiter im Projekt „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“ für die Unterstützung seitens des Vorstandes und Mithilfe vieler Reichesdorfer beim erfassen der Daten unserer Ahnen. Es erging die Bitte, auch weiterhin die Aktion zu unterstützen.

Eine Tanzgruppe in siebenbürgischer Tracht leitete den gemütlichen Teil ein. Danach heizten die beiden Musiker die Stimmung an. Zwischendurch war es Marius Alzner, der mit seinem Trompetenspiel eine tolle Überraschung bot.

Die Unterhaltung ging bis spät in die Nacht hinein.

Am Sonntagmorgen beim Abschied versprach man sich, in zwei Jahren wieder dabei zu sein. „Auf Wiedersehen“, sagen wir all denen, die es nicht geschafft haben zu kommen.

 Hans Alzner


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Rückblick auf das Reichesdorfer Treffen in Friedrichroda

Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich glaube, dass alle, die dabei waren, sich noch gerne an das 13. Reichesdorfer Treffen vom 24. bis zum 26. Mai 2013 erinnern. 

Es war eine gute Idee, dass die Organisatoren wieder Friedrichroda als Treffpunkt ausgesucht hatten. Was mich immer besonders beeindruckt, ist, dass wir alle zusammen in einem Hotel einquartiert sind und nicht so „auseinander-gerissen“ sind wie in Dinkelsbühl. Wenn man sich auf dem Weg zum Zimmer, zum Speisesaal oder beim Spazierengehen trifft und miteinander ein paar Worte spricht, fühlt man sich um Jahre zurück nach Reichesdorf versetzt, wo man auf der Straße immer jemanden zum Austauschen fand.

Die meisten Gäste kamen schon am Freitagabend an, da viele von uns einige hundert Kilometer zu fahren hatten, um zum Ziel zu gelangen. Die herzliche Begrüßung ließ alle Strapazen vergessen und wir freuten uns über jeden, der dazukam. Alles war bestens organisiert, angefangen von Unterkunft und Verpflegung bis hin zum Ablauf des Festes.

Organist Hans Hügel übte mit dem Chor drei Lieder ein, damit wir den Gottesdienst am Samstag feierlich gestalten konnten. Es war, als wären keine zwei Jahre vergangen, seit wir zuletzt zusammen gesungen haben. Die vielen Trachtenträger brachten ein ganz besonderes Flair in die schöne Kirche und den Gottesdienst, gehalten von Pfarrer Schneider.

Unser Vorsitzender Werner Meyndt begrüßte die etwa 140 Anwesenden herzlich. Im Gedenken an die 40 Verstorbenen der beiden letzten Jahre erhoben wir uns für eine Schweigeminute.
Eine besondere Überraschung wurde uns zuteil: Reichesdorf hat eine neue Fahne, die zu diesem Anlass feierlich von Gustav Hügel enthüllt wurde. Er war es auch, der im Namen der HOG, die Anfertigung in Auftrag gab. Danke Gust, das Wahrzeichen unserer Gemeinschaft ist absolut gelungen!

Nach Dankesworten an alle fleißigen Helfer und an alle Väter – es war Vatertag – wurde der gemütliche Teil mit einer kleinen Darbietung einer Tanzgruppe in Tracht eingeleitet. Die Unterhaltung ging bis spät in die Nacht hinein. Die Stimmung wurde von den zwei Musikern Hansi Müller und Doru tüchtig unterstützt.

Beim Abschied am Sonntagmorgen versprachen wir, uns in zwei Jahren wiederzusehen, und hoffen, dass sich die Zahl derer, die mitmachen, vielleicht noch erhöht. Nach diesem kleinen Rückblick danke ich allen, die dabei waren, vor allem denen, die sich die große Mühe gemacht haben, dass alles so gut geklappt hat und wir uns wohl fühlen konnten.

Ich wünsche allen Lesern des Reichesdorfer Boten frohe und gesegnete Weihnachten und alles Gute und die Gesundheit im Neuen Jahr.

 Hanni Schuster


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Det Rezäpt

Et äs nauch net long Zet verba
geng ech ba asès Nober Gerch,sen Frah,
dott ich souch, -wat sa hot geneeit.
Wa ech mich do erammer-dräit,
kum der Gerch vum Schwensmort glod
met enem Schwen, -wot 80 Kilo hot.
Ech kriesch ze Hälf:„Men lawer Fräind!
Wat äs det, Gerch? -Te host nen (9) Käind!
Det Schwen riecht äch nor für enen Douch,
na net glod - awer net mie wa en Wouch!“
Der Gerch feng un det Schwen ze kran
und sot holt lochhan: „Nöberan,
de gunzen Wäinter, -hier mich un,
mät diesem Schwen, -geneach mir hun.
Wa mir daut mouchen, -les der söen:
Wonn mer det Schwen nea oagedöen,
messen as Keind, -hisch alle nen (9),
den gunzen Douch,-iessen nor noch Schwen.
Dro wollen sa, -wonn det geschan,
en Göer long nichen Schwen mie san!“

 Doris Hutter


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Über Präsidenten
Samstag, 14. Januar 2012

1953, als Generalissimus Stalin, der Machthaber der Sowjetunion, verstarb, wurden in ganz Rumänien Trauerveranstaltungen verordnet. Alle Werktätigen hatten sich auf dem Zentralplatz ihres Wohnortes schmerzerfüllt einzufinden und ihr Leid durch zahlreich vergossene Tränen kundzutun.
Die Werktätigen wollten jedoch nicht weinen, sie schauten bloß betrübt drein, aber das hatten sie auch vorher schon getan, dank des toten Diktators. Bloß die von der kommunistischen Partei verordneten Claqueure schluchzten allesamt auf Kommando und skandierten den Namen des Toten im Chor. Und ich, das muss ich jetzt leider zugeben, habe mich diesem Chor angeschlossen und aus Leibeskräften mitgerufen: Sta-lin! Sta-lin! Aber das tat ich nicht etwa, um mein Leid auszudrücken, sondern aus purer Freude über das dargebotene Spektakel.
Ich war damals drei Jahre alt, saß auf den Schultern meines Vaters, der mich gar nicht mehr beruhigen konnte, und sich bei jedem meiner Freudenschreie verängstigt umsah. So hat meine Karriere als Dissident begonnen. Aber Spaß beiseite, der Tod ist eine tragische Angelegenheit, es sei denn, man freut sich, dass einen plötzlich ein schlimmer Diktator verlassen hat. Ein Schelm, wer jetzt an Kim Jong-il denkt, bei dem man eher um den künftigen Frieden besorgt war. Aber zurück nach Osteuropa: 1965, als ich in der achten Klasse war, kam eines Tages der Schulleiter in den Klassenraum und sagte: „Kinder, gestern Abend ist Genosse Gheorghe Gheorghiu-Dej, der rumänische Staatspräsident, von uns gegangen. Heute fällt der Unterricht aus.“ Und so brach ich abermals in Freudengeschrei aus, zusammen mit meinen Mitschülern, denn an diesem Tag standen uns zwei schwierige Klassenarbeiten bevor. Und so wurden wir alle zu Dissidenten, für eine halbe Minute lang, die uns allerdings ganze drei Stunden Nachsitzen kostete. Gheorghiu-Dej wurde nach seinem Tod von Nicolae Ceausescu abgelöst, der sich in den folgenden Jahren zu einem durchgeknallten Diktator entwickelte. Er schaltete und waltete nach Herzenslust und machte das Land zu einem Riesengefängnis. Und das Schlimmste dabei war, dass er sich bis auf seine fortgeschrittene Paranoia bester Gesundheit erfreute. Mit anderen Worten, es gab keinerlei Aussicht auf einen Machtwechsel. Denn das haben Diktatoren so an sich: Sie weigern sich systematisch, die Macht abzugeben, es sei denn, sie geben den Löffel ab.
  Im heutigen Osteuropa sieht es ganz anders aus, Rumänien, zum Beispiel, ist heute eine Demokratie, und der Präsident Basescu wird von der Bevölkerung heiß geliebt, laut eigener Aussage. Meine rumänischen Freunde erzählen zwar eher das Gegenteil, aber so ist das eben mit den Präsidenten: Man muss sie nicht lieben, sondern respektieren, schade nur, dass auch das in Rumänien nicht der Fall ist. In Weißrussland oder Russland hingegen respektiert man die Präsidenten und wählt sie daher immer wieder ins Amt, mit einer überwältigenden Mehrheit. Vergessen wir jetzt mal die Massenproteste wegen Wahlfälschung. Die sind nicht echt! Wer es nicht glaubt, der soll Lukaschenko oder Putin fragen. Putin ist zwar kein Präsident mehr, aber er wird es bald wieder werden, wetten? Und was ist mit Deutschland? Da sieht es ganz anders aus, da gibt es einen Bundespräsidenten, der moralisch intakt ist und sauber wie der frisch gefallene Schnee in den Alpen. Wer es nicht glaubt, der soll Christian Wulff fragen. Oder nein, pardon, er erteilt im Augenblick keinerlei Auskunft.

von Jan Cornelius


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Für unsere Kleinsten
Der Weihnachtszwerg

Vor vielen Jahren gab es ein Dorf zwischen zwei kleinen Bergen. Der eine Berg lief zu seinem Gipfel hin spitz zu; der andere war eher flach, als habe jemand seinen oberen Teil abgeschliffen. Es war noch ein recht junges Dorf, und so lange es dort errichtet war, hatte der flache Berg bereits diese Gestalt gehabt.

Im spitzen Berg, in einer gut versteckten Höhle, lebte der Zwerg Sulik mit seiner Zwergenfrau und seinen drei Zwergenkindern. Sulik mag ein für Menschenohren seltsamer Name sein, aber bei Zwergen ist er ein ganz normaler Name. Dieser Zwerg Sulik ging jeden Morgen, noch vor Sonnenaufgang, heimlich durch das Dorf vom spitzen Berg zum flachen, wie er es auch getan hatte, als das Dorf noch nicht dort gewesen war. Denn in dessen Innern lagerten wunderschöne Edelsteine, die aber schwer zu finden waren, deswegen wussten die Menschen des Dorfes nichts von diesen Schätzen. Sulik aber, der wie alle Zwerge ein natürliches Gespür für schöne Steine hatte, schürfte täglich nach den blinkenden Juwelen.

Dabei hob er viele Gänge und Hohlräume im Gestein aus, die den Berg alsbald so sehr durchlöcherten, dass er einzustürzen drohte. Um das zu verhindern, trug Sulik seinen Gipfel ab und füllte alle Gänge, wenn er in ihnen keine Edelsteine mehr fand, damit auf. Deswegen wurde dieser Berg mit der Zeit flach.

