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Reichesdorfer Bote

    Jahrgang 29, Ausgabe 53                                                                                               Weihnachten 2015  

 
 

 
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Liebe Reichesdorfer
Statisitk vom 12 Juni 2015
Liebe Reichesdorfer
In einer Krippe ruht
Weihnachtsgebet
Bericht und Lage der Reichesdorfer HOG
Reichesdorfer Treffen 2015
Reichesdorfer Treffen
Gegen das Vergessen "Die besorgten Reichesdorfer"
Predigit Reichesdorfer Treffen 2015

Das 14 Reichesdorfer Treffen
Liebe Reichesdorfer
Eine Hommage an ALT- Reichesdorf
No Stress Bike&Like Nr2
Erfolgreiche Bizikeltour
Wiederbelebung mit Stil

Treppenbaukurs in Reichesdorf
Bartholomäus Bausner
"Af desser Ierd do äs e Lond"
Schloss Horneck bleibt unsere "Sachsenburg"
Für unsere Jüngsten "Max & Moritz"
Wissenswertes über Reichesdorf
Anzeigen
Aus dem Alltag unserer Landsleute: Riesentomate
Nachdenkliches in Reimen: Bauernstube
Der Wandersmann
Siebenbürgen Land des Segens
In den Reichesdorfer Kirchenbücher geblättert
Neujahrswunsch
Geh unter der Gnade

 
 



Liebe Reichesdorfer!

Es ist lange her, dass ich mich als Schüler am Ferienanfang danach sehnte, nach Reichesdorf zu fahren, um lange, schöne Sommer mit Freunden zu verbringen. Als Jugendlicher war es selbstverständlich, an Bällen, Hochzeiten und anderen Großereignissen teilzunehmen. Dabei begleitete mich stets ein gutes Gefühl, weil ich daheim war.
Nach meiner Hochzeit mit Renate hatten wir das Glück, aktiv am Dorfleben teilzunehmen. Meine Frau als Lehrerin und ich als Wirt, waren wir immer nah an den Menschen jeglicher Nationalität und konnten so erkennen, dass ein Dorfleben nur gemeinsam geht.
Vor ein paar Jahren konnte ich meine Securitate-Akte in Bukarest abholen. Meine Freude war sehr groß, weil in drei Ordnern keine einzige Notiz aus Reichesdorf aufzufinden war. Dabei musste ich an die Worte von Pfarrer Binder denken, dem es ähnlich gegangen ist.
Diese vielen Erlebnisse haben mich geprägt und geformt und mich auf meinem nicht immer leichten Lebensweg weitergebracht.
Umso erstaunter war ich, als ich im Sommer 2015 lesen musste, dass unsere HOG ohne Vorstand geblieben war.
Im Gespräch mit meinem Vetter Heinrich Maiterth konnte ich einen kleinen Einblick in das Verbandsleben bekommen, war aber skeptisch, ob ich als passives Mitglied mithelfen kann. Nach meinem Urlaub und vielen Gedanken über Heimat, ehemaligen Reichesdorfern und dem dramatischen Aufruf von Heinrich Maiterth im Netz, war ich entschlossen, für unsere HOG etwas zu tun. So konnte ich bei einer Telefonkonferenz mit Stolz meine Zustimmung für den kommissarischen Vorsitz bis zur nächsten Wahl geben. Einen Dank denen, die mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Ich werde alles mir Mögliche tun, um sie nicht zu enttäuschen.
Einen herzlichen Dank an den zurückgetretenen Vorstand Meyndt Werner und Riemesch Susanna für ihre nicht immer einfache Arbeit möchte ich aussprechen. Es bleibt mir die Hoffnung, dass sie uns auch weiter unterstützen.
Was werden meine Aufgaben und die des Vorstandes bis zu den Neuwahlen im Jahr 2017 sein?
Eine Lösung für die Friedhofspflege im Sinne der Reichesdorfer Mehrheit liegt mir besonders am Herzen. Aus diesem Grund habe ich dem Vorstand auch den Vorschlag gemacht, eine Umfrage an alle Mitglieder zu starten. Den Umfragebogen werden wir mit dem Reichesdorfer Boten zusenden. Bitte um zahlreiche Antworten, denn nicht beantwortete Bögen müssen wir als nicht notwendig einstufen.
Ein für uns Reichesdorfer wichtiges Thema wird der Aufmarsch zu Pfingsten in Dinkelsbühl sein. Für die Organisation hat sich Edith Hügel bereit erklärt. Es wird bestimmt ein schönes Bild sein, wenn auch wir in Tracht unter unserer neuen Fahne aufmarschieren. Auch da die Bitte, zahlreich mitzumachen und endlich zeigen, dass unser Feuer noch brennt!
Unsere Jugend, angeführt von Harald Hügel werde ich mit allen meinen Kräften unterstützen, mit der Gewissheit, dass noch viele Jugendliche von unseren Bräuchen und von unserem Zusammenhalt etwas mitbekommen. Ein besonderer Erfolg wäre, noch mehr Jugendliche und Kinder zum Skifahren mit allen seinen schönen Seiten zu verleiten.
Das große Treffen in Friedrichroda soll auch 2017 stattfinden. Dazu möchte ich alle Reichesdorfer einladen, auch diejenigen, die sich in den letzten Jahren von der Gemeinschaft zurückgezogen haben. Sie werden mitbekommen, dass es auch hier einen Zusammenhalt gibt.
Die Arbeit von Alzner Hans will ich fördern, damit auch für unsere Nachkommen Reichesdorf greifbar bleibt. Dazu die Bitte an alle, insbesondere an die Älteren: scheut euch nicht, eure Erfahrungen aufzuschreiben, helft mit, nehmt euch ein Beispiel an der Chronik von Daniel Bruckner. Das Interesse von manchem Nachkommen wird von diesem Werk geweckt werden.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr und verbleibe Euer Vorsitzender.

Gustav Maiterth., Wertingen, im Dezember 2015


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Statistik vom 12 Juni 2015


Dem Vorstand der Reichesdorfer HOG sind 640 Reichesdorfer und deren Angehörige bekannt. Davon sind 398 Mitglieder der Reichesdorfer HOG. 242 sind Nichtmitglieder.

                  


Liebe Reichesdorfer

Diesmal richte ich mein Wort nicht mehr als Vorsitzender, sondern nur als Reichesdorfer an Euch. Ich habe im August, nach 30 Jahren, mein Amt als Vorsitzender der Reichesdorfer HOG zur Verfügung gestellt, da meine Vorstellungen einer Heimatortgemeinschaft mit den Vorstellungen einiger Mitglieder nicht mehr übereinstimmen. Es entspricht nicht meiner Überzeugung, dass wir uns Reichesdorfer HOG nennen und das Dorf REICHESDORF total aus den Augen verlieren!
Ich gehe nicht im Bösen und ich werde der Reichesdorfer HOG weiterhin als passives Mitglied erhalten bleiben. In diesem Sinne wünsche ich meinem Nachfolger alles Gute.

Meck 

 


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In einer Krippe ruht

In einer Krippe ruht ein neugeboren
und schlummernd Kindlein; wie im Traum verloren,
die Mutter kniet, Weib und Jungfrau doch.
Ein ernster, schlichter Mann rückt tief erschüttert
das Lager ihnen, seine Rechte zittert
dem Schleier nahe um den Mantel noch.

Und an der Tür stehen geringe Leute,
mühsel‘ge Hirten, doch die ersten heute.
Und in den Lüften klingt es süß und lind,
verlor‘ne Töne von der Engel Liebe:
„Dem Höchsten Ehr und allen Menschen Friede,
die eines guten Willens sind!“

Anette von Droste-Hülshoff


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Weihnachtsgebet

Kind in der Krippe, ich bete zu dir, denn ich bin arm.
Ich bin arm, weil ich urteile und verurteile, wo ich kein Recht dazu habe.
Ich bin arm, weil ich zu schnell aufgebe und verlasse, wenn der Alltag mir zur Last wird..
Ich bin arm, weil ich die mir geschenkte Zeit unnütz vergeude, weil ich Dingen nachweine, die ich nicht wirklich brauche.
Ich bin arm, weil ich Nahrung im Überfluss habe und dennoch kein Herz für die Bedürftigen in der Welt.
Ich bin arm, weil meine Miene versteinert ist und meine Hand sich oft zur Faust ballt, weil ich Vergangenes nicht loslassen kann.
Ich bin arm, weil ich Macht missbrauche und Hass, Streit und Krieg zu rechtfertigen versuche.
Ich bin arm, weil ich mich am Lärm in der Welt beteilige und getrieben von falschem Ehrgeiz meine wahren Freunde nicht erkenne.
Ich bin arm, weil ich besessen bin zu studieren, ohne brauchbare Lehren daraus zu ziehen.
Ich bin arm, weil ich die Schönheit der Erde und der Natur nicht schätze und sie stattdessen gnadenlos ausbeute.
Ich bin arm, weil meine Flügel abgestumpft sind und ich zum Kriecher geworden bin.
Ich bin arm, weil Jammern für mich bequemer geworden ist als Beten.
Kind in der Krippe, ich bete zu dir, lass mich den wahren Reichtum erkennen.
Gib mir ein offenes Ohr und Verständnis für das Denken und Handeln meiner Mitmenschen, lass mich den Reichtum der Toleranz erkennen.
Gib mir den Mut, verzeihen zu können und Wege zu finden, die uns Menschen zusammenführen, lass mich den Reichtum des Miteinanders erkennen.
Gib mir die Weisheit, zu erkennen, was meine Reise mit Sinn erfüllt, lass mich den Reichtum des Augenblicks erkennen.

Gib mir die Fähigkeit, mir nur so viel zu nehmen, wie ich täglich brauche, lass mich den Reichtum des Gebens erkennen.
Gib mir die Kraft, alte Wunden heilen zu lassen und eine freundliche Hand zu reichen, lass mich den Reichtum der Versöhnung erkennen.
Gib mir die Geduld, unter verfeindeten Parteien ein gerechter Vermittler zu sein, lass mich den Reichtum der Gelassenheit erkennen.
Gib mir die leisen Töne der Musik, die Ruhe, die ich brauche, um meine stillen, wahren Freunde nicht zu überhören. Lass mich den Reichtum der Liebe, der Treue und des Vertrauens erkennen.
Gib mir die Einsicht, aus meinen Fehlern lernen zu dürfen, lass mich den Reichtum meiner Unvollkommenheit erkennen.
Gib mir einen offenen Blick für meine Umwelt, lass mich den Reichtum dieses kostbaren Erbes und meiner Verantwortung dafür erkennen.
Gib mir die Leichtigkeit eines Vogels bei der Bewältigung meiner alltäglichen Pflichten. Lass mich den Reichtum der Freiheit, Entscheidungen treffen zu können, erkennen.
Gib mir ein starkes Rückgrat und einen festen Glauben, lass mich den Reichtum des Betens erkennen.

Amen

Susanna Riemesch Wachsmann


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Bericht zur Lage der Reichesdorfer HOG

Zuerst möchte ich mich hiermit ganz persönlich bei unseren zurückgetretenen Vorstandsmitgliedern Werner Meyndt (Meck) und Susanna Riemesch (Wachsmann), für die jahrelange Arbeit bedanken.
Ich weiß, gemeinnützige Arbeit wird nie hoch genug bewertet und anerkannt. Es muss wohl eine große Portion Idealismus und Interesse am Gemeinwohl unseres Vereins da sein – um immer wieder weitermachen zu wollen und können.
Dafür habe ich euch geschätzt und möchte euch meinen Respekt zollen, ihr seid oft hingefallen, aber immer wieder aufgestanden, irgendwann aber bleibt man liegen und gibt auf.
Meck, du hast die Geschicke unserer HOG fast 30 Jahre lang geführt, es war nicht immer einfach jeden Wunsch zu erfüllen. Dabei denke ich, dass die Reichesdorfer es dir nicht all zu leicht gemacht haben.
Erinnern will ich an die Situation aus dem Jahr 2008. Damals ging es um die finanzielle und strukturelle Situation der HOG.
Nach einer gründlichen Umstrukturierung schien alles zu laufen. Der Slogan „Ich bin stolz ein Reichesdorfer zu sein“ stimmte wieder.
Es wäre schön, wenn du uns auch weiterhin mit deiner Erfahrung, mit Rat zur Seite stehst.
Auch dir, Susi. sei Dank gesagt, für all deine Mühen im Sinne unserer Reichesdorfer HOG.
Sicher, auch wir sind nicht immer der gleichen Meinung gewesen, aber mit ein bisschen gutem Willen und ein bisschen einer dem andern zuhören, kann man oft Dinge regeln die den Anschein haben unlösbar zu sein.
Du hast dich mit dem Job als Schriftführerin identifizieren können. Ich gehe davon aus, dass du zumindest dem Reichesdorfer Boten und der umfangreichen Arbeit ihn zu erstellen, die Treue hältst (hast du mir versprochen).
Wie geht es weiter?
Fakt ist, das es Missverständnisse innerhalb des Vorstandes und erweiterten Vorstandes gab.
Diese Missverständnisse waren der Anlass der Kündigung unseres Vorsitzenden und unserer Schriftführerin.
Die Entscheidung zur Kündigung wurde vom erweiterten Vorstand akzeptiert.
Auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz hat sich der erweiterte Vorstand darauf verständigt, die „Reichesdorf HOG“ will weiter machen.
Meck steht uns bis Ende des Jahres kommissarisch als Vorsitzender zur Verfügung und hat auch für danach seine Hilfsbereitschaft angekündigt, die Kontakte zu andern HOG zu vermitteln, den einen oder anderen Rat zu geben. Er hat zwar kein Stimmrecht mehr, vertritt uns aber nach außen hin bis ein Vorsitzender, bzw. Vorsitzende gefunden ist.
So wie ich Susi verstanden habe, möchte sie beim Reichesdorfer Boten auch weiterhin ihre Berichte verfassen, den einen oder andern Kommentar zum Besten geben. (ich freue mich drauf)
Bis zu den nächsten angesetzten Wahlen, (Treffen in Friedrichroda 2017) muss nun eine Interimslösung her.
Nach Abstimmung vom 19. August 2015, des erweiterten Vorstandes, wird die Reichesdorfer HOG kommissarisch von folgenden Personen vertreten:

Vorsitzender: Gustav Maiterth
Kassenwart: Ernst Kloos
Schriftführer: Heinrich Maiterth
(Reichesdorfer Bote)

Erweiterter Vorstand: Harald Hügel, Martin Alzner, Heinrich Hienz, Hermann Hügel, Heinrich Maiterth / Neuenstein, Gustav Hügel, Hans-Christian Hientz, Hans Hügel, Heinrich Maiterth / Gütersloh.