Wenn Sulik seine Arbeit getan hatte, packte er die gefundenen Schätze in einen Tornister – das ist ein Korb, den man wie einen Rucksack auf dem Rücken tragen kann. So beladen machte er sich abends, wenn die Sonne untergegangen war, wieder auf den Heimweg durch das Dorf. Stets ging er in der Dunkelheit, damit die neugierigen Menschen ihn nicht zu Gesicht bekamen oder ihm vielleicht sogar die Edelsteine klauten. Er brauchte sie schließlich, um mit den Zwergen, die auf der anderen Seite des spitzen Berges wohnten, Handel zu treiben.

Sulik machte sich nicht sehr viel aus den Menschen, die einfach seinen Weg zur Arbeit mit ihren Holzhäusern vollgestellt hatten. Sollten sie das doch nur tun, ihm machte das nicht viel aus. Er fand es sogar recht witzig, aus der Ferne zu beobachten, wie sich die Menschen im Winter manchmal wunderten, wenn sie seine Fußabdrücke im Schnee entdeckten. Zwerge brauchen nämlich auch bei Kälte keine Schuhe – das allein war schon verwunderlich, denn kein Mensch würde je barfüßig durch Schnee gehen. Aber die sieben Zwergenzehen, die sieben kleine Mulden über der des Fußes hinterließen, erschreckten die Menschen sogar. Wegen dieser Scherze, die Sulik ihnen spielen konnte, mochte er den Winter ganz besonders.

Was er am Winter jedoch ganz und gar nicht leiden konnte, war das Weihnachtsfest. Dann nämlich stapften die Menschen durch den Wald des spitzen Berges auf der Suche nach Tannenbäumen, um diese nach ihrer Tradition in ihren Häusern aufzustellen. Dabei kamen sie immer sehr nahe an die Höhle heran, in der Suliks Familie hauste. Wenn er tagsüber beim flachen Berg seinem Werk nachging, konnte er nicht bei ihnen sein und sie vor den Menschen beschützen. Das machte ihm sehr zu schaffen, aber es gab keine Möglichkeit, seine Arbeit zu unterlassen. Gerade im Winter musste die kleine Zwergenfamilie mit dem Essen, das sie mit den Edelsteinen ertauschte, versorgt werden.

„Passt heute wieder ganz besonders gut auf euch auf!“, mahnte Sulik daher seine Frau, als diese ihm seinen Wintermantel brachte – diesen brauchte der Zwerg nämlich, denn nur seine Füße froren nicht.

„Mach dir um uns keine Sorgen“, beruhigte seine Frau ihn. „Die Menschen feiern doch heute Weihnachten. Dann kommt niemand mehr in den Wald, um einen Tannenbaum zu schlagen. Sie alle haben doch schon einen.“ Sie reichte ihm den Mantel und die Mütze.

Verwundert nahm Sulik die Kleidungsstücke entgegen und betrachtete sie. Zwerge tragen eigentlich nur Braun, so waren auch Suliks Mantel und Mütze braun gewesen. Doch jetzt leuchteten sie in einem komischen Rot, das ihm überhaupt nicht gefiel. „Was ist denn damit passiert?“, fragte er daher seine Frau.

Diese zuckte nur mit den Schultern. „Ist wohl beim letzten Waschen passiert. Das kommt davon, wenn man die Hagebutten, die man im Herbst nascht, in der Manteltasche vergisst!“ Sie hob tadelnd den Zeigefinger gegen ihren Zwergenmann und lachte.

Sulik zog eine Schnute, griff sich den Tornister und warf ihn auf den Rücken. Seine Frau hatte ja recht – manchmal war er schon sehr vergesslich. Zwar mochte er die neue knallrote Farbe seiner Kleidung nicht, aber jetzt würde er damit leben müssen. Beim nächsten Waschgang würde sie sich bestimmt wieder lösen. Der Zwerg verabschiedete sich von seiner Frau und den drei Kindern, schob die Steintür auf, die den Höhleneingang verschloss, und trat in den kalten Morgen.

Sein Weg durch das Dorf wurde wie immer nicht behindert, denn zu dieser frühen Stunde schliefen die meisten Menschen noch. Aus so manchem Haus leuchtete schon warmer Flammenschein von Kerzen oder Kaminen heraus, wo noch Vorbereitungen für das Weihnachtsfest getroffen wurden. Doch niemand bemerkte Sulik bei seiner allmorgendlichen Wanderung.

Unerkannt wie immer erreichte der Zwerg so den flachen Berg und den Höhlengang, in dem er zurzeit arbeitete. Hier lagerten seine Werkzeuge, die er jetzt nahm und fleißig begann, nach Edelsteinen zu schürfen. Das war immer eine harte Arbeit, die er aber gerne tat, weil Zwergen das Graben und Hämmern immer Spaß macht.

Die Gesteinsader, die Sulik gerade bearbeitete, bestand aus weißem Kalkstein. Dieser ist sehr spröde, und wenn er bricht, staubt er so ungeheuerlich wie Puderzucker. Der Zwerg atmete diesen Staub ein und musste davon husten, also band er sich einen Schal um Mund und Nase, um sie zu schützen. Dabei wurde ihm sehr warm, und er schwitzte so heftig, dass sein Bart davon feucht wurde.

Viele Stunden vergingen, in denen Sulik unermüdlich seine verschiedenen Werkzeuge schwang. Wie auch an vielen anderen Tagen fand er nur ein paar wenige schöne, bunte Steine, die noch nicht besonders wertvoll aussahen. Erst zuhause würde er sie reinigen und polieren. Dann könnte er sie für viele Dinge tauschen. Vorsichtig legte er sie in den Tornister und wollte sich diesen wieder auf den Rücken schnallen, als die Steine plötzlich polternd und klackend zu Boden fielen. Sulik fragte sich, was wohl los sei, und drehte den Korb herum. Als er das Loch an der Unterseite des Tornisters sah, fiel es ihm wieder ein. Gestern schon war dort ein Riss gewesen, und eigentlich hatte Sulik vorgehabt, seine Frau darum zu bitten, die Beschädigung zu flicken. Doch daran hatte der vergessliche Zwerg nicht mehr gedacht.

Seufzend legte er den Tornister beiseite und überlegte, worin er seine Fundstücke stattdessen transportieren sollte. Prüfend sah er sich in dem Raum um, in dem er seine vielen verschiedenen Werkzeuge aufbewahrte. Er trat an eine große Steinkiste und durchsuchte sie eifrig. Für solche Notfälle hatte er nämlich einmal einen Jutesack hierhergebracht, ihn bislang aber nicht gebraucht. Schließlich entdeckte Sulik mithilfe des besonderen Sinnes der Zwerge, der sie alles finden lässt, was sie suchen, den Sack und holte ihn hervor. Bevor er ihn hier verstaut hatte, war der Sack schon für andere Dinge benutzt worden und hatte entsprechend oft Löcher gehabt. Die Zwergenfrau hatte diese immer mit Flicken repariert, sodass der Sack jetzt von ihnen übersät war. Für den Transport der Edelsteine vom flachen zum spitzen Berg würde er bestimmt reichen.

So machte Sulik sich nun mit einem Sack Juwelen auf den Rückweg. Er kam aus dem Eingang hervor, der tief in den Berg hinein führte. Die frische, kalte Abendluft tat dem Zwerg gut, der so lange unter der Erde verbracht hatte. Er legte den Sack beiseite und streckte die müden Glieder.

Da vernahm er ein helles Klingen, als schlüge ein Glöckchen. Verwundert sah er auf, den Berg hoch, von wo das Geräusch zu hören war. Etwas kullerte den Abhang hinab und verursachte diesen lieblichen Laut, wenn es auf einen Stein oder gegen einen Felsen schlug. Schließlich landete es vor des Zwerges Füßen und blieb dort im Schnee liegen. Sulik bückte sich und hob das eigenartige Ding auf. Es war ein Edelstein, wie er sofort feststellte, jedoch von einer Art, wie sie ihm noch nie begegnet war. Er war weiß wie Schnee, aber wenn Sulik ihn drehte und gegen das schwindende Sonnenlicht hielt, glänzte er wie ein Regenbogen. Außerdem war seine Form ähnlich eines sechseckigen Sterns oder einer einzelnen Schneeflocke. Wo war dieser schöne Schatz nur hergekommen? Ob er sich oberhalb des Höhleneingangs irgendwo abgelöst hatte?

Jedenfalls wollte Sulik ihn mitnehmen und einem seiner Kumpel bei den Zwergen hinter dem spitzen Berg fragen. Bestimmt wussten andere genauer, was es damit auf sich hatte. Ein solcher Edelstein war dazu gewiss auch noch ein sehr wertvolles Tauschgut. Vorsichtig ließ Sulik ihn in den Sack zu seinen anderen Fundstücken fallen und verschloss diesen wieder.

Dabei fiel ihm auf, dass sein Bart, nachdem er ihn so durchgeschwitzt hatte, wieder getrocknet war. Das war in Ordnung und sogar wünschenswert, weil sich der Zwerg an der kalten Luft sonst wohl erkältet hätte. Doch bevor das passiert war, hatte sich an dem feuchten Barthaar der weiße Kalkstaub niedergelassen und klebte jetzt daran fest. Sulik versuchte, ihn mit der Hand abzuklopfen, doch die Ablagerung war zu hartnäckig. Wenn er wieder zuhause war, würde er ein warmes Bad nehmen und sie wieder wegwaschen müssen.

Sulik schulterte den Edelsteinsack wieder und begann den Abstieg vom flachen Berg hinab ins Dorf. Doch anders als an anderen Tagen war dort auf den Straßen auch nach Sonnenuntergang noch immer Leben. Der Zwerg hatte ganz vergessen, dass heute Weihnachten war und die Menschen, ja sogar ihre Kinder daher nicht so früh zu Bett gingen wie gewöhnlich. Genervt knirschte er mit den Zähnen und überlegte, was er jetzt tun sollte.

Ihm fiel ein, dass er nicht nur das Fest vergessen hatte, sondern auch noch den Tornister. Diesen sollte er wohl lieber mitnehmen, damit er geflickt sein würde, wenn Sulik morgen wieder zum flachen Berg kam. Also drehte er um. Das war eine gute Beschäftigung für die Zeit, in der die Menschen noch feierten. Wenn er zurückkehrte, um das Dorf nach Hause zu durchqueren, waren sie bestimmt schon weg.