Heinrich Maiterth


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Reichesdorfer Treffen 2015
Brücken bauen

„Brücken bauen“, das Motto des 14. Reichesdorfer Heimattreffens im thüringischen Friedrichroda, war ein anspruchsvolles Motto. Seine Tiefe wurde aber allen erst im Lauf der Zeit recht bewusst. In der Anlaufphase schien es, als ob etliche Reichesdorfer/innen dem Treffen fernbleiben wollten. Wir sollten eines Besseren belehrt werden. Am 29. Mai 2015 kamen die ersten Gäste angereist, es gab herzliche Begrüßungen und den ersten Gedankenaustausch, eben die ersten Brücken zwischen gestern und heute. Samstag, den 30. Mai gab es dann den großen Ansturm. Über 160 Reichesdorfer/innen und deren Freunde gaben sich die Ehre, an diesem Treffen teilzunehmen. Meine Freude hielt sich aber in Grenzen, da ein Rundgang in Gedanken durch unser Reichesdorf der 80-er Jahre mich feststellen ließ, wie viele Brücken eigentlich abgebrochen wurden zu unserer Gemeinschaft hier in Deutschland. Der „ Reichesdorfer Bote“ wird an ca. 200 Haushalte verschickt, die „Siebenbürgische Zeitung“ kommt in gerade mal 82 Haushalte. Da frage ich mich, wo ist der Stolz geblieben, ein Siebenbürger Sachse zu sein? Hat man nun die Leistungen und den Zusammenhalt unserer Vorfahren denn vergessen, oder ist es ihnen peinlich, sich hier als Siebenbürger Sachse zu outen? Ich hoffe trotzdem, dass sich auch mit diesen Personen neue Brücken aufbauen lassen, und in unseren Kreis zurückkehren.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen ging es in die Stadt zur evangelischen St.Blasius-Kirche. Pfarrer Harald Schneider griff in seiner Predigt natürlich auch das Motto „Brücken bauen“ auf. Brücken werden über Täler gebaut aus Stein, Brücken werden zwischen Menschen gebaut, Brücken werden auch im Glauben gebaut. Leider werden auch immer wieder Brücken abgebrochen, weil sie nicht mehr genutzt werden. Besonders angesprochen haben mich zwei Verse eines der Kirchenlieder:- „Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehen. Ich möchte hinter Zäune schauen und über hohe Mauern gehen. Ich möchte gern dort Hände reichen, wo jemand harte Fäuste ballt. Ich suche unablässig Zeichen des Friedens zwischen Jung und Alt.“

Der Gottesdienst wurde musikalisch von unseren ausgezeichneten Sängerinnen und Sänger, unter der Leitung unseres Organisten Hans Hügel, gestaltet und somit gleichwohl eine Brücke in die Vergangenheit, eine Zeit in Reichesdorf, der Geborgenheit in unserer Reichesdorfer Kirche. Die große Gruppe der Trachtenträger verstärkte umso mehr die Verbundenheit mit unserer alten Heimat.
Ein Spaziergang führte uns dann aus dem Tal hinauf in das Ahorn Hotel, wo unser Fest so richtig in Fahrt kam. Nach einer Stärkung mit mitgebrachtem Kuchen und Kaffee vom Hause, wurde der offizielle Teil mit dem Bericht des Vorsitzenden, Werner Meyndt, fortgeführt. Da während der letzten beiden Jahre uns leider 40 Gemeindeglieder durch Tod verlassen haben, wurde mit einer Schweigeminute ihrer gedacht. Ein besonders großer Verlust war der Tod von Gredi Mattes, unsere besonders aufopferungsvolle Schriftführerin, der es besonders am Herzen lag Brücken zu bauen zwischen den nun im ganzen Bundesgebiet und über die Grenzen verstreuten Landsleute.
Werner Meyndt erinnerte an das letzte Treffen 2013, sowie an die tollen Skiwochenenden im Skigebiet Wildkogel, wo gemeinsam mit Landleuten aus Meschen wunderbare Tage erlebt wurden. Auch hier wurden Brücken gebaut, indem Freundschaften erneuert wurden und andere neu entstanden.

In seiner Ansprache würdigte er die Arbeit von Heinrich Maiterth, Verantwortlicher für den zweimal im Jahr erscheinenden „Reichesdorfer Boten“, sowie für die alljährliche Herausgabe eines Kalenders mit Bildern aus Reichesdorf, wobei auch hier eine Brücke zur alten Heimat entsteht. Weiter dankte er Susanna Riemesch als Schriftführerin und für ihre redaktionelle Arbeit am Boten.
Besondere Aufmerksamkeit galt auch der von Hans Alzner geleisteten Arbeit in Zusammenhang mit der Ahnenforschung, in der die Matrikel (Taufe, Trauungen und Tod) der evangelischen Kirche Reichesdorf erfasst werden. Ein besonderer Dank gebührt Hans-Christian Hienz, der den Internet-Auftritt der HOG Reichesdorf betreut.
Nicht zuletzt ein Dank an alle Mitglieder des Vorstandes, die zum Gelingen dieses Treffens beigetragen haben.
Im Folgenden berichtete Susi Riemesch von den zur alten Heimat Reichesdorf zu bauenden Brücken. Wiederholt, zwischen den Reichesdorfer Treffen hier in Deutschland, gibt es die Treffen in Reichesdorf, die immer mehr an Beliebtheit gewinnen. Auch plädierte sie für die materielle Unterstützung der vor Ort tätigen Organisationen beim Erhalt der kirchlichen Bauten und des Friedhofes.
Der Bericht des Kassiers (begründete Abwesenheit) und der Prüfer wurde als vorgetragen betrachtet, da er ausführlich im Boten präsentiert wurde.
Turnusgemäß stand dieses Jahr nun die Wahl eines neuen Vorstandes an. Heinrich Bruckner wurde als Wahlleiter bestellt. Ihm zur Seite wurden noch Edith Hügel und Heidi Stolz gewählt. Bevor aber die Wahl fortgesetzt wurde, wurde der alte Vorstand einstimmig entlastet.
Nach Rücksprache mit den Mitgliedern des alten Vorstandes, die sich bereit erklärten, auch für die nächste Amtsperiode bereit zu stehen, wurde per Handheben wie folgt gewählt:- Werner Meyndt – Vorsitzender, Susanna Riemesch – Schriftführerin und Ernst Kloos- Kassier (in Abwesenheit), wurden einstimmig gewählt.
Nach Ablauf des offiziellen Teils gab es tolle Musik und sehr gute Stimmung. Eine kleine Gruppe junger Frauen präsentierte einen Sketch, der zur Belustigung beitrug. Das Fest hielt bis spät in die Nacht an.
Am Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen mit dem Versprechen, die eben aufgebauten Brücken zu pflegen und zu den daheim gebliebenen neu aufzubauen.

Hans Alzner


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Reichesdorfer Treffen

Reichesdorfer Treffen war angesagt,
wie hat uns Wochen vorher die Erwartung geplagt!
Wir konnten es kaum erwarten unsere Reise zu starten.
Ja, wir machen eine Reise,
eine Reise machen wir!
Wer wird heute nun dabei sein,
Ja wer, dass sehen wir.
Ich weiß nicht, wie es mir geschah,
doch plötzlich war die Begrüßung –
Umarmung, die Wiedersehensfreude da.

Ich spürte den Atem, die Berührung jeder Brust.
Da! plötzlich wurde mir bewusst:
Hier ist Heimat! Wo Menschen
sich friedlich umarmen und freuen,
Ja, hier kann wohl auch Heimat sein!
Geschafft war nun die erste Hürde,
das erste Glas geleert in Würde.

Wir danken dem Vorstand für die Einsatzbereitschaft
und hoffen weiter auf gute Freundschaft.
Die vielen Trachtenträger, ob Frau oder Mann
Macht weiter so und denkt daran,
unser Brauch soll nicht verloren gehen,
denn ihr wart alle wunderschön!

Als von dem Chor das Lied erklang
„Führe uns, Heiland, an liebender Hand
durch dieses Leben zum himmlischen Land“,
da wurde so manchem Herze wohl bang,
eine Weile die Alltagssorgen vergessen,
und heimlich ein paar Tränen vergießen.
Es wurde viel gelacht und gesungen,
dann das Tanzbein kräftig geschwungen,
Mitmachen, dabei sein
und sich von Herzen freuen.
Wir haben diese Zeit genossen!
Es nahte sich der Abschied,
ein paar Tränen flossen,
noch eine Umarmung, es war so schön!
Bis in zwei Jahren, Auf Wiedersehn!
Folgender Spruch kam mir noch zu Ohren:
So ist der Lauf der Welt, es stirbt, was uns gefällt!
Doch was uns widerstrebt, das hocket da und lebt!

Katharina Mätz


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Gegen das Vergessen
Die besorgten Reichesdorfer

Vor ein paar Wochen haben wir mit Bedauern erfahren, dass unser Vorsitzender und unsere Schriftführerin zurückgetreten sind. Nach mehrfachem Nachfragen wurde uns auch gesagt, warum und wir müssen sagen, dass wir das nachvollziehen können!
In unserer Satzung ist festgelegt, dass Reichesdorf unterstützt werden soll. Auf dem Reichesdorfer Treffen im Mai haben wir auch abgestimmt darüber, dass ein paar Projekte finanziell unterstützt werden sollen, die Mehrheit stimmte dafür. Dies wird nicht eingehalten, da der erweiterte Vorstand in dieser Sache eine ablehnende Haltung hat. Wieso? Wieso hat der erweiterte Vorstand überhaupt ein Stimmungsrecht, mit so vielen Stimmen? Sie wurden von den Mitgliedern der HOG NICHT gewählt! Wir, die Mitglieder, wussten nicht, dass jeder einzelne im erweiterten Vorstand eine Stimme hat! Wieso eigentlich? Nach unserer Erkenntnis sollte der erweiterte Vorstand den Vorsitzenden unterstützen! Wir hatten volles Vertrauen in unseren Vorsitzenden!
Wieso hatte der Kassier, nachdem er in Abwesenheit wiedergewählt wurde, nach den Wahlen abgedankt? Und jetzt ist er doch zurück? Was macht ihr dort für eine Vetternwirtschaft? Wir erwarten ein paar Antworten im nächsten Boten, da wir sonst aus der HOG austreten werden!
Wir besuchen unser Dorf nicht regelmäßig, aber wir wissen, dass sich dort etwas tut und das sollten wir unterstützen. Wozu brauchen wir denn sonst diese HOG? Für unsere Mitgliedsbeiträge? Den Boten? Die Treffen? Und was mit dem Dorf ist, ist uns egal? Lieber erweiterter Vorstand, fahr mal hin, denk mal darüber nach, wenn du singst „Rechesderf, men Harzgemin“ und wenn du dabei nichts fühlst für dein Heimatdorf, darfst du nicht für uns sprechen!
Lieber Meck, wir danken dir für die vielen Jahre als Vorsitzender! Liebe Susi, auch dir Danke! Wir schicken dir diesen Brief, damit du ihn korrigierst und an Hein weiterleitest. Danke Hein, dass du unseren Text druckst!
Allen Reichesdorfern wünschen wir „Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!“

Die besorgten Reichesdorfer!


Predigt Reichesdorfer Treffen 2015

4. Sonntag nach Trinitatis
Lukas 6,36-42
36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.
38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.
39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?
40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.
41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?
42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
1. Ob Jesus auch manchmal einkaufen gegangen ist? Warum eigentlich nicht? Mit dem Bild von einem übervollen Maß, wie es beim Abwiegen von Getreide zum Einsatz kam, schildert Jesus eine vertraute Szene aus dem Alltag, die seine Hörerinnen und Hörer vermutlich auch kannten. Das Abwiegen von Getreide mit einem damals üblichen Hohlmaß.
Mit diesem Bild beschreibt Jesus Gottes Barmherzigkeit.
Da wird gedrückt und geschüttelt und immer noch mehr hinzugefügt, da wird das Behältnis fest auf den Untergrund aufgeschlagen, damit der Inhalt sich verdichtet und so noch einmal mehr hineinpasst; so lange bis das Maß überläuft.
So großzügig ist Gott uns gegenüber, sagt Jesus, so barmherzig. Genau so, sagt er, sollt auch ihr miteinander umgehen.
Seid barmherzig wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.
Soviel Großzügigkeit ist den Menschen damals vermutlich nur selten begegnet. Die Zeiten waren hart, Lebensmittel teuer. Gerade vor diesem Hintergrund tritt die Großzügigkeit dieses über jedes Maß hinaus Gebens deutlich hervor.
2. Solcherart Großzügigkeit begegnet auch heute eher selten. Zwar gibt es allenthalben Sonderangebote und doch gibt es fast alles, was wir für den täglichen Bedarf brauchen in festen Größen. Abgemessen und gewogen. Sogar die Größe und die Form des Apfels, den man im Supermarkt kaufen kann, entsprechen solchen festgelegten Normen. Auf jeder Lebensmittelverpackung ist genau vermerkt, wie viel drin ist. Füllhöhe, Nettoeinwaage und Abtropfgewicht.
Ein Wochenmarkt bietet da oft noch ein anderes Einkaufserlebnis. Da kann die Kundin auch heute bisweilen noch selbst in die Tasche füllen, was und wie viel sie haben möchte. Und manchmal fragt der Händler: Darf es etwas mehr sein? Natürlich kommt er dann mit dem Preis entgegen. Oder die Marktfrau packt noch etwas oben zu. Sie weiß: Es kann lohnend sein, die Kunden großzügig zu bedienen, denn dann kommen sie wieder. Weil sie günstig eingekauft haben und weil es Freude macht, großzügig bedacht zu werden.
Natürlich hat es Vorteile, wenn man sich darauf verlassen kann, dass Handelsgüter genormt sind. Das schützt vor Betrug und macht Preis und Leistung vergleichbar. Schöner ist es aber, wenn es in der persönlichen Begegnung anders möglich ist. Wenn Maß und Norm auch einmal außer Acht gelassen werden.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.
Barmherzigkeit, ebenso wie Großzügigkeit sind Haltungen, die den, der sie erfährt, nicht unberührt lassen. Sie können ansteckend wirken.
Der Volksmund weiß: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.“ Jesus sagt: Gott ruft als erster in den Wald hinein. Von ihm her kommt uns alle Liebe und Barmherzigkeit zuerst entgegen. Daran sollen sich Christinnen und Christen, Jüngerinnen und Jünger Jesu, orientieren. Denn Gottes Barmherzigkeit soll sich fortsetzen in der Barmherzigkeit der Menschen untereinander. So kann die Barmherzigkeit der Menschen dann wiederum zum Zeugnis werden für die Barmherzigkeit Gottes.
3. Ganz so einfach funktioniert es in der Praxis leider nicht. Das wusste auch Lukas. Im 6. Kapitel seines Evangeliums, aus dem unser Predigttext entnommen ist, fasst er Jesusworte in der so genannten Feldrede zusammen. Worte, die der Gemeinde helfen sollen, mit ihren Gegnern, aber auch miteinander umzugehen. Die Feldrede ist so etwas wie ein ethisches Grundsatzprogramm für das Gottesreich, das mit Jesu Wirken schon angebrochen ist. Die Feldrede stimmt in Teilen mit der Bergpredigt des Matthäus überein, sie setzt an manchen Stellen andere Akzente.
Zentrale Fragen des Zusammenlebens stellten sich in den christlichen Gemeinden zur Zeit des Lukas genau wie heute. Wie soll man mit Verfehlungen einzelner Gemeindeglieder umgehen? Wie mit Verletzungen, die der eine dem anderen zufügt? Wer hat wem etwas zu sagen, wer wem etwas vorzuschreiben, wenn es um Fragen des Glaubens geht? Und wie können wir Kritik üben und mit ihr umgehen, zumal wenn es um die Frage geht, was christlich, was unchristlich, was richtig und was falsch ist?
Jesus ermutigt dazu, großzügig miteinander umzugehen. Barmherzig zu sein, nicht zu richten, nicht zu verdammen, zu vergeben und zu geben und zwar reichlich. Orientiert euch dabei an Gott, der genauso mit euch handelt. Das ist wohl die wichtigste Aussage in diesem Textabschnitt.
Die folgenden zwei Gleichnisse illustrieren die Notwendigkeit, sich an Gott beziehungsweise an der Lehre Jesu zu orientieren, ziemlich drastisch: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Zwei Gleichnisse, die beide etwas mit der Wahrnehmung und der Selbstwahrnehmung Einzelner zu tun haben. Dabei geht es um mehr, als nur um mangelnde Einsicht oder Selbstkritik. Sondern um das Ausblenden der göttlichen Sichtweise, der Maßstäbe Gottes.
Ein Blinder kann keinen Blinden führen – ein Schüler kann sich nicht über seinen Meister stellen. Will sagen: Wer in der Gemeinde anderen Wegweisung geben möchte, kann das nur tun, indem er selbst der Wegweisung seines Meisters, Jesus, folgt. Wer sich selbst als moralisches Vorbild ansieht und aus dieser Position heraus andere kritisiert, muss sich fragen lassen: Wie hältst du es mit den Maßstäben, die Gott an dich anlegt und von dir fordert? Wie hältst du es mit der Barmherzigkeit? Folgst du noch dem Jesus, der Sünder nicht verdammt, sondern ihnen die Möglichkeit zur Umkehr eröffnet hat? Oder folgst du vor allem deiner eigenen Moral oder der, die du dir selber zugute hältst? Dann hast du um ein heutiges Bildwort zu gebrauchen, ein gewaltiges Brett vor dem Kopf.
Machen wir uns nichts vor: Nichts ist einfacher, als in die Rolle eines Richters zu geraten. Trennungen, Ehescheidungen, Familiengeschichten um vernach-lässigte Kinder oder alte Eltern, bis hin zum Übergewicht oder dem Alkoholkonsum. Geschichten wie diese finden sich überall. Und wie schnell stimmt man selbst ein in den Chor derer, die es schon immer gewusst haben und bei Eintreten des Vorhergesagten genussvoll die Schuldfrage verhandeln. Gern auch mit dem Zusatz: Und christlich ist das alles auch nicht.
4. Ob Jesus manchmal einkaufen gegangen ist? Er und seine Jünger waren sicher häufig auf die Großzügigkeit anderer angewiesen. Ganz sicher gab es auch zu Jesu Zeiten schon Händler, die trotz der harten Zeiten großzügig abmaßen. Noch mehr zu geben, soviel, dass das Getreidemaß überläuft, konnte sich vermutlich damals kein Getreidehändler so ohne weiteres leisten. Die Zeiten waren hart, die meisten Leute mussten sehen, wie sie sich über Wasser halten. In solchen Zeiten ein Maß bis zum Überlaufen zu füllen, war mehr als eine schöne Geste. Kaum zu glauben, werden die Jünger vielleicht gedacht haben, dass jemand so etwas tut. Und doch sagte Jesus, wird Gott euch genauso zumessen. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.
Auch heute, in unserer Alltagswelt, in der so vieles abgewogen und genormt ist, brauchen Menschen die Erfahrung, dass es auch anders geht. Dass es möglich ist, nach anderen Maßstäben behandelt zu werden, als nur nach dem, was recht und billig wäre.
Nach Gottes Willen darf es gern etwas mehr sein: Mehr Barmherzigkeit, mehr Großzügigkeit, mehr Geben. Die Frage nach Maß und Gewicht können wir dabei ruhig mal außer Acht lassen. Gott macht es ja schließlich auch. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft ,bewahre eure herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

EG-Nr.543 (Württembergisches Gesangbuch)

Geh unter der Gnade,
geh mit Gottes Segen;
geh in seinem Frieden,
was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade,
hör auf Gottes Worte;
bleib in seiner Nähe,
ob du wachst oder ruhst.

Strophen

1. Alte Stunden, alte Tage
lässt du zögernd nur zurück.
Wohl vertraut wie alte Kleider
sind sie dir durch Leid und Glück.

2. Neue Stunden, neue Tage
zögernd nur steigst du hinein.
Wird die neue Zeit dir passen?
Ist sie dir zu groß, zu klein?

3. Gute Wünsche, gute Worte
wollen dir Begleiter sein.
Doch die besten Wünsche münden
alle in den einen ein:

EG-Nr. 649 (Württemberg)
1. Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Laß mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.

2. Ich möchte gerne Brücken bauen,
wo alle tiefe Gräben sehn.
Ich möchte hinter Zäune schauen
und über hohe Mauern gehn.

3. Ich möchte gern dort Hände reichen,
wo jemand harte Fäuste ballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen Jung und Alt.

4. Ich möchte nicht zum Mond gelangen,
jedoch zu meines Feindes Tür.
Ich möchte keinen Streit anfangen;
ob Friede wird, liegt auch an mir.
5. Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Laß mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.


Liturgische Vorschläge
Tagesgebet: Gütiger Gott, Mutter der Barmherzigkeit, Du gibst gern reichlich. Du beschenkst uns großzügig mit Deiner Gnade und vielen anderen Gaben. Hilf uns, dass auch wir lernen, großzügig zu sein, selbst dann, wenn uns jemand Unrecht tut, selbst dann, wenn jemand vielleicht selbst schuld ist am eigenen Elend. Dir und Deinem Urteil dürfen wir alles anvertrauen, was unter uns unvollkommen ist. Dafür danken wir Dir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn.
Amen.
Fürbitten: Lieber Vater im Himmel, weil Du barmherzig bist, hast Du uns geboten, willst Du, dass auch wir Lasten teilen, einander vergeben
und auch untereinander barmherzig sind. Durch Jesus Christus hast Du uns gezeigt, wie tief Deine Liebe und Barmherzigkeit in das Leben von jedem von uns hineinreicht. Wir bitten Dich, stärke und ermutige uns dazu, dieses Zeugnis Jesu weiter zu tragen, hinein in eine Welt, in der viele Menschen nie erleben, was Barmherzigkeit ist. Es liegt auch an uns, und an der tätigen Hilfe und Nächstenliebe vieler mutiger Christinnen und Christen überall auf der Welt, wenn Menschen Deiner Liebe heute noch glauben können. Wir bitten Dich, sei denen nahe, die den Glauben an Deine Liebe und Barmherzigkeit verloren haben, weil sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll, weil ihnen Unrecht getan wurde, weil sie von Menschen im Stich gelassen wurden, weil sie allein mit Krankheit oder Kummer fertig werden müssen. Hilf uns, dass wir denen nicht aus dem Weg gehen, die uns brauchen. Und lasse uns nicht vorschnell über die urteilen, die es uns schwer machen. Lasse uns teilhaben an der Freude, mit der Du gibst, lasse uns immer wieder froh werden über alles, was uns und unseren Mitmenschen unverdient zu Gute kommt.
Amen.

Pfarrer Harald Schneider



Das 14. Reichesdorfer Treffen
aus der Sicht des damaligen Vorsitzenden.

Stellt Euch vor, ich war schon vierzehnmal beim Reichesdorfer Treffen dabei, ich habe keines ausgelassen! Ist das nun gut oder schlecht? Und wer kann das noch von sich behaupten? Einen Nachteil hatte ich als Vorsitzender, ich konnte nicht sagen, dieses Treffen lasse ich mal ausfallen, diesmal fahre ich nicht hin!
Nun hattet Ihr, die Anwesenden, mich einstimmig wieder zum Vorsitzenden der Reichesdorfer HOG gewählt. Sollte ich stolz darauf sein oder enttäuscht? Ich hatte ja noch nie eine Abstimmung gewonnen, in der auch ein Gegenkandidat sich hatte aufstellen lassen! War das nun ein Zeichen, dass ich bisher alles richtig gemacht hatte, oder stellt sich bloß keiner hin, weil er sich die Arbeit nicht antun möchte?
Dieses Treffen war für mich das entspannteste! Ahornhotel Friedrichroda organisiert alles sehr perfekt und zuverlässig, sodass nicht mehr viel Arbeit vor Ort wartet. Anmeldungen laufen alle über das Hotel, der Verantwortliche wird über die Anmeldungen informiert, läuft alles wie am Schnürchen!
Dann das Treffen. Freitag Anreise, gleich ins Panoramarestaurant, da trifft man ja immer Reichesdorfer. Ein bisschen reden über dies und das, dann eine kleine Vorstandssitzung, um die Dinge des folgenden Tages zu erörtern.
Samstag der große Tag! Na ja, was soll denn schon schiefgehen, war ja alles perfekt organisiert! Von wegen! Als Hans Hügel und ich um 13.00 Uhr vor verschlossener Kirche standen und um 13:15 immer noch niemand zum Aufsperren eintraf, lief es mir schon heiß und kalt über den Rücken. Die Leute befanden sich schon auf dem Fußmarsch vom Hotel zur Kirche und Hans hatte auch noch nicht mal die Orgel ausprobiert! Doch zum Glück, nach einigen Fragen in den umliegenden Geschäften, hatten wir die Adresse der Mesnerin herausbekommen. Diese wusste nichts von einem Gottesdienst und sagte uns, dass der Pfarrer sogar verreist sei! Der Pfarrer hatte den Termin verschwitzt und ich habe versäumt, vorher nochmal nachzufragen! Doch nach gutem Zureden von Hans Hügel rückte die Mesnerin den Schlüssel der Kirche heraus und so haben wir alle einem schönen Gottesdienst beiwohnen können, ohne dass jemand etwas von dem Malheur mitbekommen hat!
Das Treffen verlief dann reibungslos mit einigen kurzen Ansprachen, mit der Wahl, mit einigen Abstimmungen über ja oder nein. Danach der unterhaltsame Teil mit Musik und Tanz bis in die frühen Morgenstunden! Zwischendurch ein gelungener Sketch, welcher mich und auch alle Anwesenden sehr erfreut hat und welcher auch sehr gut angekommen ist! Hiermit möchte ich nochmal der Regisseurin und Mitspielerin Susi Riemesch und den Laienschauspielern Kathi Roth, Frau von Georg Roth; Renate Hartmann, Frau von Martin Hartmann; Edith Hügel, Regina Hartmann und Edda Nemenz herzlich danken und sagen: Macht weiter so!
Am nächsten Morgen gab es noch ein reichhaltiges Frühstück und dann ein Verabschieden bis in die Mittagstunden!