Es wurde zunehmend dunkel, und schon bald vermochte Sulik den Weg unter seinen bloßen Füßen nicht mehr zu sehen. Spitze Steine staken durch den Schnee. Normalerweise war es kein großes Problem für den Zwerg, zwischen sie zu treten, um sich an ihnen nicht zu verletzen, denn wenn er in der Nähe seiner Grabhöhle war, hatte er immer ein bisschen Licht. Morgens stand die Sonne dann schon hoch genug, damit er etwas sah, und abends war sie noch nicht ganz untergegangen. Doch jetzt war es schon später als üblich.

Oft passierte es, dass Sulik bei seinen Grabungen auf Stellen stieß, an denen der Boden so gefährlich war wie hier. Für diese Fälle hatte ihm seine Frau ein Paar Stiefel gemacht. Damit er sie nicht wie andere Dinge vergaß, hatte sie sie ihm an die Innenseite seines Mantels genäht. Sie waren nicht mitgewaschen worden, deswegen hatten sie noch immer ihre ursprüngliche dunkelbraune Farbe. Sulik schlüpfte hinein. Auch wenn er das Gefühl von Schuhen an seinen Füßen nicht mochte, stellte er doch fest, dass sein Weg mit ihnen gleich viel einfacher zu meistern war.

Daher erreichte er seine Höhle recht schnell, holte seinen Tornister und kehrte wieder um.

Irgendwann, noch bevor er wieder im Dorf anlangte, setzte er sich auf einen großen Stein, um eine Pause zu machen. Er war von dem doppelt gegangen Weg, nach einem so anstrengenden Tag, müde geworden. Auch taten ihm die Füße weh, und er bereute, die Stiefel nicht schon vorher angezogen zu haben. Dann würden sie jetzt nicht so sehr schmerzen.

„Brauchst du Hilfe, alter Freund?“, fragte da jemand hinter ihm, und Sulik wandte sich überrascht um. Da stand ein wunderbarer Hirsch mit stolz in die Höhe gerecktem Geweih und sah auf ihn herab. Sulik kannte das Tier, denn es lebte in diesem Wald schon so lange, wie der Zwerg den flachen Berg bereiste, um Steine zu sammeln.

Wie alle Zwerge und magische Wesen konnte auch Sulik die Sprache der Tiere verstehen und sprechen, also erwiderte er erschöpft auf die Frage des Hirsches: „Oh ja, bitte. Ich hatte heute einen harten Tag, und meine Füße tun weh. Lässt du mich auf deinen Rücken und bringst mich zum spitzen Berg?“

Der Hirsch schnaubte, sodass eine weiße Wolke vor seiner Schnauze aufschwebte, und gab zurück: „Natürlich, mache ich gern.“ Er ging in die Knie und ließ den Zwerg auf seinen Rücken steigen. Mit seinen kräftigen Beinen stieß er sich vom Boden ab und sprang los.

Sie waren schon einige Meter weit gekommen, als Sulik auffiel, dass er den Tornister erneut bei dem Stein hatte liegen lassen. Ärgerlich schlug er die Hand an die Stirn. Unmöglich konnte er den Hirsch, wo er ihm schon diesen Freundschaftsdienst leistete, auch noch darum bitten, noch einmal umzukehren und den Korb zu holen. Dann würde er ihn eben morgen mitnehmen und noch einmal den Sack benutzen.

Der Hirsch war schnell. So schnell, dass Sulik gar nicht auffiel, dass die Menschen im Dorf noch immer Weihnachten feierten. Es war noch nicht genügend Zeit vergangen. Sie tanzten, sangen und lachten auf dem großen Dorfplatz, der mit einem großen Weihnachtsbaum dekoriert war. Hier hatte der Hirsch vorgehabt, hindurchzugaloppieren – denn auch er hatte angenommen, dass der Platz leer war. Jetzt kam er überrascht zum Stehen, bremste so scharf, dass Sulik fast von seinem Rücken gefallen wäre.

Auch die Menschen, die verstreut um den Weihnachtsbaum standen, verstummten plötzlich. Die Tänzer unterbrachen ihre Darbietungen, die Musiker ihr Spiel. Mit großen Augen starrten sie den Zwerg auf dem Hirsch an, der so plötzlich unter ihnen aufgetaucht war. Den Zwerg mit dem dicken roten Mantel, der roten Mütze, den braunen Stiefeln, dem weißen Bart und dem geflickten Sack auf dem Rücken.

Da sprang ein kleines Mädchen auf, das bislang mit seinen Freunden gespielt hatte, und rief in die atemlose Stille hinein: „Der Weihnachtsmann!“

Sofort stürmten alle Kinder des Dorfes auf das vermeintliche Rentier zu und umkreisten es jubelnd. Der Hirsch tänzelte nervös, doch er war viel zu stolz, um verängstigt von ihrem Kreischen das Weite zu suchen. Sulik versuchte, sich an dem breiten Hals festzuhalten und zugleich den Sack nicht fallen zu lassen. Er kannte die Geschichten über den Weihnachtsmann, die sich die Menschen erzählten. Dass er zu Weihnachten den Kindern Geschenke brachte. Doch er war nicht der Weihnachtsmann, und er hatte auch keine Geschenke!

„Herr Weihnachtsmann!“, riefen ihm die Kinder vergnügt zu, die alle so groß waren wie ein ausgewachsener Zwerg. Hätte Sulik nicht auf dem Hirschrücken gesessen, er hätte sie nicht überragt. „Gib uns Geschenke!“, verlangte eines der Kinder mit strahlenden Augen. Daraufhin fingen sie alle durcheinander an, ihm ihre Wünsche zu nennen.

Sulik war die Situation unangenehm. Er wusste nicht, was er tun sollte. Er konnte ja schlecht von seinem Freund, dem Hirsch, erwarten, die Kinder einfach zur Seite zu stoßen und das Dorf zu verlassen. Doch wenn er ihnen keine Geschenke gab, würden sie ihn auch nicht gehen lassen – und obendrein sehr enttäuscht sein. Das Leuchten ihrer Augen erinnerte ihn an seine eigenen drei Kinder, die sehnsuchtsvoll auf seine Ankunft warteten und erfahren wollten, welche interessanten Steine er wieder gefunden hatte.

Da erkannte Sulik, dass Weihnachten nicht einfach nur ein Fest war, das die Menschen jedes Jahr feierten, um Tannenbäume in ihren Häusern und auf dem Dorfplatz aufzustellen, zu tanzen und zu lachen. Die Freude der Kinder stand an erster Stelle, und wenn er jetzt einfach ging, ohne den Kindern ihre Geschenke zu überreichen, wie konnte er dann vor seinen eigenen Kindern behaupten, nur das Beste für sie zu wollen?

Er hob gebieterisch die Hand und lächelte hinter seinem weiß gefärbten Bart hervor. Sofort verstummten die aufgeregten Kinder und sahen ehrfurchtsvoll, aber auch voller Vorfreude zu ihm auf. „Hohoho, liebe Kinder!“, sagte er mit tiefer Stimme und hoffte, dass er das richtig machte. Tatsächlich war er sehr nervös. Würden sie sich denn überhaupt über ein paar bunte, aber klobige Steine freuen? „Immer der Reihe nach. Jeder wird ein Geschenk bekommen!“ Zumindest hoffte Sulik das. Das kleine Dorf beheimatete nicht viele Kinder, doch er hatte auch nicht viele Steine gefunden. Ob sie reichten?

Artig stellten sich die Kinder in einer Reihe vor dem Hirsch auf. Ganz vorne wartete das Mädchen, das ihn als erstes für den Weihnachtsmann gehalten hatte. Warum fiel ihnen eigentlich nicht auf, dass er viel zu klein für einen Weihnachtsmann war? Leise seufzend griff Sulik in den Jutesack und suchte nach einem der Steine. Zu seiner Überraschung war das Erste, was er in die Hand bekam, kein kalter, trockener Brocken, sondern etwas, das sich wie aus Stoff gefertigt anfühlte. Verwundert holte er den Gegenstand hervor. Eine Puppe! Irgendwie hatte sich in den Sack eine kleine Stoffpuppe verirrt. Sulik dachte über diese Merkwürdigkeit nicht lange nach und reichte dem Mädchen das Spielzeug hinunter. Ihre Augen wurden groß, als sie die Puppe entgegennahm. „Genau das habe ich mir gewünscht!“, rief sie glücklich und drückte das Stoffmädchen an sich. „Vielen lieben Dank, Herr Weihnachtsmann!“ Damit wirbelte sie herum und lief zu ihren Eltern, um ihnen ihr Geschenk zu zeigen.

Sulik sah ihr hinterher, noch immer überrascht, was er in dem Sack gefunden hatte. Ob eines seiner Kinder das Spielzeug darin vergessen hatte, bevor der Vater den Jutesack zur Grabhöhle gebracht hatte? Aber er konnte sich nicht erinnern, seinen Kindern je eine so schöne Puppe geschenkt zu haben.

Daran konnte es jedoch auch nicht liegen, denn bei dem nächsten Kind holte Sulik wieder ein Spielzeug hervor. Es konnte doch nicht sein, dass ihm nie aufgefallen war, dass der Jutesack gar nicht leer gewesen war! Bei jedem Kind, das sich in der Schlange anstellte, war es sogar genau dieses Spielzeug, das es sich gewünscht hatte. Bald bemerkte der Zwerg, dass im Sack immer weniger Steine lagen, ganz so, als verwandelten sie sich in Spielzeuge und verschwanden in dieser Gestalt.

Schließlich bekam das letzte Kind sein Geschenk, und Suliks Sack war leer. Er überblickte den Dorfplatz und sah die Beschenkten mit ihren Puppen und Holzpferden, Stoffbällen und Kniffelwürfeln spielen. Alle waren sie so glücklich, und auch die Erwachsenen sahen ihnen erfreut dabei zu. Der Zwerg reckte stolz den Rücken durch. Weihnachten war ja gar nicht so schlecht, wie er immer gedacht hatte. Weihnachtsmann sein war gar nicht schlecht!

„Ich muss nun gehen“, rief er über den Dorfplatz, und der Hirsch begann die Weiterreise. Die Kinder und Eltern wandten sich nach ihm um und winkten ihm dankend, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Glücklich erreichte er den Eingang seiner Wohnhöhle und rutschte vom Rücken des Hirsches. „Vielen Dank, lieber Freund“, sagte er zu dem großen Tier.

Dieses warf den Kopf hoch und schüttelte das Nackenfell. „Wie gesagt, liebend gern. Es war sehr schön bei den Menschen!“ Damit wandte er sich um und verschwand in der Nacht.
Sulik hingegen öffnete die Steintür. Schon mit einer Entschuldigung auf den Lippen, warum er heute so spät gekommen war, trat er ein. Seine Frau und seine Kinder saßen vor dem wärmenden Kamin beisammen und spielten mit kleinen Steinfiguren. Es waren wunderschön geschnitzte Handarbeiten, bestimmt sehr wertvoll. Wie schon zuvor bei der Stoffpuppe konnte Sulik sich nicht entsinnen, diese irgendwo bei einem anderen Zwerg ertauscht zu haben.
„Der Weihnachtsmann!“, wurde er auch hier von seinen Kindern begrüßt, und Sulik stutzte. Da verbesserte sich seine kleine Tochter: „Nein, das ist Papa!“ Die drei Kinder liefen zu ihm und umarmten ihn. „Stell dir vor, Papa, der Weihnachtsmann war hier!“, verkündete Suliks Tochter lauthals.

„Wirklich?“, fragte der Vater lachend. Dachten sie jetzt auch, dass er der Weihnachtsmann sei?
„Ja, ja!“, bestätigte Suliks mittlerer Sohn. „Genau wie bei den Menschenkindern. Und er sah genauso aus wie du!“
„Nur viel größer!“, ergänzte der Kleinste und breitete die Arme weit aus.
Jetzt kam auch die Zwergenfrau dazu. Sie trug einen bunten Schal aus gefärbter Ziegenwolle, der ihr sehr gut stand. „Er hat uns allen Geschenke gebracht, auch dir“, meinte sie und zeigte in eine Zimmerecke. Dort lehnte ein nagelneuer Tornister an der Wand, geflochten aus robusten Weidenzweigen. „Und er hat mir diesen Brief für dich gegeben.“ Sie überreichte ihm einen gefalteten Zettel.
Der Zwerg öffnete ihn und las die Zeilen: „Lieber Sulik. Vielen Dank, dass du mich in dem Dorf in der Nähe deines Heimes vertreten hast. Es ist so, jedes Dorf und jede Stadt, die ich besuche, hat einen eigenen magischen Edelstein – doch unglücklicherweise habe ich den für dieses Dorf hier verloren, so konnte ich hier keine Geschenke ausliefern. Damit kann man nämlich alles in genau den Gegenstand verwandeln, den sich jemand wünscht – doch nicht jeder beherrscht diesen Zauber. Du hast gezeigt, dass du die Magie der Weihnacht in dir trägst. Behalte den Stein und vertrete mich auch in Zukunft in diesem Dorf. Vielleicht sehen wir uns dann im nächsten Jahr. Liebe, weihnachtliche Grüße. Der Weihnachtsmann.“

Sulik legte den Zettel beiseite und kramte in dem Jutesack. Der Weihnachtsmann schrieb etwas von einem magischen Edelstein. Was denn für ein Stein? Er hatte doch alle von ihnen den Kindern geschenkt. Doch tatsächlich lag in dem Sack der sonderbare, sternförmige Kristall, den Sulik vor seiner Grabhöhle gefunden hatte. Das war also der Grund, warum sich seine Fundstücke in Spielzeuge verwandelt hatten!

Glücklich betrachtete Sulik seine Familie, die sich so sehr über ihre Geschenke freute, wie es auch die Menschenkinder getan hatten. Zwar hatte er für heute keine Steine, die er bei anderen Zwergen gegen Essbares tauschen konnte, doch das war nicht so schlimm. Seine Frau hatte immer einen kleinen Vorrat, der für einen Tag reichen würde. Viel wichtiger war, dass Sulik erkannt hatte, wie schön das Weihnachtsfest war, und wie gut es sich anfühlte, Kindern, ob nun Zwerge oder Menschen, eine Freude zu machen. Mithilfe des Zaubersteins würde er den Weihnachtsmann vertreten!

„Papa, komm spiel mit uns!“, forderten seine Kinder ihn auf und machten ihm Platz in ihrem Sitzkreis. Sulik lächelte, zog den Mantel aus und setzte sich zu ihnen.

Liebe Kinder, ich hoffe, euch mit meiner neuen Geschichte eine kleine Freude machen zu können! Viele liebe Weihnachtsgrüße an eure Familien!

 von Elisabeth Riemesch


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Was bleibt von uns...

Was bleibt von uns übrig, wenn der letzte Ton verklingt,
Wenn niemand mehr da draußen unsere Lieder singt?
(Aus: Requiem von L'ame Imortelle, österreichisches Gothic-Rock-Duo)

Mit zunehmendem Alter beschäftigt mich diese Frage mehr und mehr.

Vor gut 20 Jahren, als ich aus Reichesdorf fortging, hatten Überlegungen wie diese keinen Platz in meinem Bewusstsein. Zu groß war wohl die Neugier darauf, was die Freiheit mir alles zu bieten hatte. Auch in den darauf folgenden Jahren wurde mir nicht wirklich klar, welch dramatischer Einschnitt in meine Persönlichkeit das Verlassen der Heimat war.

Ich war jung. Ich dachte, die Zeit wäre mein und würde auf mich warten. Vieles, was mein Unterbewusstsein mir zuflüsterte, um mich vor diesem Trugschluss zu warnen, habe ich ignoriert oder einfach auf später - ich hatte schließlich noch Zeit - verschoben.

Mittlerweile bin ich eine Frau mittleren Alters und gehe einer Arbeit nach, die mir Freude macht. Ich bin Mutter zweier bezaubernder Töchter und ich kann meine Freizeit sinnvoll gestalten.
Doch wer und was bin ich jenseits all dessen, wenn ich eintauche in die Welt meiner Gedanken und Gefühle? Was bewegt und beschäftigt mich dort, wo keiner mir folgen kann und ich Antworten auf meine Fragen von mir selbst erwarte? Nach und nach erkenne ich, was ich jahrelang verdrängt habe: Ich bin eine Reichesdorferin, und mein Herz schlägt immer noch für das Dorf, das wir vor Jahren verlassen haben. Ich kann und will nicht länger nach diesem Verdrängungsprinzip leben! Ich will mich dem stellen, indem ich mich mitteile, indem ich aktiv an der Erhaltung unserer HOG mitwirke und indem ich dazu aufrufe, unser Heimatdorf nicht ganz aufzugeben!

Ich bin mir sicher, dass es vielen von uns ähnlich geht.

Die Frage, ob es richtig war, dass die Siebenbürger Sachsen ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, statt, wie die Generationen in den Jahrhunderten davor, standhaft weiter zu kämpfen, wird wohl nicht zu beantworten sein. Wir haben uns für diesen Weg entschieden, und wäre dem nicht so gewesen, wäre die Frage eine andere.

Eines ist jedoch sicher: Als Volk sind wir im Wandel, unsere Identität als solches geht verloren. Was uns in Siebenbürgen das Überleben garantiert hat, nämlich unsere Kultur, die strengen Vorgaben, durch die Nachbarschaften zum Beispiel, und die Abgrenzung zu anderen Ethnien, kann hier, in unserer neuen Heimat, so nicht erhalten werden. Nun, wir können Geschichte nicht verändern - Völker kommen und gehen -, aber wir können sie mitschreiben, indem wir zu Siegern werden. Zu Siegern über das Vergessen, wer wir sind und woher wir kommen.

Ich bin eine Reichesdorferin! Und du?
Was können wir tun gegen das Vergessen? Wie sollen wir uns, dem einst so stolzen Reichesdorf, ein Gedächtnis schaffen? Zu allererst müssen wir zu unserer Herkunft stehen, und jeder Einzelne muss bei sich selbst anfangen. Wir stehen in der Pflicht, den Generationen nach uns etwas zu hinterlassen, worauf sie wiederum stolz sein können!

„Was bleibt von uns übrig?“

Wir sind die Letzten, die unseren Nachkommen noch erzählen können, wie das Leben in Reichesdorf war. Wir müssen die Gelegenheit wahrnehmen und Werte weitergeben, die uns als Reichesdorfer, als Siebenbürger Sachsen ausmachen, allem voran der Zusammenhalt, die Gemeinschaft.

Dafür haben wir auch unsere HOG, unseren Boten, unsere Homepage und nicht zuletzt unsere Treffen. Ob in Friedrichroda im Berghotel oder in Dinkelsbühl beim Heimattag, ob im Winter beim Skifahren oder im Sommer in Reichesdorf - wenn wir, vom Kind bis zum Greis, diese Zusammenkünfte wahrnehmen, erhalten wir einen Teil unserer Kultur und geben auch etwas für die Zukunft weiter, getreu dem Motto:
„Mir wallen bleiwen, wot mir sen!“
Ganz besonders liegt mir ein Treffen in Reichesdorf am Herzen. Nachdem unser erstes im letzten Jahr eine solch schöne Erfahrung war, wollen wir es gerne nochmal wagen.

Wir haben diesmal einen Termin gewählt, an dem alle Bundesländer in den Ferien sind. Wir wollen viele Kinder dabei haben, die auch Oma und Opa mitbringen!

Es besteht die Möglichkeit, einen Reisebus nur für uns zu buchen, der uns in Deutschland einsammelt und bis nach Reichesdorf bringt. Dann kann das Treffen schon unterwegs beginnen!
Abfahrt ist für Mittwoch, den 6. August 2014 vorgesehen.

Das Treffen findet statt vom
08.08. - 10.08.2014

Fam. Timmermann und ihr emsiges Team werden sich wieder um unser leibliches Wohl und die Durchführung kümmern. Dass dies ein Gelingen des Treffens garantiert, haben sie schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Auf uns wartet im Sommer noch ein ganz besonderes Ereignis: Die Orgel unserer Kirche wurde renoviert und wir sind eingeladen an der Einweihung der Orgel in Reichesdorf dabei zu sein!

Um uns die Schönheit Siebenbürgens in Erinnerung zu rufen, habe ich einen 3-tägigen Ausflug eingeplant. Mit dem Bus geht es nach Hermannstadt, mit kleinem Rundgang durch die Stadt und Besuch des Teutsch- Hauses, über die Transalpina (höchstgelegene Straße in Europa) zu attraktiven Ausflugszielen in den Karpaten. Auch Transfagarasan, Bulea-See und Meschen (!) werden auf dem Programm stehen. Lasst euch überraschen!