Meck


k


Liebe Reichesdorfer

Ich möchte mich auf diesem Wege bei euch allen für das mir entgegen gebrachte Vertrauen bedanken.! Ich bin nun nicht mehr im Vorstand der HOG tätig, was mir einerseits leid tut, aber andererseits eine unvermeidbare Schlussfolgerung der Geschehnisse rund um Reichesdorf war. In unserer HOG ist laut Satzung die Mitgliederversammlung für Beschlüsse zuständig und ein gewählter Vorstand hat die Pflicht, diese durchzuführen. Meiner Meinung nach wurde die Satzung wiederholt missachtet und meine Bedenken darüber stießen auf taube Ohren, folglich konnte ich die Verantwortung nicht länger mittragen!
Weiterhin wichtig ist mir alles rund um Reichesdorf und die Reichesdorfer, unabhängig deren Mitgliedschaft in der HOG. Deshalb werde ich mich auch in Zukunft gerne bei der Gestaltung des Reichesdorfer Boten und unserer Treffen in Friedrichroda und Reichesdorf einbringen, getreu dem Motto ¨Brücken bauen¨.
Reichesdorf feiert nächstes Jahr ein ganz besonderes Jubiläum- unser altes Reichesdorfer Wappen wird 500 Jahre alt! Angesichts der kurzen Reise, die ein Menschenleben ist, ein beeindruckendes Bestehen! Nehmen wir es als Anlass, dieses Ereignis gemeinsam in Reichesdorf zu feiern! Seid dabei!
Um ein paar unvergessliche Tage in Reichesdorf zu erleben, habe ich, gemeinsam mit wunderbaren Menschen dort, ein kleines kulturelles Programm geplant: Übernachtung im Heu mit Betreuung, Workshops in der alten Schreinerei bei Christian Rummel, Filzwerkstatt im Saal, Webstuhlschule mit Helen, Weinprobe, gemeinsames Kochen, Kutschfahrten… und natürlich Feiern! Genauere Informationen ergehen nach Anmeldung zu einem späteren Zeitpunkt. Wer gerne dabei sein möchte, soll sich telefonisch bei mir anmelden. Tel. Susi 07133/ 964816
Auch bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten kann ich gerne behilflich sein.


04.—08. August 2016

Nun wünsche ich euch ein besinnliches Christfest im Kreise eurer Lieben und ein gesundes Jahr 2016!

Susanna Riemesch Wachsmann
Email: susanna.riemesch@yahoo.com
Mobil: 0179 1386674


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Ein Hommage an ALT - Reichesdorf

Es ist das Reichesdorf meiner frühen Kindheit und dauerte bis zu meinem 12. Lebensjahr. Plötzlich war da nichts mehr so wie früher, wie vorher. Heute möchte ich aber nicht über jene verhängnisvolle Zeit sprechen, welche ab Herbst 1944, die in Jahrhunderten gewachsenen siebenbürgisch-sächsischen Strukturen, jene einmalige Ordnung, für immer zerstörte.
Nein, nicht über jene Zeit, welche die heutige mittlere und jüngere Generation gekannt und erlebt hat. Heute möchte ich einiges über das Reichesdorf meiner Kindheit berichten, so wie es heute noch in der Erinnerung der über Achtzigjährigen lebt.
Da war ein Dorf, unter vielen sächsischen, in welchem in unermüdlichem Fleiß gearbeitet wurde. Der Ertrag der harten Feldarbeit wurde in den vollen Erntewagen eingebracht. Die Scheune, der Keller, der Dachboden wurden mit den Früchten der Arbeit gefüllt. Die Gespanne und Wagen ächzten unter der Last des Ertrages. Die hochbeladenen Heuwagen und jene mit den goldenen Weizengarben konnten sich kaum unter den hochgewölbten Torbogen hindurchzwängen. Die Kartoffeln, der Mais und noch so vieles mehr, wurde geerntet und eingebracht. Als Krönung des Erntejahres, wie hätte es in einem Winzerdorf auch anders sein können, war die Weinlese. Die vollen Bütten mit der Traubenmaische wurde zur Kelter gebracht, welche zu jedem Hof dazugehörte.
Vor meinem inneren Auge werden jene damaligen Bauerngestalten wieder lebendig. Der Kirchgang an Sonn-und Feiertagen, wo Männer und Frauen, einheitlich gekleidet in dunkeln Kirchengewändern, nach einer arbeitsreichen Woche dem Ruf der Kirchenglocken zum Gottesdienst, folgten. Ich habe sie gesehen und erlebt. Harte, schwielige Bauernhände falteten sich zum Gebet und baten um Gottes Segen für die Ernte. Zum Klang der Orgel sangen die Männer und Frauen, die konfirmierte Jugend, welche der Bruderschaft und Schwesternschaft angehörte und auch wir Kinder sangesfreudig des Herren Lob. Manch einer im Männergestühl sitzende mag auch kurz eingenickt sein, denn die Mühe der vergangenen Woche lastete noch auf ihnen.
Am späten Sonntagnachmittag sah man diese beeindruckenden Bauerngestalten im Halbkreis stehend, unter der alten Linde, bei der Brücke in der Marktecke, Gespräche führen. Es waren wohl keine Streitgespräche. Wir Kinder, welche am Marktplatz oder beim nahen Transformatorturm (Seta­Turm) spielten, haben nie streitende Stimmen gehört.
Ich frage mich immer wieder, warum mich diese Menschen so beeindruckt haben? Hat das etwas mit meiner damaligen Perspektive zu tun? Sie groß, ich klein. Ich glaube nicht, denn man musste zu ihnen "aufblicken"!
Bestimmt hat es damals auch so manche Schwierigkeiten, so manche Sorge gegeben. Nicht in jedem Jahr wurde die harte Arbeit belohnt. Frost, zu viel Regen, Hagel oder auch Dürre konnten den Ertrag schmälern oder sogar vernichten. Gute und schlechte Jahre gab es wohl schon immer, jedoch wurde dadurch der Arbeitseifer nicht geringer, sondern man strengte sich noch mehr an.
Der Herr Pfarrer, der Herr Lehrer, der Herr Notär, der Herr Richter waren absolute Respektpersonen, an welchen wir Kinder vorbeigehend und nicht entsprechend zu grüßen, fast einem Sakrileg gleichkam! Allen Erwachsenen, allen alten Menschen begegnete man respektvoll. Ich kann mich nicht erinnern, meinen Eltern frech geantwortet zu haben. Auch als Erwachsener nicht. Dieses wird wohl in den meisten Familien so gewesen sein. Meine Eltern waren nicht besonders streng, aber meines Vaters Wort galt. Bei meiner liebevollen Mutter bin ich wohl manchmal auch beratungsresistent gewesen sein, aber nie frech.
Die Feldarbeiten wurden bis zum 15. November, mit dem Unterlegen (Eingraben) der Rebstöcke, um diese vor Frost zu schützen, beendet. Der Reichesdorfer Jahrmarkt am 15. November war immer ein freudiges Ereignis, besonders für uns Kinder. Der Schulunterricht dauerte an diesem Tag nur bis 10 Uhr. Schnell nach Hause, die Sparbüchse, hier Sparschwein genannt, wurde etwas erleichtert. Die Eltern steuerten auch einen Geldbetrag bei, um unsere „Kaufkraft“ zu erhöhen. Die Ermahnung, mit dem Geld sparsam umzugehen, entsprang keineswegs der Knausrigkeit, sondern war Teil der Erziehung. Was es an diesem Jahrmarkt alles gab! Noch heute, in meinen späten Jahren, könnte ich ins Schwärmen geraten! Noch kein Kaufhaus hier konnte bisher jene damalige Faszination erreichen. Ich sage kurz: „es war wunderschön!", um mich nicht in altersbedingter Weitschweifigkeit in meinen Erinnerungen zu verlieren.
Nun wurde das Dorfleben etwas geruhsamer. Arbeit gab es auf einem Bauernhof immer, auch im Winter. Urlaub für den Bauern war etwas Unbekanntes. Das Vieh musste versorgt, die Schweine, das Federvieh, selbst Hofhund und Katze wollten zu ihrem Recht kommen.
Die Frauen holten den Spinnrocken hervor um den Hanf zu spinnen. Nachher kam dann der Webstuhl in die große Winterküche, (zum Unterschied von der Sommerküche), und es wurde fleißig gewebt. Kurz vor Weihnachten kam dann der Webstuhl hinaus und wurde erst nach dem 6. Januar, dem Heiligen Dreikönigstag, wieder hereingeholt und aufgestellt. Dann wurde weitergewebt. Heute, wenn ich diese schönen Tischtücher, Handtücher und die andern Webearbeiten betrachte, erfasst mich ein Gefühl großer Dankbarkeit und ich verneige mich in Gedanken vor diesen geschickten und fleißigen Frauenhänden!
Die Männer schlugen im Winter Bäume für das Brennholz des nächsten Jahres, fuhren Dünger in die Weinberge, oder rigolten Berghänge für neu anzulegende Weingärten. Während der Winterzeit wurden viele große Hochzeiten gefeiert und man ließ sich nicht lumpen. Der Sitttag der Nachbarn und das anschließende Nachbarschaftsfest waren die Ereignisse des Dorflebens.
Bei einem gelegentlichen Besuch vor vielen Jahren des alten Reichesdorfer Friedhofes hat sich mir besonders der Spruch auf einem Grabstein eingeprägt.
Da stand: „Hier ruhen nach langem köstlichen Leben“ - es folgten die Namen und Daten der Verstorbenen. Sofort stellte ich mir die Frage, was kann in einem langen, arbeitsreichen, mühevollen, harten und auch von Sorgen geprägten Bauernleben köstlich sein?
Gleich, weiterlesend, wurde ich eines Besseren belehrt. Etwas weiter unten las ich nach Psalm 90,10, welcher etwas wörtlich, aber nicht inhaltlich leicht geändert war, folgendes:

"Des Menschen Leben währet 70-80 Jahr und köstlich ist's gewesen wenn's Müh und Arbeit war."

Nun wusste ich was mit „köstlichem Leben" gemeint war!
Dieses sind nur Bruchstücke meiner Erinnerungen an jene Zeit, als alles anders war.
Der große rumänische Historiker Nicolae lorga (1871-1940) sagte, unter anderem, in einem in der Zeitschrift" Die „Karpathen„ veröffentlichten Artikel, im Jahre 1909, folgendes:
„Die siebenbürgische Erde, in kultureller Hinsicht so unverkennbar vom sächsischen Fleiß geprägt, kann für 210.000 Menschen, die Anständigkeit, Arbeit, Sparsamkeit und Sinn für Gerechtigkeit und Ideale verkörpern, nicht zu eng sein" (Ende des Zitates)
Wohl hat unser kleines Sachsenvölkchen, im Laufe seiner Geschichte, manche Härte und Schwere wie Krieg, Zerstörungen, Verwüstung und so manche Seuche ertragen und überleben müssen, doch die Scholle, welche Lebensgrundlage und Heimat war, immer ihr Eigen blieb. Was nachher, nachdem Grund und Boden weg waren, geschah, haben wir erlebt. Reichesdorf steht noch immer dort, wo es seit Jahrhunderten stand. Wo sind aber jene ertragreichen Rebhänge, wo jene voll beladenen Erntewagen geblieben? Wo ist jene ökonomische Kraft unseres einstigen Heimatortes? Es gibt sie nicht mehr.
Nur noch kurze Zeit bleibt uns Alten, diese Erinnerungen zu bewahren, die mit jeder folgenden Generation immer mehr und mehr verblassen. Wohl gibt es zahlreiche Texte und Bücher, wo man vieles nachlesen kann, aber heute, in der schnelllebigen Zeit, wer wird sie lesen?


"Die Zeit, die Zeit,
ihre Reise ist weit,
sie eilt und eilt in die Ewigkeit".

Heinrich Bruckner (2015) 


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No Stress Bike&Like Nr.2

Kirchenburgen-Fahrradtour am 8. und 9. August in der Region Mediasch
Sonntag, 02. August 2015

Der Start zur Kirchenburgen-Fahrradtour Nummer 2 erfolgt am Marktplatz von Mediasch.—Hermannstadt
  Die Kirchenburgen-Fahrradtour im Rahmen des Programms „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ findet heuer um Mediasch statt und zwar als Offroad-Tour am 8. und 9. August. Organisiert wird sie erneut in Kooperation mit der Organisation „No Stress“ und ermöglicht neue Erfahrungen beim Kombinieren von Fahrradrennen mit kulturellen Events. „Bike&Like” ist als Amateurwettbewerb ausgelegt, bei dem während jeder Etappe die persönliche Zeit gemessen wird, die nach Addieren die Gesamtzeit ergibt. Veranstaltet werden sechs Etappen mit einer Gesamtlänge von ca. 80 km (45 km am ersten Tag, 35 km am zweiten Tag) mit Trinkpausen an allen kulturellen Punkten und einer Siegerehrung in Mediasch/Medias.

Foto: Hannelore Baier
Bis zu 60 Prozent der Strecke wird abseits der Straßen gefahren über Gebiete mit Hügeln und Wäldern von seltener Schönheit.Der Start der Kirchenburgen-Fahrradtour Nummer 2 erfolgt Samstag und Sonntag jeweils um 9.30 Uhr am Marktplatz in Mediasch.
Die erste Etappe führt nach Meschen/Mosna, von dort geht es in der zweiten Etappe nach Reichesdorf/Richis weiter, von dort nach Birthälm/Biertan, um in einer vierten Etappe des ersten Tages nach Mediasch zurückzukehren.
Am zweiten Tag wird Richtung Baaßen/Bazna geradelt, von wo man in der sechsten Etappe nach Mediasch zurückkommt. Gefahren wird in unterschiedlichen Kategorien für Anfänger und Fortgeschrittene, Frauen und Männer.Die TeilnehmerInnen haben die Möglichkeit, besondere Orte, regionale, kulinarische Spezialitäten und die Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgens zu entdecken.
Gestartet wird in den Etappen im Hof der einen Kirchenburg und im Hof der nächsten Kirchenburg wird sie beendet, wobei einige dieser Burgen in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen, sodass bei jedem Etappenfinale eine Sehenswürdigkeit besichtigt werden kann. Die Bewohner der Orte werden aus der Geschichte der jeweiligen Kirchenburg erzählen, in einigen Ortschaften wird man ein Orgelkonzert genießen können und bei jedem Etappenfinale werden lokale Leckereien und Getränke angeboten.
Der heutige 1. August  ist  der letzte Tag für Registrierungen und Online-Zahlungen. Weitere Infos zu Teilnahmebedingungen und -bestimmungen sind von der Webseite www.nostresstriath lon.ro zu erfahren.