Danach haben wir noch einige Tage zur Selbstverfügung, bevor wir aus Reichesdorf voraussichtlich am 17.08. wieder in Richtung Deutschland aufbrechen.

Toni und Gerrit Timmermann werden Zimmer für uns frei halten. Es wird Unterkunft auch für die geben, die nicht bei Bekannten unterkommen können.

Liebe Reichesdorfer, wir laden euch hiermit ganz herzlich nach Reichesdorf ein!

Auf eine schöne und bereichernde Zeit mit euch freuen sich:
Susi und Meck mit Team!

Auf dem beigefügten Formular könnt ihr euch anmelden. Ihr habt die Wahl, ob ihr bei dem Ausflug innerhalb Siebenbürgens dabei sein möchtet. Natürlich wird es günstiger, je mehr Teilnehmer wir haben! Das gleiche gilt für die Hin- und Rückfahrt, mit dem Unterschied, dass hier eine Mindestanzahl an Anmeldungen nötig ist! Um eine Anzahlung von 100 € für Erwachsene und 50 € für Kinder auf folgendes Konto wird gebeten!
Susanna Riemesch 

 Susanna Riemesch


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Wissenswertes über…
Auswanderer und Ballinstadt

Die Motivation zum Auswandern war so vielfältig wie die Menschen selbst. In der Mitte des 19. Jahrhunderts überwogen politische Gründe, beispielsweise nach der gescheiterten Revolution von 1848 in den deutschen Staaten. Mit der zunehmenden Industrialisierung traten wirtschaftliche und soziale Nöte in den Vordergrund. Pogrome gegen Juden in Russland, drohender Militärdienst oder ein hinterer Platz in der Erbreihenfolge trieben die Menschen von zu Hause fort.

Die Mehrzahl der Emigranten waren Osteuropäer, die mit dem Zug nach Hamburg reisten. Aber auch Deutsche, vor allem Bauern und Fabrikarbeiter, machten sich auf den Weg in die Hansestadt. Von dort reisten sie auf den Dampfschiffen der Hamburger Hapag-Reederei nach Amerika, mussten aber meist einige Zeit auf einen freien Platz an Bord warten. Angesichts des großen Andrangs waren die privaten Gasthäuser der Stadt oft völlig überfüllt. Einen markanten Einschnitt erfuhr die Auswanderung jedoch 1892. Mit dem Ausbruch der Cholera verhängte der Hamburger Senat rigorose Einreisesperren, sodass der Auswandererverkehr in der Hansestadt abrupt zum Erliegen kam.

Der Hamburger Reeder Albert Ballin ließ die Auswandererhallen auf der Veddel bauen. Für die Hapag-Reederei bedeutete dies einen großen Verlust. Nach zähen Verhandlungen mit dem Senat gelang es Generaldirektor Albert Ballin, die Einreise in die Hansestadt für Emigranten ab 1893 wieder zu ermöglichen. Allerdings mussten sich die Auswanderer nun einer medizinischen Kontrolle unterziehen, bevor sie überhaupt einreisen durften. Die Hamburger Bevölkerung beäugte fortan vor allem Russen misstrauisch, da sie ihnen die Schuld am Ausbruch der großen Choleraepidemie gab.

Ballin lässt die „Stadt in der Stadt“ bauen

Bei ihrer Ankunft in den Hamburger Auswandererhallen wurden die Emigranten zunächst medizinisch untersucht. Die weiter wachsende Zahl der sogenannten Transitwanderer aus Osteuropa konnte die Stadt kaum noch bewältigen. Nun fand Ballin eine Lösung, die die Logishäuser und die zuvor genutzten Baracken entlastete, die Auswanderer weitestgehend aus der Stadt fernhielt und nicht zuletzt seinen Schiffen eine hervorragende Auslastung bescherte. Der findige Geschäftsmann ließ ab 1901 mehrere Auswandererhallen auf der Elbinsel Veddel bauen. Bis 1907 wurde das Gelände ständig erweitert. Es entstand eine „Stadt in der Stadt“. In insgesamt 30 Gebäuden konnten bis zu 5.000 Personen unterkommen. Jüdische Emigranten wurden gezielt angeworben. Für sie gab es eine Synagoge und einen eigenen Speisesaal, in dem koscheres Essen angeboten wurde.

All inclusive und Kasernenflair

Ohne die nötigen Papiere wie Pass, Visum und Fahrkarte war eine Auswanderung nicht möglich. Oft hielten sich die Auswanderer mehrere Wochen in den Auswandererhallen auf, bevor sie endlich an Bord eines Schiffes gehen konnten. 150 Angestellte sorgten dafür, dass der straff strukturierte Alltag auf dem Gelände funktionierte. Für zwei Mark pro Tag bekam ein Auswanderer ein Bett und drei Mahlzeiten. Die Auswanderwilligen schliefen in relativ geräumigen Schlafsälen mit hohen Decken, sodass die Luft hier besser war als in den alten Baracken, die ihnen vorher zur Verfügung standen. Eine Musikkapelle und ein kleines Geschäft sorgten für Abwechslung. Gottesdienste in Kirche und Synagoge fingen Ängste und Sorgen auf. Zudem betrieben religiöse Organisationen nicht nur Seelsorge, sondern leisteten auch praktische Hilfe bei der Beschaffung von Dokumenten oder bei Verständigungsschwierigkeiten.

Hygienische Kontrollen prägten ganz entscheidend das Leben in den Auswandererhallen. Gleich nach ihrer Ankunft mussten die Emigranten baden und sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Erst nachdem auch Kleidung und Gepäck desinfiziert waren, durfte der Auswanderer seinen Platz im Schlafsaal beziehen. Während des gesamten Aufenthalts kam es zu zahlreichen weiteren Visiten. Kurz vor der Einschiffung entschied ein abschließender Gesundheitstest, wer tatsächlich die Reise antreten durfte. Diese Zwangsmaßnahmen sowie die Ausgangssperre für bestimmte Auswanderergruppen, vor allem Russen, ließen bei vielen ein Gefühl der Kasernierung aufkommen. Proteste blieben allerdings punktuell und ohne Auswirkungen.
Die Zwischendeckspassagiere durften nur zu bestimmten Tageszeiten an Deck, um frische Luft zu schnappen. Auf kleineren Schiffen für bis zu 300 Personen, den sogenannten Tendern, wurden die Auswanderer bis nach Stade oder sogar nach Cuxhaven gebracht, wo sie endlich an Bord der Überseedampfer gehen konnten. Wegen ihres großen Tiefgangs konnten die Ozeanriesen die Elbe nicht weiter flussaufwärts befahren. Die Passage auf einem Dampfschiff dauerte in der Regel zwei Wochen, später auf den Schnelldampfern lediglich neun Tage. Die Mehrzahl der Emigranten reiste für 160 Mark auf dem fensterlosen Zwischendeck. Die Summe entsprach in etwa dem Jahresgehalt eines Arbeiters. Dafür bekamen die Zwischendeckspassagiere wenig geboten: Schlechte Durchlüftung, Platzmangel, Nässe und die Folgen der Seekrankheit machten den Menschen zu schaffen. An Deck durften sie nur begrenzt, bei Sturm gar nicht.

Ellis Island: Eingangstor in die Neue Welt

Der Anblick der New Yorker Freiheitsstatue bedeutete für die Auswanderer das Ende einer langen und strapaziösen Reise. Erstes Ziel in den USA war die New York vorgelagerte Insel Ellis Island. Hier mussten sich die Auswanderer erneuten Gesundheitsprüfungen unterziehen, bevor sie endlich das Land ihrer Träume betreten durften. Diejenigen, denen die Einreise verweigert wurde, mussten auf dem nächsten Schiff auf Kosten der Reederei in die alte Heimat zurückkehren. Im Jahr 1907 kehrten 48.000 Auswanderer nach Hamburg zurück. Einem kleinen Teil war die Einreise verweigert worden, die meisten kamen allerdings freiwillig: Sie hatten in Übersee ein kleines oder großes Vermögen gemacht.

Das Museum

Das Erlebnismuseum Ballinstadt steht auf dem historischen Ort der Auswandererhallen. 192.733 Auswanderer begaben sich 1913 von Hamburg aus auf die Reise - mehr als je zuvor. Nur wenige Monate später stoppte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Auswanderung. Mitte der 1920er-Jahre wurde aus den Auswandererhallen das „Überseeheim“. Gehobener Komfort sollte die höheren Ansprüche der nun zumeist deutschen Emigranten erfüllen. Paradoxerweise fiel 1934 ein Teil der Hallen in den Besitz der SS, bevor das gesamte Gelände als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde. Nach dem Krieg dienten die Gebäude als Unterkünfte für ausgebombte Hamburger. 1962 wurden die Gebäude abgerissen. Fast 100 Jahre nach dem Bau der Auswandererhallen wurde 2005 der Grundstein für das Erlebnismuseum Ballinstadt gelegt.

Im Juli 2007 eröffnete die Ballin-Stadt als Museum, den Auswanderern gewidmet, unter dem Motto Port of Dreams – Auswandererwelt Hamburg. Der Komplex besteht aus drei Häusern.

In Haus 1 befindet sich das Foyer und ein Forschungszentrum (Internet-Terminals für die Forschung nach Ahnen, kostenlose Benutzung). In Haus 2 befindet sich die Hauptausstellung „Port of Dreams“ mit interaktiven Elementen (Audio- und Videopräsentationen) und historischen Exponaten, in Haus 3 ist das Leben in den Auswandererhallen dargestellt und die Gastronomie sowie ein Shop untergebracht. Die Hauptausstellung ist als Rundgang konzipiert, in deren Mitte ein partieller Schiffsnachbau steht. Der Rundgang begleitet thematisch von der Auswanderung in Hamburg über die Schiffsreise bis hin zur Ankunft in Amerika. Die schriftlichen Dokumentationen sind meist auf Deutsch und Englisch verfasst.

 (aus dem Internet, bearbeitet von Susi)


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Was wäre wenn…

Was wäre, wenn in unser Leben urplötzlich ein reicher Onkel aus Amerika platzt, von dem wir zwar immer schon geträumt, aber nicht gewusst haben, dass es ihn wirklich gibt? Da wir jedoch mit beiden Beinen im Leben stehen, belächeln wir unseren Traum und schieben ihn wieder weg.

Für mich ist dies Wirklichkeit geworden! Es ist zwar nicht der Onkel, sondern der Cousin. Aber reich ist er und diesen ganz besonderen Reichtum hat er mit mir geteilt! Was ich von ihm bekommen habe, ist mit keinem materiellen Wert der Welt aufzuwiegen! Seine unbeschreibliche Herzenswärme, seine Bescheidenheit und seine Dankbarkeit haben mich tief berührt!

Mittlerweile kennen die meisten Reichesdorfer ihn auch. Ich meine Jo Carl Wachsmann aus Chicago. Sein Urgroßvater Friedrich Wachsmann, der seinerzeit mit seiner Mutter und zwei Schwestern nach Amerika auswanderte, war der Bruder meines Urgroßvaters Andreas Wachsmann, der in Reichesdorf blieb und dort eine Familie gründete.

Als Familie bzw. Verwandtschaft wussten wir über hundert Jahre lang nicht mehr voneinander. Dank Internet und Telefon haben wir uns nun wieder gefunden. Auch die Nachkommen einer der Schwestern meines Urgroßvaters, Anna, haben auf ähnliche Weise den Kontakt zu uns hergestellt.

Alles begann mit einem Anruf Jo Carls bei meinem Vater. Ich weiß nicht, wie hier die Sprachhürde genommen wurde - jedenfalls führte es dazu, dass ich das Ruder übernahm und uns schnell klar wurde, dass wir dieselben Ahnen haben.

Wir machten Nägel mit Köpfen und trafen uns bald danach. Irgendwie harmonierten wir gleich miteinander. Schon bald stellte uns Jo Carl auch seine Eltern, seine Schwester Ruth mit Familie und, bei unserem Treffen in Dinkelsbühl, seinen Bruder Herbert vor.

Wir verbrachten in Bad Wimpfen, Sinsheim, Dinkelsbühl und auch bei uns in Nordheim wunderbare Zeit miteinander.

Das Highlight war sicherlich unsere gemeinsame Reise nach Siebenbürgen. Im gemieteten Wohnmobil wagten wir dieses Abenteuer und auch auf so engem Raum verstanden wir uns bestens. Zugegeben, an mir klebte die ganze Zeit das Englisch-Wörterbuch, und manchmal dauerte es, bis ich die passenden Ausdrücke parat hatte. Zum Glück sprechen Udo und Elisabeth auch etwas Englisch

. So etwas wie Rumänien hatte Jo Carl noch nie gesehen! Aufmerksam lauschte er unseren Erklärungen zu allem Möglichen, was Land und Leute betraf. Meine Bedenken, es könne für einen Großstadtmenschen aus Chicago wie ihn zum Kulturschock kommen, flogen dahin. Jo Carl zeigte großes Interesse und Respekt für Siebenbürgen.

Hermannstadt, Birthälm, Kronstadt, Rosenau, ja sogar das „Dracula“-Schloss Bran, alles, was wir in dieser kurzen Zeit aufsuchten, hat wundervolle Erinnerungen für uns geschaffen. In Reichesdorf verbrachten wir die Zeit damit, das Dorf mit Kirche, Schule und all seinen Gassen zu erkunden. Meine Mutter kochte für uns alle, und auch das sächsische Essen kam bei Jo Carl sehr gut an! Sprachschwierigkeiten waren kein Hindernis für die beteiligten Wachsmanns, sich noch näher zu kommen und das Wiedersehen zu feiern!

In Mediasch durften wir einen Blick in die Reichesdorfer Kirchenbücher werfen. Wieder bekamen wir die Bestätigung, dass wir unsere Verwandtschaft wieder gefunden hatten. Alle Namen und Geburtsdaten, die Jo Carl aus Amerika mitbrachte, tauchten in den Archiven auf. Wir beide genossen diese ganz besonderen Momente sehr, es ist nicht selbstverständlich, nach so langer Zeit sich doch noch kennen zu lernen!

Jahrzehnte lang war mein Vater der einzige noch bekannte Wachsmann aus diesem „Clan“! Dass aus beiden Giebeln unseres Hauses Wachsmann-Männer gleichzeitig rausschauen - wer hätte das noch erwartet?

Die Jahre gehen ins Land, doch immer noch ist Jo Carl mit Eifer dabei, Spuren seiner und somit auch meiner Ahnen zu finden. Sein Enthusiasmus dabei ist ungebrochen und er hat mich damit regelrecht angesteckt!

Im Mai dieses Jahres machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Hamburg. Von hier aus begann für Menschen vieler Nationen in den Jahrzehnten vor und nach 1900 das waghalsige Abenteuer Amerika.

An diesem Hafen in Hamburg befanden wir uns nun und ich verfiel in tiefe Nachdenklichkeit. Die riesigen Schiffe und die nicht zu beschreibende Atmosphäre dieses Ortes flößten mir Respekt ein. Es regnete und ein kalter Wind wehte.

Ich stellte mir vor, diese Reise ins Ungewisse stünde mir bevor. Wie hoffnungslos muss die Zukunft in der Heimat für die vielen Familien ausgesehen haben, dass sie dieses beschwerliche und unberechenbare Wagnis eingingen!

Gemeinsam besuchten wir das Auswanderermuseum in Ballinstadt, der „Stadt in der Stadt“.

(siehe „Wissenswertes über… die Auswanderer und Ballinstadt“).

Anschließend forschten wir in den Datenbanken des Museums gespannt nach Spuren unserer ausgewanderten Vorfahren - und wurden wieder fündig! Wäre Jo Carl nicht in mein Leben getreten, ich hätte nie diese wundervolle und interessante Erfahrung gemacht!

Für das miteinander Erlebte, für jedes Gespräch, dafür, dass er nach uns gesucht hat, für diese wertvolle Bereicherung meines Lebens, bin ich Joseph Carl Wachsmann von Herzen dankbar!

 Susi


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RICO der REICHE
Zur Herkunft und Deutung des Ortsnamens REICHESDORF

In der ältesten erhaltenen Urkunde vom Jahr 1283 wird die Gemeinde Reichesdorf villa Richuini (nach E. Wagner) bzw. villa Rihuini (bei G. Nussbächer) genannt.

Erst 76 Jahre später taucht der Ortsname, in leicht geänderter Form (villa Richvini) wieder auf u.zw. in Zusammenhang mit einem Hattertstreit zwischen Baaßen und Wölz.

Ende des 14. Jh. wird in einer Matrikel der Universität Wien ein gewisser Andreas plebanus de villa Richwini de Septemcastris geführt. Nur auf den ersten Blick scheint es sich um einen anderen Ort zu handeln, wenn es in einer Urkunde von 1429 gelegentlich einer Grenzbegehung von Eibesdorf von einem comes Nikolaus de Ricquino die Rede ist. Dabei sind Riquino, Riquin und Ricuin als latinisierte Formen des althochdeutschen Personennamens Richwin (=mächtiger Freund) anzusprechen.

Auf ihn geht der spätere Familienname Reichwein zurück.

Unweit der belgischen Grenze, bei Kaltherberg im Monschauerland, liegt das Kloster Reichenstein, ein ehemaliges Prämonstratenserkloster aus dem 12. Jahrhundert. Als Gründer Richwinsteins, einer klassischen Höhenburg, werden die Grafen und späteren Herzöge von Limburg genannt.

Diese schenkten ihre Burg Richwinstinne 1131 dem Prämonstratenserorden. Das als Doppelkloster (Chorherren und -frauen) geweihte Reichenstein bestand als solches bis 1250, als die Chorherren es verließen und zur Abtei Steinfeld (Gde. Kall, Landkreis Euskirchen) zogen.-

Zurück nach Siebenbürgen.

Im ältesten Stadtbuch von Mediasch ist zum ersten Mal 1510 die Namensform Richestorff überliefert, die der nachmaligen Ortsbezeichnung sehr nahe kommt.

Einige Jahre später wird Rychesdorff als viertgrößte Gemeinde des Mediascher Stuhls erwähnt und auf der Honteruskarte von 1532 ist auch Richistorf zu finden.

Der Humanist und königliche Rat Georg von Reichestorffer wurde zwar um 1495 in Hermannstadt geboren, seine eigentliche Herkunft sollte gleichwohl unzweideutig sein.

Im Naturpark Nordeifel liegt die etwa 28.000 Einwohner zählende Stadtgemeinde Mechernich. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Lkr. Euskirchen und umfaßt 44 Ortschaften. Eine davon heißt Rißdorf – in diesem kleinen Eifeldorf leben etwa 120 Menschen.

Zwar stammt die erste urkundliche Erwähnung erst aus dem Jahre 1249, doch anhand archäologischer Funde dürfte die Besiedelung noch auf die fränkische Landnahme zurückgehen.

Die in der ersten Hälfte des 15. Jh. noch gebräuchliche Namensform von Rißdorf war Ryckessdorp oder Rychesdorp. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist dieses Toponym von dem altdeutschen Personennamen Rico bzw. Richi (der Reiche) abgeleitet.

Schlußfolgerungen

Bei der heutigen Ortsbezeichnung Reichesdorf hat es im Laufe der siebenbürgischen Geschichte offenbar einen Namenswechsel gegeben. Denn phonologisch kann aus Richwin niemals Richestorff entstehen.

Es ist vorstellbar, dass die Erstbezeichnung von einem Anführer einer Auswanderergruppe herrührt, der zu der Burg bzw. dem Kloster Reichenstein in einem besonderen Verhältnis gestanden haben muss.

Im Zuge einer spätmittelalterlichen Nachsiedelung aus dem gleichen Gebiet, d.h. in diesem Fall aus Mechernich/Rißdorf, wäre es, in Erinnerung an den aufgegebenen Heimatort, zu der Umbenennung gekommen.

Sozusagen als „regionale Auswanderungsagentur“ könnte hierbei die Prämonstratenserabtei Steinfeld im nahegelegenen Kall gewirkt haben.

Für diese Herkunftsthese sprechen auch andere Indizien, etwa uralte Flurnamen von Reichesdorf.

Die Alief im nordöstlichen Gemarkungsbereich findet eine mehr als wahrscheinliche Entsprechung im Schleidener Ortsteil Olef (etwa 18 km von Rißdorf entfernt) bzw. dem Flüßchen Olef, ein linker Zufluß der Urft im Kreis Euskirchen.

Der Name hängt mit einer Sagengestalt zusammen (Titel einer Bergischen Sage: Der Hover Olef).

Viel komplizierter verhält sich die Sache mit dem sonderbaren, einzig in Reichesdorf vorkommenden Hattertnamen Prekil.Der folgende Zusammenhang erscheint ziemlich gewagt konstruiert – er soll dennoch versucht werden.