Von Hannelore Baier


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Erfolgreiche Bizikeltour zu den Kirchenburgen Siebenbürgens
22August 2015

Erfolgreiche Bizikeltour zu den Kirchenburgen Siebenbürgens
294 Teilnehmer radelten bei der zweiten Auflage der Bizikeltour „Bike & Like“ am 8. und 9. August bei 32 Grad Celsius zu fünf Kirchenburgen in Siebenbürgen. Sieger sind Andrei Janos mit einer Zeit von 1:30:33 und Ana-Maria Cotatea mit 2:05:24. Gewinner sind aber alle: die Teilnehmer, die Kirchenburgen und die vielen freiwilligen Helfer.
„Bike & Like“ wurde als Gemeinschaftsvorhaben aus der Taufe gehoben, um die Kirchenburgenlandschaft unter einer aufsteigenden Zielgruppe, der neuen Mittelschicht Rumäniens, bekannt zu machen. Dabei wurden sportlicher Wettkampf mit Zeitmessung und kulturelle Besichtigungen zu einem Paket zusammengeschnürt: eben bike und like. Für den sportlichen Teil zeichnet der Nostress Club aus Bukarest, der im Bereich der Banken verankert ist, und über die entsprechende Technik verfügt. Für den kulturellen Teil ist das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien mit den örtlichen Kirchengemeinden verantwortlich.
„Bike & Like“ macht Station in Birthälm.
Foto: Radu Cristi

Bei der ersten Auflage in und um Hermannstadt wurden im vorigen Jahr 240 Teilnehmer verzeichnet. 2015 gab es nicht nur nummerisch, sondern auch inhaltlich eine Steigerung:
„Diese zweite Tour war auch in anderer Hinsicht besser, etwa dem Gemeinschaftsabend zwischen den Wettkampftagen“, erklärte Mihai Preda, Leiter von Nostress. Den Begegnungsabend in Hermannstadt gestaltete Cristian Topescu, jenen in Mediasch Pfarrer Gerhard Servatius.Steffi von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland radelte kräftig mit. Die Bizikeltour startete am 8. August aus Mediasch nach Meschen, Reichesdorf und Birthälm und führte am zweiten Tag aus Mediasch nach Baaßen und zurück.
Die Straßenetappen wurden nicht gemessen, sondern gemeinsam unter Polizeibegleitung gefahren. Erst bei den querfeldein Wegen wurde dann in die Pedale getreten, was nicht ohne war. Am Ziel wurden die Teilnehmer dann gebührend empfangen. Burgführungen, Orgelkonzert, Erzählungen, Hanklich, und Hühnersuppe wurde von den Gastgebern und örtlichen Sponsoren vorbereitet. Vernetzt wurde alles von Ioana Veltan, der Projektmanagerin des Bezirkskonsistoriums Mediasch.

Mit von der Partie – auf der Seite des „like“ – war eine Helfermannschaft von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland und dem Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften um Alfred Gökeler. Sie unterstützen die Gastgeber dort komplementär, wo die örtliche Kirche nicht so gut aufgestellt war.Pfarrer Dr. Stefan Cosoroaba, flankiert von Helfern der SJD und des HOG-Verbandes bei „Bike & Like“. Foto: Monica CosoroabaBei der Siegesfeier auf dem Mediascher Marktplatz durften sich letztendlich viele freuen, denn es gab Preise für alle Altersgruppen im Zehnerschritt sowohl für Männer als auch für Frauen (Wertung siehe auf der Homepage www.nostressevents.ro). Allen voran aber, bei der Kategorie „Open“, der 33-jährige Andrei Janos und die 19-jährige Ana Maria Cotatea. Gewinner ist mittelfristig aber die Kirchenburgendlandschaft. Denn die Erfahrung der beiden Ausgaben der Bizilkeltour zeigt, dass die Teilnehmer ihren Familien und Freunden empfehlen, den gleichen Weg auch zu radeln und die Kirchenburgen zu besuchen.

Stefan Cosoroba


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Wiederbelebung mit Stil

Event-Manager Hans Schuster verantwortet seit kurzem das Veranstaltungsprogramm im Creativ Quartier Fürst Leopold. RN-FOTO KLEIN

Hans Schuster ist der neue Event-Manager im Creativ Quartier Fürst Leopold

DORSTEN. Seine Mission hat er für sich klar umrissen: „Ich will das Gelände hier wiederbeleben“, sagt Hans Schuster. „Denn Traumfänger-Galerie, Lohnhalle und Kaue sind tolle Flächen für Veranstaltungen.“ Und deshalb ist der neue Eventmanager des Creativ-Quartiers Fürst Leopold guter Dinge, dass er hier eine Menge an Angeboten schaffen kann, „bei denen sich jeder Gast wohlfühlt“.

Nach dem Ausscheiden von Vorgängerin Tanja van der Schors (sie ist wieder als Lehrerin tätig) und der Neuorientierung von Traumfänger-Galerist Nornert Then (er will sich nicht mehr mit organisatorischen, sondern in seinem Atelier allein mit künstlerischen Dingen beschäftigen) hatte es in den vergangenen Monaten eine Veranstaltungs-Pause im Creativ Quartier gegeben.
Diese Lücke will Hans Schuster schließen. „Dabei soll die Kunst ein Teil des Konzeptes sein, ob bei privaten oder bei öffentlichen Terminen“, verspricht er. „Ich will dahin kommen, dass die Traumfänger-galerie und die andern Örtlichkeiten immer ein bestimmtes kulturelles Flair beisteuern und vermitteln.“ Dabei stellt der neue, in freier Funktion arbeitende Veranstaltungschef klar: „Es wird keinesfalls jede zweite Veranstaltung ein Disko-Abend werden.
Sondern eine bunte und hochwertige Mischung mit Stil, wobei der kürzlich Auszug der Hetkamp-Galerie für mehr Raum-Möglichkeiten sorgt. Natürlich gibt es Partys – wie „Walpurgisnacht“ am Donnerstag (30.04) als „Tanz in den Mai“ in vier Areas der Traumfänger-Galerie (ehemaliges Traffogebäude).

Kunst und Feierkultur
„Kunst und Feierkultur für Leute ab 25 Jahren“, beschreibt Hans Schuster das Konzept. Die Künstler Norbert Then und Klaus Risse öffnen dabei ihre Ateliers, eine Schermbecker Tanzgruppe zeigt als „Intermezzo“ ihre Choreographien.

Karten für die Party sind zum Preis von zehn Euro im Vorverkauf in der Videothek „Empire“ an der Halterner Straße ebenso zu erwerben wie Tickets (acht Euro) für den Auftritt des US-Singer-Songwriters Shane Alexander (Foto). Der kommt auf seiner Europa-Tournee am Dienstag (28.4), 20Uhr, in die Traumfänger-Galerie. „Ein echtes Ausnahmetalent“ sagt Hans Schuster.
Ganz wichtig ist es dem Dorstener Veranstaltungs-Profi, auch mit lokalen und regionalen Akteuren das Programm zu füllen. „Da kann und will ich dann nicht groß Gewinn machen“, so Hans Schuster. Er nennt als Beispiel die Gründung der „Stiftung Graues Gold“, die hier ebenso über die Bühne gehen soll wie die „Nacht der Jugendkultur“ von Jugendamt und Jugendforum oder die „Zukunfts-Landpartie“ des NRW-Strukturförderprogramms „Regionale 2016“.
„Comedy-Nights“ in der Traumfänger-Galerie und Sinfoniekonzerte in Zusammenarbeit mit den Klassik-festival „Musiklandschaft Westfalen“ in der Lohnhalle stehen ebenso auf seiner Planungs-Agenda wie eine Oldtimer-Ausstellung oder ein szeniger „Mädels-Markt“ – beides in der Kaue. „Da könnte man besonders großartige Sachen machen“, meint Hans Schuster, der übrigens über zwei seiner eigenen Veranstaltungen auf Fürst Leopold an den Job gekommen ist.

Als Hochzeitsplaner tätig
Der Dorstener betreibt nämlich die Agentur „Nightaffairs“. Die hat sich vor gut fünf Jahren in Dorsten und Umgebung anfänglich als Party-Veranstalter einen Namen gemacht. „Davon bin ich aber ab“, erzählt Hans Schuster. Seit geraumer Zeit ist er vornehmlich als „Hochzeitsplaner“ tätig, „Da biete ich einen kompletten und individuellen Service an, von der Auswahl des geeigneten Ortes, über ein Catering bis hin zu auftretenden Künstlern“.
Die Hochzeiten organisiert er sogar in Paris, auf Mallorca, aber eben auch im Creativ-Quartier. „Auf Fürst Leopold geschah das zweimal im prominenten Rahmen, da ist man wohl auf mich aufmerksam geworden.“
Ein Geschäftsfeld übrigens, das er weiterhin als Standbein behalten wird. Wobei: „Kein Hochzeitspaar wird von mir gezwungen, künftig im Creativ-Quartier feiern zu müssen“

Michael Klein


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Treppenbaukurs in Reichesdorf

Interview mit dem Tischler Christian Rummel: Der 29-jährige Bayer lebt und arbeitet in seiner siebenbürgischen Wahlheimat

Vom 1. bis 12. Juli 2014 fand in Reichesdorf ein Treppenbaukurs unter der Leitung des Tischlers Christian Rummel statt. Der 29-jährige Bayer, der als Wandergeselle das erste Mal im Oktober 2007 nach Hermannstadt kam, lebt seit 2010 in Siebenbürgen und seit 2012 in Reichesdorf. Der Treppenbaukurs fand bereits zum dritten Mal statt, erstmals jedoch auf einem in der Dorfmitte von Reichesdorf gelegenen siebenbürgisch-sächsischen Hof, auf dem der gebürtige Öttinger seine Werkstatt eingerichtet hat. Angemeldet hatten sich fünf Wandergesellen, die extra aus Deutschland angereist waren, sowie ein Restaurator des Astra-Museums in Hermannstadt, der sich für die Kunst des Treppenbaus interessiert. Während der zwei Wochen wohnten die sechs Teilnehmer privat, also mit Familienanschluss, bei seiner Ehefrau und der zweijährigen Tochter. So begann jeder Tag bereits mit dem gemeinsamen Frühstück, bevor es dann zum Unterricht ging. Monika Schneider- Mild ist zum Treppenbaukurs gefahren und hat mit dem Wahl-Reichesdorfer über seinen Kurs und das Leben in Reichesdorf gesprochen.

Der Tischler Christian Rummel (3. von links) mit den Teilnehmern der Treppenbaukurses in Reichesdorf.
Warum hast du dich mit deiner Familie ausgerechnet für Reichesdorf entschieden, und wie gefällt es dir hier?
Hier gibt es ein sehr internationales Flair, das gefällt uns. Außerdem ist die Architektur sehr schön und die Leute hier sind nett. Inzwischen sind wir in der Dorfgemeinschaft sehr gut integriert– man hilft sich auch viel unter den Nachbarn. Sagen wir es so: Ich freue mich auf jeden neuen Tag!
Wer gehört zu deinen Arbeitgebern?
Hauptsächlich ist das die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien, aber es gibt auch öffentliche Aufträge. Außerdem habe ich private Kunden, darunter häufig Leute aus dem Ausland, aber auch oft Rumänen, die ihre Häuser denkmalgerecht restaurieren möchten.
Zum Kurs: Wie muss man sich deinen Unterricht vorstellen, geht es nur um historische Techniken?

(Bild: Der Tischler Christian Rummel 3 v. links mit den Teilnehmern der Treppenbaukurses in Reichesdorf) 

Erst einmal gibt es für die Kursteilnehmer Theorie – da läuft der Video- Beamer eine Woche lang. Obwohl wir die Treppen dann selber berechnen und auf Papier planen, finde ich es wichtig, auch moderne Möglichkeiten im Treppenbau zu erläutern und zu präsentieren. Zur grafischen Darstellung verwende ich das Programm „Trevoplan“.
Wie gefällt es deinen Kursteilnehmern?
Meiner Auffassung nach sehr gut. Meine Kurse sind immer nah an der Praxis, ich überlade sie nicht mit unnützem Wissen. Das urige Ambiente in der zum Klassenzimmer umgestalteten Scheune kommt auch ganz gut an.
Immerhin ist das ja ein Kurs mit „Familienanschluss". Klappt das?
Die sechs Teilnehmer wohnen bei uns im Gästezimmer, sitzen bei uns mit beim Frühstück und integrieren sich gut in Haushalt und Hof. Für uns ist das aber nichts Ungewöhnliches, da wir sowieso fast permanent Freiwillige, Wandergesellen, Familie oder anderweitig Leute bei uns zu Besuch haben.
Wie hat dir denn der Kurs bisher gefallen?
Bisher funktioniert alles prima. Ganz besonders freut mich die rumänisch-deutsche Zusammenarbeit zwischen den Kursteilnehmern. Zwischendurch ist es auch sehr lustig, denn der Restaurator aus dem Astra-Museum heißt Dan und immer, wenn ich im Unterricht mit den Worten „und dann“ fortfahre, fragte er „Da?“.
Welches ist dein nächstes berufliches Projekt?
Das Einschindeln des Birthälmer Glockenturmes mit handgespaltenen Holzschindeln. Bis dahin arbeite ich an der Vollendung der diesjährigen Restaurierungsarbeiten am Gebälk des Glockenturms. Parallel dazu ist die Instandsetzung des Birthälmer Sakristei Daches geplant.
Wird es wieder einen Treppenbaukurs geben?
Ich mache den Kurs ja „aus Spaß an der Freude“ und deshalb ist der nächste Kurs auch schon für 2015 geplant.
Danke für das Interview und weiterhin gutes Gelingen!