Im Ortsteil Scheven der Gemeinde Kall ist der Flurname Prikkendell überliefert, unweit davon in Lückerath (Gde. Mechernich) ein Prikkengraben.

In der Phonetik gehören Lautphänomene wie Lautwechsel oder -veränderung zum Begriffsinventar.

Bei der sogen. Metathese kommt es zu einer Umstellung von Lauten, d.h. im gegenständlichen Fall:

Aus Prikken… wird Prekkin…

Durch Abschleifung der Endung bzw. des Grundwortes dell (=Tal) sowie Zusammenziehung ergäbe es unseren Reichesdorfer Hattertnamen im äußersten Norden des Gemeindegebietes.

Das Wort Prikken soll im übrigen ebenfalls aus dem Sagen- oder Mythologiebereich entlehnt worden sein.

Bekanntlich war Reichesdorf eine der größten Weinbaugemeinden Siebenbürgens. Woher die Siedler der ungarischen Ostkolonisation die Rebe nach Siebenbürgen mitgebracht haben, ist nicht genau bekannt. Es gab und gibt, außer dem Moseltal, auch noch andere Weinanbaugebiete (Mittelrhein, Ahrgau, Saar-Ruwer, Lahntal), die in unterschiedlichem Ausmaß Siedler für den Karpatenbogen abgegeben haben.

Sogar in der vorliegenden Voreifelgegend soll es gemäß der Weistümer bis ins 15. Jh. Einnahmen aus Weingärten gegeben haben – der untergegangene Flurname Em Wöngert erinnert daran.

Gleichwohl führt uns der Reichesdorfer Hattertname Plentsch (ein ehemaliger Weinberg?) in die Moselgemeinde Ürzig, Lkr. Bernkastel-Wittlich, wo dieser von (vinea) planetaria, d.h. „nach einem bestimmten Aufteilungssystem angepflanzter Wingert“ abgeleitet wird.

Wie die Herkunftsforschung der letzten Jahre u.a. ergeben hat, gibt es wenige siebenbürgische Orte, deren ursprüngliche Besiedlung sich auf einen einzigen Auswanderungsort zurückführen ließe.

Hinzu kommen die im Laufe der Jahrhunderte erfolgten Binnenwanderungen und sogar Ortsneugründungen, in deren Folge es zu der bunten Mundarten-Landschaft Siebenbürgens gekommen ist.

Alleiniger Zweck des vorliegenden Aufsatzes sollte indessen sein, der Herkunft und Deutung des Ortsnamens Reichesdorf nachzugehen.


Benutzte Literatur:

1.Karl Christoffel: Ürzig – Ein Gang durch seine Geschichte (2012)

2.Klaus Krüger: Ein altes Pergamentbuch erzählt (1537)

3.Andreas Nemenz: Die Reichesdorfer Flurnamen.

Freundliche Mitteilungen vom 24.03.1997 und 5.04.1998

4.Andreas Nemenz u. Heinrich Bruckner: Reichesdorf.

Eine Ortschaft im Weinland Siebenbürgens (1998)

5.Gernot Nussbächer: War Richwin der Gründer? Aus der Ortsgeschichte von Reichesdorf

In: Aus Urkunden und Chroniken. Beiträge zur siebenbürgischen Heimatkunde, 4. Band, Kronstadt (1994)

6.Nikolaus Reinartz: Orts- und Flurnamenkunde vom südwestlichen Bleiberg (1936)

7.Ernst Wagner: Historisch-Statistisches Ortsnamenbuch für Siebenbürgen (1977)

8.Wikipedia: Kloster Reichenstein

9.Wikipedia: Olef (Schleiden)

Walter Schuller, Traun/Östereich


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Genealogie der Siebenbürger Sachsen:
Das 11. Seminar in Bad Kissingen

Auf dem Heiligenhof stand das 11. Seminar vom 04. - 06. Oktober 2013 unter dem Motto Das Projekt „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“ hautnah. Tage der offenen Tür, zu dem alle siebenbürgischen Genealogen eingeladen worden waren, um sie mit dem Projekt vertraut zu machen und zum Mitmachen anzuregen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen begrüßte die Projektleiterin Jutta Tontsch alle Teilnehmer, unter ihnen insbesondere die zahlreichen Gäste sowie die Genealogen des Burzenlandes. In der traditionellen Vorstellungsrunde gaben die Anwesenden auch einen kurzen Einblick in ihre bisherige genealogische Tätigkeit.

Der Samstag begann mit der Mitarbeiterversammlung, bei der auch die Gäste willkommen waren. Jutta Tontsch berichtete, bis Oktober hätten 55 Personen einen Antrag auf Projektmitarbeit gestellt. Von ihnen werden 58 siebenbürgische Orte bearbeitet. Frau Tontsch forderte Mitarbeiter und Gäste auf, Werbung für das Projekt zu machen, z.B. bei den Heimatortsgemeinschaften und verschiedenen Treffen. Neben der Förderung intensiver Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern bemühe sich das Leitungsteam auch um die Kontaktpflege zu den Förderern des Projektes.

Die Kassenwartin Ilse Welther berichtete, inzwischen seien einige Spenden für das Projekt beim AKSL eingegangen.

Um den Gästen Gelegenheit zu geben, zwischen unterschiedlichen Themen zu wählen, folgten drei Parallelvorträge: „Aspekte zur Erforschung der Deportation der Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion – Sammlung der Daten“ von Dr. Renate Weber, „Das Genealogische Archiv in Gundelsheim. Arbeiten mit dem Katalog (KGA)“ von Jutta Tontsch und eine „Einführung in das Programm Gen_Pluswin“ von Gisbert Berwe.

Einleitend sprach Renate Weber über die Studien zur Erforschung der Deportation der Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion 1945-1949, die 1995 als dreibändige Publikation erschienen: Ein Teil dieses Forschungsprojekts war die möglichst vollständige Erfassung der Daten aller Deportierten, darunter Name, Geburtsdatum, Beruf, Arbeitslager, Entlassungs- bzw. Todesjahr.

Dafür wurden Erhebungsbogen entworfen und Vertretern aller siebenbürgisch-säch­sischen Gemeinden zugesandt. Mithilfe von Archivmaterial der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien konnten zusätzliche Informationen beschafft werden.

Aus dem so gewonnenen Material ergab sich eine Gesamtzahl von 30.336 deportierten Siebenbürger Sachsen, von denen 3076 die Deportation nicht überlebt haben. Da diese Erhebungsbogen mit den erwähnten Angaben für die Genealogen besonders bedeutsam sind, wurden sie bereits vor zwei Jahren gescannt und den Projekt-Mitarbeitern zugänglich gemacht.

Jutta Tontsch stellte anhand einer Power-Point-Präsentation zuerst das Siebenbürgische Institut in Gundelsheim mit dem Nachlass-, Bild- und Tonarchiv vor. Die siebenbürgische Bibliothek, die sich im Schloss Horneck befindet, bildet mit ihren 80.000 bibliographischen Einheiten die größte Transylvanica-Sammlung westlich von Budapest.

Das Genealogische Archiv ist für die Mitarbeiter des Projektes eine Fundgrube von Daten und Dokumenten. Ahnenpässe, Ahnentafeln, Ahnenlisten, Stammlisten und viele weitere Unterlagen aus Spenden einzelner Siebenbürger Sachsen stehen Forschern und Interessenten zur Verfügung. Sie erklärte Begriffe und Abkürzungen aus dem Katalog des Genealogischen Archivs (KGA), und wie man mit diesem Katalog und der dazugehörigen Familienliste arbeitet.

Weitere Parallelvorträge folgten am Nachmittag:, „Auswanderer aus Siebenbürgen nach Amerika – Passagierlisten als genealogische Quellen“ von Jutta Tontsch und „Die Arbeit an der Honterus Datei“ von Bernd Eichhorn. Daneben gab Gisbert Berwe die Gelegenheit, weitere Eingabemöglichkeiten in Gen_Plus kennenzulernen.

Im Vortrag von Jutta Tontsch erfuhren die Zuhörer Allgemeines über die siebenbürgischen Auswanderer in die USA: Mit PowerPoint-Präsentation zeigte sie Fotos, Grafiken und Karten und berichtete von drei Auswanderungswellen sowie darüber, wann, weshalb, wie und wohin unsere Landsleute sich in Amerika niederließen. Sie stellte Passagierlisten der Auswandererschiffe vor, die für unsere Projektarbeit eine wichtige Quelle sind, denn sie enthalten viele genealogische Angaben, bis hin zu Körpergröße und Haarfarbe. Jutta Tontsch machte auf die von Monika Ferrier erstellte Liste siebenbürgischer USA-Auswanderer aufmerksam, die im Internet unter http://siebenbuergen-institut.de/fileadmin/user_upload/pdf_dateien/usa_ auswanderer2011. pdf zu finden ist.

Bernd Eichhorn erklärte in seinem Vortrag, wie er die Datei der Honterusnachfahren aufgebaut hat und wie sie für die neue Software TNG bereinigt wurde. In der aktuellen Projektphase ist es wichtig, dass alle Personen zumindest ein Geburts- oder Taufdatum haben. Wo in den vorhandenen Quellen diese Daten fehlen, sollten geschätzte Datumswerte eingetragen werden. Anhand von Beispielen aus der Honterusdatei erläuterte er diese Vorgehensweise.

In einem für alle Anwesenden wichtigen und interessanten Vortrag von Dr. Dietmar Gärtner ging es um die „Software für eine zentrale Datenhaltung der Genealogie der Siebenbürger Sachsen“. Dietmar Gärtner erklärte zwei unterschiedliche Konzepte: einerseits die lokale Datenerfassung, bei der jeder Mitarbeiter die Daten auf seinem PC bearbeitet und nur er Zugriff darauf hat; andererseits die Datenhaltung auf einem zentralen Server, auf den auch mehrere Mitarbeiter gleichzeitig zugreifen können.

Unser Projekt macht sich beide Konzepte zunutze: Die Daten der Mandanten werden mit dem Programm Gen_Plus auf dem eigenen Rechner eingegeben und in regelmäßigen Abständen in das Serverprogramm TNG übertragen. Es folgte die Präsentation der wichtigsten TNG Funktionen und wie sie von den Mitarbeitern verwendet werden können.

Zurzeit sind die Genealogien von 20 mittleren und kleineren siebenbürgischen Ortschaften sowie die Kronstädter Honterusdatei mit insgesamt mehr als 100.000 Personen auf diesem Server enthalten. Die Ortsgenealogien sind zurzeit nur für Mitarbeiter des Projekts zugänglich, die ihre Daten für TNG zur Verfügung gestellt haben

Die Zeit nach dem Abendessen wurde für Diskussionen genutzt. Ein Thema unter anderen war die Frage nach der komplizierten Beseitigung von Dubletten, doppelt eingegebenen Personen. Dazu wird Gisbert Berwe beim nächsten Seminar im März 2014 eine Anleitung geben.

Der Sonntag begann wie gewohnt mit der von Dr. Christian Weiss gehaltenen Morgenandacht.

Nach einer angeregten Diskussion über Anregungen aus dem Teilnehmerkreis sowie die nächsten Schritte zog Jutta Tontsch in der abschließenden Zusammenfassung der Tagung Bilanz. Sie freute sich über die lockere Atmosphäre, die von den insgesamt 60 Teilnehmern mitgestaltet und bestätigt worden sei.

Eine Reihe von Teilnehmern hätte einen Mitarbeiterantrag gestellt, sodass die Mitarbeitertabelle in Kürze aktualisiert werden könne.

Im Namen des Leitungsteams betonte sie die Notwendigkeit der Werbung für unser gemeinsames Anliegen, möglichst alle siebenbürgischen Gemeinden mit sächsischer Bevölkerung in unser Projekt einzubeziehen – das nötige Material ist vorhanden. Dringend gebraucht werden dafür auch Menschen, die alte Handschriften lesen und transkribieren können.

Alle Interessenten mögen sich die Termine für die nächsten geplanten Seminare vormerken: 21.-23. März 2014 und10.-12. Oktober 2014. 19. Ausgabe SbZ
Renate Weber

Andreas Alznerl


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Ahnenforschung

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“

Mit diesem Zitat des Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker möchte ich diesmal meinen Beitrag zur Ahnenforschung (Genealogie) beginnen.

Wie schon im Reichesdorfer Boten 46/2012 angekündigt, versuche ich mich intensiv mit diesem Thema zu befassen. Worin besteht nun die eigentliche Arbeit? In erster Linie musste ich beginnen, Datenquellen zu besorgen. Diese sind:

Taufmatrikel ab 1662
Trauungsmatrikel ab 1699
Totenmatrikel ab 1693
Friedhofregister 1934-1993
Todesanzeigen (Siebenbürger Zeitung und Reichesdorfer Bote)
Familienbücher – 3 Bände ab 19-tes Jahrhundert
Ahnenpässe
Internet (Amerika, Auswanderer)
Natürlich konnte ich bis jetzt nicht alle Fotokopien lückenlos besorgen. Es fehlen die Matrikel der Jahre 1735-1751, 1860-1885 sowie 1896-1949.

Die ersteren und zweiten werden wahrscheinlich nie mehr auftauchen, da sie schon von andern Genealogen vermisst wurden. Für die Kirchenbücher (Matrikel) der Zeitpanne 1896-1949 hab ich noch nicht herausfinden können, wo sie aufbewahrt sind, kann aber einen Großteil der Daten aus den 3 Familienbüchern entnehmen. Die Unterlagen befinden sich in Fotokopie bei mir. Weitere wichtige Unterlagen sind die mir zugesandten Bescheinigungen des Pfarramtes Reichesdorf (Dank an Alle, die der Bitte Folge geleistet und sie mir anvertraut haben). Um die Personendaten zu schützen, habe ich alle im Zusammenhang mit der Ahnenforschung bezogenen Daten auf einer externen Festplatte gespeichert, die nicht am Netz hängt. Der weitere, noch bei weitem nicht abgeschlossene Schritt ist nun das Erfassen der Daten in das EDV Programm Gen_Plus (ebenfalls auf der externen Festplatte), sowie die anschließende Auswertung. Bis zurzeit sind über 4700 Personen in über 1500 Familien erfasst. Natürlich sind da zum Teil nicht alle Daten (Trauung, Trauzeugen, Taufdaten mit Taufpaten, und in vielen Fällen fehlen die Todesdaten) erfasst, müssen nach und nach ergänzt werden. Ein schwieriges Problem ist die Lesbarkeit einiger Einträge von den jeweiligen Pfarrern. Trotz alledem macht die Arbeit sehr viel Spaß. Sehr traurig ist, dass die Kindersterblichkeit früher enorm hoch war. Ich habe Familien gefunden, in denen von 13 geborenen Kindern ein einziges überlebt hat. Lustig ist aber in diesem Zusammenhang, dass man sich oft auf einen Namen festgelegt hat, so habe ich in einer Familie viermal den Namen Anna, dreimal Regina, dreimal Friedrich vorgefunden, überlebt hat nur jeweils der oder die Letztgeborene. Sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass im 19.Jahrhundert die Trauungen (Kirche) jeweils Mittwoch stattfanden, den Grund hierfür habe ich noch nicht herausgefunden.

Ein weiteres sehr spannendes Thema ist die Auswanderung, angefangen mit dem Ende des 19. Jahrhundert bis in die heutigen Tage. Während des Seminars vom 4-6.10.2013 in Bad Kissingen habe ich sehr viele Informationen zu den drei Auswanderungswellen erfahren (erste, Ende des 19 Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg; zweite, zwischen den Weltkriegen und die dritte nach dem Zweiten Weltkrieg). Aus dem Familienbuch Band 3 habe ich eine Liste von über 160 Personen erstell, die nach Amerika ausgewandert sind (bis zum Ersten Weltkrieg).

Dieser Liste konnte ich dann eine weitere gegenüberstellen, die von einer in Amerika lebenden Siebenbürgerin erstellt wurde aus den Schiffslisten der auf Ellis Island (New York) angekommenen Auswanderer. In dieser Liste habe ich über 190 Personen mit der Angabe des Jahres der Auswanderung, von welchem Hafen und mit welchem Schiff. Natürlich sind nicht alle Daten bei allen Personen bekannt. Vor 1900 waren es 39 Personen, von 1900-1914 waren es 103 Personen, von denen das Ausreisejahr bekannt ist. Viele der erfassten Auswanderer sind nach einiger Zeit auch wieder nach Siebenbürgen zurückgekehrt und teils auch ein zweites Mal nach Amerika gezogen. Leider gibt es keine Daten zu der Dauer des Aufenthaltes in Amerika für die Rückkehrer. Kann nur errechnet werden an den darauf folgenden Familienereignissen in Reichesdorf. Einen weiteren ausführlichen Beitrag zur Auswanderung hoffe ich bis zum nächsten Boten erstellen zu können.

In der Folge möchte ich nochmals die Bitte an Alle richten, mir in Ihrem Besitz befindliche Unterlagen oder auch selbst gesammelte Daten zuzuschicken. Aus verschiedenen Gesprächen habe ich erfahren, dass sich viele Reichesdorfer mit dem Thema „Wer waren meine Vorfahren?“ befassen und auch Erfolge erzielt haben. All diese möchte ich bitten, sich mit mir in Verbindung zu setzten, um Daten und Quellen auszutauschen. Natürlich ist der Zeitaufwand sehr groß, macht aber Spaß. Für die materielle Seite sei hiermit ein Dank an die HOG ausgesprochen (für Seminarkosten, Software, Büromaterial).

Hans Alzner


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Hallo zusammen! 

Anbei das neue SEPA-Basis-Lastschrift-Mandat. Komplizierter Name und etwas mehr zum ausfüllen. :) Bitte das alte Formular ab sofort nicht mehr benutzen und auf der Webseite austauschen.

Schickt uns in Zukunft jemand das alte Formular, taugt das nichts. Diejenigen, die wir bisher erhalten haben, behalten ihre Gültigkeit.

Als Mandatsreferenz benutzen wir die Mitgliedsnummer, damit wir nicht noch einen weiteren Nummernkreis bzw. Fehlerquelle haben.

Die Satzung ist bezüglich der SEPA-Lastschrift anzupassen, da hier ansonsten eine Vorankündigung erfolgen muss.

Ich schlage vor, §4 Mitgliedsbeitrag wie folgt zu ergänzen:

3.a. Die Mitglieder sind damit einverstanden, dass die Vorabankündigung im Rahmen des SEPA-Verfahrens einvernehmlich verkürzt wird.

Der Einzug erfolgt immer jährlich zum 31.01 oder dem darauf folgenden Buchungstag. Abweichende Termine werden im letzten Booten des Vorjahres bekannt gegeben.

In den Booten muss noch Folgendes als Informationstext zum Thema Einzugsermächtigung/SEPA. (Wichtig: Die Info an die Mitglieder muss erfolgen!)

Wir verwenden Ihre uns vorliegende Einzugsermächtigung ab 01.01.2013 als SEPA-Mandat. Unsere Gläuber-ID für den Lastschrifteinzug lautet:

  DE80HOG00000633782

Als Mandatsreferenz verwenden wir Ihre Mitgliedsnummer. Den Mitgliedsbeitrag ziehen wir jährlich zum 31.01 oder dem darauf folgenden Buchungs-tag erstmalig am 31.01.2014 ein.

Grüße

Ernst


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Zum Neuen Jahr

Das alte Jahr vergangen ist,
das neue Jahr beginnt,
Wir danken Gott zu dieser Frist,
Wohl uns, die wir noch sind!
Wir sehen aufs alte Jahr zurück
Und haben neuen Mut:
Ein Neues Jahr, ein neues Glück.
Die Zeit ist immer gut.
Wir ziehen froh hinein,
Und: vorwärts, vorwärts, nie zurück!
Soll unsere Losung sein.

H. von Fallersleben
(Neujahrslied, gekürzt)

Allen ein Frohes und Gesegnetes Neues Jahr!

 Anna Mild


Anzeigeschluss 30. April und 31. Oktober

 


1. Vorsitzender: Werner Meyndt   82515 Wolfratshausen  Tel 08171/368983 
 Kassier: Ernst Kloos 51674 Wiehl Tel 02262/717708
Schriftführer:  Susanna Riemesch  74226 Nordheim   Tel 07133/964816
Herausgeber des Boten:  Heinrich Maiterth 33332 Gütersloh Tel 05241/40407   
Internet Hans-Christian Hienz  91550 Dinkelsbühl webmaster@reichesdorf.de
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Vorstandsmitglieder der Reichesdorfer HOG
Ernst Kloos, Gustav Hügel, Hans-Christian Hienz, Harald Hügel, Heinrich Hienz, Heinrich Maiterth (Neuenstein), Heinrich Maiterth (Gütersloh), Heinrich Waffenschmidt, Hermann Hügel, Martin Alzner, Susi Riemesch, Werner Meyndt


         























         
 

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