Foto: Moni Schneider-Mild


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Bartholomäus Bausner (1629-1682)
Mediziner und Sachsenbischof 

Ein Großteil der Verdienste des 1629 in Reps geborenen Batholomäus Bausner, dessen Name in der Geschichtsschreibung meist nur im Zusammenhang mit seinem Wirken als Pfarrer und Bischof erwähnt wird, liegen auf dem Gebiet der Medizinwissenschaft.
Er darf als erster Vertreter der sächsischen Geistlichkeit angesehen werden, der sich mit den aufblühenden Naturwissenschaften des 17. Jahrhunderts beschäftigte. Er starb vor 300 Jahren. Nach dem Besuch des Hermannstädter Gymnasiums begab sich Bausner 1652 auf die Wittenberger Universität, um sich für den Kirchendienst auszubilden. Nach kurzer Zeit wechselte er nach Leyden und Amsterdam über, wo er sich dem Studium der Medizin und den orientalischen Sprachen widmete..
Bereits 1654 erschienen Bausners erste medizinwissenschaftlichen Schriften in Leyden: „Disputatio philosophica de Cordis Humani Actionibus" und „Exercitationum Metaphysicarum Quinta". Der junge Wissenschaftler erläuterte neue Anschauungen über die Funktion des Herzens. Er behauptete, dass die Zusammenziehung der Vorhöfe, die vor der Kontraktion der Herzkammern erfolgt, und die Austreibung des Blutes aus dem Herzen Folgen der Herzsystole sind. In einer zweiten Schrift beschäftigte er sich mit metaphysischen Problemen. Die Bausnerischen Behauptungen wurden von späteren Forschungen vollauf bestätigt.
Bausners drittes Werk, „De consensu partium humani corporis Librl III" (Amsterdam 1656), enthielt neue grundlegende medizinwissenschaftliche Erkenntnisse. Er kam zu dem Schluss, Krankheiten seien Folgen von Organverletzungen. Als Funktion der Gefäße sah er den Bluttransport von den Organen zum Herzen und als Aufgabe der Arterien die Erzeugung des Pulses an. Der Puls wieder bewirkte die Versorgung der Körperteile mit Blut, Nahrung und Wärme. Bausner unterschied venöse und arterielle Kapillaren. Er sprach erstmals von einer kapillaren Verbindung zwischen Arterien und Venen und erwarb sich damit bleibende Verdienste um die Medizinwissenschaft. Diese drei Bausnerischen Schriften sind heute noch in der Bibliothek des Brukenthalmuseums vorhanden. 1656 nötigte eine Pest den Studenten, der noch in keinem Fach promoviert hatte, Holland zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren.
Bis 1659 wirkte er als Prediger in Schäßburg, anschließend als Pfarrer in Nadesch und ab 1661 als Pfarrer in Reichesdorf. Während seiner Amtszeit in Reichesdorf war ihm ein schweres Los auferlegt. Nachdem im Dorf die Pest wütete, folgten Hungersnot und türkische Besetzung. Der junge Pfarrer nahm den Kampf mit der Not mutig auf und zeigte dabei christliche Gesinnung, Begabung und Gelehrsamkeit, so dass er bald in weiten Kreisen geschätzt wurde. Auf der Synode von 1663, während der Bausner als geistlicher „Universitätssekretär" im Mittelpunkt stand, hielt er eine berühmt gewordene Rede über kirchliche Disziplin; zugleich warf er der sächsischen Geistlichkeit die eigenen Fehler vor; die Sorge der Pfarrherren um den „Zehnten" sei größer als das Bemühen, die Seelen zu bekehren und die Gemeinden zu christlichem Lebenswandel anzuhalten.
Seiner Gelehrsamkeit und seinem sittlichen Ernst verdankte Bausner es, dass er 1667 zum Generaldechanten, nach dem Tode des Bischofs Stefan Adami (1605—1679) zum Oberhaupt der evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen gewählt wurde. Er vertrat den Grundsatz, dass „Inhaber höchster Ehrenstellen Diener seien, die im Dienste anderer sich selbst zu verzehren hätten." 1680 begann er mit neuen Generalkirchenvisitationen. Was sein Wirken als Bischof sehr stark negativ beeinflusste, war die Unentschlossenheit; die unter dem Zwang der damaligen Verhältnisse sächsische Art und Entwicklung kennzeichnet.
Diese Zustände zu ändern war Bischof Bausner nicht vergönnt; er starb bereits 1682, drei Jahre nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt. Die Zeit, während der Bausner seinen Kirchendienst versah, gehörte zu den grausamsten der sächsischen Geschichte. Siebenbürgen war ständig Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen: Türken, Kaiserliche, Haiduken, Moldauer und Magyaren lieferten sich eine Schlacht nach der anderen, Hungersnöte und Seuchen folgten. Die Befreiung vom türkischen Joch sollte erst nach 1687 erfolgen, als die Kaiserlichen Siebenbürgen zurückeroberten. Von den zwei Söhnen, die Bischof Bausner hinterließ, erlangte Simon Edler von Baußnern die Würde des Grafen der sächsischen Nation und des Königsrichters von Hermannstadt.

Harald Roth
(15. Dezember 1987, Siebenbürgische Zeitung)


 

Vor 125 Jahren wurde der siebenbürgische Mundartdichter Ernst Thullner geboren
„Af deser lerd do äs e Lond,
si hiesch es nichen ondret“

Das „Bedürfnis nach einer passenden Lektüre für unseren Bauernstand" und der „geistigen Trägheit unserer Bauern " , sowie der „Zote in unseren Spinnstuben" entgegenzuwirken, habe ihn bewogen, zur Feder zu greifen, um „lustige Geschichten", „sächsische Reime" und „sächsische Schwanke" zu verfassen, schrieb er im Herbst 1892 im Vorwort eines Bandes, den er „sengem läwe Lierer" („seinem lieben Lehrer") Michael Albert widmete.
Der vor 125 Jahren, am 22. 12. 1862, in Birthälm in Siebenbürgen geborene und vor bald 70 Jahren, am 5. 5. 1918, in Mühlbach gestorbene Ernst Thullner- der Dichter eines der bekanntesten Liedtexte in siebenbürgisch-sächsischer Mundart: „Af deser lerd do äs e Lond", das zu einer Art zweiter Volkshymne der Siebenbürger Sachsen nach Max von Moltkes „Siebenbürgenlied" wurde.
Es ist freilich nicht der Mundartdichter Ernst Thullner allein, der im Jubiläumsrückblick den Laudator anregt, sondern ebenso das Bild eines in breiter Entfaltung mitten im Volksleben stehenden und wirkenden Mannes, wie es sich in dieser Fülle und Erfülltheit im Dasein der Siebenbürger Sachsen längst nicht mehr bietet.
Thullner, Sohn eines aus Österreich nach Siebenbürgen eingewanderten Arztes und einer Reichesdorferin, studierte zunächst in Graz Medizin, wechselte dann aber zum theologischen und pädagogischen Studium in Leipzig. Klausenburg und Berlin über. Nach Rektoraten an der Agnethler Volksschule 1885-87 und an der Mediascher Mädchenschule1887-90, war er bis 1898 Pfarrer in Dobring, danach bis 1913 in Großpold und schließlich bis zu seinem Lebensende in Mühlhach in Siebenbürgen. Verheiratet war er mit Johanna Stolz.
Dechanat des Kirchenbezirks Mühlbach. Mitgliedschaft in der Nationsuniversität der Siebenbürger Sachsen und im Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche, Leitung der Prüfungskommission für die Seminar- und Gymnasialexamina. Mitarbeit im Gustav-Adolf-Verein, Berufsreisen im Auftrag der Bischofskanzlei nach Deutschland u. v. a. prägten zusätzlich ein Leben, das nur 56 Jahre lang, nicht allein mit Arbeit randvoll ausgefüllt war, sondern das durch die barocke Wucht, die Gradlinigkeit und unbeirrbare Menschlichkeit dieser ungewöhnlichen Gestalt beeindruckt.
Den körperlich mächtigen Mann zeichneten Unverdrossenheit und Kampfesfreude in so hohem Maße aus, wie der Sachsenbischof Friedrich Teutsch 1918 in einem Nachruf festhielt, dass er auf seinen Fahrten durch Siebenbürgen, insbesondere durch die ihm geistlich unterstellten Landstriche des Unterwalds um Mühlbach, sobald er mit Menschen in Berührung kam, nicht nur den Kontakt sofort herstellte, sondern seinen ausstrahlungsstarken deftigen Lebensmut spontan auf die Umgebung übertrug. Mit Recht nannten ihn daher Freunde und Kenner einen Volksmann von überdurchschnittlichem Format.
Vor dem Hintergrund solcher Persönlichkeit und der durch die immer vehementeren Magyarisierungsabsichten Budapests belasteten, politisch bedrückenden Verhältnisse unter den Siebenbürger Sachsen, wird die Sorge Thullners um das geistige Leben der sächsischen Landbevölkerung erst in ganzem Umfang verständlich; seine Erkenntnis, dass geistiger Trägheit um des kollektiven Überlebens willen entgegengearbeitet werden müsse, wird zum Politikum. Die pastorale Predigt allein genügte diesem Mann daher nicht, belebend, aufrüttelnd und aufheiternd ins Volk hineinzuwirken. Er bediente sich darüber hinaus in poetischer Bewusstheit der Sprache als Mittel, Zugänge zu den ihm anvertrauten Menschen zu erschließen, um aus dem ungebrochenen Selbstverständnis des einst in Siebenbürgen durchaus weltlich ins Leben der Gläubigen hineinwirkenden Pfarrers heraus, wegweisend zu helfen und zu bessern, wo es Not tat. Es spricht für Thullners psychologische Klugheit und Kenntnis der menschlichen Natur, dass er dies als Volkspoet auf dem Weg vor allem unterhaltsamer Formen und Inhalte tat: Schwanke. Schnurren, ans Gemüt gehende Gedichte, lustige, von humorvollem Spott getragene Reime in Mundart und Volksstücke sind dabei sein bevorzugtes Instrumentarium, wobei die jeremias-gotthelfsche pädagogische Absicht immer wieder erkennbar wird.
Dass ihm nicht alltägliches Sprachvermögen eignete, machen schon seine unter dem Titel „In der Kreuzesschule des Herrn" herausgegebenen Predigten deutlich; ebenso soll seine „Sächsische Kirchenkunde" — eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit, die wegen des Kriegsausbruchs 1914 nicht erscheinen konnte, aus der er aber 1910 in Mediasch öffentlich vorgelesen hatte - die Hörer nicht zuletzt wegen der sprachlichen Eloquenz beeindruckt haben. Sei's drum, könnte man dazu sagen, kirchengeschichtliche Statistiken können auch von anderen zusammengetragen werden. Thullners auf Ernst Thullner (1862-1918) das Schöpferische angelegte Natur drängte es in die Bereiche des übergeordneten, des dichterischen Umgangs mit dem Wort. Seine exzellente Kenntnis sächsischen Bauernlebens stellte dabei einen schier unerschöpflichen Fundus an Stoffen dar. So entstanden neben den ungezählten Gelegenheitsgedichten in Mundart die gereimten Dialekt-Schwänke „Ous der Rokestuw" („Aus der Rockenstube"), 1892, und „Bä der Kalefok" („Beim Ofen"), 1898, beide oft aufgeführt und zu populärem Ruhm gekommen; vor allem aber ist hier das große Volksspiel „Das Wort sie sollen lassen stahn", 1903, zu nennen, das - wie Hermann Kloß in einer umfangreichen Arbeit über Thullner 1919 festhielt - „wie eine auf die Bühne gebrachte unwiderlegbare Chronik" wirkt, u.a.m.
Die unentwegte Präsenz Ernst Thullners nicht nur auf der Ebene seelsorgerischen Gemeindelebens im Alltag, sondern ebenso auf der Ebene landeskirchlicher Angelegenheiten - wo er z. B. 1907 den schwierigen Auftrag übernahm, die Pfarrergehälter in der Landeskirche neu zu regeln, zudem das Pfarramtsgesetz auszuarbeiten, was ihn neben aller anderen Arbeit bis 1916 ununterbrochen beschäftigte – will mitbedacht sein, soll dieser geradezu bedenkenlos ausgreifende und immer auf das Ganze gerichtete Mensch in seiner ganzen Spannweite erfasst werden. Dass sich aber aus der stattlichen Reihe bemerkenswerter Lebensleistungen der Name Ernst Thullners bis heute ausschließlich als der eines der wesentlichen Mundartendichter der Siebenbürger Sachsen vor und nach der Jahrhundertwende erhielt, ist im zeitübergreifenden Medium der Poesie begründet - „die Vorrangigkeit des Musischen", nannte Goethe das.
Freilich sind hier aus vielfachem aktuellen Grund gerade auch im Fall einer Volksgruppenlage wie der der Siebenbürger Sachsen heute mehr denn je sichtbare Grenzen gezogen: Thullners ganz und gar aus den Farben und Gehalten der sächsischen Bauernlandschaft im Karpatenhochland und aus dem Aroma der sächsischen Mundart Siebenbürgens gewachsenes poetisches Oeuvre, lebt und stirbt mit der Existenz der äußeren und inneren Geographie des Siebenbürgisch-Sächsischen.
Dass es deren Schicksal ist, so oder so - durch Transplantation in den Westen, durch Assimilation im Südosten - zu verblassen und zu versinken, schließt auch das Schicksal solcher Poesie ein. Doch des Stammesschicksals ungeachtet ist mit Schmunzeln allemal bei der Lektüre, wer z. B schon allein den Anfang von „Geteischt Erwuerdung" („Enttäuschte Erwartung") liest:
„Ir Kängd, hirt za! / Ich wäll ech na / en Mer erzielen. / Er kännt echwielen: / Wällt er vum Kenengssan in hieren, / die an en Iesel mät lonken Iren / verzuwert wor / und zwinzich Jor / de Mielsäk an de Mill moßt dron, / oder sal ich ech en onder son. / da von dem Hons uch von dem Gretchen? . . ."
(„Ihr Kinder, hört zu! / Ich will euch jetzt / eine Mär erzählen. / Ihr könnt wählen: / Wollt ihr vom Königssohn eine hören, / der in einen Esel mit langen Ohren / verzaubert war / und zwanzig Jahre / die Mühlsäcke mußte tragen, / oder soll ich euch eine andere sagen, / die vom Hans und vom Gretchen? . . .").
Oder wenn er in „DeTijerjuecht" („Die Tigerjagd") Mischs. des Amerikaners, Jägerlatein vernimmt: „ . . . Si ein Tijergebräll / klängt ondersch wä der Huesepipsen, / und segt em si en Kearl ist gipsen, / fällt enem't Harz af ist änt Knä . . ." („ . . . So ein Tigergebrüll / klingt anders wie ein Hasenpiepsen. / und sieht man so einen Kerl einmal gähnen. / fällt einem das Herz in die Knie ..").
Aber ebenso, wenn einer bei Thullner liest, wie der Michel in „Wä der Mächel for seng Frä biet" („Wie der Michel für seine Frau betet") dem Pfarrer verständlich macht, auf welche Art er sein Eheweib ins Vaterunser einschließt: „Sä äs wärlech äng ägeschluessen / än me Gebiet, si wor ich bän! / Bäm ,Härr, erlis es von dem Iwel' / kit sä mer ängden an de Sann." („Sie ist wirklich immer eingeschlossen / in mein Gebet, so wahr ich bin! / Beim .Herr, erlöse uns vom Übel' / kommt sie mir immer in den Sinn.") - (Anmerkung: bei allen diesen Übertragungen ins Deutsche bleibt der spezifische Zungenschlag der Mundart auf der Strecke.)
Das Ehepaar Thullner verlor früh eine Tochter, und einer der beiden Söhne befand sich, als der Vater starb, in russischer Kriegsgefangenschaft. Ein in Arbeit, Sorge und Daseinsfreude in Familie, Beruf und bürdenreichen Ehrenämtern rückhaltlos aus dem Vollen geschöpftes Leben hatte die Kraft des bärenhaft vitalen Riesen keineswegs erschöpft, als er, knapp über 55jährig, vermutlich an einem Magengeschwür starb.
„Ein Gedicht genügt", lautet Reiner Maria Rilkes berühmter Satz im Blick auf das mögliche Fazit eines Poetenlebens, ein Gedicht, das die tausend und abertausend weniger geglückten oder missglückten rechtfertigt. Das Wort gilt als höchstes Lob auch für den siebenbürgischen Mundartpoeten Ernst Thullner. Denn wer die Inbrunst beobachtet, mit der heute noch allenthalben, wo Siebenbürger Sachsen in europäischen oder Überseeländern leben, „Af deser lerd, do äs e Lond, si hiesch äs nichen ondret" („Auf dieser Erde ist ein Land, so schön ist wohl kein andres") gesungen wird - im Zeichen der entwürdigten und verlorenen Heimat mit doppelter und dreifacher Hingabe vorgetragen -, der wird diesem Mann bestätigen müssen, dass sein Drang zur mundartlichen Dichtung mehr und etwas anderes war als die Marotte eines Provinzpatrioten.
Spricht er doch in „Af deser lerd, do äs e Lond", das Hermann Kirchner vertonte, ein Grundgefühl nicht allein siebenbürgisch-sächsischer Liebe zur Heimat, sondern allgemeiner Existenzstimmung aus, solange Menschen auf dieser Erde Heimat haben und als Teil ihrer selbst fühlen. Bald einhundert Jahre nach dessen Entstehen, ist in diesem Liedtext der Dialektreimer Ernst Thullner im Bewusstsein seiner Landsleute nach wie vor lebendig. Nicht vielen Dichtern ist solches Überdauern vergönnt.

Hans Bergel (Aus: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 4/1987)

 


Af deser lerd do äs e Lond

Af deser lerd do äs e Lond,
so hisch äs nichen ondert,
ich sint mich änj no am zerück,
wä ech de Wält durchwondert.
An desem Lond äs en Gemin,
'si inich wä e Guerten,
en hescher hun ich net gesän
afalle menje Fuerten.
An dier Gemin do stil en Hous,
huel nichen prächtich Hallen,
und doch huet uch det Kenengesschlueß
mir net esi gefallen.
Dann an diem Hous do wnnt nie Schaz,
di mir de Tra geholden,
und all menj Frod und all nie Gläck
äs an diem Hous enlhalden.

 

Auf dieser Erde ist ein Land
Übertragung: Wolf von Aichelburg

Auf dieser Erde ist ein Land,
so schön ist wohl kein andres.
Ich sehnt' mich stets nach ihm zurück
wie ich die Welt durchwandert'.
In diesem Land, da steht ein Dorf,
so lieblich wie ein Garten.
Ein schöneres hab' ich nicht gesehen
Auf allen meinen Fahrten.
In diesem Dorf, da steht ein Haus,
hat keine prächtigen Hallen,
und doch hat selbst das Königsschloss
mir nicht so gut gefallen.
Denn in dem Haus, da wohnt mein Schatz, der mir die Treu gehalten,
und all mein Freud und all mein Glück
ist in dem Haus enthalten.

(10. September 2015, Siebenbürgische Zeitung)


Schloss Horneck bleibt unsere „Sachsenburg am Neckar“!

Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar bleibt in siebenbürgisch-sächsischem Besitz. Die Gläubigerversammlung hat am 10. September 2015 in Heilbronn einstimmig beschlossen, das Kaufangebot des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland in Höhe von einer Million Euro anzunehmen. Dem Insolvenzverwalter Dr. Marcus Egner hatten mehrere Angebote für das Objekt vorgelegen. Die freudige Nachricht erhielt die SbZ-Redaktion von Ortwin Götz, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Hilfsvereins „Johannes Honterus“, der als Schuldner an der Versammlung im Gebäude des Insolvenzgerichts Heilbronn teilgenommen hat. In einer ersten Reaktion bekräftigte der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius, MdB: „Wir werden nun das gemeinsam mit der Carl-Wolff-Gesellschaft erarbeitete Konzept zur Schaffung des ‚Siebenbürgischen Kultur- und Begegnungszentrum Schloss Horneck‘ beherzt umsetzen“.
  Unmittelbar nach der Erfolgsnachricht erklärte der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung: „Ich bin unglaublich froh, dass es uns gelungen ist, Schloss Horneck aus der Insolvenzmasse des bisherigen Trägervereines zu erwerben. So ist es möglich, unser Projekt zur Fortführung der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen sowie zur Einbindung dieser in ein siebenbürgisches Begegnungszentrum auf Schloss Horneck voranzubringen. Die heutige Entscheidung zeigt klar: Schloss Horneck bleibt unsere ‚Sachsenburg am Neckar‘! Wir werden nun das gemeinsam mit der Carl-Wolff-Gesellschaft erarbeitete Konzept zur Schaffung des ‚Siebenbürgischen Kultur- und Begegnungszentrum Schloss Horneck‘ beherzt umsetzen und werben weiter für tatkräftige Unterstützung. Der Ankauf des Schlosses war dabei der erste Schritt. Gemeinsam mit allen Partnern werden wir nun auch die Neustrukturierung und Sicherung des laufenden Betriebes angehen. Allen Mitstreitern und Spendern danke ich bereits jetzt für die bisherige, die laufende und auch die künftige Unterstützung.“

Außerordentliche gemeinschaftliche Kraftanstrengung

Der Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen „Johannes Honterus“, seit 1960 Eigentümer von Schloss Horneck und Träger des dort ansässigen Alten- und Pflegeheimes „Heimathaus Siebenbürgen“, hatte Anfang Juni 2015 Insolvenz angemeldet (siehe „Hilfsverein ‚Johannes Honterus‘ meldet Insolvenz an: ‚Betrieb auf Schloss Horneck wird fortgeführt‘"). Die finanzielle Misere resultiert aus strukturellen Problemen; zur Unterbelegung des Heimes kamen dringend erforderliche Brandschutzmaßnahme hinzu. Vertreter siebenbürgischer Einrichtungen haben in einem Gespräch mit dem Insolvenzverwalter Dr. Marcus Egner am 11. Juli in Gundelsheim ihre Absicht bekräftigt, Schloss Horneck für die Siebenbürger Sachsen zu retten (siehe „Sicherung von Schloss Horneck: Gespräch mit Insolvenzverwalter“). Der Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. hat auf der Grundlage einer außerordentlichen Sitzung am 2. August in München einen Spendenaufruf an die gesamte Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen gerichtet („Aufruf zur Sicherung der siebenbürgisch-sächsischen Einrichtungen: Helfen Sie mit, Schloss Horneck zu retten!“) und in einer Krisensitzung am 13. August beschlossen, für den Kauf von Schloss Horneck eine Million Euro zu bieten. Zuvor war ein erstes an den Insolvenzverwalter Dr. Egner abgegebenes Angebot für die Liegenschaft Schloss Horneck (unter Einschluss des Neubaus mit dem Pflegebereich) abgelehnt worden.
In der Münchner Bundesgeschäftsstelle unseres Verbandes ist am 27. August der Verein Siebenbürgisches Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V. gegründet worden mit dem Hauptziel, Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar zu erwerben und hier das Siebenbürgische Kultur- und Begegnungszentrum mit dem Siebenbürgischen Museum und dem Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv sowie mehreren kulturell tätigen Vereinen zu betreiben (vgl.

„Vereinsgründung mit Signalwirkung: Schloss Horneck erwerben und betreiben“).

Indessen trägt der Spendenaufruf des Bundesvorstandes Früchte: Der auf der Webseite des Verbandes täglich aktualisierte Stand des Spendenkontos (siehe „Gemeinsam können wir es schaffen! Helfen Sie mit, Schloss Horneck für uns zu retten!“) betrug am 10. September 2015 beachtliche 285.233 Euro. Tendenz hoffentlich weiterhin steil steigend.

Christian Schoge


Für unsere Jüngsten

 Wilhelm Busch
Zum 150. Geburtstag

Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen ist eine Bildergeschichte des deutschen humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Sie wurde Ende Oktober 1865 erstveröffentlicht und zählt damit zum Frühwerk von Wilhelm Busch. Viele Reime dieser Bildergeschichte wie „Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende sehe!“, „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ und „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!“ sind zu geflügelten Worten im deutschen Sprachgebrauch geworden.

Vierter Streich
Also lautet ein Beschluß,
Daß der Mensch was lernen muß. -
Nicht allein das Abc
Bringt den Menschen in die Höh';
Nicht allein in Schreiben, Lesen
Übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
Soll der Mensch sich Mühe machen,
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören. -



Daß dies mit Verstand geschah,
War Herr Lehrer Lämpel da. -
Max und Moritz, diese beiden,
Mochten ihn darum nicht leiden;
Denn wer böse Streiche macht,
Gibt nicht auf den Lehrer acht. -

Nun war dieser brave Lehrer
Von dem Tobak ein Verehrer,
Was man ohne alle Frage
Nach des Tages Müh und Plage
Einem guten, alten Mann
Auch von Herzen gönnen kann. -

Max und Moritz, unverdrossen,
Sinnen aber schon auf Possen,
Ob vermittelst seiner Pfeifen
Dieser Mann nicht anzugreifen. -



Einstens, als es Sonntag wieder
Und Herr Lämpel, brav und bieder,
In der Kirche mit Gefühle
Saß vor seinem Orgelspiele,
Schlichen sich die bösen Buben
In sein Haus und seine Stuben,
Wo die Meerschaumpfeife stand;
Max hält sie in seiner Hand;



Aber Moritz aus der Tasche
Zieht die Flintenpulverflasche,
Und geschwinde, stopf, stopf, stopf!
Pulver in den Pfeifenkopf. -
Jetzt nur still und schnell nach Haus,
Denn schon ist die Kirche aus. -



Eben schließt in sanfter Ruh
Lämpel seine Kirche zu;
Und mit Buch und Notenheften
Nach besorgten Amtsgeschäften,



Lenkt er freudig seine Schritte
Zu der heimatlichen Hütte,
Und voll Dankbarkeit sodann
Zündet er sein Pfeifchen an.


»Ach!« - spricht er - »Die größte Freud'
Ist doch die Zufriedenheit!!«



Rums!! - Da geht die Pfeife los
Mit Getöse, schrecklich groß.
Kaffeetopf und Wasserglas,
Tobaksdose, Tintenfaß,
Ofen, Tisch und Sorgensitz -
Alles fliegt im Pulverblitz. -



Als der Dampf sich nun erhob,
Sieht man Lämpel, der gottlob
Lebend auf dem Rücken liegt;
Doch er hat was abgekriegt.



Nase, Hand, Gesicht und Ohren
Sind so schwarz als wie die Mohren,
Und des Haares letzter Schopf
Ist verbrannt bis auf den Kopf. -
Wer soll nun die Kinder lehren
Und die Wissenschaft vermehren?
Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten?
Woraus soll der Lehrer rauchen,
Wenn die Pfeife nicht zu brauchen??



Mit der Zeit wird alles heil,
Nur die Pfeife hat ihr Teil.

Quellen: Wikipedia, Gemeinfrei


Wissenswertes über Reichesdorf

Nach jahrelangem Sparen und einer zermürbenden Suche nach geeigneten Handwerkern ist das Projekt „Neuer Zaun für den Burghüterhof“ so gut wie abgeschlossen. Dank des unermüdlichen, auch physischen Einsatzes von Wilhelm Untch und der Eheleute Timmerman wurde in Reichesdorf nicht nur der oben erwähnte Zaun fertiggestellt, sondern auch der Parkettboden im Saal abgeschliffen und neu lackiert. Außerdem spendete die „Asociatia Pro Richis“ der Kirche in Reichesdorf eine Ladung Pflastersteine, die im hinteren Saalhof im Bereich der Toiletten verlegt wurden.
Es ist immer wieder beeindruckend, mit welcher Hingabe und Aufopferung sich diese Handvoll Menschen um den Erhalt und die Zukunft der kirchlichen Gebäude bemühen!

Vielen Dank nach Reichesdorf!



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Aus dem Alltag unserer Landsleute
Riesentomate

Rekordverdächtig sieht sie aus. Eine Tomate, die in dem Garten von den Hobbygärtnern Anna und Karl Drotleff / Nordheim gewachsen ist. Stolze 1850 Gramm bringt sie auf die Waage!

Die Samen wurden aus Siebenbürgen mitgebracht und sollen von Jahr zu Jahr immer wieder weiter zur Aufzucht verwendet worden sein.

In der Nachbarschaft der Riesentomate wuchs im gleichen Garten, die wohl längste Bohnenpflanze ca. 5-6 Meter an einem gespannten Drahtseil hoch.
Welcher Reichesdorfer Gärtner hat noch solch einen grünen Daumen?
Bitte schickt uns Fotos von eurem gärtnerischen Können!

Denn „Reichedorfer hatten immer schon dickere Kartoffeln, süßere Weintrauben, größere Rüben als andere“, sagte man. Schweine waren immer schon fetter und Kühe gaben schon immer mehr Milch - war das wirklich so, oder wurde es nur dem Fleiß und Ehrgeiz der Reichesdorfer Bauern nachgesagt?
Also, wer kann mithalten?


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Nachdenkliches in Reimen

Bauernstube
Draußen rieselt der Regen;
Dem Dorf entgegen
Schlägt aus dem Walde der Wind.
November ist es, der Abend beginnt
Zu dunkeln nach kurzer Tageszeit.
Da werden die Dächer weiß - es schneit.

Vom Lutherofen um Bank und Schrein
Strahlt gaukelnd der Flamme rötlicher Schein.
Die Katze, die glatt das Haar sich geleckt,
Liegt auf dem Herd, lang ausgestreckt.
Gleichmäßig tickt an der Wand die Uhr,
Doch träge wandeln die Stunden nur.

Die Mutter, die junge Tochter beginnen
Zum ersten Mal heute den Hanf zu spinnen,
Den neuen Hanf, so weich so weiß,
Der Frauen Lust, der Frauen Preis.
Der Bauer sitzt auf der geblümten Truh´;
Nun ist er der Herr, nun hat er Ruh'.

Im warmen Stalle geborgen sind,

Des Pfluges entlastet, so Pferd wie Rind.
Das Futter hat er in trockner Scheune,
Den Mais im Korbe, das Korn in Kisten.
Das Stroh liegt aufgehäuft in Dristen,
Im Keller unten, da gären die Weine,
Und eingelegt in der Butte ruht

Der Kohl, der Küche gepriesenes Gut.
Ein still Behagen durchwebt den Raum,
Halb ist's ein Wachen und halb ein Traum
o Bauernstube in Wintersruh,

Wo ist ein seliger Heim als du?

Michael Albert ( 1836-1893 )


Der Wandersmann

Ein Wanderbursche mit dem Stab in der Hand,
will wandern in ein anders Land.
Nahm Abschied aus dem Elternhaus,
dann ging es zum Tor hinaus.

An Dörfern und Städten ging er vorbei,
über Berge und Täler vielerlei.
Als er müde war, dann machte er Paus,
aus dem Brotsack aß er sein Brot und ruhte sich aus.

Dann ging es weiter, auch wenn es nicht immer heiter,
in großen Gedanken, die auch oft wanken.
Doch er fasste sich Mut und das war gut.
Wie er so geht den Weg entlang,
begegnete er einem Wandersmann.
Sie begrüßten sich und sagten ein Gebet,
mit den Sorgen, wie es jetzt weiter geht.

Das Auswandern war damals geheim,
und durfte zu der Zeit nicht sein.
Ein Spruch sagt: schau nach vorne nicht zurück,
vielleicht hast du ein wenig Glück.

Und dann ein Schreck, sie kamen nicht vom Fleck,
sie waren an einen Fluss angelangt.
Dann mussten sie schwimmen,
um das andere Ufer zu erklimmen.

Am andern Ufer angekommen, Gott Lob,
sie hatten es geschafft, mit viel Mut und Kraft.
Sie gingen in die Stadt hinein, denn sie hatten das Ziel erreicht,
das war nicht leicht.
Ihr Traum war in Erfüllung gegangen,
ein Leben in Deutschland neu angefangen.
Dann kam die Zeit, die Leute waren alle bereit auszuwandern,
einer nach dem andern.
Ein jeder hat einen Platz gefunden,
und kommen über die Runden.
nd 31. Oktober

 
Regina Pinnes, geb. Moodt


Siebenbürgen Land des Segens

Siebenbürgen, Land des Segens,
Land der Fülle und der Kraft
mit dem Gürtel der Karpaten
um das grüne Kleid der Saaten,
Land voll Gold und Rebensaft!

Siebenbürgen, Meeresboden
einer längst verflossenen Flut!
Nun ein Meer von Ährenwogen,
dessen Ufer waldumzogen
an der Brust des Himmels ruht.

Siebenbürgen, Land der Trümmer
einer Vorzeit stark und groß!
Deren tausendjähr'ge Spuren
ruhen noch in deiner Fluren
ungeschwächtem Acker Schoß.

Siebenbürgen, grüne Wiege
einer bunten Völkerschar!
Mit dem Klima aller Zonen,
mit dem Kranze von Nationen
um des Vaterlands Altar.

Siebenbürgen, grüner Tempel
mit der Berge hohem Chor!
Wo der Andacht Huldigungen
steigen in so vielen Zungen
zu dem einen Gott empor.

Siebenbürgen, Land der Duldung,
jedes Glaubens sicherer Hort!
Mögest du bis zu fernen Tagen
als ein Hort der Freiheit ragen
und als Wehr dem treuen Wort!

Siebenbürgen, süße Heimat,
unser teures Vaterland,
sei gegrüßt in deiner Schöne,
und um alle deine Söhne,
schlinge sich der Eintracht Band!

Leopold Maximilian, 1819-1894
Volkslied um 1848


In den Reichesdorfer Kirchenbüchern geblättert
(Abschrift)

Protokoll
Über die am 21 März 1915 unter dem Vorsitze des Ortspfarrers, Josef Fröhlich abgehaltene Sitzung des ev. Presbyteriums AB.

Anwesend
1 Peter Lang 125
2 Peter Untch 234
3 Andreas Nemenz 117
4 Simon Bruckner 112
5 Gustav Stolz

Abwesend
6 Andreas Nemenz 107
7 Andreas Alzner 110
8 Andreas Drotleff 122
9 Sefan Untch 129
10 Peter Kloos 43
11 Eduard Draser 106
12 Lorenz Nemenz 278

1. Vorsitzer: diese Sitzung ist zwar nicht beschlussfähig doch sind heute Sachen zu beschließen deren Entscheidungen an einen nahen Termin gebunden ist. So wollen wir dann in diesen Angelegenheiten einen Beschluß fassen und in der nächsten beschlußfähigen Sitzung genehmigen lassen. Wird zustimmend zur Kenntnis genommen.

2. Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und als wichtig abgefasst angenommen.

3. Vorsitzer liest die wichtigsten Erlasse und Rundschreiben, die seit der letzten Sitzung erschienen sind mit.
a. Unter Z. 611-1915 ist an alle Presbyterien der Erlass ergangen das Vermögen der Kirche einzubekommen das über 20.000 Kronen betrage und zwar zum Zwecke der Steuerbemessung.
Da das Vermögen nicht so hoch ist, so hat der genannte Erlass auf uns keinen Bezug
b. Unter Z.289-1915 ergeht an alle Presbyterien die Aufforderung, alljährlich in Zukunft, bis Ende Dezember, diejenigen Kinder die der politischen Behörde anzumelden, die wegen Geistesschwäche die Schule nicht besuchen. Wird zur Kenntniss genommen und Vorsitzer will hiervon das Lehrerkollegium in Kenntnis setzen.
c. Als wichtigsten Punkt hebt Vorsitzer hervor: Unter Z.775.1919 werden alle Presbyterien davon in Kenntnisheuer gesetzt daß heuer an allen Landschulen unserer Landeskirche die Schlußprüfung zu Ostern stattfinden hat. Nach der Prüfung können die Jahrgänge 7, 8,u 9 der weiteren Schulpflicht enthoben werden wenn es das Presbyterium es für notwendig erachtet. Ein diesbezüglicher Beschluß ist bis Ende März dem betroffenen Bezirkskonsistorium zu erbringen.
Kurator Peter Langmann.
Notwendig werden die großen Kinder bei der Feldarbeit jedenfalls sein, doch würde dies nicht angezeigt sein sie von der Schulpflicht zu entheben, denn es sind ja im Frühjahr viele Regentage, und es gibt doch auch noch dem Anbau Zeiten wo die Kinder schon zu entbehren sind. Daher geht mein Vorschlag dahin, die großen Kinder während der Arbeitszeit und auch nachher bei schönem Wetter von der Schule zu befreien, während sie bei eventuellem längerem Regenwetter die Schule besuchen sollen.
Die Anwesenden schließen sich diesem Vorschlage an und es wird selbiger einstimmig zum Beschluß erhoben. So sollen demnach noch der Schlussprüfung die Kinder des 7, 8, u. 9 Schuljahres nur anhaltendem Regenwetter die Schule besuchen während sie bei schönem Wetter bei der Feldarbeit mithelfen sollen.

4. Im Anschluße hiervon, berichtet Vorsitzer daß die vorjährige Agnethler Kindergärtnerin sich erhalten habe, auch heuer unter denselben Bedingungen wie im Vorjahr in unseren Dienst treten zu wollen. Nun ist es der Wunsch unserer Frauen, es möge heuer schon gleich nach Oster mit dem Kindergarten begonnen werden, damit sie von den kleinen Kindern in der jetzt so drigenden Arbeit nicht gehindert seien. Soll nun diesem Wunsche entsprochen werden und sollen wir die vorjährige Kindergärtnerin, deren gewissenhafte Arbeit wir alle kennen, wieder aufgenommen werden?

Z 5. Nach Auffassung des Vorsitzers wird eine Kommision zur Überprüfung der vorjährigen Kirchenrechnung gewählt, bestehend aus:

a Presbyter 1 Peter Lang 125
2 Peter Unch 234
Gustav Stolz 124
b Wirte 4 Johann Schaas
5 Johann Untch 239

Z.6. Kirchenvater Andreas Nemenz
Berichtet, daß die Kirchenstellen des
1 Michael Löprich an Andrea Alzner 115
2 Regina Schaas an Anna Alzner 11
3 Sara Weinrich 238 an Rosina Drotleff
4 Sofia Untch an Anna Drotleff 64
5 Rosina Untch an Sara Moosberger
vergeben worden sind - wird zur Kenntnis genommenZ.7. Vorsitzer fragt, was mit den alten Rebpfählen aus den Kirchenweingärten geschehen solle.
Die Anwesenden äußern sich dahin, es sollten die besten herausgesucht und an einem trocknen Orte aufbewahrt werden zur Nachsetzung im Kirchen und Pfarrweingarten. Die übrigen, unbrauchbaren sollten verkauft werden.
Darauf Schluss der Sitzung

Reichesdorf am 21 März 1915.
Des ev. Presbyteriums AB.
Andreas Nemenz 107 Fröhlich
Georg Meyndt
Schriftführer
s 30. April und 31. Oktober


 

Neujahrswunsch

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein können.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Elli Michler, Lyrikerin; 1923 - 2014


Geh unter der Gnade

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

Alte Stunden, alte Tage
lässt du zögernd nur zurück.
Wohlvertraut wie alte Kleider
sind sie dir durch Leid und Glück.

Neue Stunden, neue Tage ?
zögernd nur steigst du hinein.
Wird die neue Zeit dir passen?
Ist sie dir zu groß, zu klein?

Gute Wünsche, gute Worte
wollen dir Begleiter sein.
Doch die besten Wünsche münden
Alle in den einen ein:

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

Manfred Siebald, *1948, deutscher christlicher Liedermacher


 

 

 

Anzeigeschluss 30. April und 31. Oktober

 


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Schriftführer:  Susanna Riemesch  74226 Nordheim   Tel 07133/964816
Herausgeber des Boten:  Heinrich Maiterth 33332 Gütersloh Tel 05241/40407   
Internet Hans-Christian Hienz  91550 Dinkelsbühl webmaster@reichesdorf.de
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Ernst Kloos, Gustav Hügel, Hans-Christian Hienz, Harald Hügel, Heinrich Hienz, Heinrich Maiterth (Neuenstein), Heinrich Maiterth (Gütersloh), Heinrich Waffenschmidt, Hermann Hügel, Martin Alzner, Susi Riemesch, Werner Meyndt

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